VOIGTLÄNDER VITO & VITOMATIC KAMERAS

 

Diese Darstellung gliedert sich in 3 Teile: 
1. Die Vorläufer
2. Die
Vitomatic-Modelle
3. Die Bedienung der Vitomatic IIa

 

Die Bedienung der Voigtländer Vitomatic IIa

 

Einleitung:

So alte Kameras werden für viele potentielle Benützer ungewohnt sein; ungewohnt im Vergleich mit heutigen AF-Sucherkameras, AF-SLRs und digitalen Kompaktkameras.

Für sie daher diese kurze Erläuterung der Bedienung an Hand der Vitomatic IIa, wobei die Bedienung der übrigen Modelle sehr ähnlich ist.

 Vitomatic IIa mit Color-Skopar 3,5/50mm
© Peter Lausch/2002

Die Bedienungselemente:

An der Vorderseite des Objektivs in der oberen Abbildung die Entfernungseinstellung, die mit dem Entfernungsmesser gekuppelt ist. Das vom Entfernungsmesser (Fenster neben dem Sucher) erzeugte Bild wird durch Drehen an der Entfernungseinstellung mit dem Sucherbild zur Deckung gebracht - schon ist scharfgestellt. Heute ist häufig die Versilberung gealtert - die Doppelkontur ist nicht mehr so leicht erkennbar wie früher.

Als Objektiv ist in der Regel ein Color-Skopar 2,8/50 mm eingebaut, selten ein Ultron 2,0/50 mm (eine IIa mit Ultron ist daher annähernd doppelt so teuer als mit Color-Skopar). Beides waren seinerzeit ausgezeichnete Objektive und sind auch heute noch als sehr gut einzustufen. Mit den Gebilden, die heutzutage in manche AF-Sucherkameras auch namhafter Hersteller eingebaut werden, können sie sich allemal messen.

Zwischen Entfernungseinstellung und Gehäuse der Blenden- und der Zeitenring. Die richtige Zeit und Blende wird dem kleinen schwarzen Dreieck auf dem Ring dazwischen gegenübergestellt. Schon können Sie auslösen. Wissen Sie die richtige Kombination nicht, hilft der Selen-Belichtungsmesser. In diesem - siehe die untere Abbildung - kann man durch Drehen von Zeiten- und/oder Blendenring den Messzeiger mit dem Messkreis zur Deckung bringen. Die Belichtungsanzeige sieht man nicht nur von Oben unter der weißen Plastikabdeckung, sie wird auch in den Sucher eingespiegelt, sodass man, die Kamera am Auge, die Entfernung und die richtige Belichtung einstellen kann. Zwei linke Hände sind dabei nicht so günstig, aber mit ein wenig Übung ist es möglich, schnell und richtig einzustellen - prächtigen Aufnahmen steht nichts im Wege. 

Links am Zeitenring wird die Art der Synchronisation auf M und X gewählt, in Stellung V ist der Selbstauslöser zugeschaltet. Elektronenblitz wird in Stellung X verwendet, M ist für die heute nicht mehr erhältlichen Blitzgeräte für Blitzlampen gedacht. 

Apropos Blitzen: Der heute übliche Hot Shoe war noch nicht erfunden, die elektrische Verbindung zwischen Blitzgerät und Kamera muss mittels eines Synchronkabels erfolgen. Moderne Blitzgeräte sind dafür nicht mehr eingerichtet; es gibt als Zubehör entsprechende Kabeladapter. Und Blitzen war 1960 noch recht umständlich und mit Berechnung der passenden Blende an Hand der Leitzahl des Blitzes bei z. B. ISO 100 verbunden. Moderne "Computerblitze" ersparen diese Rechnerei und sind in Stellung A (nicht TTL) auch an der Vitomatic verwendbar. Es muss allerdings am Objektiv und am Blitzgerät dieselbe passende Blendenöffnung eingestellt werden, z. B. 5,6.

Am Blendenring links befindet sich das Fenster für die eingestellte Filmempfindlichkeit, die bei Bedarf durch Drehen des vorderen Teils des geriffelten Ringes (während der Sperrknopf an der Unterseite des Objektivs gedrückt wird) eingestellt wird.

 
Vitomatic IIa mit Color-Skopar 3,5/50mm von oben
© Peter Lausch/2002

Die Oberseite der Kamera wirkt aufgeräumt: keine Monitore, keine klitzekleinen Tasten, keine Drehrädchen mit Doppelfunktion etc., allerdings bietet die Kamera daher auch weniger Finessen

Der Rückspulknopf springt heraus, wenn die gezahnte Taste an der linken Seite des verchromten Oberteils nach hinten gedrückt wird - in der Abbildung nicht sichtbar. Durch diese Taste wird auch die Rückspulsperre gelöst - den heute dafür üblichen kleinen Knopf meist auf der Kameraunterseite sucht man vergeblich.

Auf diesem Rückspulknopf lässt sich die Art des verwendeten Films einstellen: Farbfilm für Tages- oder für Kunstlicht sowie SW-Filme. Die Einstellung ist funktionslos und hat bloß Erinnerungswert. Der Auslöser mit Gewinde für einen Drahtauslöser sitzt rechts vom Aufsteckschuh neben der Abdeckung des Sichtfensters für die Belichtungsmessung. Er lässt sich nur auslösen, wenn die Kamera mit Film geladen ist - eine Besonderheit, die beim Ausprobieren der Kamera beim Verkäufer wichtig ist. 

An der Gehäuserückseite der Schnelltransporthebel und der Einblick in den von Voigtländer so genannten Kristallsucher, der das Sucherbild im Maßstab 1:1 wiedergibt.

Am Kameraboden rechts das Stativgewinde, in der Mitte das manuell einzustellende Zählwerk und links davon die Klappe mit einem versenkten Hebel, mit dessen Hilfe die Klappe aufgeklappt wird, woraufhin die Rückwand aufspringt. Auf diese Weise ist ein bequemes Filmeinlegen in der üblichen Weise möglich. Danach stellt man am Besten gleich das Zählwerk ein und prüft an der Objektivfassung die eingestellte Filmempfindlichkeit.

Bedienung:

Bei geöffneter Rückwand wird die Filmpatrone in die Kamera eingelegt und der Filmanschnitt in den Schlitz der Aufwickelspule gesteckt. Ist dieser Schlitz nicht sichtbar, kann die Spule mittels des Transporthebels gedreht werden. Danach wird die Kamera geschlossen, mittels Rückspulknopf wird der Film in der Patrone gestrafft; danach wird dieser eingeschoben und der Film transportiert - der Rückspulknopf muß sich drehen. 2 Leeraufnahmen noch - und dem echten Fotografieren schöner Bilder steht nichts mehr im Wege.

Zwei Besonderheiten des eingebauten Belichtungsmessers mit Selenzelle gilt es zu beachten: zum Unterschied von den modernen CdS-Messzellen etc. haben solche Belichtungsmesser einen relativ großen Messwinkel, daher einen zu großen Anteil hellen Himmelslichtes zu vermeiden, indem die Kamera bei der Messung leicht abgesenkt wird. Zusätzlich sind solche Belichtungsmesser nach heutigen Begriffen relativ ungenau und sind die Selenzellen eher am Ende ihrer Lebensdauer - Fehlmessungen und Fehlanzeigen sind daher möglich. 

Die Hochzeit der Tochter sollte man nicht mit dem ersten Film in der neu gekauften Vitomatic IIa fotografieren! Aber das gilt sinngemäß für alle neu erstandenen Kameras mit diesem Alter.

Hinweis:

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© PETER LAUSCH/2004
Geändert am 8. März 2005

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