VOIGTLÄNDER VITO & VITOMATIC KAMERAS

 

Diese Darstellung gliedert sich in 3 Teile: 
1. Die Vorläufer, hier 
2. Die
Vitomatic-Modelle hier
3. Die Bedienung der Vitomatic IIa

 

Die Vorläufer der Voigtländer Vitomatic:

Der Höhepunkt in der langen Reihe ausgezeichneter Amateur-Sucherkameras der traditionsreichen deutschen Firma Voigtländer sind sicherlich die Kameras der Vitomatic-Reihe. 

Ungleich den Spiegelreflexkameras dieser Firma (Bessamatic, Ultramatic) waren sie auf der Höhe der Zeit, entsprachen dem Stand der Technik und - sind auch heute noch mit bestem Erfolg verwendbar. Dennoch gibt es Unterschiede: mit manchem Modell kommt mehr Freude auf als mit anderen. Auch darf man sich von ähnlich klingenden Namen nicht täuschen lassen, dahinter verstecken sich, bei sehr ähnlicher äußerer Form, unterschiedlich ausgestattete Modelle (so ähnlich die Namen klingen, Vito- und Vitomatic-Kameras sind verschiedene Produkte). 

Einige waren schon beim Erscheinen billig, an anderen ist die Zeit und die technische Entwicklung nicht vorbeigegangen. Und was heute als "Vito von Voigtländer" angeboten wird, trägt nur mehr den bekannten Modell- und Firmennamen und ist von Cosina in Japan oder sonstwo gefertigt. Nichts gegen Kameras von Cosina, die Firma hat einen guten Ruf und fertigt durchaus preiswerte Kameras mit preisangemessener Qualität, aber mit einer Vitomatic oder einer Vito BL lassen sich die heutigen Kameras aus Plastik nur schwer vergleichen. Schließlich haben auch Äpfel und Birnen außer dem sprichwörtlichem Unterschied einiges gemeinsam: essbar sind beide und beide wachsen auf Bäumen etc. .....

Zunächst die Ahnen und die beliebten Verwandten  
   
Um den Überblick über die verschiedenen, zum Teil einander auch noch recht ähnlichen Modelle zu gewinnen, muss man die Geschichte der gesamten Kamerareihe kennen, die mit der Kleinbildkamera Vito schon vor dem 2. Weltkrieg beginnt.

Die erste Voigtländer Vito (damals nicht, heute schon meist als Vito I bezeichnet) wurde 1939 als überhaupt erste Kleinbildkamera dieser Firma vorgestellt, wenn auch kriegsbedingt nur in geringer Stückzahl. In Aussehen und Technik entsprach sie dem Üblichen: eine Kleinbildkamera mit versenkbarem Objektiv, welches hinter einer seitlich angelenkten Klappe in den Kamerakörper versenkt werden konnte. Ausgestattet mit einem Skopar 3,5/50mm und einem Compur-Verschluss, fehlte ihr eigentlich nur ein Entfernungsmesser. Der damals übliche stark verkleinernde Durchsichtssucher ist im Gehäuseoberteil mittig untergebracht; rechts daneben befindet sich das manuell einzustellende Filmzählwerk mit Einblick von oben. Rechts und links an den Gehäuseoberteil sind Filmtransport- bzw. Rückspulrad angebracht. Wie damals üblich, befindet sich der Auslöser nicht im Gehäuse, sondern ist oben auf der Objektivklappe angebracht. Film- und Verschlussaufzug sind nicht gekuppelt, der Verschluss wird durch einen separaten Hebel an der Objektivfassung gespannt.

Eine lästige Besonderheit weist die Kamera auf: der Filmtransport erfolgt nicht durch ein heute - und damals auch - übliche Zahnrolle, deren Zähne in die Perforation eingreifen, sondern durch eine Druckrolle. Nach 60 Jahren funktionieren diese Druckrollen meistens nicht mehr zuverlässig. 

Die Vito ist dank ihrer Seltenheit und Urmutter aller Vitos heute eine gesuchte Kamera für Sammler und für die Vitrine. Mit etwa 80 Euro Durchschnittspreis ist sie letztlich auch gar nicht teuer. Für Aufnahmen ist sie wegen ihres Transportmechanismus nur sehr bedingt zu empfehlen.

Ab 1949 erzeugte Voigtländer eine Neuauflage. Äußerlich und innerlich unverändert, gab es die Vito mit unterschiedlichen Verschlüssen der dt. Firmen Deckel und Gauthier - mit unterschiedlichen Preisen - zu kaufen. Häufiger ist die Vito mit Prontor S von Gauthier (B, 1-1/300 Sekunde, voll synchronisiert) als mit dem vergleichbaren Compur-Rapid von Deckel. Als Objektiv wurde 1949 zunächst wiederum das Skopar 3,5/50 mm, das ab etwa 1950 durch ein verbessertes Objektiv ersetzt wurde. Eine solche Nachkriegs-Vito ist heute um ca. 60 - 70 Euro zu erstehen. das Color-Skopar 3,5/50mm. 

Die von 1955 - 1957 mit einem gefälligeren Gehäuse erzeugte Vito II weist als Besonderheit einen aufsteckbaren Sucherschuh auf, praktisch bei Verwendung eines Entfernungsmessers. Ab 1953 wurde dieser Zubehörschuh Standard und war nicht mehr abnehmbar. Ausgestattet mit Color-Skopar 3,5/50 mm war die Vito II mit verschiedenen Verschlüssen (zu verschiedenen Preisen) lieferbar, vom einfachen Pronto von Gauthier (B, 1-1/200 Sekunde + Selbstauslöser) bis zum vollsynchronisierten Synchro-Compur (B, 1-1/500 Sekunde + Selbstauslöser). 

Von 1955 bis 1957 wurde die Kamera mit einem gefälligeren Gehäuse erzeugt und hieß Vito IIa

Die Vito IIa hat erstmalig jene Gehäuseform, welche typisch für alle späteren Vitos und Vitomatics (ja, für den Großteil aller Voigtländer-Kameras) geworden ist - aber sie war noch immer eine Kamera mit versenkbarem Objektiv. Der Nachteil aller dieses Spreizenkonstruktionen ist, dass der Mechanismus mit der Zeit ausleiert, was zu unscharfen Bildern führt und dass ferner der Lederbalgen löchrig wird und während der Aufnahme Licht durchlässt, was zu Verschleierungen der Aufnahmen führt.

Die Vito IIa verfügt über einen in der Abbildung nicht sichtbaren Schnellschalthebel im Gehäuseoberteil; der Verschlussaufzug ist mit dem Filmtransport gekuppelt. Eingebaut wurde ein Synchro-Compur mit Lichtwerteinstellung oder Prontor SVS (beide B, 1-1/500 Sekunde + Selbstauslöser, vollsynchronisiert). Eine Vito IIa kostet heute um die 120 Euro, je nach Erhaltungszustand natürlich, wie immer bei Gebrauchtkameras.

Zwischen 1951 bis 1956 wurde die Vito III in der älteren Bauform, aber mit zusätzlichem  Entfernungsmesser und mit Ultron 2/50mm angeboten. Dadurch, sowie durch den unten angelenkten Gehäusedeckel ist sie auf Anhieb zu erkennen, aber selten zu finden, wurden doch nur ca. 15.000 Stück erzeugt. Für diese relativ seltene und sehr gefragte Variante sind daher je nach Erhaltungszustand leicht etwa 350 Euro zu bezahlen. Eine Vito III ist daher primär ein Sammelstück für die Vitrine, vor allem in schönem Zustand, obgleich dank des auch nach heutigen Standards sehr guten Objektiv und dank des eingebauten und gekuppelten Entfernungsmessers sehr schöne Aufnahmen auf wenig umständliche Weise möglich sind.

Vito B


1954 erschien die Vito B als erste einer Reihe von heute noch sehr gesuchten Kleinbildkameras. Hauptunterschied zu den Klapp-Vitos  ist das nicht mehr versenkbare Color-Skopar 3,5/50mm, die teurere Version mit einem Prontor SVS-Verschluss 1-1/300sec. und Selbstauslöser, aber wie alle Vitos (ausgenommen die Vito III) ohne Entfernungsmesser. 

Ab 1957 wurde dieses Modell mit einem einfachen aber größeren Durchsichtssucher geliefert, der das Bild im Maßstab 1:1 anzeigt, wodurch das Gehäuse entsprechend höher wird. 

Ergänzt wurde dieses Modell durch die Vito BL (geliefert zw. 1956 und 1960) mit Selen-Belichtungsmesser in zwei Varianten. Wirklich empfehlenswert ist nur die auf dem Bild gezeigte 2. Variante des Belichtungsmessers, die 1. Variante liefert nur ganze Belichtungswerte und ist damit einfach zu ungenau, um etwa Diafilm richtig zu belichten. Das wurde auch 1956 schon kritisiert. Wurde zunächst so wie in der Vito B nur ein einfacher Durchsichtssucher (mit Wiedergabe des Sucherbildes im Maßstab 1:1 eingebaut) haben die Modelle ab 1957 einen Kristall-Leuchtrahmensucher (Oirignalton Voigtländer), der eine eindeutige Festlegung der Bildränder gewährleistet. In der Einfachversion schneidet man - blickte man schräg durch - der lieben Tante etc. oftmals den Kopf ab. Das verringert die Dankbarkeit der Abgelichteten. Kaufen Sie sich daher nach Möglichkeit eine mit dem Kristall-Leuchtrahmensucher, seien Sie nicht unglücklich mit einer mit einfacher Glasscheibe, Sie müssen bloß ein wenig mehr Aufmerksamkeit dem Sucherbild schenken. Eine Vito BL sollte als "Dutzendkamera" max. 50 Euro kosten. 

Für Käufer, denen ein Entfernungsmesser anstatt des Belichtungsmessers wichtiger schien, war von 1958 bis 1960 die Vito BR lieferbar. Für die Vito BL wie auch für die Vito BR gab es wahlweise auch ein Color-Skopar 2,8/50mm, heute die beliebtere Variante. Die Vito BR verkaufte sich nicht gut, vielen Käufern schien der Belichtungsmesser wichtiger und sie wollten die Vito BL. Heutzutage sind die Selenzellen von damals meist am Ende ihrer Lebensdauer angelangt und Ersatzteile gibt es keine mehr. 

Ich würde mir daher, hätte ich die Wahl, heute die Vito BR und dazu einen aufsetzbaren CdS-Belichtungsmesser kaufen, wie es ihn neuerdings unter dem Markennamen Voigtländer wieder gibt - von Cosina (Voigtländer VC-Meter) oder aber gleich einen Handbelichtungsmesser (möglichst mit Lichtmessung) benutzen.

Die Kombination von Belichtungsmesser und Entfernungsmesser erschien erst 1963 als Modell Vito CLR, das bis 1968 erzeugt wurde. Wie bei allen Modellen der Reihe Vito C gibt es auch bei diesem Modell Varianten mit einem Color-Lanthar: das war als 3-Linser billig (das Color-Skopar besteht aus 4 Linsen; daher sind die jedem Objektiv eigenen Fehler besser korrigiert), fiel aber schon damals gegenüber dem Color-Skopar in der Qualität deutlich ab. In den letzten Jahren vor dem Untergang der Firma gab es eine Reihe von Vito Automatic-Modellen, die meisten mit dem Color-Lanthar und zum Teil mit Programm-Automatik. Diese Kameras sollte man gebraucht eigentlich nicht mehr kaufen. Als Sammelobjekte eignen sie sich nicht, sie sind zu häufig, und beim Fotografieren machen sie wenig Spass.  
    Wollen Sie mit einer klassischen Sucherkamera aus dieser Zeit fotografieren, überlegen Sie sich doch den Kauf einer Canon Canonet GIII 17 QL - oder aber gleich eine Vitomatic. 

2. Teil: die Voigtländer Vitomatic  3. Teil: Bedienung

 

 

© PETER LAUSCH/2004
Geändert am 8. März 2005

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