|
|
|
Voigtländer Vitessa 1953 erschien die Voigtländer Vitessa auf dem deutschen Markt. Die Vitessa stellte den Versuch dar, unter Beibehaltung der traditionellen Bauart einer Kleinbildkamera mit versenkbarem Objektiv die Aufnahmebereitschaft zu erhöhen und ein modernes, unverwechselbares Design einzuführen. Das ist sicherlich gelungen und das machte seinerzeit die Vitessa zu einer gelungenen Schnappschusskamera. Neben dem auch heute noch ansprechenden
Äußerem bot die Vitessa allerdings viel Qualität und stellt eine der
gelungensten Schöpfungen in der langen Geschichte der Kameras von
Voigtländer dar.
Das tut sie, nachdem man den Auslöser
leicht (gefühlvoll) niederdrückt. Dann öffnet sich die zweiteilige
Klappe, die in geschlossenem Zustand das Objektiv schützt, das
Objektiv springt durch Federdruck in die richtige, gerastete
Aufnahmeposition (bei den heute schon alten Exemplaren hilft man
gelegentlich nach) und nach jeder Aufnahme transportiert ein Druck
auf die Stange den Film weiter und spannt den Verschluss neu.
Was aufs Bild kommt, zeigt ein Sucher mit
Parallaxenausgleich (1953 eine Seltenheit), in dem auch das
Messsucherbild eingespiegelt ist (bei den damals noch erzeugten
Schraubleicas und bei den vielen anderen Kameras (wenn sie überhaupt
mit einem Entfernungsmesser ausgestattet waren) wurde einem dieses
Vergnügen nicht gegönnt: entweder war der Entfernungsmesser
überhaupt nicht gekuppelt und die gemessene Entfernung musste
manuell am Objektiv eingestellt werden, oder aber der
Entfernungsmesser wurde im Wege einer gesonderten Einblicksöffnung
eingestellt - wie bei den damaligen Leicas mit Schraubgewinde.
Im Lauf der Zeit gab es verschiedene Modelle der Vitessa. Die älteste Variante (gebaut 1953) hat
keinen Zubehörschuh, dafür aber ein Ultron 2/50 mm serienmäßig; alle
späteren Varianten haben einen Zubehörschuh, 1957 erschien dann eine Variante mit
Entfernungsmesser und Selen-Belichtungsmesser. Diese Variante gab es
mit zwei unterschiedlichen (nicht auswechselbaren) Objektiven: dem
(häufiger verkauften, weil billigeren) Color-Skopar 2,8/50 mm und
wiederum eine mit dem ausgezeichneten Ultron 2,0/50 mm. Daran
erkennt man die spätere Variante gegenüber der ab 1955 lieferbaren
Variante. Diese Kameras findet man häufig unter der Bezeichnung
Vitessa IIIL im Gebrauchthandel. Im selben Jahr wurde die preiswerteste
Variante (Vitessa mit Color-Skopar 3,5/50 mm ohne Belichtungsmesser)
noch ein letztes Mal aufgewertet, indem ein
Synchro-Compur-Verschluss mit Lichtwerteinstellung eingebaut wurde.
Sie wird häufig als Vitessa IIIN bezeichnet. Dieses Modell sehen Sie
in der Abbildung ganz oben. Das ist auch die
Variante, die ich
besitze. Nur böse Menschen denken anderes: Das relativ tief in das Gehäuse reichende 6-linsige Ultron ließ sich nicht einbauen, weil es mit dem Verschluss kollidiert hätte. Übrigens lassen sich an der Vitessa T nicht nur die vorgenannten Objektive verwenden. Denn Verschluss und Bajonettfassung beruhen auf einem Entwurf der Fa. Deckel (Compur-Verschlüsse), welche denselben Entwurf auch noch an die Fa. Carl Braun Camerawerk in Nürnberg verkaufte. Diese wiederum baute die Braun Colorette II, IIBL oder IIL, kaufte indessen die Objektive zu. So lassen sich alle Objektive zur Colorette auch an der Vitessa T verwenden und umgekehrt. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie daher eine Vitessa T unter anderem mit Objektiven wie dem Rodenstock Eurygon 4/35 mm, dem Schneider Xenar 2,8/50 mm, dem Steinheil Culminar 2,8/50 mm oder dem Scheider Tele-Arton 4/85 mm finden. Der starre Tubus anstelle des aufklappbaren
zweiteiligen "Scheunentors" der Vitessa hatte seine Vorteile: wie
die Werbefritzen das 1956 nannten, eine "elegante und moderne
Linienführung" und offensichtliche Solidität. Auch war infolge des
"Hinterlinsenverschlusses" bei dieser Kamera der Wechsel der ganzen
Objektive möglich, während die Konkurrenz (namentlich Kodak mit der
Retina und Zeiss mit der Contaflex) sich mit dem Austausch der
wechselbaren Vorderglieder ihrer Objektive begnügen mussten, saß bei
diesen Kameras der Verschluss doch zwischen den Linsen. Im Gebrauchtwarenhandel bekommen Sie dennoch
die Vitessa T viel leichter als die Vitessa. Vor allem gut erhaltene
Exemplare der Varianten mit Ultron 2,0/50 und noch ohne Zubehörschuh
(die Originalsausgabe von 1953) sind extrem selten und kosten um
Euro 450.- in schönem Zustand, spätere Varianten kosten um Euro
200.-, mit Ultron um Euro 300 bis 400, je nach Erhaltungszustand. Vitessa-Modelle gab es bis ca. 1970, zum
Schluss solche für 126-Filme, mit einfachem Verschluss und besseren
Brillengläsern als Objektiv (Voigtar genannt). Sie sind allesamt
nicht mehr der Rede wert und haben mit der Vitessa, von der ich
rede, nur mehr den Namen gemein. Kameras mit dem traditionsreichen Namen
Voigtländer werden heutzutage von Cosina gefertigt. Da nicht nur der
Name Voigtländer verscherbelt wurde, sondern auch die traditionellen
Objektiv- und Kameranamen gibt es heute z. B. Ultron-Objektive ,
Voigtländer Bessa-Modelle mit oder ohne Sucher für Objektive mit der
alten Schraubfassung der Leica (M39) oder mit Bajonettfassung für
die Leica M Modelle aus Japan.
|
|
© PETER LAUSCH/2004 |
| Hinauf |