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Ploumanach und Trégastel

22. Mai 2001
  
  
Am Morgen fahre ich vom Strand von Tréstriguel weg, aber nicht weit. Nochmals nach Ploumanach, sehe die Kapelle des Hl. Guirec im Morgenlicht, mache einige Aufnahmen und trödle auf dem kleinen Plage de la Bastille ein wenig herum. 
   Auf der Insel Didi Hallervordens werden auf der Terrasse Sonnenschirme aufgespannt, ich stelle mir vor, er und ich stünden einander sozusagen gegenüber. Ob er viel Wert auf mich legen würde, weiß ich nicht, mich selbst würde die Bekanntschaft schon interessieren. Man sagt den Komikern nach, sie seien im wirklichen Leben ganz ernsthafte Menschen, gar nicht lustig und dauernd witzelnd. Wäre ja schließlich auch zu viel verlangt.
   Das Wetter ist zwar schön, aber warm ist die Luft durchaus nicht. In der Sonne ist es gerade auszuhalten, im Schatten friere ich. Insbesondere deshalb, weil ich voll Übermut - angesichts des Herrn Hallervorderns? - Schuhe und Socken ausziehe und bis zu den Knien ins Wasser wate. Weiter nicht, es reicht. Danach sitze ich dann eine Stunde in der Sonne unbequem auf einem Felsen, bis ich endlich wieder aufgewärmt bin.
   Anschließend fahre ich nach Trégastel weiter, einige Kilometer nur. Am ersten Strand, zu dem ich komme, lasse ich mich nieder. Eine weite Bucht, einige Boote vor Anker oder im Schlamm, da Ebbe. Ich setze mich auf eine Bank, hinter mir ein staubiger Parkplatz, auf dem ein Wahnsinniger Bremsproben mit seinem Auto macht. Schließlich verschwindet er unter Bäumen, dort, wo es anscheinend schattige Parkplätze gibt. Auf meiner Bank gefällt es mir nicht sehr, ich steige ins Auto und fahre unter die Bäume. Parkplätze gibt es dort nicht, Schatten schon, Pech. Ich fahre daher weiter und komme zu einem großen Parkplatz in den Dünen; dort überlege ich, das Auto abzustellen, aber eigentlich, außer mit Gras bewachsenen Dünen und einem Wohnwagen voll mit Holländern ist wenig zu sehen. Ist das heute nicht mein Tag, denke ich und fahre zurück zur Hauptstraße von Trégastel. Nach 2 Kilometern komme ich zu einem weiteren Parkplatz, einigen alten Hotels, denen man das Alter deutlich ansieht und einem Aquarium, von dem man nicht viel sieht, weil es großteils in unterirdischen Grotten untergebracht ist. Im Aquarium soll es Fische zu sehen geben, wie das halt meist in Aquarien so ist, aber ich kann das nur vom Hörensagen weitergeben: In der Mittagszeit ist das Etablissement in der Vorsaison geschlossen. Dafür gehe ich bis zum Strand vor: der ist schön und heißt Plage du Coz-Pors. Der breite Strand ist durch ein bizarres Felslabyrinth vor den Wellen geschützt (bei Ebbe, wie jetzt, ist der Schutz entbehrlich, aber dennoch da, was mich an Österreichs Bundesheer erinnert).
   Sagen Sie nicht, falls Sie nach Trégastel kommen, das ist ein schöner Steinhaufen, das ist er technisch nämlich nicht. Granit ist zwar recht beständig, aber steter Tropfen höhlt den Stein und die Brandung in 100.000 Jahren schafft das Gleiche. Umkleidekabinen gäbe es, alles zu. In den wenigen Lokalen kaum Betrieb. Das Hotel Armoric macht einen recht verlassenen Eindruck. Das Hotel Beausejour schaut weniger verlassen aus, es gibt im Erdgeschoß ein kleines Café. 
   Dort sitzen an einem Tisch sogar zwei Leute in der Sonne. Ich beschließe, mich dort hinzusetzen und zu essen, aber vorerst wandere ich eine Weile über den festen Sandstrand, eine Hang hinauf und stehe auf einer nach Norden leicht abfallenden Düne mit dem Parkplatz samt Holländern, die jetzt nicht mehr im, sondern vor dem Wohnmobil sitzen. Da merke ich, dass ich vom Parkplatz aus hätte weitergehen können auf die Halbinsel Renot, mit Picknickplätzen unter Kiefern und einem weiten Sandstrand. Beim nächsten Mal sicher.
   Statt dessen fahre ich nach dem Essen noch ein Stück weiter nach Westen. Ich sehe sie nicht, aber ich weiss, hinter den Häusern muss sie sein, die Grève Blanche, dem schönsten Sandstrand von Trégastel. Die Fahrt durch den Ort endet auf einem weiteren staubigen Parkplatz, der mir so gar nicht zusagt. In einer Seitenstraße stelle ich das Auto unter Bäumen auf einer veritablen kleinen Sanddüne auf, überklettere diese (einen Meter hoch) und bin an einem wunderschönen Strand. Greve Blanche. Bloß weht ein geradezu stürmischer Wind und lässt Sandkörner zwischen meinen Zähnen knirschen. Gut für den Fotoapparat, daher gehe ich um eine Häusergruppe zum nächsten Strand, Grève Rose, auf dem ich mich, da windgeschützt und nach Süden hin orientiert, niederlasse. An einen Stein gelehnt, wird mir bald warm; den ringsumher liegenden Französinnen ist anscheinend noch viel wärmer um die Brust gewesen, ich tue es ihnen - unvollkommen - nach und platschkere schließlich, als ganz langsam die Nachmittagsflut einsetzt, bloßfüßig bis zu den Knien im Wasser. Im flachen Wasser ist die Temperatur erträglich.
   Zu meinem Felsen zurückgekehrt, mache ich ein kleines Nickerchen, werde gegen 17 Uhr wach und brauche einen Augenblick, mich zu orientieren: Kein weiter Sandstrand mehr, mit einzelnen Felsgebilden, sondern ein vielleicht zwanzig Meter breiter Strand: die Flut ist da. Ich bin einer der letzten Badegäste, alles packt zusammen: ich finde zwar, es ist gerade jetzt eine sehr schöne Stimmung, kein Wind, die Sonne wärmt angenehm, man hat nicht weit zum Wasser, aber die Damen und Herren haben allesamt anscheinend genug. Vielleicht lockt auch das Abendessen.
   Ich habe noch nicht genug für heute, fahre noch die 20 Kilometer bis Trebeurden weiter, stelle das Auto beim Hafen ab, bewundere die vielen Segel- und Motorjachten  und betrachte von einer Landzunge aus das Treiben auf Trébeurdens schönstem Strand, dem Plage de Tresmeur. 
   Auf der Rückfahrt nach Perros-Guirec komme ich - noch in Trébeurden, denke ich - an einem Campingplatz vorbei, auf dem Plätze frei sein müssen, wie es ausschaut. Also fahre ich an der Anmeldung vor, parke das Auto. Tatsächlich, der Camping de l´Esperance ist geöffnet, aber praktisch ohne Gäste. In der Anmeldung neben dem offenen Schranken sage ich in meinem besten Französisch, ich wolle eine Nacht bleiben, worauf der Herr hinter der Theke sich umdreht, in den Kühlschrank greift und mir eine Flasche Bier herstellt. Danke sehr, meine ich, aber ich wolle kein Bier, ich wolle ein Zelt aufstellen und eine Nacht bleiben. Es wird ein wenig mühevoll, aber mit vielem Gestikulieren und fünf englischen Worten versteht er, dass ich genau das will, wozu ein Campingplatz da ist: ein Zelt aufstellen und mein Auto daneben hinstellen - eine ganze Nacht lang. Und nur eine Person bin ich, ja. Zahlen soll ich sogleich und wie heiße ich? Ich solle doch meinen Pass bringen. Tue ich. Er will keine Passnummer, keine Nationalität, dass ich kein Kulturmensch bin, sieht er ja ohnehin und woher die Barbaren kommen, ist ihm egal. Das sagt er, Kulturmensch, natürlich nicht. Den Pass will er auch nur, damit er meinen Namen richtig auf die Rechnung schreiben kann. Anschließend geht er mit mir auf die Wiese und sagt mir, ich könne mich hinstellen, wohin ich wolle. Die Stellplätze, offenkundig für Wohnwagen oder Wohnmobile, sind durch mannshohe Hecken abgeteilt, ich suche mir einen Platz in der zweiten Reihe aus, Blick auf die Strasse. Schräg gegenüber, aber in gebührender Entfernung, wohnt ein französisches Ehepaar im Wohnwagen mit Vorzelt und Grill. Ich werde besichtigt.
   Jetzt gilt es. Man will sich ja nicht blamieren. In Wien habe ich vor der Abreise um umgerechnet DM 50.- ein Zelt erstanden, für 2 Leute, schaut aus wie ein Iglu und ist rot. Klein zusammengefaltet liegt es in einer ebenfalls kleinen Tasche im Kofferraum. Dieses Zelt hole ich heraus, ziehe es aus der Tasche, lege es auf den Boden auf. Die Fieberglasstangen stecke ich zusammen, hake sie je an einer Ecke in einer Öse fest und biege sie aufwärts, damit ich eine nach der anderen in der entsprechenden Öse auf der gegenüberliegenden Seite befestigen kann. Sie haben schon einmal ein Zelt aufgebaut, aufgespannt oder wie man dazu sagt? Sie kennen das? Ich nicht. Jedenfalls nicht bis zu diesem Abend.
   Wider Erwarten gelingt das Vorhaben. Sogar Heringe habe ich mit einem extra mitgebrachten Hammer in den Boden eingeschlagen, Spannleinen befestigt - steht so in der Aufbauanleitung. Sogar einen Heringsauszieher oder wie man das nennt, habe ich dabei, aber den brauche ich erst am Morgen, damit ich die Heringe auch wieder aus dem Boden herausbringe.
   Klein schaut es aus: so 2,20mx1,50m. Putzig. Dreimal gehen die beiden Mitcamper zufällig am Ergebnis meiner Bemühungen vorbei, bemühen sich aber, nicht neugierig zu wirken. Sei's drum.
   Eine Schaumstoffmatte habe ich auch, damit ich nicht so hart liege, und einen Schlafsack, damit mir nicht kalt wird.
   Das Werk vollbracht, mache ich einen kleinen Spaziergang. Dabei entdecke ich, dass ich zwar spazieren gehen kann, aber nirgends hinkomme. Der Platz liegt zwischen zwei Ortschaften. Nirgends hinzukommen macht wenig Spaß, ich setze mich vor mein Zelt statt dessen und lese im Reiseführer. "Heckeneingefasstes Gelände, mittelprächtige Sanitäranlagen, vor dem Platz Autobushaltestelle", lese ich. Der Strand jenseits der Strasse eigne sich nur bedingt zum Baden. Habe ich gesehen: dreckig und mit dichtem grünem Algenteppich. Brrr.
   Mir reicht es, ich gehe schlafen.
   Dass eine Wiese so hart sein kann, merke ich erst in dieser Nacht. Und kalt wird es trotz Schlafsack. In der Nacht überkommt mich ein Bedürfnis. Wie entsteigt man würdevoll einem solchen Zelt? Ich weiß es nicht. Als ich mich aufsetze, streife ich an etwas patschnasses. Die Zeltwand ist mit Wasser beschlagen, was heißt, sie trieft. Im Dunkeln fummle ich eine Weile am widerspenstigen Reißverschluss. Ihn geöffnet, bläst der Wind ungehindert in mein Zelt. Ich knie mich hin im Zelt, stecke eine Hand hinaus und auf die taufeuchte Wiese. Brrr. Die zweite Hand mit demselben Ergebnis. Als ich mich aufrichte, streife ich an der nassen Zeltwand. Brrr. Ich lasse es bleiben und stütze mich mit dem Knie ins Gras. Nass und kalt. Brrr. Dann stehe ich auf und stehe schließlich, blossfüßig natürlich, im nassen Gras. Brrr. Eilig darf man es beim Verlassen eines solchen Zeltes nicht haben, oder es gibt einen Trick, den ich nicht kenne. Der Einstieg ins Zelt erfolgt in sinngemäß gleicher Weise.

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©  Peter Lausch
Zuletzt geändert am 18.1.2009