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Straßen und Straßenverkehr in Irland
Immer mehr Urlauber fahren mit dem eigenen Wagen nach Irland; dank der
niedrigen Flugtarife mieten sich auch immer mehr Urlauber in Irland
einen PKW; beide Gruppen stürzen sich sodann in den irischen
Straßenverkehr.
Lassen Sie sich daher von mir einige Tipps geben, damit Sie einen
solchen Urlaub unbeschadet überstehen und auch ihr Auto wieder ganz und
heil zurückbringen bzw. dem Vermieter zurückgeben können.
Das Wichtigste zuerst:
In Irland gibt es zwei voneinander völlig verschiedene
Verkehrsvorschriften:
Irische Straßen
Irland ist bis vor wenige Jahrzehnte dank entsprechender Bemühungen der
britischen Regierung ein wirtschaftlich zurückgebliebenes Land gewesen.
Seit einiger Zeit geht es zwar wirtschaftlich bedeutend aufwärts, aber
einige grundlegende Schwachstellen sind immer noch vorhanden.
1.
Manchmal begegnen sich bei ihren Wanderungen zwei Kühe. Damit sie
einander bequem ausweichen können, sind die Wege so breit wie 2
trächtige Kühe. Das ist praktisch, denn das entspricht in etwa der
Breite eines Kleinwagens. Den Kühen macht es nichts aus, dass ihre Wege
schlammbedeckt und sozusagen grundlos sind, den Autofahrern schon –
außer sie haben ein so genanntes SUV, was die wenigsten Iren besitzen.
Daher hat die irische Regierung mit finanzieller Hilfe der EU (insbes.
Deutschlands und Österreichs als den größten Nettozahlern) schon vor
vielen Jahren begonnen, die meisten Boreens mit einer dünnen
Schotterschicht zu bestreuen. Anschließend wird der Schotter von Hand
aus (auch deshalb gibt es in Irland so wenige Arbeitslose) mit Teer zu
beschmiert. Danach wird händisch eine ebenfalls dünne Schicht
scharfkantiger kleiner Granitsplitter mit dem schönen Namen <Chippings>
auf den Teer geschüttet. Sodann wird die Straße für den Verkehr
freigegeben. Ein Teil der losen Chippings wird daraufhin durch die
Reifen der darüber rollenden Autos in die Unterlage eingepresst – dieses
Endstadium der Bauarbeiten wird durch das Gefahrenzeichen <Loose
Chippings> angezeigt. Die nicht in den Teer eingepressten Chippings
werden von den Reifen der Autos hochgeschleudert und landen vorzugsweise
auf den Windschutzscheiben nachfolgender Kraftfahrzeuge. Dort beenden
sie häufig die Lebensdauer der Scheiben.
Damit Kühe und andere Benützer solcher Boreens nicht vom rechten Weg
abkommen, bauen irische Bauern rechts und links der Boreens aus den auf
den Feldern ohnehin nutzlos umherliegenden Steinen 1 bis 2 Meter hohe
Mauern. Sollten die Steine ausnahmsweise fehlen, werden Hecken
gepflanzt, die denselben Zweck erfüllen.
Die wenigsten Boreens sind Einbahnstraßen, obgleich sie alle nicht viel
breiter als ein PKW sind. Der Autofahrer muss daher immer und überall
mit Gegenverkehr rechnen, sei es mit entgegenkommenden Kühen, die mit
den – offiziellen und den inoffiziellen – Verkehrsregeln nicht vertraut
sind, sei es mit entgegenkommenden PKWs und überbreiten LKWs.
Nur selten werden Boreens so schmal, dass man mit dem PKW zwischen den
Mauern bzw. Hecken nicht mehr durchkommt. In diesem Fall ist man bei der
letzten Kreuzung falsch abgebogen – siehe den nachfolgenden Hinweis:
Verkehrszeichen in Irland.
Kommt einem ein Fahrzeug entgegen, heißt es bremsen und möglichst knapp
an das linke Mäuerchen bzw. die Hecke heranfahren, damit man am anderen
Fahrzeug vorbeikommt. Sollte dabei ein Knirschen oder Kratzen auf der
linken Fahrzeugseite zu hören sein, ist der Minimalabstand zu Mauer oder
Hecke nicht eingehalten worden. Das kommt teuer, die Stundenlöhne der
Mechaniker sind hoch. Beim nächsten Mal daher besser aufpassen.
Sollte das Knirschen oder Kratzen indessen von rechts kommen, ist der
Boreen einfach zu schmal gewesen. In diesem Fall hilft nur, sich durch
beherztes Gasgeben vom anderen Fahrzeug zu trennen. Zur Vermeidung
unnötigen Ärgers wird empfohlen, dass die beteiligten KFZ-Lenker vorher
über die beabsichtigte Maßnahme absprechen.
Ist es auf diese Weise nicht möglich, aneinander vorbeizukommen, hilft
nur, seitens des im Nachrang befindlichen Lenkers mit dem Auto solange
zurückzusetzen, bis der Boreen bei einem Kuhgatter etc. breiter wird.
Nachrang hat übrigens immer der Lenker des kleineren Autos!
Kühe hingegen haben immer Vorrang. Kommt einem eine Kuh entgegen, ist es
angezeigt, rechtzeitig die Seitenscheiben hochzukurbeln, damit sie den
Kopf nicht ins Auto stecken kann. Nicht jeder empfindet es als angenehm,
von einer neugierigen Kuh mit nasser Zunge abgeschleckt zu werden.
2.
Durchgangsstraßen heißen heutzutage National Roads, früher Trunk Roads.
Auch hier gilt, ob N-Road oder T-Road ist nicht wichtig, wichtig ist
ausschließlich die nachfolgende Nummer. Durchgangsstraßen unterscheiden
sich meist, aber durchaus nicht immer, durch die Breite von den
gewöhnlichen Boreens, keinesfalls aber durch die Qualität des
Straßenbelags. Alle Boreens und Straßen sind daher in der Sprache der
Einheimischen <bumpy roads>. Frei übersetzt, auf allen Straßen Irlands
beutelt es einem die Seele aus dem Leib.
3.
4.
Außer von Autos werden sie von Passanten zu Fuß, auf dem Fahrrad und auf
Pferden, sowie ferner von Kühen, Schafen, Katzen und Hunden benützt.
Links von den beiden Fahrstreifen in jeder Richtung (daher: dual)
findet sich ein Pannenstreifen. Dieser ist mit allerlei Schutt, Müll,
vor allem aber mit Glasscherben bedeckt und weist in unregelmäßigen
Abständen tiefe Schlaglöcher auf.
Auf diesen Pannenstreifen hält man nicht bei Pannen an, sie heißen daher
auch nicht so, sondern <hard shoulder>. Auf ihnen parkt man sein Auto,
sofern man neben der Straße wohnt oder einen Pub etc. besucht.
Zwischen beiden Fahrtstreifen in jeder Fahrtrichtung befindet sich eine
Leitlinie. Irischen Autofahrern ist es immer - nicht nur bei Nebel -
erlaubt, genau auf dieser Leitlinie zu fahren – deshalb heißt sie ja
Leitlinie. Nur Ausländer fahren auf dem linken Fahrstreifen und
überholen rechts – in Irland herrscht für Ausländer Linksverkehr.
Iren sind ein gläubiges Volk. Sie sind außerdem ein höfliches Volk.
Werden irische Autofahrer ausnahmsweise, denn es ist lebensgefährlich,
überholt, weichen sie – gelegentlich – auf einen allenfalls vorhandenen
Pannenstreifen aus. Das erspart dem Überholenden den Wechsel auf die
rechte Fahrspur. Solcherart beweisen die Überholten ihr Vertrauen in die
Güte Gottes, der ihnen eine Reifenpanne infolge einer Schraube, eines
Nagels oder einer Glasscherbe auf dem Pannenstreifen ersparen wird. Das
Vertrauen ist nicht immer gerechtfertigt, leider.
Hat man glücklich überholt, bedankt man sich beim Überholten durch
Betätigung der Warnblinkanlage. Ist er indessen nicht auf den
Pannenstreifen ausgewichen, zeigt man ihm beim Überholen deutlich
sichtbar die geballte Faust, damit er weiß, was man von ihm hält.
Verkehrszeichen und Wegweiser auf irischen Straßen
Die Verkehrszeichen entsprechen mit geringen, leicht erkennbaren
Abweichungen im Wesentlichen den bei uns üblichen. An die Abweichungen
gewöhnt man sich rasch. Wer ein weißes rot umrandetes und auf der Spitze
stehendes Dreieck mit der Aufschrift <YIELD> nicht als Nachrangtafel
erkennt, dem ist gemeinhin nicht zu helfen.
Wegweiser weisen, selten durch Sturm, meist durch humorvolle Iren
verdreht, vor allem bei Kreuzungen häufig in die falsche Richtung.
Nehmen Sie es gelassen. Sie kommen dann zwar nicht dorthin, wohin Sie
wollen, aber Irland ist ein schönes Land. Sie fahren auf diese Weise
durch Landstriche, die Sie ansonsten nicht gesehen hätten.
Alle amtlichen Wegweiser sind zweisprachig, die Namen der Ortschaften
sind mit ihrem englischen und ihrem irischen Namen angegeben. Zwar
sprechen nur 5 % der Iren daheim Irisch, der Rest lernt es ergebnislos
in der Schule, aber mir sind schließlich stolz auf unsere irische
Sprache, oder?
In bestimmten Gegenden, vor allem in der Gaeltacht, sollen tatsächlich
die Leute leben, die Irisch im Alltag verwenden. Dort leben in
Personalunion auch die Scherzbolde, welche die englischen
Ortsbezeichnungen auf Ortstafeln und Wegweisern schwarz übermalen. Auch
durch diese Maßnahme wird im Interesse der Förderung des Tourismus in
Irland sichergestellt, dass die Touristen ihnen sonst allenfalls
verborgene Schönheiten des Landes kennen lernen, die in keinem
Reiseführer erwähnt werden. Auch lernen die Touristen dadurch ein wenig
Irisch, weil ja ihre Straßenkarten nur die englischen Bezeichnungen
enthalten.
Parken auf Irlands Straßen:
2 durchgehende gelbe Linien am Straßenrand bedeuten für Ausländer
absolutes Park- und Halteverbot. Eine gelbe Linie bedeutet Parkverbot
für Ausländer an Werktagen. Achtung: Diese Regeln gelten ausdrücklich
nur für Ausländer.
Irische Autofahrer parken hingegen wo immer sie wollen. Ist der Platz am
Straßenrand bereits von anderen Autos belegt, parkt man auf der
Fahrbahn. Geht man bloß auf ein <schnelles> Bier, lässt man die
Fahrertür sperrangelweit offen und den Motor laufen. Nachfolgende
Autolenker wissen dann, sie müssen nicht lange warten.
Diese Regel gilt jedoch nur auf dem Land. In Dublin und Galway und zu
bestimmten Tageszeiten in Limerick ist sie im Hinblick auf die große
Zahl potentieller Autodiebe nicht gültig.
Ist die Fahrertür geschlossen, der Motor abgestellt, dafür die
Warnblinkanlage eingeschaltet, signalisieren irische Autolenker, man
müsse sich auf längere Wartezeiten gefasst machen. Gott hat die Zeit
gemacht, von Eile hat er nichts gesagt, heißt es daher unter
Verkehrsteilnehmern in Irland.
Benutzt man als Ausländer einen Mietwagen mit irischen Kennzeichen,
gelten die vorgenannten Regeln fürs Halten und Parken mitten auf der
Fahrbahn auch für den Ausländer.
Verkehrsampeln
Die roten, gelben und grünen Lichter haben, ausgenommen für Ausländer,
nur Empfehlungscharakter. Grundsätzlich gilt: bei gelbem Licht der Ampel
möglichst beschleunigen, damit man die Kreuzung passiert, wenn die Ampel
auf Rot schaltet.
Ausländer in Mietwagen mit irischen Kennzeichen sind auf Anhieb nicht
als Ausländer erkenntlich. Indizien für den Kundigen sind jedoch der
ganz neue Kleinwagen und ein Durchschnittstempo von ca. 20 km/h. Jedoch
fahren auch viele Iren mit max. 20 km/h, vor allem nach ausgedehntem
Besuch eines Pubs.
Im Zweifel gelten deshalb auch für Ausländer bei Verkehrsampeln die
Regeln für Irländer. Das ist für den Ausländer auch deshalb besser, denn
wenn Sie ihr Gefährt mit irischem Kennzeichen bei Gelb anhalten, bringen
Sie den nachfolgenden Iren aus der Fassung. Ein solches fremdländisches
Verhalten ist häufig die Ursache von Auffahrunfällen vor ampelgeregelten
Kreuzungen.
Kreisverkehre (Verkehrskreisel)
Der Bau von Verkehrskreiseln ist auch in Irland große Mode. Das
Verhalten bei der Einfahrt in denselben, während dessen Benutzung und
beim Verlassen des Kreisverkehrs entspricht durchaus dem bei uns
üblichen – bloß hat der im Kreisverkehr von Rechts Kommende den Vorrang.
Bei der Einfahrt bleibt man daher stehen und wartet, bis im Kreisverkehr
von rechts ein Auto naht. Erst dann gibt man Gas und behindert nach
Möglichkeit alle anderen Verkehrsteilnehmer. Es gilt weithin als unfein,
auch wenn es gesetzlich vorgeschrieben ist, das beabsichtigte Verlassen
des Kreisverkehrs mittels Blinklicht anzuzeigen.
Stattdessen schaltet man die rechten Blinker ein, solange man im
Kreisverkehr zu bleiben gedenkt. Ausschalten des Blinkers signalisiert
sodann die Absicht, bei der nächsten Ausfahrt den Kreisverkehr zu
verlassen.
Findet man als Tourist dank ungenügender Signalisierung die richtige
Ausfahrt nicht, fährt man so lange im Kreis, bis die mitfahrende Gattin
eine bestimmte Ausfahrt als richtig bezeichnet. Kommt man danach doch
nicht dorthin, wohin man will, sagt man der Gattin so richtig seine
Meinung.
Zulässige Höchstgeschwindigkeiten
Für Autofahrer aus dem Ausland gelten als gesetzliche
Höchstgeschwindigkeit innerorts 30 mph, außer, wenn anders angezeigt,
und außerhalb von Ortschaften 60 mph, außer wenn anderes angezeigt.
Diese Höchstgeschwindigkeiten gelten für irische Autofahrer nicht. Sie
fahren so schnell, wie sie sich trauen und/oder mit dem Tempo, das ihr
altes Auto maximal hergibt.
Diese gilt nicht bei Geschwindigkeitskontrollen durch die Polizei. Damit
man von solchen rechtzeitig erfährt, blinken einem die Entgegenkommenden
bereits viele Kilometer vor der Kontrolle wie die Wahnsinnigen an. Dies
ist kein freundlicher Gruß! Befolgen Sie diese Warnung nach Möglichkeit.
Die irische Polizei verfügt weder über Laserpistolen noch über
Radargeräte. Stattdessen ist sie lediglich mit entsprechenden Attrappen
ausgerüstet. Da ohnehin ein jeder irische Autofahrer die gesetzliche
Höchstgeschwindigkeit überschreitet, schreiben sie lediglich die
Kennzeichen vorbeifahrender Autos auf, bis das tägliche Plansoll erfüllt
ist. Auf diese Weise wird die Einhaltung der Grundwerte des
demokratisch-freiheitlichen Rechtsstaates gewährleistet, denn es wird
kein einziger Unschuldiger bestraft.
Menschen und andere Verkehrsteilnehmer auf irischen Straßen
Iren, Irinnen und irischen Tieren aller Art ist auf Straßen alles
erlaubt, was gefällt. Ist jemand müde, setzt er sich auf die Fahrbahn.
Dieses Verhalten erklärt unter anderem die hohe Zahl von Verkehrstoten.
Hat jemand zu viele Pints of Guinness getrunken, fährt er im
Schritttempo heim, manchmal auch schneller – auch das erklärt die hohe
Zahl von Verkehrstoten. Übrigens haben auch für irische Fußgänger
Verkehrsampeln lediglich Empfehlungscharakter.
Vor allem die Kinder der <travelling community>, früher Tinkers bzw. von
ausländischen Unkundigen fälschlich Zigeuner genannt, spielen
ausnahmslos auf der Straße – wo denn sonst, da sie mit ihren Eltern
sozusagen auf der Straße leben müssen. (Irland ist ein Sozialstaat. Von
seinen Segnungen ausgeschlossen sind lediglich die travelling people).
An diesen Leuten fahren Sie mit Vorteil langsam vorbei, Sie sehen dabei
auch mehr.
Kühe und Schafe überqueren häufig die Straßen auf der Suche nach
saftigem Futter. Die Bauern sehen das gerne. Das Gras am Straßenrand
kostet sie nichts. Schafe haben entdeckt, dass der schwarze Straßenbelag
in der Regel wärmer ist als das nasse Gras auf ihrer Weide. Daher lassen
sie sich gerne mitten auf der Straße nieder und pflegen für eine Weile
der Ruhe.
Der gravierende Unterschied für Autofahrer in Irland zwischen Kühen und
Schafen liegt darin:
Fährt man eine Kuh um, ist die Kuh tot, man selber in der Regel auch.
Fährt man indessen ein Schaf um, ist das Schaf tot und am Auto bloß die
Stoßstange eingedellt. Überfährt man übrigens eine Katze, ist die Katze tot, im Auto spürt man davon kaum was.
Dass im nächsten Haus ein Kind bitterlich um seine Miezekatze weint –
wen kümmert das? Oder kümmert es Sie doch? Mein Kompliment, ehrlich.
Seit die Felder mit Mauern und Hecken und neuerdings auch mit
Stacheldrahtzäunen voneinander abgegrenzt wurden, sind die vielen
Hütehunde arbeitslos. Es ist ihnen fade. Daher machen sie Jagd auf
vorbeikommende Autos, neben denen sie eine Strecke lang wütend bellend
herlaufen. Merke: auch ein blöder Hund kann Ihr Auto beschädigen, falls
Sie ihn anfahren. Tun Sie auch das nicht – Autoreparaturen sind nicht
billig, wie Sie wissen.
Das Wichtigste zum Schluss:
Autofahrern (Ausländern und Einheimischen gleichermaßen) ist in Irland
grundsätzlich alles erlaubt. Lassen Sie sich dabei aber ja nicht von der
Polizei erwischen und vor allem: Beschädigen Sie nichts und niemanden
und gefährden Sie weder Mensch noch Tier.
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