Hinweis:

Nicht alles, was Sie hier lesen, sollten Sie befolgen. Ich vertraue auf Ihre Klugheit, zu entscheiden zwischen Ernst und Satire.

Anreise

Von Österreich, wo ich lebe, aber auch von Deutschland und der Schweiz aus bieten sich mehrere Möglichkeiten, die alle ihre Vorteile und ihre Nachteile haben.

Anreise mit dem Flugzeug:

So reisen Sie am schnellsten. Die Anreise nach Irland mit dem Flugzeug ist auch die bequemste Art, nach Irland zu reisen. Meist ist es auch die billigste Variante, vorausgesetzt, Sie nützen einen der Flüge, die von Reisebüros  oder im Internet angeboten werden. Die Flüge finden meist bei Tag statt, Sie landen in Dublin oder auch in Shannon im Westen, je nachdem. An beiden Orten ist bei Rundreisen das Beste, von da an mit dem Mietwagen weiter zu fahren, den Sie schon daheim gleichzeitig (mit dem Flugticket) bestellt haben.  Fliegen Sie nach Shannon im Westen, erspart das bei Rundreisen im Westen Irlands einmal die Fahrt quer durch das Land (und durch eine meiner Meinung nach nicht immer sehr interessante Gegend).

Anreise mit dem eigenen Auto

S
ie haben im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Von Österreich, der Schweiz oder von Süddeutschland aus können Sie nach Cherbourg in der Normandie oder Roscoff in der Bretagne fahren, je nachdem, an welchem Tag Sie abfahren wollen, und danach fahren Sie mit Irish Ferries fast einen ganzen Tag per Schiff bis Rosslare bzw. von Roscoff aus mit Brittany Lines bis Cork (Beachten Sie in allen Fällen den Fahrplan). Ist schön, ist preiswert, wenn Sie Begleiter(innen) haben, denn Sie zahlen fürs Auto nur einmal, aber Sie brauchen  von Wien aus gut 3 Tage, bis Sie in Irland sind. Reisen Sie von Deutschland oder der Schweiz an, verkürzt sich die Anreisezeit natürlich. Sie können auch nur über den Ärmelkanal übersetzen oder ihn durch den "Chunnel" unterqueren, durch England fahren und mit einer weiteren Fähre die Irische See überqueren. Falls Sie im Norden Deutschlands wohnen, ist das wahrscheinlich die bessere Variante. Die Bräuche auf den Fähren müssen Sie auch kennen. Nach dem Einparken kommen Sie an den Kofferraum nicht mehr heran, nehmen Sie vorher alles heraus, was Sie auf der Überfahrt brauchen werden etc.

Anreise mit der Eisenbahn

Haben Sie viel Zeit, Geduld, ein gutes Sitzfleisch (oder ein InterRail-Ticket) können Sie auch mit der Bahn nach Irland fahren. Meist müssen Sie auf dem Kontinent einmal umsteigen; in England wahrscheinlich in London nochmals. Aber vielleicht lernen Sie auf der langen Fahrt nette Leute kennen. Legen Sie auf die lange Fahrt weniger Wert, wählen Sie doch eine andere Art der Anreise.


Reisen in Irland mit Eisenbahn und Bus:

Natürlich können Sie auch mit der Eisenbahn in Irland reisen. Vorwiegend von Dublin aus, sternförmig durchs Land fahren die Züge, schauen Sie doch einmal auf der Karte nach. Von Norden nach Süden wird es schwierig. Die Züge sind langsam und sie fahren nicht oft. Von Sligo nach Dublin und retour fahren an Wochentagen nur 3 Zugpaare, an Sonntagen nicht einmal die. Fahrpläne gibt es bei www.irishrail.ie

Wenn Sie kein billiges InterRail-Ticket haben, ist nicht eigentlich empfehlenswert, Ihre Urlaubsreise mit der irischen Bahn zu absolvieren. Sie lernen weniger das Land kennen, als die Eisenbahnwaggons, aber das können Sie ja auch daheim. Statt dessen können Sie auch mit Linienautobussen reisen, sie sind auch billiger als die Bahn, sie fahren häufig, aber auch nicht immer dorthin, wohin Sie wollen. Fahrpläne bei
www.buseirean.ie .

Interessieren Sie sich für Sehenswürdigkeiten? Bedauerlicherweise haben die Leute in der Stein- und Bronzezeit etc. ihre Dolmen, Standing Stones, Ringforts, Klöster und so weiter partout nicht neben die Strassen gebaut, auf denen die Autobusse fahren, und erst recht nicht neben die Eisenbahngeleise. Bedenken Sie das bei der Wahl des Verkehrsmittels.

Reisen in Irland mit dem Rad:

Radfahren können Sie natürlich auch. Nehmen Sie warme und regendichte Kleidung mit und lassen Sie sich bei widrigem Wetter nicht entmutigen.

Reisen in Irland mit dem Motorboot :

Mit dem Motorboot auf einem Fluss (Shannon) oder See umherzufahren, ist auch möglich. Allein können Sie das nicht, sie müssen mindestens zu zweit sein, denn nur dann können Sie den Kapitän spielen. Vor allem brauchen Sie einen Helfer beim An- und Ablegen. 

Nehmen Sie das Boot immer eine Nummer zu groß. Glauben Sie mir, Sie werden dem liebsten Menschen auf Erden gewaltig auf die Nerven gehen bei einer solchen Reise, geschweige denn einem gewöhnlichen Freund oder einer Freundin. Lassen Sie sich und Ihnen selbst Platz, in Ruhe und ungestört zu schmollen. Nachteil einer solchen Reise: Sie sehen hauptsächlich den Shannon und die angrenzenden Wiesen bzw. viel Wasser auf den Seen. Genügt Ihnen das, reisen Sie per Boot.

Fahren Sie mit dem Auto!

Mit dem eigenen oder dem Mietauto. Sie sind ungebunden, kommen überall hin, der Verkehr ist außerhalb der Städte schwächer als bei uns und die Städte sind sehr klein. Ans Linksfahren gewöhnen Sie sich schnell, bleiben Sie dennoch vorsichtig. 

Den ausländischen Autolenker mit Leihwagen erkennt man leicht daran, dass er immer auf der Seite einsteigen will, auf der das Lenkrad nicht ist.  Vergessen Sie vor allem bei Mietwagen nicht: das Auto hört nicht neben Ihrer linken Schulter auf, da kommt noch ein Sitz etc. Fahren Sie daher auf der Straße links, aber ja nicht zu weit links. Das Auto wird es Ihnen danken und die Brieftasche auch.

Nutzen Sie nicht Ihr eigenes Auto, sondern mieten Sie sich eines in Irland, schließen Sie unbedingt einen CDW ab - Haftungsausschluss für von Ihnen verschuldete Schäden, wenn geht, auch noch eine Versicherung, mit der Sie den Selbstbehalt auch ausschließen. Das beruhigt ungemein. Allerdings, Schäden an Reifen und Rädern und an der Windschutzscheibe sind davon nicht berührt - die zahlen Sie. Prüfen Sie daher das Auto bei Übernahme genau auf Mängel und lassen Sie sich das Vorhandensein dieser Mängel vom Vermieter schriftlich bestätigen!


 

Straßen und Straßenverkehr in Irland

Grundsätzlich:

Immer mehr Urlauber fahren mit dem eigenen Wagen nach Irland; dank der niedrigen Flugtarife mieten sich auch immer mehr Urlauber in Irland einen PKW; beide Gruppen stürzen sich sodann in den irischen Straßenverkehr.

Lassen Sie sich daher von mir einige Tipps geben, damit Sie einen solchen Urlaub unbeschadet überstehen und auch ihr Auto wieder ganz und heil zurückbringen bzw. dem Vermieter zurückgeben können.  

Das Wichtigste zuerst:

In Irland gibt es zwei voneinander völlig verschiedene Verkehrsvorschriften:

  • die offiziellen, gesetzlich normierten, ordnungsgemäß kundgemachten Regelungen über das Verhalten im Straßenverkehr. Diese Vorschriften entsprechen bis auf geringfügige national bedingte Unterschiede den bei uns in Deutschland, Österreich und der Schweiz geltenden Regeln und sind auf Ausländer voll anwendbar.

  • die anderen, inoffiziellen. Sie sind ausschließlich für irische Autolenkerinnen und Autolenker gültig.

  • Für Ausländer ist die Kenntnis beider Regelungsbereiche überlebensnotwendig.

Irische Straßen

Irland ist bis vor wenige Jahrzehnte dank jahrhundertelanger einschlägiger Bemühungen der britischen Regierung ein wirtschaftlich zurückgebliebenes Land gewesen. Seit einiger Zeit geht es zwar wirtschaftlich bedeutend aufwärts, aber einige grundlegende Schwachstellen sind immer noch vorhanden.

1.
Im Naturzustand ist jede Straße in Irland ein <Boreen>, nämlich ein Wanderweg für Kühe. Schafe sind zwar viel häufiger, aber sie brauchen keine Wanderwege – sie klettern ohnehin über Zäune von Wiese zu Wiese.

Manchmal begegnen sich bei ihren Wanderungen zwei Kühe. Damit sie einander bequem ausweichen können, sind die Wege so breit wie 2 trächtige Kühe. Das ist praktisch, denn das entspricht in etwa der Breite eines Kleinwagens. Den Kühen macht es nichts aus, dass ihre Wege schlammbedeckt und sozusagen grundlos sind, den Autofahrern schon – außer sie haben ein so genanntes SUV.

Daher hat die irische Regierung mit finanzieller Hilfe der EU (insbes. Deutschlands und Österreichs als den größten Nettozahlern) schon vor vielen Jahren begonnen, die meisten Boreens mit einer dünnen Schotterschicht zu bestreuen. Anschließend wird der Schotter (vielfach von Hand, auch deshalb gibt es in Irland so wenige Arbeitslose) mit Teer beschmiert. Danach wird eine ebenfalls dünne Schicht scharfkantiger kleiner Granitsplitter mit dem schönen Namen <Chippings> auf den Teer geschüttet. Sodann wird die Straße für den Verkehr freigegeben. Ein Teil der losen Chippings wird daraufhin durch die Reifen der darüber rollenden Autos in die Unterlage eingepresst – dieses Endstadium der Bauarbeiten wird durch das Gefahrenzeichen <Loose Chippings> angezeigt. Die nicht in den Teer eingepressten Chippings werden von den Reifen der Autos hochgeschleudert und landen vorzugsweise auf den Windschutzscheiben nachfolgender Kraftfahrzeuge. Dort beenden sie häufig die Lebensdauer der Scheiben.

Damit Kühe und andere Benützer solcher Boreens nicht vom rechten Weg abkommen, bauen irische Bauern rechts und links der Boreens aus den auf den Feldern ohnehin nutzlos umherliegenden Steinen 1 bis 2 Meter hohe Mauern. Sollten die Steine ausnahmsweise fehlen, werden Hecken gepflanzt, die denselben Zweck erfüllen.

Die wenigsten Boreens sind Einbahnstraßen, obgleich sie alle nicht viel breiter  als ein PKW sind. Der Autofahrer muss daher immer und überall mit Gegenverkehr rechnen, sei es mit entgegenkommenden Kühen, die mit den – offiziellen und den inoffiziellen – Verkehrsregeln nicht vertraut sind, sei es mit entgegenkommenden PKWs und überbreiten LKWs.

Nur selten sind Boreens so schmal, dass man mit dem PKW zwischen den Mauern bzw. Hecken nicht mehr durchkommt. In diesem Fall ist man bei der letzten Kreuzung falsch abgebogen – siehe den nachfolgenden Hinweis: Verkehrszeichen in Irland.

Kommt einem ein Fahrzeug entgegen, heißt es bremsen und möglichst knapp an das linke Mäuerchen bzw. die Hecke heranfahren, damit man am anderen Fahrzeug vorbeikommt. Sollte dabei ein Knirschen oder Kratzen auf der linken Fahrzeugseite zu hören sein, ist der Minimalabstand zu Mauer oder Hecke nicht eingehalten worden. Das kommt teuer, die Stundenlöhne der Mechaniker sind hoch. Beim nächsten Mal daher besser aufpassen.

Sollte das Knirschen oder Kratzen indessen von rechts kommen, ist der Boreen einfach zu schmal gewesen. In diesem Fall hilft nur, sich durch beherztes Gasgeben vom anderen Fahrzeug zu trennen.  Zur Vermeidung unnötigen Ärgers wird empfohlen, dass die beteiligten KFZ-Lenker sich vorher über die beabsichtigte Maßnahme absprechen.  

Ist es  nicht möglich, aneinander vorbeizukommen, hilft nur, seitens des im Nachrang befindlichen Lenkers mit dem Auto solange zurückzusetzen, bis der Boreen bei einem Kuhgatter etc. breiter wird. 

Kühe haben immer Vorrang. Kommt einem eine Kuh entgegen, ist es angezeigt, rechtzeitig die Seitenscheiben hochzukurbeln, damit sie den Kopf nicht ins Auto stecken kann. Nicht jeder empfindet es als angenehm, von einer neugierigen Kuh mit nasser Zunge abgeschleckt zu werden.

2.
Mit Chippings bestreute Boreens heißen neuerdings Regional Roads, z. B. R745. Früher hießen solche Boreens Link Roads. Da nicht alle Verkehrszeichen ausgetauscht worden sind, spielt es keine Rolle, ob sie auf der R745 oder der L745 fahren, der Straßenzustand ist immer derselbe. L- und R-Roads entsprechen in etwa unseren Landstraßen.

Durchgangsstraßen heißen heutzutage National Roads, früher Trunk Roads. Auch hier gilt, ob N-Road oder T-Road ist nicht wichtig, wichtig ist ausschließlich die nachfolgende Nummer. Durchgangsstraßen unterscheiden sich meist, aber durchaus nicht immer, durch die Breite von den gewöhnlichen Boreens, keinesfalls aber durch die Qualität des Straßenbelags. Alle Boreens und Straßen sind daher in der Sprache der Einheimischen <bumpy roads>. Frei übersetzt, auf allen Straßen Irlands beutelt es einem die Seele aus dem Leib.

3.
Mit EU-Geld (siehe oben) werden in den letzten Jahren quer durch Irland Motorways gebaut. Sie entsprechen in ihrer Breite dem, was man hierzulande als einigermaßen gut ausgebaute Autobahn bezeichnet.  Motorways enden immer schon nach einigen Kilometern und verwandeln sich in Boreens – siehe unter 1.

4.
Ebenfalls mit EU-Geld finanziert, gibt es auch Dual Carriageways. Sie ähneln einer vierspurigen Schnellstraße mit Kreuzungen.
Mäuerchen und Hecken unmittelbar am Straßenrand fehlen. Damit man nicht zu schnell fährt, gibt es alle 500 Meter einen Kreisverkehr.Außerdem werden regelmäßig Traktoren auf die Fahrbahn bugsiert, vor allem auf geraden Strecken, um lebensgefährliche Überholvorgänge möglichst zu verhindern.

Außer von Autos werden sie von Passanten zu Fuß, auf dem Fahrrad und auf Pferden, sowie ferner von Kühen, Schafen, Katzen und Hunden benützt. Links von den beiden Fahrstreifen in jeder Richtung (daher: dual)  findet sich ein Pannenstreifen. Dieser ist mit allerlei Schutt, Müll, vor allem aber mit Glasscherben bedeckt und weist in unregelmäßigen Abständen tiefe Schlaglöcher auf.  

Auf diesen Pannenstreifen hält man nicht bei Pannen an, sie heißen daher auch nicht so, sondern <hard shoulder>. Auf ihnen parkt man sein Auto, sofern man neben der Straße wohnt oder einen Pub etc. besucht.

Zwischen beiden Fahrtstreifen in jeder Fahrtrichtung befindet sich eine Leitlinie. Irischen Autofahrern ist es immer - nicht nur bei Nebel - erlaubt, genau auf dieser Leitlinie zu fahren – deshalb heißt sie ja Leitlinie. Nur Ausländer fahren auf dem linken Fahrstreifen und überholen rechts – in Irland herrscht für Ausländer Linksverkehr.

Iren sind ein gläubiges Volk. Sie sind außerdem ein höfliches Volk. Werden irische Autofahrer ausnahmsweise überholt, weichen sie – gelegentlich – auf einen allenfalls vorhandenen Pannenstreifen aus. Das erspart dem Überholenden den Wechsel auf die rechte Fahrspur. Solcherart beweisen die Überholten ihr Vertrauen in die Güte Gottes, der ihnen eine Reifenpanne infolge einer Schraube, eines Nagels oder einer Glasscherbe auf dem Pannenstreifen ersparen wird. Das Vertrauen ist nicht immer gerechtfertigt, leider.

Hat man glücklich überholt, bedankt man sich beim Überholten durch Betätigung der Warnblinkanlage. Ist der Überholte indessen nicht auf den Pannenstreifen ausgewichen, zeigt man ihm beim Überholen deutlich sichtbar die geballte Faust, damit er weiß, was man von ihm hält. Ist der Überholte offenkundig größer und stärker, sollte man diese Geste unterlassen.

Verkehrszeichen und Wegweiser auf irischen Straßen

Die Verkehrszeichen entsprechen mit geringen, leicht erkennbaren Abweichungen im Wesentlichen den bei uns üblichen. An die Abweichungen gewöhnt man sich rasch. Wer ein weißes rot umrandetes und auf der Spitze stehendes Dreieck mit der Aufschrift <YIELD>   nicht als Nachrangtafel erkennt, dem ist gemeinhin nicht zu helfen.

Wegweiser weisen, selten durch Sturm, meist durch humorvolle Iren verdreht, vor allem bei Kreuzungen häufig in die falsche Richtung. Nehmen Sie es gelassen. Sie kommen dann zwar nicht dorthin, wohin Sie wollen, aber Irland ist ein schönes Land. Sie fahren auf diese Weise durch Landstriche, die Sie ansonsten nicht gesehen hätten.

Viele amtlichen Wegweiser sind zweisprachig, die Namen der Ortschaften sind mit ihrem englischen und ihrem irischen Namen angegeben. Zwar sprechen nur 5 % der Iren daheim Irisch, der Rest lernt es ergebnislos in der Schule, aber mir sind schließlich stolz auf unsere irische Sprache, oder?

In bestimmten Gegenden, vor allem in der Gaeltacht, sollen tatsächlich die Leute leben, die Irisch im Alltag verwenden. Dort leben in Personalunion auch die Scherzbolde, welche die englischen Ortsbezeichnungen auf Ortstafeln und Wegweisern schwarz übermalen. Auch durch diese Maßnahme wird im Interesse der Förderung des Tourismus in Irland sichergestellt, dass die Touristen ihnen sonst allenfalls verborgene Schönheiten des Landes kennen lernen, die in keinem Reiseführer erwähnt werden. Auch lernen die Touristen dadurch ein wenig Irisch, weil ja ihre Straßenkarten nur die englischen Bezeichnungen enthalten.

Parken auf Irlands Straßen (Ohne Gewähr des Autors)

2 durchgehende gelbe Linien am Straßenrand bedeuten für Ausländer absolutes Park- und Halteverbot. Eine gelbe Linie bedeutet Parkverbot für Ausländer an Werktagen. Achtung: Diese Regeln gelten ausdrücklich nur für Ausländer.

Irische Autofahrer parken hingegen wo immer sie wollen. Ist der Platz am Straßenrand bereits von anderen Autos belegt, parkt man auf der Fahrbahn. Geht man bloß auf ein <schnelles> Bier, lässt man die Fahrertür sperrangelweit offen und den Motor laufen. Nachfolgende Autolenker wissen dann, sie müssen nicht lange warten.

Diese Regel gilt jedoch nur auf dem Land. In Dublin und Galway und zu bestimmten Tageszeiten in Limerick ist sie im Hinblick auf die große Zahl potentieller Autodiebe nicht gültig.

Ist die Fahrertür geschlossen, der Motor abgestellt, dafür die Warnblinkanlage eingeschaltet, signalisieren irische Autolenker, man müsse sich auf längere Wartezeiten gefasst machen. Gott hat die Zeit gemacht, von Eile hat er nichts gesagt, heißt es daher unter Verkehrsteilnehmern in Irland.

Benutzt man als Ausländer einen Mietwagen mit irischen Kennzeichen, gelten die vorgenannten Regeln fürs Halten und Parken mitten auf der Fahrbahn auch für den Ausländer.

Verkehrsampeln

Die roten, gelben und grünen Lichter haben, ausgenommen für Ausländer, nur Empfehlungscharakter. Grundsätzlich gilt: bei gelbem Licht der Ampel möglichst beschleunigen, damit man die Kreuzung passiert, wenn die Ampel auf Rot schaltet.

Ausländer in Mietwagen mit irischen Kennzeichen sind auf Anhieb nicht als Ausländer erkenntlich.  Indizien für den Kundigen sind jedoch der ganz neue Kleinwagen und ein Durchschnittstempo von ca. 20 km/h. Jedoch fahren auch viele Iren mit max. 20 km/h, vor allem nach ausgedehntem Besuch eines Pubs.

Im Zweifel gelten deshalb auch für Ausländer bei Verkehrsampeln die Regeln für Irländer. Das ist für den Ausländer auch deshalb besser, denn wenn Sie ihr Gefährt mit irischem Kennzeichen bei Gelb anhalten, bringen Sie den nachfolgenden Iren aus der Fassung. Ein solches fremdländisches Verhalten ist häufig die Ursache von Auffahrunfällen vor ampelgeregelten Kreuzungen.

Kreisverkehre (Verkehrskreisel)

Der Bau von Verkehrskreiseln ist auch in Irland große Mode. Das Verhalten bei der Einfahrt in denselben, während dessen Benutzung und beim Verlassen des Kreisverkehrs entspricht durchaus dem bei uns üblichen – bloß hat der im Kreisverkehr von Rechts Kommende den Vorrang. Bei der Einfahrt bleibt man daher stehen und wartet, bis im Kreisverkehr von rechts ein Auto naht. Erst dann gibt man Gas und behindert nach Möglichkeit alle anderen Verkehrsteilnehmer. Es gilt weithin als unfein, auch wenn es gesetzlich vorgeschrieben ist, das beabsichtigte Verlassen des Kreisverkehrs mittels Blinklicht anzuzeigen.

Stattdessen schaltet man die rechten Blinker ein, solange man im Kreisverkehr zu bleiben gedenkt. Ausschalten des Blinkers signalisiert sodann die Absicht, bei der nächsten Ausfahrt den Kreisverkehr zu verlassen.

Findet man als Tourist dank ungenügender Signalisierung die richtige Ausfahrt nicht, fährt man so lange im Kreis, bis die mitfahrende Gattin eine bestimmte Ausfahrt als richtig bezeichnet. Kommt man danach doch nicht dorthin, wohin man will, sagt man der Gattin so richtig seine Meinung.

Zulässige Höchstgeschwindigkeiten

Für Autofahrer aus dem Ausland gelten als gesetzliche Höchstgeschwindigkeit innerorts 50 kmh, außer, wenn anders angezeigt, und außerhalb von Ortschaften 100 kmh, auf Motorways 120 kmh, außer wenn anderes angezeigt.

Diese Höchstgeschwindigkeiten gelten für irische Autofahrer nicht. Sie fahren so schnell, wie sie sich trauen und/oder mit dem Tempo, das ihr altes Auto maximal hergibt.

Diese gilt nicht bei Geschwindigkeitskontrollen durch die Polizei. Damit man von solchen rechtzeitig erfährt, blinken einem die Entgegenkommenden bereits viele Kilometer vor der Kontrolle wie die Wahnsinnigen an. Dies ist kein freundlicher Gruß! Befolgen Sie diese Warnung nach Möglichkeit.

Die irische Polizei verfügt weder über Laserpistolen noch über Radargeräte. Stattdessen ist sie lediglich  mit entsprechenden Attrappen ausgerüstet. Da ohnehin ein jeder irische Autofahrer die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit überschreitet, schreiben sie lediglich die Kennzeichen vorbeifahrender Autos auf, bis das tägliche Plansoll erfüllt ist. Auf diese Weise wird die Einhaltung der Grundwerte des demokratisch-freiheitlichen Rechtsstaates gewährleistet, denn es wird kein einziger Unschuldiger bestraft.

Menschen und andere Verkehrsteilnehmer auf irischen Straßen

Iren, Irinnen und irischen Tieren aller Art ist auf Straßen alles erlaubt, was gefällt. Ist jemand müde, setzt er sich auf die Fahrbahn. Dieses Verhalten erklärt unter anderem die hohe Zahl von Verkehrstoten. Hat jemand zu viele Pints of Guinness getrunken, fährt er im Schritttempo heim, manchmal auch schneller – auch das erklärt die hohe Zahl von Verkehrstoten. Übrigens haben auch für irische Fußgänger Verkehrsampeln lediglich Empfehlungscharakter.

Vor allem die Kinder der <travelling community>, früher Tinkers bzw. von ausländischen Unkundigen fälschlich Zigeuner genannt, spielen ausnahmslos auf der Straße – wo denn sonst, da sie mit ihren Eltern sozusagen auf der Straße leben müssen. (Irland ist ein Sozialstaat. Von seinen Segnungen ausgeschlossen sind lediglich die travelling people). An diesen Leuten fahren Sie mit Vorteil langsam vorbei, Sie sehen dabei auch mehr.

Kühe und Schafe überqueren häufig die Straßen auf der Suche nach saftigem Futter. Die Bauern sehen das gerne. Das Gras am Straßenrand kostet sie nichts. Schafe haben entdeckt, dass der schwarze Straßenbelag in der Regel wärmer ist als das nasse Gras auf ihrer Weide. Daher lassen sie sich gerne mitten auf der Straße nieder und pflegen für eine Weile der Ruhe.

Der gravierende Unterschied für Autofahrer in Irland zwischen Kühen und Schafen liegt darin:  

Fährt man eine Kuh um, ist die Kuh tot, man selber in der Regel auch. Fährt man indessen ein Schaf um, ist das Schaf tot und am Auto bloß die Stoßstange eingedellt.

Überfährt man übrigens eine Katze, ist die Katze tot,  im Auto spürt man davon kaum was. 

Dass im nächsten Haus ein Kind bitterlich um seine Miezekatze weint – wen kümmert das? Oder kümmert es Sie doch? Mein Kompliment, ehrlich.

Seit die Felder mit Mauern und Hecken und neuerdings auch mit Stacheldrahtzäunen voneinander abgegrenzt wurden, sind die vielen Hütehunde arbeitslos. Es ist ihnen fade. Daher machen sie Jagd auf vorbeikommende Autos, neben denen sie eine Strecke lang wütend bellend herlaufen. Merke: auch ein blöder Hund kann Ihr Auto beschädigen, falls Sie ihn anfahren. Tun Sie auch das nicht – Autoreparaturen sind nicht billig, wie Sie wissen.

Das wichtigste Regel im Straßenverkehr zum Schluss:

Autofahrern (Ausländern und Einheimischen gleichermaßen) ist in Irland grundsätzlich alles erlaubt. Lassen Sie sich dabei aber ja nicht von der Polizei erwischen und vor allem: Beschädigen Sie nichts und niemanden und gefährden Sie weder Mensch noch Tier.

Welchen Teil des Landes Sie bereisen sollten:

Was möchten Sie denn sehen? Kulturdenkmäler, historische Bauten, Klosterruinen, romantische Meeresküsten, Schlösser und Schlosshotels, Handschriften? Das gibt es alles. Da dies aber kein Reiseführer ist, schreibe ich nichts darüber. Ich habe so meine persönlichen Vorlieben, aber Ihre müssen das nicht sein.

Die Reiseroute müssen Sie daher selbst bestimmen. Bedenken Sie: das Land ist nicht groß, aber die Strassen sind eng und gewunden, Sie kommen nur langsam weiter. Im Durchschnitt schaffen Sie bloß 50 - 60 km/h. 

Besorgen Sie sich doch den Prospekt eines Reisebüros für Autobusrundreisen, dann haben Sie eine Route für gängige Sehenswürdigkeiten. Der Prospekt verschafft Ihnen einen ungefähren Überblick, was Sie in z. B. zehn Tagen bereisen können. Denken Sie aber auch daran: Nicht alles was im Reiseführer steht, ist eine Besichtigung wert und die bleibenden Erinnerungen sind ohnehin nicht die an irgendwelche Sehenswürdigkeiten.
   
Woran ich denke, wenn ich Irland höre, ist nicht das Book of Kells und es sind nicht die Seen von Killarney. Ich denke an den weiten Himmel mit den sich auftürmenden Wolken, ich denke an den Blick von Rosses Point über den Meeresarm zum Knocknarea mit dem Grab Queen Maeves obenauf. Ich höre wiederum das Rauschen der Wellen, die den Strand von Lissadell heraufstürmen. Ich denke an die kleinen, weißen Blumen, die in den Klippen am Strand von Portsalon wachsen. 

Ich denke auch an den Herrn in Letterkenny, der mir unbedingt für kurze Zeit und recht preiswert seine ältliche Gattin zum allfälligen Gebrauch überlassen wollte. Doch auch an jenen Herrn im Pub in Dublin denke ich, der mir beim Hinausgehen ungefragt ein Gratis-Bier auf den Tisch stellte, nachdem ich ihm erzählt hatte, Irland sei schön. 

Das mit dem Bier kann Ihnen auch passieren. Achten Sie aber darauf, ob man von Ihnen nicht erwartet, dass Sie sich revanchieren. Runden auszugeben und Fremde gleich einzubinden, ist in Irland so üblich. Man muss sich revanchieren, verlangt der Anstand. Das geht ins Geld und dauert lange.

Noch ein Tipp:
   
Bei der Fahrt mit dem eigenen Auto oder mit einem Mietwagen haben Sie noch einen Vorteil. Jedes Mal  können Sie anhalten, wenn Sie neben der Straße etwas Interessantes sehen.

Allerdings müssen Sie dafür den ganzen Tag mit der Gattin reden oder mit dem Gatten, je nachdem. Halten Sie das nicht aus, lassen sie ihn oder sie einfach daheim das Haus/Wohnung etc. hüten. Das Ende ist vielfach dasselbe: am Ende haben Sie keinen Partner mehr, der mit Ihnen noch reden will.

Wann ich zum letzten Mal in Irland war?

Ende Mai bis Anfang Juni 2006 - siehe Reisebericht.

© 2006 / PETER LAUSCH
 
www.lausch41.com
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