Rückreise
nach Wien
(Freitag, 7. Juli 2000)
Auf dem Schiff kaufe ich mir im
Burren Buffet einen Teller Aufschnitt und schaue voll Staunen, was die
Mitreisenden so auf ihre Teller häufeln: 2 fette Bratwürste, eine
Portion Pommes frites und als zweite Beilage einen Schöpfer weißer
Bohnen in Tomatensoße. Das verzehrt auch der 10-jährige Sohn ohne
Beschwerden, die Eltern ohnehin. So schauen sie auch aus. Anschließend
stürzt sich Vater wahrscheinlich in die Bar auf ein Guinness und die
Mutter trinkt eine zuckersüße Limonade. Das Kind schaut ohnehin schon
recht verfressen aus.
Leider scheint es auf der Rückreise viel mehr Leute zu
geben, welche die Schlafsessel gebucht haben an Stelle einer Kabine.
Jedenfalls finde ich bei einer Besichtigung des Schlafsaals tief im
Schiffsbauch auf vielen Schlafsesseln irgendwelche Hinterlassenschaften,
mit denen die Nutzer ihre Besitzansprüche dokumentieren wollen. Ebenso
leider sind viele Schlafsessel auf diese Weise schon belegt, auf welche
ich mein Auge geworfen habe: weit weg von den Notbeleuchtungen, die
einem auch in der Nacht den Schlaf vermiesen, möglichst entfernt von
anderen Reisenden, damit ich meine Füße bequem auf dem Fauteuil vor
mir abstützen kann.
Immer wieder gehe ich zwischen meinen Wanderungen im Schiff
auf Deck. Draußen ist es einigermaßen kühl durch den Fahrtwind, aber
in einer windgeschützten Ecke lässt es sich schon eine Weile
aushalten, mit dicker Winterjacke ausgestattet. Die Aussicht ändert
sich sozusagen wenig: Meer, soweit ich sehe. Im Westen eine Wolkenbank,
die mit uns zu ziehen scheint. Möwen im Kielwasser nach Abfällen
suchend und vorschriftsmäßig nichts findend, denn Abfälle dürfen
laut Aushang unter Hinweis auf einschlägige Konventionen der UNO nicht
ins Wasser geworfen werden. Brotstückchen sind keine Abfälle und
einzelne Passagiere vergnügen sich mit der Fütterung der kreischenden
Vögel. Sind die Möwen einheitlich gefiedert, so sind die
Passagiere dagegen vergleichsweise bunte Vögel. Manche sind dick
vermummelt, andere kommen im Hemd oder je nachdem, in ärmelloser Bluse
mit Gänsehaut an Deck, manche sind von einer Anzahl mitgebrachter
Kinder begleitet. Die wirken einerseits wie aufgezogen durch die vielen
neuen Erlebnisse und laufen durcheinander wie die Wahnsinnigen, oder sie
sind schon müde und quengeln. Fast alle sind sie vergleichsweise leicht
angezogen, schon gerüstet für den Aufenthalt in der Provence oder in
der Bretagne. Daher ist den Kindern auch zuerst kalt und die Famlien
verschwinden wieder im Mief des Inneren des Schiffs.
Eine
Weile sitze ich danach noch in den Fauteuils neben dem Shop, in dem die
Leute eifrig einkaufen und lese mein mitgebrachtes Wegwerfbuch. Als ich
allmählich müde werde, suche ich mir meinen Schlafsessel, rolle mich
zusammen und schlafe eine Weile. Danach suche ich mir einen anderen
Platz, auf dem mir keine Neonröhre über meinem Kopf in die Augen
scheint und schlafe eine weitere Weile. Danach weckt mich die Dame,
deren Platz ich laut ihrem Ticket benutze, entschuldigt sich für die
Störung und möchte .... Ich wechsle neuerlich meinen Platz, lege die
Füße auf die Armlehne des Fauteuils vor mir und schlafe eine Weile.
Danach erscheint der Benützer des Fauteuils vor mir und möchte dort
seinen Ellbogen abstützen, wo ich meine Füße liegen habe. Also ziehe
ich sie zurück und stelle sie auf den Boden. In dieser Lage schlafe ich
nur schlecht und mache einen Spaziergang durchs
Schiff, aber ich bin so müde, dass ich wieder zu den Schlafsesseln
zurückkehre, aber leider, in dem bisher von mir genutzten sitzt jetzt
ein anderer Mensch. Vielleicht ist es sogar sein angestammter Platz.
Also wandere ich zu meinem angestammten Platz, was nicht so einfach ist,
weil auf dem Gang mehrere Leute in Schlafsäcken liegen. Das ist
anscheinend bequemer als auf den Fauteuils sitzen. Irgendwann werde ich
munter und habe das Gefühl, es weht ein kühler Wind, aber es ist nur
die Lüftung in der niedrigen Decke, die kalte Luft in den Raum bläst.
Danach muß ich wieder eingedöst sein, denn es ist fast 6 Uhr morgens,
als ich es nicht mehr aushalte und an Deck gehe und mir die frische
Brise um die Nase wehen lassen. Wärmer wird mir davon nicht. Daher gehe
ich in die Cafeteria, wo ich aus dem Automaten einen Kaffee trinke
(Pulverkaffee mit Kaffeeweißer auf Eiweißbasis laut Aufschrift).
Samstag, 8. Juli 2000
Innen
und außen auf dem Schiff von vorn nach hinten gehend, gähnend, Kaffee
trinkend, vegeht die Zeit zwar langsam, aber doch und es wird 8 Uhr
morgens. Das Burren Buffet öffnet die gastliche Pforte. Der Andrang ist
gering, die Eltern brauchen Zeit, ihre Sprösslinge landfein zu machen.
Ich esse einen Teller voll Schinken und trinke Kaffee.
Gestärkt,
wenn auch nicht wirklich munter, gehe ich nochmals einkaufen und erstehe
eine weitere Flasche Eau de Toilette, aber diesmal schaue ich wirklich,
dass "pour Hommes" draufsteht und probiere auch den Duft vor
dem Kauf aus. Ok, das "l´eau d´Issey" von Issey Miyake
riecht annehmbar.
Dann
heißt es die Uhr umstellen. Ankunftszeit in Rosscoff um 11 Uhr bedeutet
10 Uhr irischer Zeit, nach der ich bis jetzt gelebt habe. Als ich aufs
Achterdeck hinaufgehe, sehe ich zur rechten Hand schon die Einfahrt von
Roscoff, an der vorbei wir in den neuen Hafen fahren.
Ich
wandere in den Schiffsbauch, finde mein Auto, harre der Dinge, die sich
durch Dröhnen der Bugklappe ankündigen. Die Ausfahrt verläuft ohne
Probleme, Kontrollen gibt es auch keine und sehr langsam fahren wir in
einer langen Kolonne los. Zuerst an stinkenden Halden faulender
Kartoffel vorbei, von denen die Einheimischen noch nicht angefaulte für
die heimischen Kochtöpfe klauben. So funktioniert der Lebensmittelmarkt
in der Europäischen Union.
Die
Nebenstraße bis Morlaix ist mit Kreisverkehren gesegnet. Für die Iren
gibt es bei einem jeden Kreisverkehr nicht nur das übliche Warten,
dass doch noch einer im Kreisverkehr daherkommt, der Vorrang hat,
sondern die Autos fahren dank Rechtsverkehr im Kreisverkehr auch noch
quasi verkehrt herum. Es ist nicht einfach im Leben. In Morlaix kommen
wir zu einer 4-spurigen Nationalstraße mit Mittelstreifen, die so
ausschaut wie bei uns die Autobahn, nur darf man max. 110 km/h fahren.
Da löst sich das Problem mit den (ehemaligen) Mitreisenden auf dem
Schiff, denn die einen biegen nach Süden oder Westen ab, die anderen
kann ich leicht überholen, denn außer uns (ehemaligen)
Schiffspassagieren ist kaum jemand unterwegs.
Ich
fahre aber lediglich 80 Kilometer weit bis Langueux bei Ste.
Brieux. Dort biege ich ab, fahre einkaufen beim dortigen Carrefour und
anschließend in den Ort, in dem es eine Ansammlung von Billighotels
gibt. Als Gewohnheitsmensch versuche ich mein Glück beim dortigen Hotel
1ere Classe, aber sie haben kein Zimmer frei, wie mir der Computer am
Eingang mitteilt. Ich fahre zu einem etwas besser aussehenden
Etablissement namens B&B, dort funktioniert alles, nur der Computer
am Eingang will partout meine Kreditkarte nicht. Daher versuche ich mein
Glück ein weiteres Mal und zwar beim Hotel Formule 1; das ist das
weitaus billigste: Zimmer für 3 Personen kostet pro Nacht 155 FF. Die
anderen Hotels hätten zwischen 169 FF (Premiere classe) und 280 FF
(Hotel Carine) gekostet. Ausgerüstet mit der zum Zimmer passenden
Codenummer gelange ich durch Betätigung der Tastaturen in die Halle und
anschließend ins Zimmer und merke den Grund für die Billigkeit: WC und
Dusche sind auf dem Gang. Na fein.
Hundemüde
nach dem beeinträchtigten Schlaf im Schlafsessel des Schiffs falle ich
aufs Bett, schlafe eine Weile tief und gut. Gegen Abend mache ich einen
Spaziergang durch Langueux, damit ich weiß, wo ich eigentlich gewesen
bin und schlafe anschließend weiter.
Sonntag, 9. Juli 2000
Um
1 Uhr morgens werde ich wach. Ich versuche noch eine Weile zu dösen,
aber ich bin munter. Also ziehe ich mich an, wandere über den Gang zur
Dusche. An der Ecke stoße ich mit einer jungen Dame zusammen, der ich
den ersten Schreck des Morgens verpasse. Sie schreit so laut, das mir
Angst und Bange wird. Aber niemand macht sich die Mühe, auf den Gang
hinauszusehen, was denn da los ist. Nur eine kleine rote Katze schreckt
aus dem Schlaf auf. Während ich dusche, stellt sie sich vor der Tür
der Dusche auf und miaut kläglich. Als ich ins Zimmer zurückgehe,
folgt sie mir wie ein Hund und ist schneller im Zimmer als ich. Also
wird sie mit Whiskas gefüttert und danach aus dem Zimmer auf den Gang
hinaus vertrieben.
Gegen
3 Uhr morgens fahre ich bei Regen los. Über Rennes und Le Mans fahre
ich bis Paris, aber nicht in die Stadt hinein bis zur Route peripherique,
sondern biege etliche Kilometer nach Chartres auf eine La Francilienne
genannte Umfahrungsstraße ab, auf der ich mit 110 km/h bequem und ohne
jeden Stau bis zur A4 Richtung Metz gelange.
Danach
halte ich nur mehr zwei Mal: bei der Aire de Vaucourtois und bei der
Aire du Rarecourt, beides Parkplätze mit Picknickmöglichkeit.
Um
12 Uhr mittags bin ich im Rasthaus Goldene Bremm im Saarland. Dort esse
ich seltsam: Wurstsalat mit Kartoffelschmarrn samt Röstzwiebel. Andere
Länder, andere Speisen.
Vor
Heilbronn überwältigt mich die Müdigkeit, ich raste im Schatten eines
Baumes auf einem Parkplatz und schlafe 2 Stunden.
Mit
Kaffee gestärkt, geht es dann weiter. Im Rasthaus Hohenlohe Süd
zwischen Regensburg und Passau esse ich ein Abendessen und trinke
nochmals Kaffee und fahre wieder los. Je länger ich fahre,
desto wacher werde ich, denke ich und entschließe mich, gleich bis Wien
durchzufahren. An sich eine Schnapsidee, aber es geht alles gut.
Um 23 Uhr bin ich in der Wohnung in Wien, nachdem ich seit
dem frühen Morgen über 1.600 Kilometer zurückgelegt habe.
Alles
in Ordnung, der Empfang nach der langen Abwesenheit entsprechend.
Eine
schöne Reise ist zu Ende. Leider.
Ich
hoffe, es hat Ihnen ein wenig Freude gemacht, mich auf dieser Reise zu
begleiten. Vielleicht habe ich auch Ihr Interesse geweckt, selbst einmal
einen Urlaub in Irland zu verbringen. Sie werden natürlich anderes
erleben als ich und die Dinge vor allem anders sehen als ich, aber eines
werden auch Sie finden, davon bin ich überzeugt:
Irland
ist ein schönes Land.