ROBOT ROYAL III 
 

3. Teil: Die weitere Entwicklung der Robot-Kameras:

 

Ab 1939 wurde ein verbessertes Modell als Robot II angeboten. Wurde die Robot I meist mit einem Tessar 3,5/30 bzw. 2,8/30 mm geliefert, war das Standardobjektiv der Robot II ein Biotar 2/40 mm. Der wichtigste Unterschied zur Robot I war sicherlich der für die Verwendung von Kolbenblitzgeräten gedachte Blitzkontakt auf der Gehäusevorderseite; geblitzt werden konnte mit allen Belichtungszeiten (zum Unterschied zu Schlitzverschlüssen).  


Robot II von vorne und von oben.
In der oberen Aufnahme links oberhalb des Zeitenrades der Blitzkontakt;
auf dem Sucher ist ein Sucherrahmen für ein Objektiv mit 7,5 cm Brennweite aufgesteckt -
entbehrlich angesichts des Normalobjektivs Tessar 2,8/3cm.
Alle Abbildungen: © Leicashop Wien


Außerdem braucht man für die Robot II statt der beiden K-Kassetten je eine T- und eine N-Kassette. Das war – und ist – wichtig: Ohne passende Kassetten keine Aufnahmen. Der Kauf zusätzlicher Filmkassetten ist daher keine schlechte Idee, will man z. B. bei einem Ausflug mehr als einen Film hintereinander verwenden. Andererseits passen auf einen Kleinbildfilm 50 Aufnahmen im Format 24x24 mm anstatt 36 bei 24x36 mm. Noch eine Besonderheit zeichnet die Robot II aus: wie etliche der späteren Modelle wurde sie auch in einer Ausführung mit einem Federwerk für 50 Aufnahmen geliefert, auf Anhieb erkennbar am mehr als doppelt so hohen Aufzugsknopf.

Ein leicht modifiziertes Modell der Robot II wurde von der Luftwaffe in Kampfflugzeuge eingebaut, vorwiegend, um Abschüsse zu bestätigen. Von diesen Kameras gibt es insgesamt 6 Versionen - die Unterschiede sind für Sammler von Interesse. Alle sind sie schwarz lackiert; fast alle haben einen 3,5 cm hohen Aufzugsknopf, manche auch einen sogar 4,2 cm hohen. Alle haben sie eine mit <F> beginnende Seriennummer, der als erste Ziffer eine 4, 5 oder 6 folgt. Das Objektiv trägt eine entsprechende Nummer. Ein schön erhaltenes Exemplar mit entsprechender Beschriftung hat 2010 einen Schätzwert von ca. 300 Euro oder mehr. Unten abgebildet eine entsprechende Kamera (Version 4) mit der Nummer F 48689-6 aus dem Jahre 1943.

 


Luftwaffen-Robot GehäuseNr. F 48689-6
Abb.:
© Leicashop Wien

 

In die ab 1951 lieferbare Robot IIa  kann auch Film in üblichen Kleinbildpatronen eingelegt werden, sodass nur mehr eine (Aufwickel-) Kassette notwendig war. Dies erklärt sich daraus, dass die Verwendung von Meterware, die erst auf die notwendige Länge im Dunklen zugeschnitten werden und in die Kassette praktiziert werden muss, allmählich aus der Mode kommt. Auf Anhieb erkennbar ist sie am doppelten Blitzkontakt für F und X. (der Blitzkontakt F diente für den Anschluss von Blitzgeräten mit Blitzbirnen, heute ohnehin nicht mehr erhältlich). Am X-Kontakt lässt sich jedes handelsübliche Elektronenblitzgerät mit Blitzkabel (bzw. Kabeladapter) anschließen. Eine eigentliche Rückspulvorrichtung in der Kamera fehlt nach wie vor, an jene Benützer, welche ihre Filme (in der Aufwickelkassette) in ein Labor geben und hoffen, sie erhielten nicht nur den Film nach der Entwicklung zurück, sondern auch die Kassette wieder, hat man nicht gedacht.


Robot IIa aus dem Jahre 1951 mit Xenar 2,8/37,5 mm
Alle Abbildungen: © Leicashop Wien

Die Robot-Kameras fürs Format 24x24 mm wurden im Wesentlichen unverändert bis in die 70er-Jahre erzeugt, wenn auch in Form neuer Modellreihen geringfügig weiter entwickelt, z. B. als Robot Junior oder Robot Star.

Die ab 1954 angebotene Robot Junior ist eine etwas vereinfachte Robot zu niedrigerem Preis.


Robot Junior
Abbildung:
© Leicashop Wien

Die Kamera ist einfach zu erkennen: sie trägt den Namen auf der Vorderseite. Die Gehäusenummer beginnt mit einem J, allerdings ist bei einigen Junior-Modellen mit hohem Aufzugsknopf das <Junior> weggelassen worden. Die Vereinfachung liegt in der Weglassung der Rückspuleinrichtung, welche das vorher erschienene Modell Robot Star aufweist (endlich). Dafür war die Junior billiger, ist allerdings in der Regel mit einem Schneider Radionar 3,5/38 mm Objektiv geliefert worden - sie kostete dafür bei Markteinführung DM 198.- gegenüber der Robot Star mit Xenar 2,8/38 mm mit 398 DM.

Auch die schon vorher, ab 1952, angebotene Robot Star ist einfach zu erkennen: Sie trägt ihren Namen auf der Gehäusevorderseite, sieht ansonsten aber der IIa ähnlich. Sie unterscheidet sich von ihr primär durch ein wichtiges Ausstattungsmerkmal: man kann mit ihr nicht nur handelsübliche Kleinbildkassetten verwenden, man kann den vollen Film dank einer Rückspulvorrichtung auch wieder in die Filmkassette zurückspulen.

 


Robot Star (I)
Man beachte das herausziehbare Teil links neben dem Aufsteckschuh
(der Teil mit der Schraube, der dann als Kurbel fungiert)
Alle Abbildungen: © Leicashop Wien

 

Üblich ist die Kamera mit dem oben abgebildeten Aufzugsknopf für den Verschluss (in der üblichen Größe) für 24 Aufnahmen; es gibt wie von fast allen Modellen der Robot auch eine Version mit einem faktisch doppelt so hohen Knopf für bis zu 48 Aufnahmen bei vollem Aufzug.

Ab 1958 wurde das Modell Robot Star II mit der Bezeichnung <Vollautomat> angeboten. Die Ausführung für 18 Aufnahmen 24 x24 mm mit einem Aufzug weist einen (in Aufnahmehaltung rechts) im Gehäuse angebrachten Aufzugsknopf auf, siehe untenstehende Abbildungen), es gibt aber auch eine Variante für 50 Aufnahmen, mit dem üblichen Aufzugsknopf auf der Kameraoberseite.


Alle Abbildungen: © Leicashop Wien

1969 wurde dann noch die  Robot Star 25 und 50 angeboten.


Robot Star 25 aus 1969 mit Xenar 2,8/38 mm
Alle Abbildungen: © Leicashop Wien

Mehr und mehr verlegte sich die Firma jedoch auf allerlei Spezialkameras, z. B. auf Kameras für die Verkehrsüberwachung (Traffipax) und andere Überwachungsaufgaben – als Beispiel dieser Robot Recorder 24B aus dem Jahr 1968.


Alle Abbildungen: © Leicashop Wien

Für den <Normalmenschen> wird damit die Firma samt ihren Produkten uninteressant. Wer will schon Kameras für Verkehrsüberwachung verwenden oder Kameras für die Raumüberwachung? Das ist eine Nische, in der die Firma mit ihren relativ wenigen Mitarbeitern anscheinend durchaus existieren kann, aber für die Entwicklung der Fotografie sind diese Geräte ohne Belang.

Vorher allerdings hatte die Firma allerdings noch die Krönung der ganzen Modellreihe entwickelt, die treffend so genannten Robot Royal Kameras in verschieden Ausführungen.

Ab 1953 wurde jedoch ein neu konstruiertes Gehäuse für die allgemeine Fotografie angeboten, mit dem einige bis dahin systemimmanente Schwachstellen beseitigt wurden: die Robot Royal III.


 

Alle Abbildungen: © Leicashop Wien

 

Sie war zwar größer (und schwerer), dafür aber die erste Robot mit einem Messsucher. Zwar immer noch für das Format 24x24 mm bestimmt, wies sie darüber hinaus einen Federwerksmotor auf, mit dem mit einer Geschwindigkeit von bis zu 5 B/sec. mit einem Aufzug bis zu 24 Aufnahmen gemacht werden konnten. Details über diese Kamera finden Sie hier.

1957 wurde diese Kamera in Robot Royal 24 umbenannt, denn seit 1955 (bis 1969) wurde die Robot Royal 36 mit vergleichbaren Eigenschaften erzeugt, allerdings für das Aufnahmeformat 24x36.


 


Beide Abbildungen:  © Leicashop Wien 

Dass diese schönen Kameras schon seit langem nicht mehr erzeugt werden, hat eine Reihe von Gründen. Primär waren namentlich die Robot Royal-Modelle vergleichsweise teuer, dazu kommt indessen, dass ab den 60er-Jahren elektrische Motore zu vielen Kameras angeboten wurden und das einstige Alleinstellungsmerkmal der Robots, der motorisierte Filmtransport, kein solcher mehr war.

Ändert nichts daran, dass man namentlich mit den Robots der Royal-Kamerareihe auch heute noch bequem fotografieren kann und gleichzeitig das Gefühl dafür bekommt, wie und womit man früher fotografierte. Den Bildern muss man das Alter der Kamera, mit denen sie gemacht wurden, nicht ansehen. Ob man sich für eine Robot mit Bildformat 24x24 mm oder 24x36 mm entscheidet, ist Geschmackssache und hängt nicht zuletzt vom Angebot ab. Nicht alle Labors stellen heute noch Vergrößerungen vom Bildformat 24x24 her – scannt man die Negative oder Dias selbst, lässt sich diese Hürde je nach Scanner allenfalls überwinden, nicht jedoch bei meinem Nikon Scanner, der mit dem quadratischen Bildformat nicht klarkommt. Ohnehin würde ich mich heute für eine Robot Royal 36 fürs volle Kleinbildformat 24 x 36 mm entscheiden.

Die Firma, die keine Kameras wie die angeführten mehr erzeugt, sondern Verkehrsüberwachungssysteme,  existiert auch heute noch und firmiert als seit 1.2.2010 als Jenoptic Robot GMBH, die zu 100% im Eigentum der Jenoptic AG steht.

Zu meiner Beschreibung der Robot Royal III.

 

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© PETER LAUSCH/2006
Verfasst: 12. Februar 2006, verändert: 3. November 2010

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