ROBOT ROYAL III 
 

 

2. Teil: Die Robot I:

 

Ursprünglich gerne als „Der Robot" bezeichnet, hat sich im Lauf der Jahre doch die Bezeichnung <die Robot> oder <die Robot-Kamera> durchgesetzt.

1931 hatte Heinz Kilfitt den Prototyp einer Kleinbildkamera für das Aufnahmeformat 24x24 mm fertig. Der entscheidende Vorteil dieser Kamera lag im quadratischen Aufnahmeformat, das den Bildkreis eines Objektivs besser nutzt und die Frage „hoch oder quer" erübrigt sowie ferner in einem relativ einfach konstruierten Rotationsverschluss. Diesen Prototyp, der sich erhalten hat, bot Kilfitt sowohl Kodak als auch Agfa an, jedoch hatten diese Firmen kein Interesse an der kleinen und handlichen Kamera. Der Kamera fehlte im Übrigen jene Eigenschaft, welche die Serienkamera von allen anderen damaligen Kleinbildkameras (und überhaupt fast allen bis dahin konstruierten Kameras) herausheben sollte: der eingebaute Federwerksmotor.

In Hans-Heinrich Berning fand sich ein Interessent. Mit finanzieller Unterstützung seines Vaters gründete er die Firma <Otto Berning & Co – Abteilung Robot – Schwelm>, in deren Büros in Düsseldorf  Kilfitt die Kamera zur Serienreife entwickelte. Im Zuge dieser Arbeiten wurde – angeblich von Berning - auch die Idee geboren, den Film nach jeder Aufnahme mittels eines Motors weiterzutransportieren – der Benützer musste dazu ein eingebautes Federwerk aufziehen und konnte sodann ca. 24 Aufnahmen hintereinander machen, ohne das Federwerk wieder aufziehen zu müssen. Elektrisch angetriebene Motoren waren damals technisch noch nicht machbar.

Ein geübter Benützer schaffte damit ca. 5 Bilder in der Sekunde: er musste nach jeder Aufnahme warten, bis der Film weitertransportiert war, dann konnte er neuerlich auslösen. Eine eigentliche Serienauslösung war dies somit noch nicht.

Im Frühjahr 1934 vorgestellt, wurde die Kamera ab Ende 1934 verkauft – heute wird sie als Robot  bezeichnet - heute nennt man die Kamera die Robot I.


Robot I aus dem Jahr 1937 mit Tessar 3,5/50 mm
Alle Abbildungen: © Leicashop Wien

 

Diese kleine und handliche Kamera wies die wesentlichen Merkmale von Kilfitts Prototyp auf, besaß also einen Rotationsverschluss: eine gelochte Scheibe drehte sich bei der Aufnahme, durch die Öffnung fiel Licht auf den Film. Möglich waren Belichtungszeiten von 1/2 – 1/500 Sekunde und B. Ein solcher Rotationsverschluss findet sich  in allen späteren Modellen der Robot.  Die Kamera besaß einen Schraubanschluss M26x1 mm mit einem Auflagemaß von 31 mm, das Objektiv war somit auswechselbar. Allerdings konnten nur Objektive mit Brennweiten bis zu 75 mm ohne Vignettierung verwendet werden, Ursache für diese Beschränkung war der relativ kleine Durchmesser des Objektivanschlusses, vor allem aber saß der Rotationsverschluss hinter dem Objektiv und somit im Strahlengang.

Neben dem Federwerksmotor wies die Kamera noch zwei Besonderheiten auf.

Der Sucher war seitlich schwenkbar. Auf diese Weise konnte man von der Seite her ein Motiv anvisieren und die Kamera auslösen, ohne dass z. B. der abgebildeten Person bewusst werden musste, sie werde fotografiert. Das war bei Schnappschüssen (nomen est omen!) etwa in islamischen Ländern sehr nützlich. Ähnliches gab es auch bei anderen Kameras, z. B. einen vergleichbaren Zusatzsucher zur Leica. Heute weiß indessen ein jeder auch in exotischen Gegenden der Erde, wann er aufgenommen wird und hält gegebenenfalls die Hand auf oder wirft einen Stein; derartige Sucher sind infolgedessen aus der Mode gekommen.

Die zweite Besonderheit war zu Anfang der 30er-Jahre gar keine: damals gab es noch keine genormten Filmkassetten, man musste den Film jeweils in der Dunkelkammer in die kameraspezifische Kassette einfüllen, die dann in anderen Fabrikaten nicht verwendbar war. Daher brauchte man – und braucht noch heute – zwei spezielle K-Kassetten zur Robot I: ohne diese kann man die Kamera nicht verwenden. Beim Kauf einer gebrauchten Robot I sollten daher auch zwei entsprechende Kassetten in der Kamera sein. Ohne diese Kassetten bleibt die Robot I ein Ausstellungsstück. In der Dunkelkammer (oder im lichtdichten fensterlosen Badezimmer etc.) wird ein Stück Film von bis zu 1,5 Meter Länge in einer Kassetten aufgespult, ein Stück herausgezogen und in der zweiten Kassette befestigt. Diese beiden Kassetten werden sodann in die Kamera eingelegt. So umständlich das ist, einen Vorteil hat dieses System: man kann die Kamera jederzeit öffnen und die Kassette mit dem bereits belichteten Filmstück entnehmen. Die Rückspulung in die Filmpatrone entfällt somit – sie wäre auch gar nicht möglich, weil die Kamera keine Rückspulvorrichtung besitzt.

Die Robot I (das Gehäuse war übrigens aus Edelstahl) ermöglichte eine ganz neue – und einfachere - Art der Fotografie als bisher: Nicht nur konnten Bewegungsabläufe mit dieser Kamera leicht aufgenommen werden, man konnte auch rasch hintereinander mehrere Aufnahmen eines Motivs machen und die beste für die Vergrößerung auswählen. Denn im Bedarfsfall waren sozusagen in einem Zug etwa 25 Aufnahmen möglich.

Für solche schnell hintereinander folgenden Aufnahmen war die Robot I ideal; sie war allerdings keine universell verwendbare Kamera wie Leica und Contax es waren. Einerseits waren nur Objektive bis 75 mm Brennweite ohne Randabschattung der Aufnahmen ansetzbar, andererseits besaß die Robot I ebenso wenig einen Entfernungsmesser wie die Nachfolgemodelle, was die Verwendung der bald lieferbaren lichtstarken Objektive bei großen Blendenöffnungen erschwerte. Wurden weit entfernte Gegenstände aufgenommen, kam es darauf nicht an; nicht zuletzt deshalb wurde das ab 1939 lieferbare Nachfolgemodell Robot II zur Standardbordkamera der deutschen Luftwaffe, mit der die Piloten u. a. Abschüsse dokumentieren konnten.

1938 wurde die auch firmenrechtlich unabhängige Firma <Robot Berning & Co> mit Sitz in Düsseldorf gegründet. Zu dieser Zeit verließ Heinz Kilfitt die Firma und machte sich selbständig (von ihm wurde in der Folge eine Reihe von Objektiven entwickelt, darunter das erste eigentliche Makroobjektiv und das erste Zoomobjektiv, darüber hinaus entwickelte er die erfolglose Mecaflex von Metz und die nur wenig erfolgreichere Kowa 6.

 

Zum 3. Teil: Die weitere Entwicklung der Robot-Kameras

 

 

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© PETER LAUSCH/2006
Verfasst: 12. Februar 2006, geändert 3. November 2010

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