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du Raz │Rückreise
Quimper, Benodet, Concarneau,
Pont-Aven
29. Mai 2001
Quimper
Wiederum Morgennebel in Brest. So dicht, dass ich vom
Fenster meines Zimmers aus das Auto auf dem Parkplatz
vor dem Hotel nur als Schemen sehe. Macht nichts, heute
fahre ich ein Stückchen weiter, da will ich mich vom
Wetter überraschen lassen. Was bleibt mir übrig, da ich
zwar einen Fernseher im Zimmer habe, 10 Programme sehen
kann, aber leider keine Programmzeitschrift und die
Programme sind nicht in Deutsch. Wetternachrichten habe
ich bisher noch keine gesehen. Das Radio habe ich zwar
im Auto regelmäßig aufgedreht, aber Wetterbericht keinen
gehört oder nicht verstanden.
Nach 10 Kilometern auf der mir schon bekannten
Schnellstraße nach Quimper reißen die Nebelschwaden auf:
blauer Himmel, strahlende Sonne. Und würde es noch ein
wenig wärmer, es wäre ein ganz prächtiger Tag. Unter
uns, der Tag hat gehalten, was er versprochen hat.
Nach 10 Uhr vormittags bin ich in Quimper, folge
anderen Autofahrern ins Zentrum, finden einen Parkplatz
mit 1200 Stellplätzen, wovon mindestens 1 frei ist und
parke das Auto. Gut gewählt oder einfach Glück: Ich
stehe unmittelbar vor der Stadtmauer, welche die
Altstadt von Quimper stellenweise noch umgibt. Der
Parkplatz heisst auch nicht einfach Parkplatz, sondern
Place du Champ de Foire. Durch eine abfallende Strasse
gehe ich Richtung doppeltürmige Kathedrale, die ein
schöner Orientierungspunkt ist. Auf dem Weg dorthin
biege ich in einige hübsche Seitengässchen ein,
bewundere Fachwerkhäuser und die kleinräumige
Siedlungsstruktur. Geschäfte aller Art, von
Buchhandlungen bis zu den obligaten Fischverkäufern gibt
es, die Häuser sind teils bunt bemalt - eine Freude für
Kodak. In Quimper verdient die Firma gut an mir. Auf
diese Weise gelange ich zum Fluss Steir, lasse mich am -
gemauerten - Ufer in einem Café gegenüber der Markthalle
nieder und genieße das Treiben rings um mich. Quimper
ist eine relativ große Stadt mit ca. 60.000 Einwohnern;
das habe ich schon auf der langen Stadteinfahrt durch
die weitläufigen Vororte bemerkt. Das moderne Quimper
ist ebenso gesichtslos wie alle anderen modernen Städte;
das alte, historisch gewachsene Quimper, dessen Anfänge
bis in die Römerzeit reichen, ist indessen reichlich
klein - bequem für Leute wie mich, die auf kleinem Raum
alles das beisammen haben, was sie sich anschauen
wollen. Ich bin ja ohnehin leicht zufrieden zu stellen:
die Fassaden alter Fachwerkhäuser genügen mir, ein wenig
buntes Treiben vor den Häusern, Sonnenschein - das ist
es.
Kaffee getrunken und ein fettiges Croissant gegessen,
spaziere ich durch die Rue Kereon, die nicht anders
ausschaut als andere Gassen in der Altstadt, aber einen
bei allen Knipsern geschätzten Vorzug aufweist: sie
führt gerade auf die Front der Kathedrale St. Corentin
zu und bietet sich daher als Fotomotiv mit den beiden
Türmen der Kirche im Hintergrund geradezu an. Wer kann
einem solchen Angebot widerstehen? Ich nicht, siehe
oben.
Widerstehen kann ich dem Besuch des Kircheninneren.
Den Reiseführer habe ich gelesen, doch die übliche
Taufkapelle mit Wasserbecken, eine Statue des Johannes
des Täufers und eine Lourdesgrotte vermögen mich nicht
zu locken. Ich halte mich an die Außenseite: seit 1240
wurde an der Kirche gebaut; so etwas dauert, daher
mischt sich frühe und späte Gotik. Im 19. Jahrhundert
wurde sodann, nicht zum ersten Mal, aber gründlich,
restauriert im Stil der damals üblichen Neogotik,
segensreich, weil die renovierten Teile für den Laien
nicht anders aussehen wie die originalen, nur etwas
weniger verwittert.
Das Jugenstilkaufhaus an der flussseitigen Ecke des
Platzes hat es mir mehr angetan, ganz einfach: gotische
Kirchen findet man allenthalben mehr als genug, schöne
Jugendstilbauten sind jedoch selten. Und natürlich
drücke ich meine Nase auch gegen die Scheiben des
daneben befindlichen Souvenirgeschäfts, das sich auf
Fayencen aus Quimper spezialisiert hat. Fayancen sind
eine spezielle Art von Steingut, nichts Besonderes.
Allerdings hat sich namentlich die Firma mit der
Abkürzung HB auf bretonische Themen in relativ blassen
Farben (rot, gelb, blau vor allem) auf weißem Untergrund
spezialisiert. Ihre Produkte findet man in der ganzen
Bretagne, in Quimper ist sie im Ortsteil Locmaria zu
Hause und die Andenkengeschäfte bieten neben dem
allseits Üblichem vor allem Teller und Krüge in allen
möglichen Formen und Größen an. So ein hübscher Teller
eignet sich prächtig als Staubfänger in der heimischen
Wohnung. Ich widerstehe nur mit Mühe der Versuchung,
indem ich krampfhaft an die zahlreichen anderen
Staubfänger denke, die ich ohnehin schon daheim verwahre
und auch an die Hauskatze, die mich bei sich in ihrer
Wohnung leben lässt und derartige Staubfänger als
Verbrauchsgut ansieht.
Und bin ich schon bei der Kathedrale, brauche ich nur
mehr einige Schritte zu gehen und komme zu einer der
zahlreichen Brücken über den Fluss Odet, der sich 15
Kilometer weiter in den Atlantik ergießt. Ich gehe am
Ufer unter alten Bäumen ein wenig flussabwärts und mache
dort von einer Brücke aus ein hübsches Foto mit vielen
Brücken im Vordergrund, der Kirche im Mittelgrund und im
Hintergrund auf blauem Himmel vielen weißen
Kumuluswolken.
Benodet
Fünfzehn Kilometer südlich komme ich dann nach
Benodet. Über Benodet lässt sich bloß eines sagen: dort
einen Badeurlaub zu verbringen, muss schön sein. Hinter
dem weiten und langen Sandstrand reiht sich ein Hotel
ans andere, kilometerweit, teils in großen Grünanlagen,
jedenfalls aber nicht viel höher als die davor stehenden
Bäume.
Das Auto mit Glück und nicht ganz vorschriftsmäßig in
einer Straßenbiegung, aber dafür im Schatten,
abgestellt, wandere ich zum Strand vor, werfe mich in
den feinen Sand. Nur das Umziehen in der öffentlichen
Dusche vorher ist ein wenig mühevoll. Aber dafür glänze
ich wie eine Sardine aus der Dose und bekomme trotz
Mittagschlafes in der Sonne keinen Sonnenbrand (auch
wenn es anders klingen sollte, ich sehe mich noch nicht
als alter Mummelgreis, der überall einschläft, wo man
ihn hinsetzt, aber Schlaf ist eben Schlaf). Von der
Sonne aufgeheizt, wage ich wieder einmal einen Ausflug
in das kalte Nass, umso mehr, als andere auch im Wasser
sind und glücklich pritscheln (ich meine: Erwachsene).
Ich tauche sogar unter und schwimme einige Tempi. Die
Wassertemperatur ist die Wermutspille, ansonsten wäre
der Strandbesuch in Benodet unübertrefflich schön
gewesen.
Ich denke, ein jeder Mensch setzt sich Ziele und
strebt sie dann auch an. Ich bin nicht anders. Obgleich
es richtig schön ist am Strand, verlasse ich ihn gegen
16 Uhr (da kommen erst die Feinspitze, denn die Flut
setzt ein und man hat nicht so weit bis zum Wasser),
werfe noch einen Blick auf die benachbarte Mündung der
Odet ins Meer (in der Flussmündung findet sich der
Bootshafen und die Landestelle der Ausflugschiffe nach
Quimpe flussaufwärts und zu einigen kleinen Inseln vor
der Küste andererseits.
Halb Concarneau ist Baustelle. Die andere Hälfte ist
die auf einer Insel gelegene Altstadt von Concarneau.
Die Baustelle ist nicht der Rede wert, man fährt durch
und bringt sie hinter sich.
Vom großen Parkplatz aus in der Baustelle rings ums
Hafenbecken gehe ich über eine Brücke zum Uhrturm, wo
sich der Haupteingang in die ummauerte Stadt befindet.
Stadt sollte man mit Anführungszeichen schreiben, das
Gebilde ist vielleicht 300x200 Meter groß. Die Mauer
besteige ich gleich allen anderen Touristen, die nach
Concarneau kommen. Im Mai ist der Mauerrundgang noch
gratis, in der Hochsaison darf man dafür bezahlen.
Indessen hätte ich mich über ein Entgelt geärgert, denn
die Aussicht auf die Häuser in der Stadt ist nicht
überwältigend und nach außen, aufs Hafenbecken und auf
die Sardinenfabriken an demselben eigentlich auch nicht.
Also steige ich wieder von der Stadtmauer herunter und
folge den anderen Touristen durch die Hauptstraße.
Die schmalen Granithäuschen an der Hauptstraße haben
ihren altertümlichen Charme bewahrt und sind bunt
herausgeputzt. Im Erdgeschoss findet sich fast in jedem
Haus ein Souvenirgeschäft oder ein Esslokal, die
Obergeschosse sehen zum Teil recht verlassen aus und
dürften wohl als Lagerräume für die unten nicht
ausstellbaren Waren dienen. Seitengassen zweigen ab: da
ist der Lack dann sozusagen sogleich ab, der Aufputz
fehlt und was bleibt, sind halt enge, alte Häuschen in
engen Gassen. Da möchte ich nicht wohnen. Schaut man
genau hin, kommen einem Zweifel, ob wirklich alles so
jahrhundertealt ist, wie es ausschaut. Man soll halt
nicht genau hinsehen. Lassen wir es dabei bleiben.
Sogar ich werde weich und kaufe gut riechende Seifen
in hübschen Behältern und einen oder zwei Staubfänger
zum Verschenken.
Ein Museum gäbe es auch zu besichtigen, ich
unterlasse die Besichtigung und erfahre auf diese Weise
nichts über Geschichte der Fischerei in Concarneau und
in Island und in Neufundland, wohin die Fischer gesegelt
sind, um dort Dorsche und Heringe zu fangen und ihre
Leichen einzusalzen.
Die Sardinenfabrik am Hafenbecken würde mich
interessieren, bei der Rückfahrt bleibe ich extra vor
ihren Toren stehen, aber leider, Besucher sind nur am
Vormittag erwünscht.
Von Concarneau fahre ich nach Westen und nach
etlichen Kilometern durch eine nett aussehende
Landschaft komme ich in den kleinen Ort Pont-Aven.
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