New York Skyline


PETER LAUSCH

Reise nach New York 1999
          
Bericht eines Unbedarften

 

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Vorbereitungen



Was macht unsereins, sobald er erfährt, er soll nach New York fahren?

Von der Arbeit nach Hause gekommen, schalte ich den PC ein und steige ins Internet ein. Was hat denn Yahoo unter New York zu bieten? Vieles, wie sich zeigt und ich folge dem erstbesten Link. Gar nicht wenig, was der New York Insider zu bieten hat. New York City's Coffee Bars tröstet mich gleich am Anfang: außer dem braunen Wasser, das Amerikaner nach meiner Vorstellung literweise in sich hineintrinken, weil sie beim Essen kein Bier serviert bekommen, gibt es neuerdings nicht nur in Seattle, sondern auch anderswo, sogar in NY, Espresso nach italienischer Art. Sogar die Fachausdrücke werden mitgeliefert, damit sich der Unbedarfte nicht blamiert und weiß, was er bestellen soll - und kann. Als Wiener lacht einem da gleich das Herz: nicht nur den Milchkaffee (wenig schwarzer Kaffee, aber viel aufgeschäumte Milch) gibt es als Caffe Latte, nicht nur den Cappucchino (wenig schwarzer Kaffee, aber viel noch mehr aufgeschäumter Milch), nicht nur eine Art Einspänner (wenig schwarzer Kaffee, dafür Schlagobers oder Schlagsahne, auf Norddeutsch) mit Namen Espresso Con Panna, nein auch den ganz gewöhnlichen kleinen Schwarzen (wenig Kaffee ohne Milch) gibt es mit Namen Espresso. Besser noch, auch den Espresso Macchiato gibt es (wenig Kaffee mit wenig Milch). Was macht's, dass wir Wiener zum Espresso Macchiato kleiner Brauner sagen? Sogar das Gegenstück zum wienerischen Verlängerten gibt es in Form des Lungo (wenig schwarzer Kaffee mit mehr Wasser zubereitet). Bloß den großen Brauen (=2x kleiner Brauner), den ich in Wien trinke, gibt es nicht; macht auch nix, muss ich eben zwei Espresso Macchiato hintereinander trinken. Soll ich weiterschreiben? Soll ich schreiben, daß es sogar das Gegenstück zum wienerischen "Mokka kurz" gibt in Form des Ristretto (kleiner Mokka mit weniger Wasser zubereitet, daher besonders stark)?

Nein, ich schreibe nichts mehr über dieses Thema und lasse Sie sich ihren Teil denken: da fährt dieser Mensch in die Hauptstadt des Verbrechens und liest als erstes, wo er einen Espresso trinken kann.

Aber natürlich lese ich auch über die empfohlenen Streetwise Survival Strategies, aber die Regeln für New York gelten sinngemäß auch in Wien - wenngleich die Wahrscheinlichkeit, einem der boliviansichen "Taschelzieher" in Wien über den Weg zu laufen, relativ gering ist. Neu ist mir bloß der Ratschlag, immer schön zielbewusst fürbass zu gehen und nicht stehenzubleiben und auf dem Stadtplan den Standort zu eruieren versuchen.

An den Ratschlag, einem jeden Räuber, der sich an mich heranmachen sollte, schön artig 20 Dollar zu geben, ja nicht weniger, und schon gar nicht - nichts, denn das könnte ihn ärgern und bei mir zum Loch im Kopf oder Bauch oder sonstwo führen, an diesen Ratschlag werde ich mich halten. 

Und zum Schluss lese ich dann noch die Regeln fürs Trinkgeld; statt der in Wien üblichen 10% des Rechnungsbetrages besser 15% geben und für jede Gefälligkeit je 1 Dollar. Mit der Schachtel russischer Zigaretten, die ich seinerzeit in Istanbul mangels türkischer Pfunde dem darob fassungslosen 12-jährigen Kofferträger huldvoll überreichte, würde ich in NY wohl nicht weit kommen.

Viele Jahre später, bei der Überarbeitung, stellt sich naturgemäß die Frage, ob und gegebenenfalls wie dieser Bericht aktualisiert werden soll. Ich habe mich entschlossen, ihn unverändert zu lassen, auf die Gefahr hin, dass dieser oder jener Link nicht mehr funktioniert. Auch den Capeman, das Musical, das ich besuchte, spielen sie nicht mehr.  Und das World Trade Center, wie es 1999 war, existiert nicht mehr. Da wir aber dort waren, habe ich diesen Erlebnisbericht naturgemäß auch diesbezüglich nicht geändert.

 

Sie wollen weiterlesen? Bitte sehr!

© Peter Lausch/1999
Zuletzt bearbeitet: 15. Oktober 2015