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Nikon S3Kleiner Rückblick Schon seit langem
wird in Sammlerkreisen von einer neuen Nikon-Sucherkamera in der
Tradition der Nikon SP und ihrer Vorgängermodelle gemunkelt. Vor allem
die zahlreichen Sammler in Japan wollten eine neue Kamera für ihre
berühmten alten Objektive und sie wollten ihre alten Objektive auch an
einer neuen Sucherkamera in der Tradition der Nikon SP verwenden, sagten
sie auch noch. Jahrelang wurde gemunkelt, Nikon werde eine solche neue
Sucherkamera für Wechselobjektive mit dem Nikon- (Contax-) Bajonett auf
den Markt bringen. Nichts ist
gewiss gewesen. Was man wusste, war, dass in den letzten Jahren eine Reihe
von Firmen versucht hat, Nischenmodelle herauszubringen, mit denen an
die Tradition der früheren Sucherkameras mit Wechselobjektiven
angeknüpft werden sollte. Wie sich inzwischen gezeigt hat, ist ein Herr Yasuhara in Japan letztlich am Problem der Fertigungsqualität seiner
Kamera mit Leica-Schraubgewinde gescheitert. Nicht zu reden von der Contax G1 und G2, die ein Dasein im
Schatten der altehrwürdigen M-Leicas führte und längst nicht mehr
erzeugt wird. Vor einigen Jahren hat Cosina
unter dem Markennamen Voigtländer Bessa durchaus erfolgreich einen
neuen Trend begründet: Kameras mit Schraubgewinde M39, an welche
die Schraubobjektive von Leitz passen - und mit den diversen Modellen
dieser Bessa genannten und neuerdings auch mit Bajonettanschluss
erhältlichen Modellreihe zu einem erträglichen
Preis recht eigentlich zu einer Wiederbelebung des Marktes der analogen
Sucherkameras mit Wechselobjektiven beigetragen - und an den preiswerten
und guten eigenen Objektiven mit traditionellen Namen (von Voigtländer)
sicherlich ausreichend Geld verdient. Mit diesen modernen Gehäusen sind somit alle alten
Objektive mit Schraubanschluss an einer modernen Kamera wie der Bessa R verwendbar und
umgekehrt die neuen Objektive für die Bessa an den alten Gehäusen. Seit
der Bessa R2, ausgestattet mit Sucher,
eingebautem Entfernungsmesser und dem Bajonettanschluss der M-Leicas hat
Cosina spätestens mit diesem Modell eine Art "Leica für
Einsteiger" auf den Markt gebracht, an die faktisch alle Objektive
von Leica passen (mit einigen Ausnahmen, die aber auch an die moderne
Leica M6 und M7 nicht angesetzt werden können). Zusätzlich lassen sich
die von Cosina unter dem Label Voigtländer angebotenen Objektive mit
Schraubfassung M39 mittels Adaptern sowohl an den inzwischen mehreren
Modellen der Bessa mit Bajonettanschluss, aber auch -
als preiswerte Alternative - an den M-Leicas benutzen. Zeiss ist auf
diesen Zug aufgestiegen und erzeugt bei Cosina eine, sagen wir,
bauähnliche, Kamera für die Objektive unter eigenem Namen. Ab Mai 2000 gab es ferner die Konica RF bei uns zu kaufen. Wenn Sie wissen wollen, welche Erfahrungen ich mit ihr gemacht habe, lesen Sie den Erfahrungsbericht. Aber, man braucht es ja eigentlich gar nicht festzuhalten, die später zusammengeschlossene Firma Konica/Minolta hat die Kameraproduktion leider aufgegeben und damit ist auch die Erzeugung der Konica RF zu Ende gegangen - Erfolg war sie, in kommerziellem Sinn, ohnehin keiner.
Die Kamera wurde nur in Japan verkauft - gelegentlich taucht sie aber auch schon auf Auktionen in Europa auf.
Daher nicht täuschen lassen, es handelt sich immer um die
alte Nikon S3 in neuer Auflage. Die Kamera entspricht weitgehend dem seinerzeitigen Modell
aus dem Jahre 1958, das ich in meiner Geschichte der Kameras von Nikon
ausführlich besprochen habe und schaut
daher auch so aus. Die "wesentlichen" Unterschiede
liegen in der Filmmerkscheibe, die mit ISO markiert ist und nicht mehr
mit den alten ASA-Werten, ebenso wie die Filmlänge auf 24 oder 36 Bilder
eingestellt werden kann und nicht mehr, wie 1958 üblich, auf 20 bzw. 36
Bilder. Die Entfernungsskala auf dem Objektiv ist nur in Metern
markiert, eine Markierung in feet fehlt. Geliefert wird die Kamera mit
einem Nikkor-S 1:1,4 f=50mm; dieses Objektiv entspricht dem
Standardobjektiv einer anderen Sonderauflage der Nikon S3, nämlich der
Nikon S3 Olympic, die zwischen 1962 und 1964 in etwa 2000 Exemplaren
gebaut wurde. Andere Objektive sind derzeit nicht
vorgesehen, obgleich gemunkelt wurde, es solle auch folgende Objektive
geben: 2,5/35, 2/85 und 2,5/105. Das war offenkundig Wunschdenken. Auf der Website von Nikon/Japan gibt es eine ausführliche Beschreibung der Probleme bei der Wiederbelebung der alten Kamera, war doch in der Zwischenzeit das Wissen um die Schwierigkeiten beim Bau einer mechanischen Sucherkamera weitgehend verloren gegangen und musste vieles nachkonstruiert werden. Dennoch: Die angeführten Änderungen gegenüber dem Original sind rein kosmetisch und vor allem geringfügig, sodass sie leicht und ohne besonderen Aufwand durchgeführt werden konnten. Das würde dann auch erklären, warum ausgerechnet die Nikon S3 für die Neuauflage ausgewählt wurde und nicht die wirklich klassische Rangefinder-Kamera von Nikon, die Nikon SP: keine passenden Werkzeuge für den anderen Sucher der SP, vielleicht aber auch keine Arbeiter mehr, die seinerzeit die SP zusammengesetzt haben. Dem Vernehmen nach hat aber auch die Ausbildung der Arbeiter ein Vermögen gekostet, welche die S3 zusammenbauten. Auch so kostet die Nikon S3 als reine Sammlerkamera ein Vermögen.
Gemunkelt wurde, es lägen weit mehr Bestellungen vor als
Nikon erwartet hat. Pech für Nikon, denn man sagt, die
Herstellung einer Nikon S3 koste weit mehr, als der Kunde bezahlt. Angeblich
arbeitet nur eine Handvoll Leute an der Herstellung der Kamera und
produzierten nur etwa 500 Stück im Monat. Man
sagt aber auch, dass der japanische (Sammler-) Markt viel weniger Kameras
aufgenommen hat, als man bei Nikon erwartete. Woran es lag, darüber
gehen die Meinungen auseinander. Einerseits dürften es die nicht
unbedingt erfreuliche Wirtschaftslage in Japan sein, andererseits ist
die Kamera einfach zu teuer. Mit einem Preis von ursprünglich Euro
6.500 wird der Markt recht eng. Und bedenkt man, dass ja jeder einzelne
Kratzer, wie er halt beim Gebrauch einmal unvermeidlich ist, bei einem
allfälligen Verkauf den Wert der Kamera drastisch senkt, dürften nicht
viele Leute in Japan oder anderswo sich eine so teure Kamera in die
Vitrine gestellt haben, möglichst in Originalverpackung, damit dem guten
Stück ja nichts passiert. Nun sind die Verhältnisse in Österreich nicht unbedingt typisch. In Österreich war ja Nikon seinerzeit noch gar nicht vertreten, daher gibt es selbst heute extrem wenige Sammler von Nikon-Sucherkameras bzw. passenden Objektiven, welche zur Ergänzung der Sammlung eine Kamera um Euro 6.500 kaufen. Viele Monate standen allein in Wien in den Auslagen zweier Fotohändler zwei nagelneue Nikon S3 unverkauft herum und die Chancen auf einen Verkauf steigen auch nicht, wenn man den Preis von Euro 6.300 auf Euro 5400 senkt, abgesehen davon, dass ein allfälliger früherer Käufer vergrämt wird, hat er doch Euro 800.- beim Fenster hinausgeworfen. Und noch viel vergrämter wäre er, würde ihm einer sagen, dass auf e-bay einzelne originalverpackte Kameras mit Nikkor 1,4/50 mm bereits um US$ 4000.- verkauft wurden.
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Erstellt am
26.
Februar 2000 |
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