Nikon Coolpix 885 und 775

Peter LAUSCH

 

2001 hat zwei neue Digitalkameras für Amateure vorgestellt: die Coolpix 885 und die Coolpix 775. 
  

Die 885, die eine Reihe von Eigenschaften des Spitzenmodells Coolpix 995 aufweist, ist eine weiterentwickelte Coolpix 880; die Coolpix 775 ist eine abgespeckte 880 und nicht wirklich neu, sondern neu nur für Deutschland, Österreich und die Schweiz, denn anderswo gibt es sie schon seit dem Frühsommer.


NIKON COOLPIX 885:


   
Ich will mir ersparen, Sie jetzt im einzelnen mit technischen Tabellen zu überfüttern, die Sie auf den Internetseiten der Nikon-Vertretung Ihres Landes ohnehin nachlesen konnten. Ich will Sie lediglich auf diese neuen Kameras hinweisen und einige Bemerkungen zu den Kameras machen - frei vom Werbedeutsch der Presseaussendungen von Nikon und vom Neudeutsch der Prospekte und der einschlägigen Internetseiten.

Vorbemerkung:


Zunächst: Andere Firmen liefern bereits Modelle mit 4 MB-Chips - Canon etwa, Olympus, Casio. Nikon hat noch keine 4 MB-Kamera. Nikon betreibt mit beiden Neuerscheinungen Modellpflege. Der Generationswechsel zur 4 MB-Klasse steht bei Nikon noch aus - das derzeitige Spitzenmodell für Amateure, die Coolpix 5000 ist eine Kamera auf der Basis eines 5 MB-Chips und damit auch preislich eine Klasse höher angesiedelt.


Sowohl die 885 als auch die 775 sind seit Oktober 2001 lieferbar 
  

Das bedeutet jedoch, dass das Vorgängermodell, die Coolpix 880, nicht mehr oder bestenfalls als Ladenhüter zu bedeutend herabgesetztem Preis erstanden werden kann. Im Übrigen: nichts gegen die 880, aber in einigen technischen Besondeheiten ist inzwischen die Konkurrenz weiter und Nikon muß aus Konkurrenzgründen nachziehen. Das heißt nicht, dass Sie sich jetzt keine 880 mehr kaufen sollen: können Sie etwa mit dem 2,5-fach Zoom leben und ihre Bilder selber ausdrucken oder aber auf CD oder ZIP-Medium abgespeichert, ausdrucken lassen, na, dann könnten Sie ja auch weiterhin mit einer 880 zu bedeutend niedrigerem Preis durchaus glücklich werden.  
 

Die 3,34 MB-Generation hat - firmenunabhängig - mehrere immanente Beschränkungen: qualitativ hochwertige, die sich wirklich mit Fotos vergleichen lassen, erhalten Sie nur bis ca. zur Ausgabegröße 13x18 cm und die Auflösung ist nicht überwältigend und mit Aufnahmen mittels einer Fotokamera nicht vergleichbar. Erst mit der nächsten Generation (4 - 6 MB) werden Sie Bilder erhalten, die bis zum Format A4 klassischen Fotos nicht mehr sichtbar nachstehen.

 

Eigenschaften der Coolpix 885:

 

 

 

 


Die Coolpix 885 ist eine weiterentwickelte Coolpix 880. Sie schaut daher aus wie diese, nämlich:
Was Sie hier sehen, ist die silberfarbene Ausgabe, es gibt auch eine schwarze.
Kaum ein Unterschied zur 880? Sie sehen ihn bloß nicht auf Anhieb. 

Die Kamera ist geringfügig kleiner als die 880, nämlich je einen halben Zentimeter kürzer und weniger hoch, dafür 2 Millimeter dicker (jetzt: 95x69x52 mm) und passt besser in die Hand.

Die Kamera ist um 10 g schwerer (885: 286 g)

Das Objektiv ist, wie gesagt ein 3-fach Zoom mit den Daten 2,8-4,9/8-24 mm (entspricht: 38-114 mm im Kleinbildformat), während das der 880 eine maximale Brennweite von umgerechnet 95 mm aufweist)

Die Betriebsarten sind vereinfacht und logischer aufgebaut: Auto (A), Scene, Custom Mode Settings (CSM mit P und M) und Movie-Einstellung. Bei der 880 waren die Symbole auf dem Einstellrad ein wenig verwirrend; es gab ein grünes Symbol für sozusagen narrensicheres Fotografieren ohne Einflussmöglichkeiten, es gab die normale Automatik und die Programmautomatik mit ganz ähnlichen Eigenschaften und es gab die Einstellung auf CSM mit allen möglichen Einstellmöglichkeiten (z. B. auf eine Empfindlichkeit entsprechend IS0 100). Bei der 885 fotografiert man normal mit Einstellung A, will man auf die Belichtung Einfluss nehmen, wählt man CSM und macht die notwendigen Einstellungen, wobei man wahlweise weiterhin automatisch fotografiert oder aber die Kamera in vielerlei Hinsicht manuell einstellt). Ich nehme an, Sie werden wohl meist mit der Einstellung A oder einem Motivprogramm (versteckt sich hinter dem neudeutschen Scene) wie etwa "Landschaft" fotografieren.

Neu ist auch, dass Nikon die Coolpix 885 in Europa standardmäßig mit einem wiederaufladbaren Akku auf Li-Ion-Basis (dem bereits von der 880 her bekannten EN-EL1) und Ladegerät ausstattet - die an sich passende Lithiumbatterie 2CR5 ist relativ teuer und hält auch nicht allzu lange durch. Trotz der relativ hohen Preise für Akkus und Ladegerät kommt Ihnen mit der Zeit der Akku billiger und die Batterie wird zur Notreserve. 
    

Fazit zur Nikon Coolpix 885:


Das Bessere ist des Guten Tod. Nirgends zeigt sich die rapide Erweiterung der Möglichkeiten digitaler Kameras besser als im schnellen Modellwechsel durch die Hersteller. Heute das neueste Modell gekauft, morgen ist es schon das vorletzte Modell.

Update:

Mit einem Update vom Oktober 2002 verbesserte Nikon die Kamera. Mit diesem Update wird die Kamera einerseits für den EXIF Standard 2.2 tauglich: Bei Verwendung von entsprechenden Druckern wird eine bessere Wiedergabe der Aufnahmen ermöglicht. Andererseits bietet die Kamera mit der neuen Firmware 1,2 nunmehr 2 Übertragungsmöglichkeiten für die Übertragung der Aufnahmen mittels USB: Mass Storage und Picture Transfer Protocol (wichtig vor allem für Windows XP - Nutzer). Sollten Sie an einem Kauf der Kamera interessiert sein, prüfen Sie, ob der/die früheren Eigentümer dieses Update vorgenommen haben.

Meine persönliche Meinung: ich kann die Kamera mit ihren nach heutigen Begriffen (Ende 2008) doch recht beschränkten Möglichkeiten guten Gewissens keinem potentiellen Käufer empfehlen, außer es will jemand alte digitale Sucherkameras von Nikon sammeln. Gleiches gilt sinngemäß auch für die nachfolgend beschriebene Coolpix 775.

 

NIKON COOLPIX 775:

  

Auf dem  Foto erkennen Sie den - kleinen - äußerlichen Unterschied zur 885 nicht.   Er ist aber zugegebenermaßen klein: Die Typenbezeichnung ist eine andere, der AF-Sensor ist unterhalb des Blitzreflektors anstatt zwischen Sucher und Reflektor wie bei der 885, das Einstellrad auf der Oberseite ist bei der 775 nicht hinter dem Auslöser, sondern zur Mitte versetzt. Aber auf diese Äußerlichkeiten kommt es ja nicht an.

 

Eigenschaften der Coolpix 775:


Der wichtigste Unterschied zuerst: die 775 ist eine 2,1 MB-Kamera mit max. 1600x1200 Pixeln zum Unterschied zur 3,34 MB-Kamera 885 mit max. 2046x1536 Pixeln.  
  

Die maximale Brennweite des Objektivs der 775 ist kleiner als bei der 885 (17,4 mm versus 24 mm) und auch kleiner als bei der 880 (20 mm). Dafür hat aber die 775 eine deutlich stärkere Weitwinkeleinstellung, was gerade bei Innenaufnahmen wichtig ist und den heutigen Gegebenheiten besser entspricht (5,6 mm gegenüber 8 mm bei der 885). 
  

Gespart ist in anderer Hinsicht worden: Die Empfindlichkeit des Sensors ist auf ISO 100 fixiert, die mittenbetonte und die Spot-Messung sind weggefallen, es bleibt die - bewährte - Matrix-Messung. Die Zahl der Motivprogramme ist beschränkt auf 7 (12 bei der 885), die Kamera ist mit 87x66,5x44 mm kleiner als die 885.

Fazit zur Coolpix 775:


Wer seine Bilder ohnehin nur maximal im Format 10x15 cm betrachten will, braucht keine 3,34 MB-Kamera. Und wer bisher mit einer AF-Sucherkamera und Negativfilm zufrieden war (die Bilder entwickelt bei Media-Markt, Saturn etc. um möglichst wenig Geld), braucht auch keine 3,34 MB-Kamera, von den neuen 4 und 5 MB-Kameras ganz zu schweigen. Es braucht auch nicht ein jeder SLR-Käufer eine Nikon F5, wie die Profis sie verwenden.
 

Ich denke, die Coolpix 775 ist eine Sparausgabe. Ich denke aber auch, gespart ist dort worden, wo die Durchschnittskäufer einer solchen Kamera es gar nicht wirklich merken werden - unbeschwertes Fotografieren mit einer digitalen Kamera für - relativ - wenig Geld war seinerzeit  damit sicher möglich, wenn man nicht sehr anspruchsvoll war. Technische Spitzenqualität lieferte die Kamera damals wirklich nicht.
   
   
Weiterführende Hinweise:


Ich erspare mir nähere Beschreibungen der technischen Details. Man fand solche im Internet bei  der jeweiligen Internetseite der Nikon-Vertretung (für Deutschland:
http://www.nikon.de) und in den einschlägigen Prospekten der Firma Nikon, heute einfach mittels einer Google-Suche.

 

UND NOCH EIN HINWEIS:


Die Entwicklung bei den Digitalkameras schreitet rasch voran.

Mitte September 2001 hat Nikon in Japan die erste 5-Megapixel-Digitalkamera dieser Firma für Jänner 2002 angekündigt, nachdem auch die Konkurrenz solche Kameras bereits liefert. Offenbar um die Interessenten bei der Stange zu halten, lieferte Nikon im Internet bereits ab Ankündigung sehr ausführliche Informationen zu dieser Kamera. Seit Mitte Jänner 2002 war die Kamera - nach Ausmerzung einiger Ungereimtheiten in der Firmware bei den zuerst in den USA ausgelieferten Exemplaren - auch in Europa zum stolzen Preis von Euro 1600.- (bei uns in Österreich natürlich teurer: 1649.- Euro, Österreich ist ja anders!) lieferbar. 

Ich erspare mir an dieser Stelle weitere Ausführungen zur Kamera, weise aber darauf hin, dass die Kamera nicht mehr das geteilte Gehäuse der Coolpix 995 hat, sondern ein etwas üblicheres, wie es die Coolpix 885 aufweist. Und der Monitor ist drehbar, was es bei einzelnen Modellen von Canon (etwa G1 und die neue G2) schon längst gibt. Damit dürfte die Verirrung der drehbaren Objektive zu Ende gehen, wie sie auch bei Sony schon zu Ende ist. Wenn Sie mein Bericht über diese Nikon Coolpix 5000  interessiert, klicken Sie.
   

 

 

Zuletzt geändert am 22. Dezember 2008
© Peter Lausch/2008