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Kurze
Vorstellung und Bewertung der Kamera.
Im Rahmen der PMA in Las Vegas hat Leica die neue Leica MP präsentiert.
Schon seit Mitte Februar 2003 geisterten durch Internet allerlei
Meldungen über eine neue M-Leica. Viel wurde über die Eigenschaften
dieser neuen Kamera mit M-Bajonett gemunkelt, ein klares Bild der
Eigenschaften ließ sich aus diesen Mutmaßungen und – gezielten -
Indiskretionen nicht gewinnen. Im Wesentlichen kreisten die Vermutungen
um Äußerlichkeiten; so wurde etwa hervorgehoben, dass die Leica MP
einen Schnellaufzugshebel in der Form besitze, wie er sich bei der
klassischen Leica M3 aus dem Jahre 1954 findet.
Mit der offiziellen Vorstellung der neuen Kamera hat sich der Nebel von
Gerüchten und Vermutungen nunmehr gelichtet; es lässt sich nun mit
Sicherheit sagen, was die neue Leica MP ist und vor allem, was sie nicht
ist.
Zweierlei ist sie jedenfalls nicht:
- Erstens
ist sie keine Leica mit digitalem Rückteil und
- zweitens
ist sie keine Leica mit Autofokus.
Beides ist zwar aus vielerlei Gründen nicht zu erwarten gewesen, man
muss es aber dennoch schreiben, denn Vieles geistert durch die einschlägigen
Newsgroups, was sich in absehbarer Zeit von einem mittelständischen
Unternehmen mit beschränkten Mitteln nicht verwirklichen lässt, wenn
überhaupt jemals.
Wie beschreibt man nun am besten die neue Leica MP?
Ich formuliere es so:
Die neue Leica MP ist eine Modifikation der seit 1984 gebauten Leica M6
durch Kombination mit einer Reihe von Eigenschaften der seit 1954
gebauten Leica M3.
Sie basiert im Wesentlichen auf der Leica M6 und verzichtet auf die zusätzliche
Blitzbelichtungsmessung der Leica M6 TTL. Ich halte diesen Verzicht für
richtig: ausgehend vom technisch beschränkten System der
Belichtungsmessung der Leica M6 und der speziellen Art des Messsystems
bringt meiner bescheidenen Meinung die Blitzbelichtungsmessung in der M6
TTL wenig bis gar nichts (anders ist es bei Leica R8 und Leica R9 mit
ihren Messsystemen, die auf dem Stand der Technik sind).
Zusätzlich zu dem Bildfeldhebel an der Vorderseite entspricht auch der
Filmtransporthebel und der Rückspulknopf auf der Oberseite der Kamera
in seiner Form der Leica M3. Außerdem gibt es einen zusätzlichen
ausklappbaren Filmtransporthebel am Boden der Kamera. Der ist vom
Prinzip her nicht neu und entspricht dem so genannten Leicavit für
einzelne Schraubleicas und einem entsprechenden Gegenstück für die
Leica M1, M2 und MD. Der neue Leicavit MP ist ein Zusatzteil, was in den
offiziellen Unterlagen nicht so ganz klar zum Ausdruck kommt -
anscheinend wird es aber auch eine Ausführung geben, bei welcher dieser Ausrüstungsteil serienmäßig
mitgeliefert wird.
Näheres siehe unten.
Mit diesem Hebel kommt man bei einiger Übung auf bis zu 2 Aufnahmen pro
Sekunde und ist damit nicht wesentlich langsamer als mit dem Motor für
die M-Leica. Diese Methode des schnellen Filmtransports ist bei vielen
Fotografen beliebt gewesen, bloß hat Leica irgendwann vor ca. 30 Jahren
die Produktion dieses Zusatzteiles eingestellt und wollte stattdessen
die eigenen unhandlichen und geräuschvollen Motoren verkaufen. Wer
wollte, konnte sich aber schon bisher und wird das wohl auch weiterhin
tun können, zu seiner Leica M6, M6 TTL und M7 ein Fremdprodukt kaufen,
den von Abrahamsson in Kanada hergestellten Rapidwinder. Näheres siehe www.rapidwinder.com
. Auf dieser Site sehen Sie auch, wie dieses Ding an einer M-Leica
aussieht.
So schaut auch der Leicavit MP an der Leica MP aus. So funktioniert er
auch, der Rapidwinder. Fürs halbe Geld halt, aber dafür ist er auch
nicht von Leica.
Übrigens gibt es so etwas auch von
Cosina für einzelne Modelle der Bessa – siehe www.voigtländer.de
. Und Canon hat in den
60er-Jahren einige der klassischen Sucherkameras dieser Firma serienmäßig mit einer
entsprechenden Einrichtung versehen.
Mit der Leica MP kehrt Leica nunmehr zum Prinzip des
Leicavit-Schnellaufzugs zurück und rechtfertigt damit die
Existenzberechtigung des Rapidwinders des Herrn Abrahamsson.
In
der Leica MP feiert das Prinzip des mechanisch gesteuerten Verschlusses
fröhliche Urstände. Diesen Verschluss hat Leica ja in alle M-Leicas
seit 1954 eingebaut; erst in der M7 findet sich eine elektronische
Verschlusssteuerung. Nun ist an sich gegen den mechanischen Verschluss
der früheren Modelle (auch die Produktion der M6 TTL ist ja inzwischen
eingestellt worden) nichts einzuwenden. Ich erinnere mich allerdings
noch genau an die Jubelschreie der berufsmäßigen Jubilierer als die M7
auf den Markt kam: ein viel genauerer Verschluss ohne die doch großen
Toleranzen vor allem bei 1/1000 Sekunde, die sich auf Diafilmen sogar
sichtbar bemerkbar machen können. Genau dieselben Jubilierer loben nun
den mechanischen Verschluss himmelhochjauchzend! Dabei ist es ganz
simpel und einfach: der Verschluss der M7 ist dank elektronischer
Steuerung genauer; die Toleranzen des mechanischen Verschlusses wirken
sich infolge des Belichtungsspielraums der Filme in der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle
auf die Aufnahmen nicht aus.
Damit Sie nun nicht etwa glauben, ich meckere bloß und mäkle herum:
Die Leica MP enthält auch eine Reihe von Verbesserungen gegenüber der
bisherigen Leica M6.
Dazu gehört zweifelsfrei der bodenseitige Schnellaufzug, wenn er auch
vom Prinzip her nicht neu ist – siehe oben.
Am Wichtigsten scheint mir der neu konstruierte Sucher. Zwar wird das
Prinzip des Messsuchers mit den eingespiegelten Bildfeldrahmen
beibehalten, doch ist die lästige Neigung des Entfernungsmessers zu
Reflexen durch Einbau einer zusätzlichen Linse angeblich beseitigt
worden. Nur zur Erinnerung: mit der Leica M4-2 ist seinerzeit aus
Kostengründen das Messsystem vereinfacht worden und seither ist bei
allen Modellen diese Reflexneigung vorhanden gewesen. Schön, dass sich
das nun ändert.
Die
MP wird - zum Unterschied zur alten M6 - mit 3 verschiedenen Suchervergrößerungen geliefert - wichtig für Leute, die primär
Weitwinkelaufnahmen bevorzugen oder aber primär Teleobjektive
verwenden. Das gilt für die verchromten Varianten. Die zusätzlich
lieferbare schwarz lackierte Variante gibt es offenbar bloß mit der
universell verwendbaren Suchervergrößerung 0,72x.
Der Kunststoffbelag des Gehäuses der Leica MP ist griffsicherer als
dies bei den bisherigen Modellen der Leica der Fall war. Die
mangelnde Griffsicherheit des verwendeten Bezugsmaterials ist freilich
von niemandem kritisiert worden.
Auf dem Gehäuseoberteil ist – zum Unterschied von M6, M6 TTL und M7
– der klassische Leica-Schriftzug in Fadenschrift eingefräst sowie
die mit den Buchstaben MP beginnende Seriennummer. Mit den Worten
mancher verleiht dies der MP ein klassisches und elegantes Aussehen.
Um nicht Dinge zu wiederholen, die andere vor mir schon viel besser
beschrieben haben, verweise ich auf die ausführliche und überaus
positive Beschreibung und Bewertung der neuen Leica MP (und überhaupt
aller Produkte von Leica) bei Erwin Puts – www.imx.nl
.
Soll man sich die neue Leica MP oder aber die Leica M7 kaufen, oder doch
lieber eine Leica M6 oder M6 TTL, bzw. ein anderes Modell im
Gebrauchthandel?
Mir scheint persönlich ein elektronisch gesteuerter Verschluss mit,
sofern gewünscht, automatischer Zeitenbildung wie bei der Leica M7 als
beste Lösung. Er befreit den Fotografen von technischen Handgriffen und
ermöglicht damit die bessere Konzentration aufs Bild.
Wenn Sie die Zeitautomatik der M7 nicht brauchen, nicht schätzen etc.,
erwägen Sie doch den Kauf einer gebrauchten M-Leica und, sofern Sie so
etwas wollen, den Zukauf eines Rapidwinders.
Das ist wesentlich preisgünstiger, aber natürlich werden Sie die im
Prospekt und bei Herrn Puts angekündigten besonderen Gefühle bei der
Bedienung der Kamera auf diese Weise nicht erleben.
Welches
Modell aber würde ich mir kaufen anstatt einer Leica MP? Hätte ich
Nachteile?
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einerseits eines der älteren Modelle, von der M3 über M2, M4 bis
zur M4-P: Natürlich hat die M3 einen Sucher, von dem alle
schwärmen, andererseits kaufen Sie damit eine Kamera, die etwa 40
Jahre alt ist und die keinen Sucherrahmen für 35 mm besitzt (Sie
brauchen die speziellen - teuren - Weitwinkelobjektive alter Art und
Konstruktion, oder Sie brauchen einen extra Zusatzsucher und
verlieren die Vorteile des Meßsuchers. Und eingebauten
Belichtungsmesser hat keines dieser Modelle.
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andererseits eines der Modelle mit eingebautem Belichtungsmesser,
also M6 und M6TTL (die M5 scheint mir überteuert, die Leica CL zu
eingeschränkt in ihren Möglichkeiten). Da fällt mir die Wahl
schwer: Die TTL-Blitzbelichtungsmessung bei der M6TTL ist nicht
unbedingt nötig und die Vorteile dieser Methode können bei einem
mechanischen Verschluss mit einer Art Spotmessung nicht wirklich
ausgereizt werden. Dafür bekommen Sie die TTL mit 3 verschiedenen
Suchervergrößerungen. Wollte ich eine Kamera mit 0,85x oder 0,58x,
müsste ich eine M6TTL kaufen, wollte ich eine Kamera mit
Suchervergrößerung 0,72x samt eingebauten Belichtungsmesser,
würde ich an Stelle der M6TTL die viel preiswerter erhältliche
(aber dennoch nicht billige) M6 kaufen, mit möglichst hoher Nummer,
weil jünger.
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Ist doch einfach, oder?
Wollen Sie
hingegen keine gebrauchte Leica, wollen Sie unbedingt das neueste Modell der
Leica oder wollen Sie unbedingt eine Kamera mit den
Eigenschaften der MP, dann, ja dann, sind Sie ein potentieller Käufer
der Leica MP.
Was
kostet die Leica MP?
Die verschiedenen Ausführungen
sind bereits erhältlich. Demnach kostet das Gehäuse
in allen Varianten ohne Leicavit MP max. Euro 3000.-, der Leicavit MP
zusätzlich ungefähr Euro 800.-. Und sollte Ihnen der unbequeme Knopf für die
Filmrückspulung nicht imponieren, können Sie sich bei Leica für
stolze Euro 150.- eine eigene aufsetzbare Rückspulkurbel kaufen - dem
Preis nach offenbar aus Gold. Ob es ein Trost für Sie ist, weiß ich
nicht: sie passt auch an die Leica M3 (mit 2 roten Punkten auf dem
Rückspulknopf, also nicht an die ältesten Kameras dieser Baureihe), an
die M1, M2, die alte MP und an die sucherlose Leica MD.
Gerüchte:
Seit
Anfang Mai 2003 kursieren im Internet Gerüchte, die MP sei
umkonstruiert worden. Anstatt der kleinen Zeiteinstellscheibe wie bei
der M3, M2, M4, M4-2, M4-P und M6 werde sie die große
Zeiteinstellscheibe der M6TTL und M7 erhalten.
Mit
Verlaub: Nachdem sich Leica so bemüht hat, der MP möglichst das
traditionelle Aussehen der M3 zu geben, ist das höchst
unwahrscheinlich. Wahrscheinlich wird lediglich die
Empfindlichkeitsskala auf der Rückwand der Kamera der Skala auf der
Rückwand der M7 angeglichen, die ja durchaus praktisch ist.
Hinweis:
Dies
ist keine offizielle Leica-Seite. Ich stehe in keiner Verbindung zu
Leica und auch nicht zum Herrn Abrahamsson.
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