PLAUBEL MAKINA
 

Hinweis:

 Diese Webseiten befassen sich allgemein mit den Spreizenkameras von Plaubel, mit Schwerpunkt Plaubel Makina III und IIIR und Plaubel Makina 67.

Die Spreizenkameras von Plaubel – kurzer Rückblick:

1931 hatte der 1907 geborene Götz Schrader seine erste Kamera im väterlichen Betrieb Plaubel & Co mit Sitz in Frankfurt/Main fertig konstruiert: Die Plaubel Makinette 3x4, eine Spreizenkamera für den A8-Film (besser bekannt als Format 127) mit einer Breite von 4 cm,  die mit eingeschobener Objektivstandarte und eingeklappten Sucher tatsächlich in die sprichwörtliche Jackentasche passt. An sich gedacht für das Bildformat ….. liefert der Film in der Makinette 16 Aufnahmen, die nur wenig größer sind als die mit einer Kleinbildkamera aufgenommen Bilder.

Dasselbe gilt auch für die Kamera selbst. Viele <Kleinbildkameras> sind  ungeachtet des etwas kleineren Aufnahmeformats beträchtlich größer als die Makinette.

© Leicashop Wien

Eingebaut ist ein Compur-Verschluss mit Zeiten von 1 – 1/300 Sekunde, B und T (T ist bei modernen Kameras ungebräuchlich: ein Druck auf den Auslöser öffnet den Verschluss, ein zweiter Druck schließt ihn wieder, zum Unterschied von B, wo der Auslöser während der ganzen Belichtungszeit gedrückt werden muss). Das Objektiv sitzt in keinem Schneckengang; die Entfernung wird vielmehr durch Verschiebung der Objektivplatte mittels der Spreizen erzielt. Die Makinette ist meist mit einem Plaubel Anticomar 2,7/50 mm ausgestattet, doch wurde sie auch mit einem Supracomar 2/45 mm ausgeliefert. Ein Entfernungsmesser fehlt, der Sucher ist aufklappbar – in der Abbildung ist das Sucherglas gesprungen. Nachteil des Filmformats und der Bauart der Kamera ist, dass sie primär für Hochformataufnahmen konstruiert ist, was manche Käufer als unbequem empfanden.

Makinettes sind selten; sie sind bei Sammlern schon deshalb sehr begehrt, weil die Makinette – bis aufs Format – schon viele Eigenschaften der späteren Makina besitzt und daher in keiner Sammlung von Plaubel-Kameras fehlen sollte. Ein nicht besonders schön erhaltenes Exemplar – siehe Abbildung oben – war vor einigen Jahren einem Sammler 400€ wert.

Falls der Verschluss nicht verharzt ist (was sich reparieren lässt), kann man mit der Makinette auch heute noch fotografieren – den Film im Format 127 wird von Fotoimpex auch heute noch im Internet angeboten. Verwöhnt wie wir heutzutage sind, dürfte es indessen kein besonderes Vergnügen sein, die Kamera in der Praxis zu verwenden, vor allem vergleichsweise umständlich: kein motorischer Filmtransport, kein eingebauter Belichtungsmesser, kein Autofkokus. Aber so hat man halt früher fotografiert - das können Sie mit der Makinette ebenso nachvollziehen, wie mit allen anderen historischen Kameras.

Nichts liegt mir ferner, als die Konstruktionsleistung des damals 23 Jahre alten Götz Schrader beeinträchtigen zu wollen, aber – um Unterlassungen und Verkürzungen in manchen Fachblättern als solche zu bezeichnen – die Makinette ist weder die erste Spreizenkamera dieser Bauart noch die einzige. Schraders Leistung liegt m. E. darin, die mögliche Konkurrenz durch die Kleinbildkameras erkannt und eine nach damaligen Begriffen an sich traditionelle Kamera konstruiert zu haben.

Baby-Makina, 1912Denn ihre erste Spreizenkamera hat die damals noch recht junge Firma Plaubel bereits im Jahre 1912 die erste eigene Spreizenkamera auf den Markt, die in der Literatur oft als Baby-Makina bezeichnete Makina für das Aufnahmeformat 4,5x6 cm. Diese für Platten und Planfilme bestimmte Kamera schaut – bis auf die Größe – der späteren Makina I und deren Nachfolgemodellen bis zur IIIR sehr ähnlich. Ausgestattet meistens mit einem Anticomar 2,8/75 und in späteren Ausführungen mit einem Compurverschluss mit Zeiten von 1- 1/250 Sekunde sowie B und T wurde sie bis 1931 gebaut. Es gibt kleine Unterschiede in der Ausstattung; am augenfälligsten ist der patentierte <Pracht-Sucher>, der sich vom sonst üblichen aufklappbaren Sucher dadurch unterscheidet, dass sowohl der vordere als auch der rückwärtige Teil des Suchers auf dem Kamerakörper befestigt sind. Zusätzlich haben viele Exemplare eine Art <Sportsucher>, bestehend aus einem aufklappbaren Drahtbügel auf der Objektivplatine und einem aufklappbaren Visierteil auf der Rückseite des Gehäuses. Wie so etwas aussieht, sehen Sie auf den Abbildungen der Makina III und übrigens auch an vielen Plattenkameras aller möglichen Erzeuger.

Ab 1935 bot Plaubel die Roll-Op II an, einer Klappkamera mit eingebautem und gekuppelten Entfernungsmesser für das Aufnahmeformat 4,5x6 cm. Und mit Anticomar 2,8/75 mm in einem Compur-Verschluss. Die Kamera entspricht im Wesentlichen der Baldaxette von Balda. Der Beitrag von Plaubel eigentlich nur den gekuppelten Entfernungsmesser – siehe Abbildung der Kamera und die nachfolgende Abbildung der Baldaxette:

Dem Vernehmen nach ist die Kamera von Balda im Auftrag und nach den Vorgaben von Plaubel gebaut worden. Andere wollten auch Baldaxettes verkaufen, aber unter ihrem eigenen Namen: die Firma Herlango in Wien, damals der größte Fotohändler in Österreich, bot die Baldaxette als <Herlango Renox> mit Xenar 2,8/75 mm in einem Compur-Verschluss an.

Dafür freilich war das nachfolgende, von Götz Schrader konstruierte Modell, die Makina IIS, äußerst erfolgreich; wer heute an die Firma Plaubel denkt, der denkt vor allem an die die Kameras mit dem Modellnamen Makina.

Auch die Makina IIS ist, wie der Name andeutet, keine Neukonstruktion.

Eine Makina (I) wurde bereits ab 1920 gebaut und bis 1933 ausgeliefert. Sie ist streng genommen eine vergrößerte Ausgabe der Makina 4,5x6, nämlich für das Aufnahmeformat 6,5x9 cm mit einem fest eingebautem Anticomar 4,2/10 cm und einem Compur-Verschluss. Die Entfernung zwischen Kamera und Motiv musste geschätzt oder mit einem separaten Entfernungsmesser gemessen werden, Entfernungsmesser war keiner eingebaut.

Mit der zwischen 1933 und 1939 lieferbaren Makina II wurde dieser Mangel behoben; der Entfernungsmesser ist eingebaut und mit dem Normalobjektiv gekuppelt. Und: die Objektive lassen sich auswechseln, wenn auch mit Beschränkungen. Denn der Zentralverschluss sitzt mehr oder minder im Zentrum des Objektivs: bei Verwendung eines Tele-Makinars 6,3/210 mm oder 4,5/210 mm musste der Vorderteil des Normalobjektivs abgeschraubt und durch das Tele-Objektiv ersetzt werden. Jahrzehnte später hat sich Zeiss Ikon bei einzelnen Modellen der Contaflex einer ähnlichen Lösung bedient. Noch umständlicher gestaltete sich die Verwendung des Weitwinkelobjektivs Orthar 6,8/73 mm: Beide Objektivteile des Anticomars (vor und hinter dem Verschluss) mussten entfernt und durch die beiden Teile des Weitwinkelobjektivs ersetzt werden.

Mit anderen Worten: die Objektive können zwar tatsächlich <gewechselt> werden, d. h., mit der Makina II kann man mit verschiedenen Brennweiten fotografieren; einfach und schnell geht der Objektivwechsel aber wirklich nicht vonstatten.

Mit der von Schrader umkonstruierten und von 1936 bis 1949 lieferbaren Makina IIS wird dieser Mangel behoben: der <Zentralverschluss> sitzt nunmehr hinter den Objektiven (erstmals in der Geschichte des Kamerabaus), sodass diese nunmehr tatsächlich leicht und schnell gewechselt werden können. Daher auch das S in der Modellbezeichnung.

Mit diesem Modell ist die vor allem bei Pressefotografen beliebte Makina im Wesentlichen ausgereift und eine der klassischen Kameras der deutschen Fotoindustrie geschaffen worden.

Daran ändert nichts, dass es später noch weitere Modelle gab: die Makina III (von 1949 – 1953) mit Blitzsynchronisation und die von 1953 bis 1960 lieferbare Makina IIIR, die ich hier im Einzelnen vorstelle.

Zu Anfang der 60er-Jahre wurde die Produktion der Makina IIIS, des letzten noch erzeugten Modells, eingestellt. Großbildkameras  waren bei den Profis aus der Mode gekommen und wurden allmählich von Kleinbildkameras abgelöst, von der Leica zunächst, und dann, mit dem Siegeszug der einäugigen Spiegelreflexkameras, vor allem durch die Nikon F, viele Jahre lang die Kamera der Profis.

Nur der Vollständigkeit halber erwähne ich noch die Makina IIa und IIb, zwei <Sparmodelle> mit fest eingebautem Anticomar, die IIa mit einem Verschluss von 1-1/400 Sekunde und B und ferner einem Selbstauslöser, die IIb mit Verschluss bis 1/200 Sekunde und ohne Selbstauslöser.

Ich denke, niemand wird heute die Wechselobjektive an der Makina II, IIS, III und IIIR tatsächlich ernsthaft verwenden wollen. Insofern sind die beiden Sparmodelle IIa und IIb für den Sammler und gelegentlichen <User> durchaus empfehlenswert, denn auch mit ihnen kann man nachvollziehen, wie es war, mit einer Pressekamera zwischen, sagen wir, zwischen 1930 und 1960 zu fotografieren. Im Übrigen sind sie auch preiswerter, dafür fehlt ihnen das Flair des Außergewöhnlichen.

Wie es mit Plaubel weiterging?

Plaubel verlegte sich auf die Erzeugung von Großbildkameras; das Erzeugungsprogramm ähnelte in der Folge dem von Linhof, umfasste also Kameras auf optischer Bank für Aufnahmeformate von 9x12 cm bis 8x10 inch. Diese Peco-Kameras werden heute noch gebaut, siehe hier.

Die heutige Firma ist allerdings mit der seinerzeitigen, von Götz Schrader geleiteten Firma nicht mehr identisch, denn er verkaufte sie 1975 aus Altersgründen an ein japanisches Unternehmen, das den traditionsreichen Namen Plaubel beibehielt.

Schon unter der Ägide der Japaner entstanden auf Basis von Entwürfen Schraders die Modelle Makina 67, Makina 670 und Makina W67, moderne Kameras mit Entfernungsmesser, gekuppeltem Belichtungsmesser und mittels Spreizen ausziehbaren Objektivträgern mit Objektiven von Nikon. Seit vielen Jahren werden diese prächtigen Kameras für das Aufnahmeformat 6x7 cm auf Rollfilm 120 (bei der Makina 670 auch auf Rollfilm 220) nicht mehr hergestellt. Viele wurden nicht erzeugt, bei Sammlern sind sie heiß begehrt und erzielen in funktionsfähigem Zustand Preise um 1000 € für die Makina 67 und 670, noch höhere Preise sind für die Makina W67 zu bezahlen – bei den Profis war diese Weitwinkel-Makina wenig beliebt, daher ist dieses Modell seltener zu finden und daher teurer.

Über die Makina 67 schreibe ich im Einzelnen hier.

Plaubel hat im Lauf der Jahrzehnte eine ganze Reihe von anderen Kameras hergestellt, u. a. die 1961 vorgestellte Makiflex, eine einäugige SLR für Rollf- und Planfilm im Aufnahmeformat 6,5x9 bzw. 9x9 cm (auf Planfilm). Aus dem Modell ist nicht viel geworden.

In größerer Stückzahl gibt es – aber auch nur mehr vereinzelt – die Veriwide 100, deren fest eingebautes Super-Angulon 8/47 mm einen Bildwinkel von 100 Grad abdeckt.

Vorwiegend in der Literatur geistert auch noch die Makinette 16 aus dem Jahre 1958 umher, einer Kleinstbildkamera mit einem Aufnahmeformat von 12x18 mm auf unperforiertem 16 mm Film, Entfernungsmesser, Selen-Belichtungsmesser und einem Ennalyth 1,9/29 mm. Hergestellt wurden wahrscheinlich 3 Prototypen, Bilder der Kamera gibt es keine. Angeblich kam es zu keiner Produktion, weil einerseits Agfa nicht interessiert war, unperforierten 16 mm Film in spezielle Kassetten abzufüllen, hauptsächlich aber wohl deshalb, weil die Kamera nicht zu einem konkurrenzfähigen Preis hergestellt werden konnte; deshalb hatte auch die deutsche Konkurrenz mit der Rollei 16 und 16S sowie der MEC-16 keinen Erfolg. Kein Trost, dass auch die japanische Konkurrenz die Produktion solcher Kleinstbildkameras bald darauf einstellte.

Hinweis:
Die Aufnahmen der Kameras wurden freundlicherweise vom Leicashop in Wien zur Verfügung gestellt und sind für diese Firma urheberrechtlich geschützt.

 

Peter Lausch
Erstellt am 4. Juli 2008
Rechtliches

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