Einige Bemerkungen zur Leica M8

Dies ist kein Testbericht. Weder zeige ich, mit welchen Objektiven bei welcher Blende in welchem Betrachtungsabstand die Auflösung in den Bildecken abfällt (oder auch nicht), noch beschreibe ich die Bedienung der Kamera. Für Letzteres liest man am Besten die Bedienungsanleitung, die Leica als .pdf-Datei ins Netz gestellt hat. Und für ersteres verweise ich auf die vielen so genannten Testberichte in einschlägigen Zeitschriften, in denen bezahlte Journalisten berufsmäßig jubeln und über die Schwächen der jeweils erörterten Kamera – nichts schreiben.

Aber auf die einschlägige Seite des Digital Photography Review verweise ich dennoch. Dort lesen Sie  einen Testbericht vom Juli 2007 – im Hinblick auf die bekannten Mängel und Besonderheiten der Kamera hatten die Verfasser vorher von einer Bewertung der Leica M8 abgesehen. 

Meine subjektiven persönlichen Bemerkungen habe ich erstmals im Jänner 2007 verfasst. In ihnen habe ich niedergeschrieben, was ich mir nach damals  2-monatiger Benützung der Kamera dachte. Naturgemäß lag der Schwerpunkt dieser Bemerkungen auf der Darstellung der Einschränkungen und Besonderheiten, die der Benützer einer digitalen M-Leica in Kauf nehmen muss – und über die Leica vor Markteinführung kein Wort verloren hat und nach Markteinführung erst nach einigen Schrecksekunden, als diese besonderen Eigenschaften zu einem übers Internet weltweit verbreiteten Aufschrei der frischgebackenen Eigentümer einer Leica M8 geführt haben. Unsachlich sei dies, schreiben da die Berufsjubler, man könnte ja meinen, Leica habe einen Imageschaden erlitten. Na was, wirklich?

Ich sah und sehe mich nicht als berufsmäßiger Schwarzseher – ich erwarte bloß, dass eine Kamera um weit über 4000 € scharfe Bilder liefern kann (das vermag die Leica M8). Ich erwarte für diesen Preis auch maximale Qualität von Kamera und Objektiven – und ich habe keinen Zweifel, dass meine Kamera und meine Objektive im Lauf der Zeit diesem Anspruch genügen werden. Aber dass die Leica M8 nach wie vor einen schwarzen Anzug in einen violetten verwandelt, das erwarte ich nicht. Dass es bei den ersten (hundert, tausend?) Kameras auf vielen Aufnahmen einen <Banding-Effekt> zu betrachten gab, das erwartete ich auch nicht. Von hellen Lichtquellen verlief ein waagrechter hellerer Streifen übers Bild, der in einem grünen Fleck endete (manche US-Bürger haben ihn als <Glob> beschrieben. Zumindest mir war dieser Effekt neu; er ist mir bis dahin und seither auch nicht bei keiner anderen Kamera untergekommen. Und dass ich dagegen die violetten Anzüge und Kleider bei der Leica M8 einen speziellen Filter vor jedes Objektiv schrauben muss, das ist einmalig und das meine ich nicht im positiven Sinn. 2 Gratisfilter zu jeder Kamera sind meiner bescheidenen Meinung nach keine adäquate Lösung. Wo bleibt denn da der Jahrzehnte lang geprägte Spruch: Filter verringern bloß die Leistung eines Objektivs, den ich, und viele andere sicherlich auch, geglaubt habe. Auf einmal sollen Filter sozusagen das Ei des Kolumbus sein?

Um es mit einer Anleihe aus dem Werbedeutsch zu sagen: auf die überhöhte Infrarot-Empfindlichkeit als Alleinstellungsmerkmal auf dem Kameramarkt kann ich – und werden auch viele potentielle Käufer, fürchte ich – gerne verzichten.

Zwischenbilanz nach einem Jahr:

Manche der anfangs aufgetretenen Probleme haben sich in der Zwischenzeit erledigt, z. B. das leidige Problem des <Banding> ist durch die sicherlich nicht unkomplizierte und auch nicht billige Auswechslung von Teilen des Innenlebens der Kamera (neudeutsch: Hardware) beseitigt worden. Andere Probleme existieren nach wie vor und sind sicherlich zum Teil systemimmanent. Wer mit einer Leica M8 fotografieren will, muss Kompromisse schließen.

Das gilt auch für die Verwendung von Kameras anderer Hersteller und überhaupt für viele Produkte, die wir täglich benutzen, aber die Probleme bei der M8 sind zum Teil besondere.

Einige will ich im folgenden beschreiben:

 

1. Die Notwendigkeit technischer Kompromisse:

Jedes technische Produkt stellt letztendlich einen Kompromiss zwischen ganz unterschiedlichen Wünschen und Vorstellungen dar. Diese Binsenweisheit gilt auch für den Bau von Kameras. Handelt es sich nicht um die Entwicklung eines in seiner Art völlig neuen Produkts (wie seinerzeit die Konstruktion der Leica durch Oskar Barnack) kommen noch diverse Überlegungen zur Systemkompatibilität dazu; ergänzt wird dies letztlich durch eine gewisse Befangenheit der Entwickler: sie haben ein oder mehrere funktionierende Produkte auf dem Markt und sollen jetzt ein neues, an geänderte Verhältnisse angepasstes Modell entwerfen. Leicht ist es da, dass neben wirtschaftlichen Zwängen auch die Tendenz obsiegt, nur die technisch unbedingt notwendigen Änderungen vorzunehmen und damit das Risiko   nach Möglichkeit gering zu halten. Man kann das auch so formulieren: was immer so war, werden wir nur ändern, wenn es gar nicht mehr anders geht.

Für die Leica M8 gilt:

Neu war die Leica I.

Die Leica II war durch den Einbau eines gekuppelten Entfernungsmessers schon nur mehr eine – überaus sinnvolle – Weiterentwicklung . Ähnliches gilt für alle nachfolgenden Modelle von Leicas mit Schraubgewinde. Geändert wurde nur, was unbedingt notwendig war, der große neue Wurf fehlte indessen. An einem Detail, stellvertretend für viele, will ich dies beschreiben: Schon Barnack arbeitete an Prototypen mit teilweise abnehmbarem Deckel in der Rückwand zwecks leichterem Filmeinlegen. Aber niemand bei Leitz konnte sich zum Einbau eines solchen Deckels in die Rückwand entschließen, selbst dann nicht, als die als Ganzes aufklappbare Rückwand Standard bei Kleinbildkameras wurde - aber eben nicht bei Leicas.

Der zweite große Wurf bei der Entwicklung der Leica zu ihrer heutigen Form war sicherlich die Leica M3. Aber auch bei diesem, an sich neuartigen Produkt zeigt sich in manchen Eigenschaften diese gedankliche Beschränkung. Zum Beispiel: Im Jahre 1954 waren aufklappbare Rückwände bereits Industriestandard.  Obgleich möglich, weil eine Neukonstruktion, wurde jedoch das Gehäuse nicht mit einer solchen aufklappbaren Rückwand versehen – sie fehlt den verschiedenen Modellen der M-Leicas für Film bis heute. Aber dafür tauchte auf einmal Barnacks in der Serienfertigung der Leicas mit Schraubgewinde nie verwirklichte Idee eines abnehmbaren Deckels in der nicht abnehmbaren Rückwand wieder auf. Statt des Deckels baute man eine kleine Klappe zur leichteren Kontrolle des Filmeinlegens ein.  Warum, weiß Gott allein, vielleicht steht es auch in den Unterlagen von Leitz. Erklärt wurde es von der Firma nie. Das manchmal gebrauchte Argument, die Stabilität des Gehäuses würde sinken, wäre die Rückwand aufklappbar, ist eine simple Schutzbehauptung: zeigen nicht faktisch alle anderen hochwertigen Kameras, dass dies nicht der Fall ist. Natürlich hätte man das Gehäuse der M3 anders konstruieren müssen, aber .... siehe oben.

 

Die Auswirkungen dieser komplexen Überlegungen, Vorstellungen und gedanklichen Einengungen bei der Weiterentwicklung einer Kamera zeigen sich deutlich auch bei der neuen digitalen M8.

Leica ist offenkundig vom raschen Siegeszug digitaler Kameras und dem damit verbundenen Absatzproblemen  den M-Leicas für Film überrascht worden. Der Mangel an konkurrenzfähigen Modellen von Digitalkameras einerseits und die dadurch bedingten Absatzprobleme der angebotenen Kameras für Film (nicht nur der M-Leicas, mehr noch der Kompaktkameras) anderseits führten zum sattsam bekannten Verlust eines gravierenden Teiles des Stammkapitals und letztlich zur Änderung der Eigentümerstruktur. 

Jahrelang hatte man bei Leica die Auffassung vertreten, eine digitale M-Leica sei technisch nicht machbar. Begründet wurde dies mit dem gegenüber Spiegelreflexkameras geringeren Auflagemaß der Objektive, wobei anfangs offenbar noch von einem Vollformatsensor ausgegangen wurde und ferner damit, dass manche Objektive recht weit ins Gehäuse hineinreichen. Damit fallen aber die Lichtstrahlen am Rand des Sensors noch weniger parallel auf den Sensor als bei Spiegelreflexkameras der Konkurrenz und deren Objektiven mit größerer Schnittweite (und bei den hauseigenen Kameras R8 und R9 von Leica selbst).

Angesichts der rasanten Entwicklung bei digitalen Kameras und wohl auch der Nachricht von der Entwicklung einer digitalen Sucherkamera auf der Basis der Voigtländer Bessa, wurde diese Einstellung dann revidiert; auf den Vollformatsensor wurde verzichtet. Ist jedoch der Sensor kein Vollformatsensor, fallen die am stärksten schräg auftreffenden Randstrahlen der Objektive fürs Vollformat ohnehin nicht auf den nur 27x18 mm großen Sensor von Kodak. Außerdem wurde dem Sensor eine Art Wabenstruktur vorgesetzt, mit der, abhängig vom jeweils verwendeten Objektiv, mittels Software Vignettierungen, Farbverschiebungen etc. ausgeglichen werden sollen.

 

Mit dem gegenüber einem Vollformatsensor 24x36 mm verkleinertem Sensor, der dennoch ein wenig größer ist als der in digitalen SLRs meist übliche Sensor im APS-C Format, und mit der Wabenstruktur wurde es möglich, eine digitale M-Leica für alle seit 1954 produzierten Objektive mit Bajonettanschluss zu entwickeln (mit einigen wenigen Ausnahmen bei älteren Objektiven mit ausziehbarer Fassung und einigen älteren Weitwinkelobjektiven, die zu weit in die Kamera reichen). Da mit Bajonettadaptern auch die Objektive mit Schraubfassung M39 an den M-Leicas verwendet werden können, ist sozusagen jedes Objektiv zu einer Leica an der M8 verwendbar - wiederum mit den angeführten Einschränkungen.

Dessen hat man sich berühmt.

Sicherlich könnte man die Frage stellen, wie viele potentielle Käufer der digitalen M8 um heute fast 4000 € unbdingt ein Hektor 2,5/50 aus dem Jahr 1933 oder so wirklich an der M8 benützen müssen (oder wollen). Selbst wenn man sich auf die Objektive mit Bajonettanschluss beschränkt, werden wohl nur wenige Menschen ihr Elmar 3,5/50 aus dem Jahre 1954 an die Leica M8 ansetzen.

Aber schön ist es doch, sagt die Werbung und sagten die Berufsjubler, dass man kann, wenn man denn will.

Andere Firmen des Weltmarktes haben anders gedacht und gehandelt: Canon hat mehrfach den Objektivanschluss geändert und auch die Firma Nikon, die sich rühmt, das Bajonett sei seit der Nikon F aus den 60er-Jahren unverändert, hat die Anschlüsse so oft und so grundlegend geändert, dass zwar alte Objektiv allenfalls an eine moderne dSLR ansetzbar sind, die Kombination aber dennoch nicht wirklich funktioniert – ohne dass sich irgendwer aufregt oder zur Konkurrenz läuft (bei der die Dinge auch nicht viel anders liegen). Fazit: Nikon erzeugt heute pro Monat 10x mehr dSLRs als Leica von der M8 in einem ganzen Jahr.

2. Möglichst wenig ändern:

Wer derart konservative Käufer zum Kauf einer neuen Kamera animieren muss, wie sie Leica hat, der beharrt, siehe oben, auf Eigenschaften, welche M-Leicas immer gehabt haben, z. B. den Messsucher.  Und weil man ja immer noch Objektive aus den 30er-Jahren mit der M8 verwenden kann, ändert Leica naturgemäß auch den Objektivanschluss nicht - und verbaut sich die Möglichkeit von Blenden- und Programmautomatik, von Autofokus erst gar nicht zu reden. Blenden- und Zeitautomatik sind nicht nötig, meint da mancher Fan, aber ach, ein Blick auf die Produkte der Konkurrenz zeigt anderes. Warum dann die Zeitautomatik der M8 nötig ist? Einfach, weil man sie mit dem bestehenden Objektivanschluss verwirklichen kann. So einfach ist das. Und Autofokus ist ohnehin nix gut, nur, mit Nikons, Canons etc. werden Bilder geschossen, die durchaus scharf sind. Und kein Besitzer einer solchen Kamera hat je ein Motiv verpasst, weil er erst noch die Entfernung einstellen musste.  Ach ja, einen Selbstauslöser braucht kein Mensch an einer Leica, hieß es Jahre lang, aber die M8 hat wieder einen. Fortschritt, jubeln jetzt die selben Leute, die immer jubeln.

Die haben auch über den seit Jahrzehnten bewährten Tuchschlitzverschluss mit einer Synchronzeit von 1/50 Sekunde gejubelt. Aber leider, dessen letztes Stündlein hat bei der MP (als solches ein Retro-Modell, serienmäßig mit Drehknopf zur Filmrückspulung statt einer viel bequemeren Kurbel) endgültig geschlagen und siehe da, niemand beschwert sich ernsthaft über den neuartigen (für Leicas) elektronisch gesteuerten Lamellenverschluss. Der gehört zu den Dingen, die halt leider unvermeidlich waren, auch für traditionsbehaftete Konstrukteure. Laut ist er halt und ob die 1/8000 Sekunde tatsächlich nur 1/8000 einer Sekunde dauert, ist für Laien schwer zu messen. Aber es wird schon Gründe haben, dass man im Herbst für viel Geld in die Kamera einen neuen, leiseren Verschluss einbauen lassen kann, wenn auch ohne 1/8000.

3. Welche Mängel nimmt man bei der Markteinführung in Kauf?

Das ist allgemein ein trauriges Kapitel bei Digitalkameras, aber nach einigen Updates der Kamerasoftware geht's dann schon.

Im Fall M8 wurden allerdings einige gröbere Mängel - für mich unverständlich - offenbar in Kauf genommen (denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die einzelnen Probleme bei Testaufnahmen nicht erkannt wurden).

Voll funktionsfähig ist die Kamera-/Objektiv-Kombination erst dann, wenn die Objektive die 6-Bit Codierung aufweisen. Erst dann kann die kamerainterne Software Verzerrungen zielgerichtet und objektivbezogen ausgleichen. Dies gilt vor allem für die Weitwinkelobjektive, weniger für Teleobjektive, bei denen der Auftreffwinkel ja konstruktionsbedingt ohnehin weniger kritisch ist.

Der Käufer einer M8 darf sich daher entweder neue (Weitwinkel-) Objektive von Leica kaufen, welche diese Codierung aufweisen, oder aber seine alten Objektive für teures Geld bei Leica nachträglich codieren lassen – eine schöne Zusatzeinnahme, denke ich. Objektive mit Schraubfassung lassen sich nicht codieren. Laut der von Leica im Internet veröffentlichten Liste lassen sich auch manche neuere Objektive nicht codieren, darunter auch Weitwinkelobjektive.

Haben Sie indessen ein Objektiv von Voigtländer, Konica oder Zeiss, bleiben Sie ohnehin außen vor. Den Sparsamen straft das Schicksal, hat sich da einer gedacht.

Insbesondere deshalb, weil man zwar auch ohne Codierung mit solchen Fremdobjektiven fotografieren kann, die Codierung aber aus einem anderen Grund wichtig ist – siehe unten.

Um den notwendigen Abstand zwischen Sensoroberfläche und der Linsenfassung einhalten zu können, hat man zwangsläufig getrickst: man hat offenkundig die Schutzschicht gegen infrarotes Licht zu dünn bemessen. Infolgedessen wird – im Gegensatz zu den Kameras der Konkurrenz - infrarotes Licht nicht ausreichend gefiltert. Öffentlich bekannt geworden ist dies erst nach Auslieferung der ersten Kameras, als die Benützer feststellten, dass schwarze Kleidung mit Kunstfaseranteil violett wiedergegeben wird. Dies indessen sei kein Mangel, nein, schreiben die Jubler, sondern eine bewusst getroffene Entscheidung der Entwickler (siehe oben zum Thema Neuentwicklungen).

Nur war bei der Vorstellung der Kamera  die Lösung leider noch nicht fertig. Also überging man das Problem mit Schweigen – wird schon nicht so schlimm werden. Wurde es aber. Denn dank Internet haben verärgerte Benutzer ein leicht zugängliches und weltweites Forum, ihren Ärger kundzutun.

Nun mag die Anfälligkeit für infrarotes Licht eine konstruktive Besonderheit sein, mit der der Benutzer einer Leica M8 im Unterschied zu den Benutzern aller anderen digitalen Kameras ordentlicher Hersteller systembedingt leben muss. Warum die zuständigen Werbeleute diese Besonderheit jedoch nicht erwähnten, wirft aber schon Fragen zu firmeneigenen Vorgängen auf, die Leica intern beantworten sollte.

 

Diese konstruktive Besonderheit hatte es in sich: Infrarot strahlen nämlich nicht nur schwarze Mäntel etc. mit mehr oder minder hohem Anteil an Kunstfasern. Leider ist die Beimischung von Kunstfasern in Kleiderstoffen weit verbreitet und alle dunklen (nicht bloß schwarze) Stoffe mit Kunstfaseranteil verändern ihre Farbe. Je heller der Stoff, desto weniger sichtbar ist indessen die Infrarotstrahlung.

Dazu kommt ferner, dass einzelne <Testberichte> im Internet erschienen und voll des Lobes waren, obgleich die Tester den Mangel erkannt und Leica mitgeteilt hatten, ihren Lesern aber nicht. Das schafft Vertrauen in die Zuverlässigkeit von <Kameratests>! Und einige haben gleich gar nichts bemerkt, behaupten sie. Na bravo!

Ab Februar 2007 hat  Leica jedem Käufer 2 IR-Sperrfilter geliefert, der sich gemeldet hatte. Je nach Größe des Filters dauerte das relativ lange, bis die Filter tatsächlich geliefert wurden. Von den Berufsjublern wird diese Lösung bejubelt, wie nicht anders zu erwarten. Mehr als einer schreibt, die Leica sei ohnehin für SW-Aufnahmen prädestiniert, wer brauche da schon Filter?

4.

Die Lösung hat natürlich ihre Besonderheiten:

Ein Tri-Elmar 28-50-35 braucht in der Praxis keine Gegenlichtblende, weil die Vorderlinse relativ weit in der Fassung zurückgesetzt ist. Das ist gut so, denn die dazu lieferbare Sonnenblende von Leica besteht, dem Preis nach zu schließen offenbar aus mit Plastik verkleidetem Gold.

Schraubt man jetzt vorne an der Fassung ein Filter auf, wird man ja wohl auch dieses Ding dazukaufen müssen. Darüber finden Sie auf der Website von Leica natürlich nichts. Haben Sie aber vielleicht 3 Objektive, dürfen Sie sich um ca. 100 € das dritte Filter selber kaufen – oder wollen Sie nicht nur umständlich Objektive wechseln, sondern auch zusätzlich noch die zwei Filter – sofern sie dem Durchmesser nach aufs andere Objektiv passen, denn leider, Leica hat bis heute nicht zusammengebracht, was z. B. Nikon schon ab 1959 vorführte: eine einheitliche Filterfassung mit 52 mm Durchmesser (mit wenigen Ausnahmen)? Das Problem mit dem Tri-Elmar 28-35-50 mm hat sich zwischenzeitlich erledigt - das Objektiv wird nicht mehr erzeugt.

Mit diesen Filtern und der schon deshalb nötigen Codierung rechnet dann die kameraseitige Software den Magenta-Anteil angeblich heraus und beseitigt allenfalls verbleibende Farbstiche insbesondere in den Bildecken (wo die Lichtstrahlen eher schräg aufs Wabenmuster des Sensors fallen). Und ohne Codierung? Ja, sagen manche bei Leica, bei längeren Brennweiten funktioniert es schon auch, aber bis einschließlich 35 mm …….

Im Zuge diverser Software-Updates scheint es übrigens gelungen, das Magenta-Problem einigermaßen in den Griff zu bekommen. Anders wäre nicht zu erklären, dass auf meinen Aufnahmen kaum mehr Leute mit violetter Bekleidung auftreten, obgleich ich die gratis gelieferten Filter grundsätzlich nicht verwende.

Man kann diese Besonderheiten akzeptieren (siehe Filter) oder man kann sich überlegen, ob einem diese Besonderheiten den Mehrpreis gegenüber DSLRs aus Japan wert sind. Scharf sind die Aufnahmen jedenfalls und wenn ich jetzt die Straße vor meinem Fenster fotografieren würde, ich würde keinen violetten Farbstich sehen und keine Streifen ausgehend von (jetzt bei Tageslicht nicht vorhandenen) starken und punktförmigen Lichtquellen.

 

 

Zusammenfassung:

Sucherkameras wie die Leica sind Spiegelreflexkameras im Hinblick auf Vielseitigkeit unterlegen. Sucherkameras waren Jahrzehnte lang (vor allem, so lange Spiegelreflexkameras den heutigen Stand der Automation nicht erreicht hatten) auf einigen Gebieten eindeutig überlegen, etwa bei Schnappschüssen und allgemein bei jener Art der Fotografie, wie sie Meisterfotografen wie Henry Cartier-Bresson praktiziert haben.

Durch die technischen Fortschritte bei der Konstruktion von Spiegelreflexkameras und insbesondere durch das Aufkommen und die Vervollkommnung von AF-Systemen hat sich das meiner Meinung nach geändert. Scharfstellen kann man sicherlich auch mit dem Messsucher der Leica – schneller und in der Aufnahmepraxis ebenso gut, wenn nicht besser, stellt der AF scharf. Kameras mit AF befreien den Fotografen von der – manuellen – Scharfeinstellung; infolgedessen kann er sich bei Schnappschüssen etc. darauf konzentrieren, im richtigen Moment auszulösen, anstatt sich mit mechanischen Einstellungen herumschlagen zu müssen. Die Quote an scharfen und vom Ausdruck her gelungenen Fotos steigt. Und darauf kommt es doch schließlich an, oder?

Leica hat die Entwicklung eines eigenen AF-Systems für die M-Leicas versäumt; nun ist es zu spät. Man hat beharrlich am Messsucher und der manuellen Scharfeinstellung festgehalten – daher gibt es keinen Zoomsucher und mehr noch, auch keine Zoomobjektive zu den M-Leicas. Dies wiederum zwingt potentielle Käufer, sich mehrere – teure - Wechselobjektive zu kaufen und diese notfalls umständlich zu wechseln, um eine annähernd vergleichbare Auswahl an Brennweiten zu verwenden.

Dies alles hat zur Folge, dass Leica pro Jahr ca. 10000 M-Leicas erzeugt – Nikon pro Monat 100000 DSLRs. Der hohe Preis der M-Leicas wird zumindest mitbedingt durch die geringe Stückzahl.

Um es mit 3 Sätzen zu sagen:

Mit der Leica M8 wird den Leicafans die digitale Version einer M-Leica angeboten.

Ob sich ausreichend viele davon von den Vorzügen dieser neuen digitalen M-Leica überzeugen lassen,  wird sich zeigen.

Erst recht wird sich erst noch zeigen müssen, ob eine ausreichend große Zahl von Leuten, die bisher dSLRs aus Japan verwenden oder sich an Stelle einer digitalen Kompaktkamera eine höherwertige Kamera kaufen wollen, die Leica M8 kaufen werden, um der Firma auf Dauer Gewinne und damit die Existenz zu sichern.

 

 

 

 

Peter Lausch
Erstellt am  12. Jänner 2007, ergänzt am 24.3.2008
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