© Leicashop Wien, 2007

 

Eine kleine Leicaausrüstung aus dem Jahre 1961

Die Leica mit der Gehäusenummer 1029830 wurde 1961 erzeugt. Das an der Kamera angesetzte Elmar 2,8/50 mm wurde damals als Standardobjektiv für die M2 an Stelle des Summicron 2/50 mm empfohlen. Denn eigentlich war die M2 als eine Art Sparmodell für weniger betuchte Leica-Fans gedacht. Gegenüber der teureren und weiter lieferbaren M3 wurden kleine Einsparungen vorgenommen; so stellt sich das Filmzählwerk nicht automatisch auf 0 beim Einlegen eines Films, sondern muss von Hand eingestellt werden.

Von den Käufern wurde die Leica M2 nicht als Sparmodell empfunden, besaß sie doch gegenüber der M3 einen wesentlichen Vorteil: durch den stärker verkleinernden Sucher konnte auch der Rahmen für die Brennweite 35 mm eingespiegelt werden - damit fiel die Notwendigkeit der Sucherbrille für die für die M3 gedachten Weitwinkelobjektive weg. Auch entsprach die leichtere Verwendbarkeit von Weitwinkelobjektiven einem Bedürfnis der Anwender.

Eine <kleine> Ausrüstung nenne ich diese Kombination deshalb, weil sich der Eigentümer mit einem einzigen Wechselobjektiv zufrieden gegeben hat, einem Elmar 4/90 mm. Dieses 4-linsige Objektiv mit Bajonnettanschluss war schon seit 1954 auf dem Markt. Wie so viele andere Eigentümer von Leicas hat er seinerzeit die Möglichkeiten des Kamerasystems anscheinend nicht wirklich ausgenützt. Der Objektivkopf des Elmar 4/90 mm ist abschraubbar, mit einem Adapter passt er an den Visoflex und so wird die Leica zur (nach heutigen Begriffen recht umständlich zu bedienenden) Spiegelreflexkamera.

Solche <kleinen> Ausrüstungen sind eigentlich typisch für die damalige Zeit. Man fotografierte mit dem Normalobjektiv, das damals wirklich noch im Normalfall verwendet wurde - bei wenig Licht verwendete man höchstempfindliche Filme, etwa den Ilford HPS mit bis zu 29 DIN, je nach Entwicklung. Wollte man gerne Entferntes aufnehmen oder einfach unbeobachtet fotografieren, kaufte man sich ein langbrennweitiges Objektiv dazu. Und die Leute, die gerne in engen Gassen fotografieren wollten, kauften sich statt dessen ein Weitwinkelobjektiv mit Brennweite 35 mm oder gar 28 mm. So wurde es seit den frühen 30er-Jahren empfohlen.

Der Verkäufer erwartet sich für die Kamera im Zustand B und die gut erhaltenen beiden Objektive insgesamt 1100 €. Angesichts der nicht unbedingt nach heutigen Gesichtspunkten attraktiven Objektive mit relativ geringer Lichtstärke ist das ein relativ hoher Preis. Aber die Erfahrung zeigt auch heute noch, im Zeitalter der digitalen Fotografie: hat man ein wenig Geduld, verkauft sich fast alles mit der Zeit, wenn auf den Geräten Leica draufsteht.

 

© PETER LAUSCH/2007
Erstellt am 21. März 2007

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