Leotax FV
Eine interessante Kamera

Alle Abbildungen dieser Webseiten, wenn nicht anders angegeben: © Leicashop Wien,

 

Kurze Geschichte der Firma:

Von den vielen kleinen japanischen Firmen, die vor allem nach dem  2. Weltkrieg die Leica kopierten, war Leotax neben Canon und Nicca die wohl bekannteste. Aber auch diese Firma war relativ klein und relativ klein war der Ausstoß an Kameras: insgesamt dürften nicht mehr als 50.000 Kameras erzeugt worden sein.

Die damalige Firma Kyoei-Sha begann 1938 eine der Leica nachempfundene Kamera zu konstruieren. Der Firmeneigentümer hatte eine ganz besondere Vorliebe für die Leica und setzte sich in den Kopf, ein japanisches Gegenstück zu entwickeln. Problematisch war, dass die zahlreichen, die Leica betreffenden Patente von Leitz nicht verletzt werden durften. Die Firma produzierte vermutlich nur einen einzigen Prototyp. Die  im Jahr 1940 präsentierte Kamera ähnelte, wie nicht anders zu erwarten, einer Leica II, wies jedoch, laut den Beschreibungen und Abbildungen in japanischen Zeitschriften einen Messsucher auf: infolgedessen wies sie nur ein (rundes) Entfernungsmesserfenster auf, zum Unterschied zu den zweien  des Vorbilds. War somit der eingebaute Messsucher scheinbar fortschrittlich (die erste Leica mit Messsucher wurde von Leitz erst 1954 mit der Leica M3 angeboten) konnten die einschlägigen Patente zur Kupplung des Entfernungsmessers mit der Entfernungseinstellung der Objektive nicht umgangen werden. Mit anderen Worten: die Kamera besaß einen ungekuppelten Entfernungsmesser, die durch Blick in den Sucher und Drehung eines Einstellrades auf der Oberseite gemessene Entfernung musste manuell am Objektiv eingestellt werden. Keine besonders gute Lösung.

Daher wurde für die Serienproduktion Sucher und Entfernungsmesser getrennt, nach wie vor war der Entfernungsmesser aber nicht mit dem Objektiv gekuppelt wie bei den Leicas. Dem Vernehmen nach wurden von dieser als Leotax Original bezeichneten Kamera von der 1938 in Showa Kogaku umbenannten Firma ca. 50 Exemplare hergestellt. Auf dieser Basis wurden während des Krieges und unmittelbar danach zwei weitere Modelle, eigentlich Modellvarianten, angeboten, die Leotax Spezial A sowie die Leotax Spezial ohne Buchstabenzusatz. 1942 waren zusätzlich noch ca. 100 Stück Leotax Spezial B erzeugt worden, die  Belichtungszeiten bis 1 Sekunde aufwiesen und letzlich dem Vorbild der der Leica III nachempfunden waren.

1947 wurde die Leotax wesentlich geändert: infolge der Ungültigkeitserklärung deutscher Patente durch die Alliierten konnten die einschlägigen Patente von Leitz straflos und rechtlich einwandfrei genützt werden – von da an, beginnend mit der Leotax Spezial DIII, wiesen alle Kameras einen gekuppelten Entfernungsmesser auf. Insgesamt baute die 1950 in Showa Optical Works Ltd. umbenannte Firma (1956 erhielt die Firma sodann den endgültigen Namen: Leotax Camera Co. Ltd.). zwischen 1940 und dem Konkurs 1961 achtzehn verschiedene Modelle von Leotax Kameras, die sich vielfach nur in Details voneinander unterscheiden.

Als Beispiel nenne ich die von 1958 bis 1961 gerfertigte Leotax TV 2, die sich von der 1958 bis 1959 gefertigten Leotax FV nur durch den Wegfall der 1/1000 sec. bei der TV 2 unterscheidet.

Von den einzelnen Modellen wurden keine großen Stückzahlen gefertigt, z. B. von der Leotax F über 5000 Stück, von der Leotax FV weniger als 3000 Stück, von der Leotax S hingegen max. 700 Exemplare.

Die 1961 angebotene Leotax G war die letzte Kamera der Firma. Es wird behauptet, dass sie unter der Konkursverwaltung aus vorhandenen Bauteilen zusammengesetzt wurde, weil der Firma das Geld knapp vor Produktionsbeginn ausgegangen war. Eigentlich war die Leotax G eine erfolgversprechende Kamera: in ihrer äußeren Form hatte man sich an der Leica M3 orientiert, ein wenig auch an der Gestaltung des Suchers bei der Nikon SP, dabei aber das Schraubgewinde des Objektivanschlusses beibehalten, was die Kamera nach den gängigen Vorstellungen in Sammlerkreisen zur <Leica-Copy> macht.

Doch fanden sich nur knapp 500 Leute, die eine Leotax G kaufen wollten – das war somit das Ende der Leotax Camera Co. Ltd., Tokio.

Der Grund, dass die Firma, wie so viele andere kleine japanische Produzenten von Leica-Copies, in den 60er-Jahren zugrunde ging, lag in zweierlei:

Einerseits war ab 1954 die Leica M3 in ausreichender Stückzahl erhältlich und die Leica M3 war mit ihrem modernen Verschluss, ihrem Messsucher und dem Bajonettanschluss der Objektive sowohl den Schraubleicas als auch den davon abgeleiteten Leica-Copies so sehr überlegen, dass diese trotz niedrigeren Preises nicht bestehen konnten.  Die Leica M3 war sozusagen die Krönung der Sucherkameras mit Messsucher und es gibt sarkastische Menschen, die sagen, alles was Leica auf diesem Gebiet seither angeboten hat, seien bloß Variationen der M3. Aber ich sage das ausdrücklich nicht.

 Andererseits begann in den späten 50er-Jahren der Siegeszug der einäugigen Spiegelreflexkameras, als mit Rückkehrspiegel, Dachkantprisma, automatischer Springblende, Belichtungsmessung durch die Optik, motorischem Filmtransport und (bei den Weltmarktführern) modularem Aufbau das Prinzip der SLR sozusagen vollendet war. Von da an wurden die Hersteller von Sucherkameras mit Wechselobjektiven sozusagen in ein Nischendasein abgedrängt. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

 Leica produziert heute im Jahr mit den M-Modellen einen Bruchteil der Stückzahlen, die Nikon von einem einzigen Modell im Monat erzeugt. Früher war’s umgekehrt.

Beschreibung der Leotax FV

 

 

© PETER LAUSCH/2008
Erstellt am 24. September 2008

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