Kiev 19M
Eine interessante Kamera

 

 

Abbildung: Kiev 19 M mit Nikkor Series E, 1,8/50 mm
Von links nach rechts:
Plasikhandgriff, darüber Bildzählwerk, Schnellschalthebel und Auslöser,
unterhalb "19M" Abblendhebel, auf dem Prisma HotShoe samt Abdeckung
und rechts davon Blitzkontakt,
Vorderseite: Zeitenrad, darüber Druckknopf für die Verstellung der nicht sichtbaren Empfindlichkeitseinstellung, Rückspulkurbel (bedienbar nach Tastendruck auf Unterseite des
Gehäuses),
Öffnen der Rückwand durch Herausziehen der Rückspulkurbel.

Einleitung

Im Rückblick beginnt die Geschichte der Kiev 19M im Jahre 1945, als die siegreiche Sowjetmacht Maschinen und Pläne requirierte, mit denen in die Folge Nachbauten und geringe Weiterentwicklungen der Contax II und Contax III erzeugt wurden. 

Ab 1964 erzeugte man mit unterschiedlichem Erfolg SLRs als Eigenentwicklungen (Kiev 10, 15 und 17) und ab 1985 die Kiev 19 (ab Kiev 17 mit Nikon-Bajonett). 

In den Westen gelangte in größeren Stückzahlen nur die Kiev 19M, die ich daher kurz beschreibe.

Eigenschaften:

Die nur in Schwarz lieferbare Kleinbild-SLR Kiev 19M besitzt einen mechanischen, vertikal ablaufenden Metall-Schlitzverschluss mit Zeiten von 1/2 - 1/500 Sekunde + B. Die TTL-Belichtungssteuerung erfolgt bei Offenblende, den hiefür notwendigen Strom liefert eine Lithium-Batterie, etwa Varta PX-28 mit 6V Spannung oder eine gleichartige von einer anderen Firma. Da ungewöhnliche Abmessung, sind diese Batterien  nicht überall erhältlich   Die Belichtungsmessung erfolgt bei halb gedrücktem Auslöser durch - wahlweises -  Verstellen von Zeitenrad (an der Vorderseite) oder Blende (am Objektiv). Die richtige Belichtungzeit und Blende ist eingestellt, wenn bei Blick auf die Mattscheibe 2 rote Dioden gleichzeitig leuchten. Am schnellsten erfolgt die Messung, wenn je nach Bedarf die passende Belichtungszeit vorgewählt und danach die passende Blende eingestellt wird (oder umgekehrt). 

Standard ist ein 2/50 mm, wobei auch ein 1,4/50 mm gegen Aufpreis lieferbar ist. Es gibt zur Kiev 19M von Arsenal eine Reihe von Wechselobjektiven, angefangen mit einem Shift-Objektiv mit 2,8/35 mm bis zu einem 2,8/300 mm einschließlich Zoom-Objektiven in den gängigen Bereichen. Die Kiev 19M hat ein Nikon AI-Bajonett, es passen daher auch alle AIS-Objektive (ohne AF) und alle AF-Objektive (mit Ausnahme der neuen Serie G ohne Blendeneinstellung auf dem Objektiv). Naturgemäß werden die Steuerkontakte der AF-Objektive von Nikon und von Fremdherstellern nicht genutzt, wenn diese Objektive an der Kiev verwendet werden.

Anschluss für einen Motor fehlt, Hot Shoe ist vorhanden, zusätzliche Synchronbuchse für Kabelblitzgeräte ebenfalls, die kürzeste Synchronzeit ist 1/60 Sekunde. Steuerkontakte fehlen, Automatikblitzgeräte sind verwendbar, eine TTL-Blitzsteuerung fehlt.

Die Kiev 19M wurde in Österreich ab Sommer 2000 in einzelnen Geschäften zum Preis von (heute) Euro 150 (mit Normalobjektiv 2/50) angeboten worden.  Sie dürfte sich (jedenfalls in Österreich) schlecht verkauft haben.

Wertung

Vom Erscheinungsbild, einigen Eigenschaften und vom Objektivanschluss her drängt sich ein Vergleich mit SLRs von Nikon auf, primär mit der ab 1982 lieferbaren Nikon FM2. Der Kiev 19M fehlt der Motoranschluss, die kürzeste Synchronisationszeit beträgt nur 1/60 statt 1/250 Sekunde (bei einer Leica M7 aber immer noch nur 1/50 Sekunde!) und mit der kürzesten Verschlusszeit von 1/500 Sekunde kann man zwar leben, aber auch diesbezüglich wird sie von der Nikon FM2 geschlagen - aber naturgemäß war diese Nikon-Kamera mit gleichwertigem Objektiv fast 6x so teuer wie die Kiev 19M, selbst als die Restbestände der FM2 zu erniedrigtem Preis verscherbelt wurden.

Geht man vom Preis-/Leistungsverhältnis aus, schlägt sich die Kiev im Vergleich mit der doppelt so teuren (von Cosina im Auftrag Nikon gefertigten und inzwischen zumindest in Europa schon längst wieder aufgegebenen) Nikon FM10 gar nicht so schlecht und hätte meines Erachtens auf bestimmten Märkten mit wenig Kaufkraft durchaus Aussicht auf Erfolg. In Europa schaut es hingegen reichlich finster aus. Am ehesten kann sie als Zweitgehäuse bei Urlaubsreisen u. dgl. bestehen, oder wenn für möglichst wenig Geld eine SLR gekauft werden soll und aus welchem Gründen immer den vergleichbaren Kameras aus China mit Minolta MD- oder Pentax K-Fassung nicht der Vorzug gegeben wird.

Hinweis:

Eine in der Fassung der Kiev-Objektive vorstehenden Schraube verklemmt sich gerne im Bajonettanschluss von Nikon-Kameras. Da ist dann allenfalls eine Reparatur der Nikon fällig! Umgekehrt funktioniert es klaglos.

Noch etwas: Gebraucht wird hierzulande gelegentlich auch die Kiev19 angeboten. Beachten Sie vor einem allfälligen Kauf zwei Dinge: Die Belichtungsmessung erfolgt nur bei Arbeitsblende und Sie benötigen andere Batterien - die Arbeitsspannung beträgt nur 3V. Es sind je zwei Batterien LR-44, S76 bzw. SR43 zu je 1,5V Spannung nötig (oder, je nach Firma, auch gleichartige mit anderer Bezeichnung).

 

 

© PETER LAUSCH/2008
Geändert am 23.12.2008

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