| PETER LAUSCH - IRLANDREISE 2007 | lissadell | 10/40 | |
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| Lissadell House nördlich Sligo |
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Die Familie Gore-Booth zählte im 19. Jahrhundert zu den größten Grundbesitzern Irlands. Ab 1830 ließ sich das damalige Familienoberhaupt in Lissadell ein Herrenhaus bauen, einen nach dem Geschmack seiner Zeitgenossen sicherlich ausreichend eindrucksvollen Kasten aus abweisend wirkenden grauem Stein ohne jeden unnötiger Fassadenschmuck – siehe oben.
Der Sohn des Auftraggebers, Sir Henry Gore-Booth, war in mancherlei Hinsicht ebenfalls eindrucksvoll. Mit mehr als ausreichendem Vermögen ausgestattet, hielt es ihn nicht im kühlen Irland, er brachte es zum erfolgreichen Großwildjäger in Afrika, was einer ganzen Schar von Elefanten, Nashörnern, Nilpferden, Zebras und allerlei anderem vierfüßigem Getier das Leben kostete. Und als es in Afrika kein jagdbares Getier mehr gab, von dem er nicht mindestens 1 Exemplar umgebracht, begab er sich auf <Forschungsreise> in die Arktis, wo er über die dort einheimischen Tiere herfiel, u. a. über Eisbären. Davon legt noch heute ein eher räudiges Fell eines Eisbären Zeugnis ab, den er unter Lebensgefahr erlegte – wenngleich die Gerüchte lange Zeit nicht verstummen wollten, geschossen habe das Vieh sein Butler (ohne den er nicht auf Reisen ging, der Standesgemäßheit wegen).
Sir Henry hatte 5 Kinder, von denen 2 berühmt werden sollten, nämlich die 1868 geborene Constance und die 2 Jahre jüngere Eva.
Eva versuchte sich als Suffragette in England und dichtete. 1939 bescheinigte ihr W. B. Yeats <dichterisches Talent>, eine durchaus bemerkenswerte Beschreibung für eine damals 59 Jahre alte Frau.
Constance fühlte sich zur Malerei hingezogen, absolvierte Lehrjahre in Paris und lernte dort einen polnischen Grafen namens Casimir Markiewicz kennen und lieben, den sie in der Folge heiratete. Was die Familie zur Heirat mit einem durchaus nicht standesgemäßen Mann sagte, ist nicht offiziell bekannt; auch gehörte der Herr Markiewicz anscheinend zu keinem polnischen Adelsgeschlecht, sondern sein Vater und er wurden von ihren Pächtern halt als Grafen bezeichnet und was blieb ihnen übrig, als sich selbst auch in Gesellschaft als Graf vorzustellen?
Wie auch immer, das Eheleben war nicht von Dauer, zu verschieden waren Mann und Frau. Constance Markiewicz engagierte sich im Kampf um ein unabhängiges Irland, bemerkenswert für eine Frau aus altem protestantischem Adel. Sie wirkte am Osteraufstand 1916 mit, wurden von den Briten deswegen zum Tod verurteilt, aber nicht hingerichtet, weil a) eine Frau und b) eifrig zu ihren Gunsten interveniert wurde.
1918 wurde sie als Abgeordnete ins Unterhaus gewählt, nahm ihr Mandat aber nicht an, wurde 1919 die erste Frau in einer irischen Regierung und starb 1929. Hinter ihrem Sarg fuhren beim Begräbnis Lastwagen voll mit Kränzen und Buketts.
Als Teenager waren Constance und Eva recht hübsch, wie Fotos beweisen – gerne wird in allerlei Broschüren des Irish Tourist Board und in allerlei Reiseführern, die daraus abschreiben, ein Vers von W. B. Yeats zitiert:
The light of
evening, Lissadell,
Liest man indessen das ganze Gedicht (In Memory of Eva Gore-Booth und Con Markiewicz) erkennt man, dass die Zeit es nicht gut mit beiden gemeint hat, wie Yeats schreibt . Nach 1920 wurde der riesige Grundbesitz aufgeteilt. Der Familie blieb lediglich das Herrenhaus und die umliegenden Ländereien, die von den Nachkommen einer jüngeren Schwester von Constance und Eva recht und schlecht bewirtschaftet wurden. Die beiden Alten, die zuletzt in Lissadell House wohnten, verschafften sich ein sicherlich kärgliches Zubrot durch Führungen durch das Haus, dessen Einrichtung so erhalten blieb, als wäre die Zeit irgendwann in den 20er-Jahren stehen geblieben. Gerne zeigten sie auch ein Zimmer im Oberstock des Hauses, in dem Yeats genächtigt haben soll. Erwiesen ist freilich, dass Yeats a) nur einige Male in Lissadell war und b) wie alle unverheirateten Mannsbilder auch im Wirtschaftsgebäude untergebracht wurde.
Aus Altersgründen
mussten die Gore-Booths vor einiger Zeit den verbliebenen Grundbesitz
verkaufen; erstanden hat ihn samt dem Haus eine Anwaltsfamilie, die
seither einiges Geld in die Renovierung gesteckt und in die
Wiederherstellung des verwilderten Geländes investiert hat. In den
Sommermonaten kann man Lissadell House besuchen – nützliche Informationen
gibt es unter
http://www.lissadellhouse.com
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