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In Leenane
In den Morgen- und Abendstunden, wenn die Sonne tief steht und die
Konturen dieses Berges am Südufer des Killary Harbours in Leenane
nachzeichnet, werden an den Bergflanken auch nach fast 150 Jahren die <lazy
beds> als senkrechte Linien sichtbar, in denen vor der Zeit des großen
Hungersnot Kartoffel angebaut wurden. Von diesen kartoffeln und ein wenig
Milch lebte die damals zahlreichere Bevölkerung Irlands. Als infolge der
Kartoffelfäule einige Jahre hindurch die Ernten ausfielen, starb ca. 1
Million irischer Kleinhäusler und 1 weitere Million wurde in der Folge
unter großteils entsetzlichen Bedingungen zur Auswanderung gezwungen, weil
die Nahrungsmittelgrundlage weggefallen war. Diese Hungersnot traf
ausschließlich die katholischen Bauern keltischer Herkunft - die
protestantischen Grundherren lebten weiterhin in Saus und Braus. Der
damalige Eigentümer von Schloss Kilkenny, ein Mann namens Butler aus
normannischem Adel, nahm in seinem Tagebuch nicht einmal Notiz von der
Hungersnot. Einzig wichtig war ihm, an welchen Festen er teilgenommen und
welche seiner Rennpferde wann und wo Preise gewonnen hatten. Das irische
Volk hat dies der protestantischen Oberschicht des Landes nicht vergessen:
nach der Loslösung Irlands von Großbritannien brannten die Herrenhäuser
der Protestanten der Reihe nach nieder, angezündet von der IRA. Und
letztlich waren die <Troubles> in Nordirland in den letzten Jahrzehnten ja
keine religiös motivierten Auseinandersetzungen, sondern Spiegel der
sozialen Gegensätze zwischen einer fast ausschließlich protestantischen
Oberschicht und der Masse der sozial benachteiligten katholischen
Bevölkerung.
Die von den Engländern abschätzig so genannten Lazy Beds waren im
Übrigen die rationellste Form der Anpflanzung von Kartoffeln angesichts
des irischen Klimas und haben mit der angeblichen Faulheit der irischen
Landbevölkerung nichts zu tun. |