| Grab des Nobelpreisträgers für
Literatur W. B. Yeats auf dem Friedhof von Drumcliff
1939 starb W. B. Yeats in Südrankreich, wurde zunächst
dort auch begraben und 1948 nach Irland überführt, wo er wunschgemäß
auf dem Friedhof von Drumcliff in einem schmucklosen Grab beigesetzt
wurde. Dieses Grab ist seinerseits zu einer Sehenswürdigkeit geworden,
tausende von Touristen besuchen es jedes Jahr. Aber nicht nur
Neugierige sind es, die den Hinweisen in ihren Reiseführern folgen
(das Grab ist als Sehenswürdigkeit schon deshalb beliebt, weil sich
unmittelbar daneben neuerdings ein ausreichend großer Busparkplatz
befindet, was man von anderen Sehenswürdigkeiten leider nicht immer
sagen kann!), auch die Zahl jener, die aus Verehrung für den Dichter
kommen und kränze und Buketts niederlegen, ist nicht gering. In der
angrenzenden protestantischen Kirche hat man ein kleines Museum
eingerichtet, vom Fremdenverkehrsverband subventioniert. Denn Yeats
ist, auch und vor allem seit seinem Tod, sozusagen ein wichtiger
Wirtschaftsfaktor. Einerseits hatte er die Eigenart, über viele Orte
in der Umgebung Sligos Gedichte zu schreiben - so kann man nun den Ort
besuchen, dem Yeats sein Gedicht jeweils gewidmet hat. Dooney Wood
und die Isle of Innisfree am Südufer des Lough Gill gehören dazu, aber
auch der Wasserfall von Glencar am gleichnamigen See. Andere Gedichte
wiederum beschreiben wenn schon nicht bereits im Titel, so doch
inhaltlich konkrete Orte, wie etwa Lissadell House. Das lässt sich
kommerziell durchaus nutzbringend verwerten.
Dabei war Yeats eine durchaus komplexe Persönlichkeit
mit allerlei Ängsten vor Nachtmaren und anderem, einer lebenslangen
Neigung zu theosophischen und esoterischen Ideen, ein Verehrer einer
Madame Blavatsky, die unter ihresgleichen nicht ohne ist. Viele seiner
Gedichte legen von diesen weniger erwähnten Charakterzügen Zeugnis ab.
Auch der bekannte Vers auf seinem Grabstein ist nicht so einfach zu
interpretieren, wie das gerne geschieht:
Cast a cold Eye
on Life, on Death,
Horseman, pass by.
Denn die Horsemen waren in Yeats nächtlichen Fantasien
dunkle Schattengestalten und wer das ganze Gedicht <Under Ben Bulben>
liest, gewinnt bei der Lektüre durchaus einen Einblick in Yeats
Denkungsweise, seine Ängste, seine Albträume.
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