Konica Hexar RF
  

Eine kurze Beschreibung der Kamera, ihrer Bedienung etc. mit Hinweisen auf die Verwandtschaft zur Leica M6

 

Hexar RF mit Hexanon 2,0/50

   Haben Sie jemals darüber nachgedacht, was eine moderne Sucherkamera mit Wechselobjektiven in der Art der Leica alles können sollte? Und haben Sie auch daran gedacht, dass auch die neueste Leica MP eigentlich eine Kamera ist, die gegenüber der allerersten M3 eigentlich nur in Details verbessert wurde, die aber die 1954 (Lieferbeginn der Leica M3) technisch bedingten Schwächen nach wie vor mitschleppt? Haben Sie auch daran gedacht, wie bei anderen Firmen kleine Änderungen ohne viel Ankündigungen erfolgen, bei Leica jedoch mit Tamtam? Ein größerer Drehknopf für die Zeiteinstellung gefällig? Trara! Endlich eine logisch einwandfreie Methode des Belichtungsabgleiches im Sucher? Trara!
   
   Was brauchen Sie einen Selbstauslöser? Bei keiner ab 1974 erzeugten Leica  gibt es einen. Natürlich brauchen Sie keinen, aber viel
Gottvertrauen. Ihre Familie wollen Sie fotografieren, sich selber auch noch? Geben Sie die teure Leica einfach dem nächsten Zuseher, sagen Sie ihm, wo er draufdrücken und wo er durch den Sucher schauen soll!! Suchen Sie sich aber möglichst einen gehbehinderten Zuseher aus, der läuft weniger schnell mit Ihrem Goldstück davon als Sie ihm nach. Und fotografieren Sie sich gefälligst auf diese Weise nicht in Lima oder Neapel oder Moskau ......... Dort sollen auch die Gehbehinderten recht rasch laufen.
     

    Viele Jahre wurde über ein denkbares Nachfolgemodell der in die Jahre gekommenen Leica M6 spekuliert. Zeitautomatik sollte die Kamera haben, eine aufklappbare Rückwand wie sozusagen alle übrigen Kleinbildkameras des Weltmarktes und so weiter. Aber eine mittelständische Firma mit weit weniger als 1000 Mitarbeitern ist in ihrer Entwicklungskompetenz eingeschränkt, umso mehr, als die Jahresgewinne schon seit einigen Jahren auf sich warten lassen. Auf Dauer wird man sich auch bei Leica mit anderen zusammentun müssen. Ob französische Parfumfabrikanten die besten Teilhaber sind, habe ich an dieser Stelle 2002 gefragt? Sie sind es anscheinend, denn dank ihnen und einer österreichischen Investitionsfirma ist heuer im Frühjahr der Konkurs noch einmal abgewendet worden. Derzeit wird alles Geld in eine digitale M-Leica gesteckt - ein Vorhaben mit ungewissem kommerziellen Erfolg, denn ob im schnelllebigen Markt für digitale Kameras Zielvorstellungen von 2004 mit den Erwartungen von Ende 2006 vereinbar sein werden, steht in den Sternen. Daher wird es die aufklappbare Rückwand für die analogen Modelle nicht geben, denn dazu wäre eine Umkonstruktion des Gehäuses von M7 und MP, den derzeitigen Modellen, nötig. Immerhin, die Leica M mit Zeitautomatik gibt es inzwischen, die Leica M7.

   Konica hingegen ist eine große, reiche Firma und mit Kopierern etc. gut im Geschäft. Die Firma ist Jahrzehnte lang Herstellerin von interessanten Kameras. Daher wird seit Jahren davon gemunkelt, eine neue Leica werde von Konica kommen. Wie auch immer, gekommen ist die Konica Hexar RF. Und die neue Leica M7 ist immer noch von LEICA Camera AG.

Die Kamera
   
   Nehmen Sie eine M-Leica als Ausgangspunkt. An Stelle des mechanisch gesteuerten Tuch-Schlitzverschlusses ist die Hexar RF mit einem elektronisch gesteuerten Metall-Schlitzverschluss mit Belichtungszeiten von 1/4000sec bis 16 Sekunden von Copal ausgestattet. Zusätzlich hat sie einen motorisierten Filmtransport. Der belichtete Film wird am Filmende automatisch und motorisch in die Kassette zurückgespult. Die Rückspulung ist (so der Benutzer will) motorisch auch möglich, ehe alle Aufnahmen belichtet sind. Möglich ist die Rückspulung des Films in die Kassette zur Gänze; alternativ ist eine Rückspulvariante vorgesehen, bei der der Filmanschnitt nicht mit in die Kassette eingespult wird - praktisch beim Rückspulen eines teilbelichteten Films.
   
   Der Bajonettanschluss der Wechselobjektive von Konica zur Hexar RF entspricht dem Bajonett der Objektive zu den M-Leicas. Das Bajonett der Konica Hexar RF ist daher in seinen Eigenschaften mit dem der Leica identisch. Konica bezeichnet das als KM-Fassung. Das bedeutet auf gut deutsch, man kann alle an die M6 passenden Objektive von Leica auch an der Hexar RF ansetzen und umgekehrt. Aber wie es schon so ist im Leben, für die Richtigkeit dieser Behauptung (und aller anderem in diesem Artikel) übernehme ich rechtlich keine wie immer geartete Garantie. Da schlägt der Jurist in mir durch. Probieren Sie es auf eigenes Risiko halt aus. Ich bin sicher, Sie werden nicht enttäuscht sein.
 
   Manche LEICA-Fans haben behauptet, bei der Hexar seien die Toleranzen größer, mag sein, ist umstritten. Praktisch kein Benutzer einer RF hat je geklagt über dadurch bedingte Unschärfen auf seinen Aufnahmen, wenn er Leica-Objektive verwendet oder umgekehrt.
   
   Sucher und Entfernungsmesser sind dem der Leica sehr ähnlich. Nicht nur sind im Sucher nach demselben Prinzip wie bei der Leica die Sucherrahmen  eingespiegelt und sind wie bei der Leica auch immer 2 Sucherrahmen gleichzeitig sichtbar; es sind auch die selben Kombinationen wie bei der Leica sichtbar: 28+90mm, 50+75mm und 35+135mm. Die passenden Sucherrahmen werden - wie bei der Leica - beim Ansetzen des entsprechenden Objektivs automatisch eingespiegelt. Wollen Sie sehen, wie ein Sujet mit einem Objektiv anderer Brennweite wirken würde, können Sie mit einem Hebel links vorne am Gehäuse die gewünschte Brennweite manuell wählen - auf dieselbe Weise wie bei der Leica. Leica bestreitet jede Zusammenarbeit. Zufälle gibt es halt im Leben!
   
   Die Hexar RF, die nur im im Set mit Normalobjektiv und E-Blitz geliefert wurde, weist beim Sucher noch weitere Besonderheiten auf, wie man sie ähnlich auch bei den M-Leicas findet. Der Sucherrahmen zeigt bei einer Entfernung des Objektes von 3 Metern 85% des Bildes an, das heißt, das Bild auf dem Film zeigt um 15% mehr an als der Sucherausschnitt vermuten lässt. Bei größeren Entfernungen wird dieser Unterschied größer. Im Sucher der Hexar RF sehen Sie daher NIE das volle Bild, wie es auf dem Film abgebildet wird, sondern weniger. So ist es auch bei anderen Sucherkameras. Das hilft, abgeschnittene Köpfe und Zehen auf den Aufnahmen zu vermeiden.
   
   Allerdings misst der Entfernungsmesser der Hexar RF weniger genau als der der bei einer M-Leica mit einer Suchervergrößerung von 0,85. Zwar hat der Entfernungsmesser dieselbe Messbasis wie der in den M-Leicas, doch ist das Sucherbild der Hexar RF kleiner (Suchervergrößerung 0,6x). Erst bei einer Leica mit einer Suchervgrößerung von 0,58x zieht die Hexar RF gleich. Bei den M-Leicas wird diese Suchervergrößerung als ideal für Weitwinkelfreunde angeboten, ist aber gegenüber der Standardvergrößerung von 0,72x nicht sonderlich begehrt. Mit einem Summilux 1,4/50 oder ein Summicron 2/90 von Leica kommen Sie daher bei größter Blende an die Grenze der Genauigkeit des Entfernungsmessers der Konica Hexar RF und der Leica mit 0,58x Sucher; das gleiche gilt sinngemäß für das 1,4/75 von Leica bei der Naheinstellgrenze des Objektivs.

   Auf der Vorderseite der Konica Hexar RF sehen Sie nicht viele Bedienungselemente: links neben dem Objektiv den Druckknopf für die Entriegelung des Objektivs; beim Ansetzen des Objektivs richten Sie den kleinen roten Plastikknopf an der Objektivfassung an diesem Druckknopf aus und drehen das Objektiv im Uhrzeigersinn, bis es einrastet. Beim Abnehmen machen Sie das Gegenteil, wobei Sie wiederum den Druckknopf drücken. Der Hebel rechts neben dem Objektiv ist, je nach Objekiv, nach rechts oder links geneigt oder steht aufrecht. Durch entsprechende Hebeleinstellung können im Sucher manuell die einzelnen, von der Kamera angezeigten Suchermasken angezeigt werden - so wie bei den M-Leicas.
   
   Von oben betrachtet, sehen Sie links außen in einem Fenster die bei eingeschalteter Kamera angezeigte Zahl der noch nicht belichteten Aufnahmen; fast immer sehen Sie ein kleines Batteriesymbol. Sind keine Batterien (2x CR2-Lithium) eingelegt oder sind sie leer, sehen Sie - nichts.
   
   Rechts neben dem Sucherschuh finden Sie auf der Oberseite des Gehäuses die wichtigsten Bedienungselemente. Ganz rechts außen das Rad für die manuelle Einstellung der Belichtungszeiten  (1-1/4000 sec +B) sowie AE und AEL. AE bedeutet automatische Zeitenbildung in einem Bereich von 16-1/4000sec, nachdem Sie die Blende manuell auf einen von Ihnen festzulegenden Wert eingestellt haben. AEL bedeutet Meßwertspeicherung. Die Belichtungsmessung erfolgt bei halb gedrücktem Auslöser; drehen Sie dabei das Einstellrad auf AEL, wird die Zeit gespeichert - nützlich bei manuellen Korrekturen der Zeitenbildung durch Sie. Alternativ können Sie die Zeitenbildung und damit die Belichtung auch durch das Einstellrad direkt neben dem Sucherschuh beinflussen, in Drittelstufen zwischen +1/-1. 

Beides gefällt dem erwähnten Leica-Fan nicht; beides hat die Leica M7, die er über alles lobt. Nachzulesen bei Bedarf auf seiner Seite. (Für Leicafans: er hat einen der besten Webauftritte und ist eine Kapazität - Sie müssen aber so wie er glauben, dass es nichts Besseres gibt als eine M-Leica und Leica-Objektive).

   Mit diesem Rad können Sie - durch Anheben des gerändelten Ringes am Rand - die Filmempfindlichkeit einstellen. Von der Fabrik erhalten Sie die Kamera mit der passenden Einstellung für DX-kodierte Filme, aber diese Einstellung können Sie jederzeit manuell ändern, falls Sie wollen. Vor den beiden Einstellrädern liegt der Auslöser, umgeben von einem Drehring, mit dem Sie die Kamera einschalten bzw. auf Einzel- oder Mehrfachauslösung einstellen können. Bei C löst die Kamera mit ca. 2,5 Bildern/sec aus, solange Sie den Finger auf dem Auslöser lassen und der Film reicht. Mit dem dritten Symbol schalten Sie den Selbstauslöser ein - und ggfs. auch wieder aus. Einen ganz gewöhnlichen, preiswerten mechanischen Drahtauslöser können Sie auch verwenden, den Sie neben dem Suchereinblick an der Schmalseite der Kamera einschrauben.
   
   Der Sucherschuh ist primär für das mitgelieferte "dedicated" Blitzgerät von Konica bestimmt; es können aber auch alle Blitzgeräte mit "hot shoe" verwendet werden - andere sind ohnehin kaum mehr auf dem Markt. Beim Originalblitzgerät HX-18W mit LZ 18 bei 100 ASA wird bei Einstellung auf AE die Synchronzeit automatisch auf 1/125sec umgestellt, bei allen anderen Blitzgeräten müssen Sie manuell die Synchronzeit einstellen. 

   Nicht vergessen: die Hexar RF hat keine TTL-Messung bei Blitzaufnahmen. Sehen Sie daher bei Ihrem sonstigen Blitzgerät mit Autofokus, Leuchtmengenreduzierung und ähnlichem nach, ob es sich auf "Computerblitzen" einstellen lässt und fragen Sie ggfs. beim Hersteller bzw. lesen Sie die Gebrauchsanleitung. Der kleine Originalblitzer ist ganz praktisch zum Aufhellen von Gesichtern im Gegenlicht, mehr ist kaum möglich. Die Hexar RF ist primär gedacht für das Fotografieren bei vorhandenem Licht!

Die Wechselobjektive
   Im Set liefert Konica Gehäuse, Blitzgerät und Normalobjektiv Konica M-Hexanon 2/50mm. Erhältlich war auch ein  2,8/28mm und ein 2,8/90mm. Auch ein 2,0/35 mm Objektiv sollte es geben, das ist aber erst mit Verzögerung auf den Markt gekommen. Dem Vernehmen nach wurden weit mehr Sets als Wechselobjektive verkauft. Es scheint so, als wären viele Käufer - so wie ich - Besitzer einer M-Leica, die ein modernes Gehäuse wollen. Alle drei Objektive sind gut und preiswert; die herausragende Qualität der Leica-Objektive erreichen Sie nicht. Dafür sind sie um ein Haus billiger.

   Da jedoch die Hexar RF ein mit den M-Leicas praktisch identisches Bajonett aufweist, lassen sich - auf Ihr eigenes Risiko und durchaus nicht auf meine Verantwortung oder Garantie, siehe oben, - an der Hexar RF auch die Objektive zu den M-Leicas verwenden. Minolta hat vor 20 Jahren die CLE als Weiterentwicklung der Leica CL herausgebracht, also passen an sich auch die entsprechenden Objektive von Minolta. Mit einigen Besonderheiten, die Vorsicht angeraten sein lassen: Das Rokkor-M 2,8/28 mm spiegelt den Rahmen für 35 mm ein, das Rokkor-M 2,0/40 mm den Rahmen für 50 mm.

hexarelmar1.jpg (37239 Byte)

   Was Sie oben sehen, ist eine schöne, teure Ausrüstung, mit der Sie den meisten Anforderungen gewachsen wären: das Tri-Elmar mit 28, 35 und 50 mm Brennweite sowie das kaum größere Elmarit-M 2,8/90 mm.

   Nur die Leica-Objektive zur Leica CL sind mit Vorsicht zu genießen, sie haben zwar den richtigen Bajonett-Anschluss, aber die Kupplung der Entfernungseinstellung des Objektivs mit dem Entfernungsmesser der Leica CL ist geringfügig unterschiedlich. Es gibt im Leben manche Dinge, die man tun kann und manche, die man besser lassen sollte.
   
   Objektive für die Leica CL setze ich weder an eine M-Leica noch an eine Konica Hexar RF an!
   
   Cosina bietet unter dem Markennamen Voigtländer seit einigen Jahren auch eine Reihe von Objektiven mit Schraubfassung für die alten Schraubleicas sowie für die Voigtländer Bessa L, R und T. Mit den der Brennweite entsprechenden Bajonettadaptern kann man - natürlich auf eigenes Risiko - solche Voigtländer-Objektive auch an M-Leicas etc. verwenden. Stephen Gandy hat auf seiner hervorragenden Site einen Bericht in Englisch über die Objektive zur Voigtländer Bessa L und R

   Mit der altehrwürdigen deutschen Firma Voigtländer hat das alles nichts mehr zu tun, auch wenn die neuen Objektive die traditionellen Namen Ultron, Nokton und Color-Heliar tragen. 

Konica Hexar RF - ein Erfolg?

   Gewiss, als technisches Produkt. Ein kommerzieller Erfolg ist die Kamera nicht geworden. Meine Konica Hexar RF war seinerzeit eine von anfänglich drei von Konica nach Belgien exportierten Exemplaren. Meine Konica hat die Seriennummer 144 3289. Die des erwähnten Stephen Gandy hat die Nummer 144 0824. Scheint so, als hätte Konica mit 144 ooo1 angefangen. Dem Vernehmen nach wurden pro Monat nur 500 Stück erzeugt.

  In der Zwischenzeit wird die Hexar RF samt Objektiven längst nicht mehr erzeugt. Sie wurde schon vor der Vereinigung von Konica mit Minolta eingestellt. Die letzten Exemplare der Kamera und der Objektive sind inzwischen zu billigem Preis verscherbelt.
   
   Eine Nischenkamera in einer Nische also? Leider. 

   Ebenfalls ein Nischenprodukt dürften die Wechselobjektve von Konica gewesen sein. Die meisten Käufer einer Kamera wollen wohl ihre eigenen M-Objektive verwenden. Mein Händler war ganz traurig, dass ich ihm die zwei Wechselobjektive zur Hexar RF nicht abgenommen habe. Ich empfehle ihn, nicht nur deshalb: Campion, Rue Saint Boniface 13, B-1050 Bruxelles.

Wie es weiterging?
   
   Auf der Photokina im Herbst 2001 hat Leica die neue M7 präsentiert, eine M6TTL mit zusätzlicher automatischer Zeitensteuerung. Nach wie vor fehlt ein integrierter Motor, aber der wird sich nur im Rahmen einer Neukonstruktion einbauen lassen und das ist mehr, als von LEICA in der nächsten Zeit zu erwarten ist. Warten wir auch ab, wie es mit der Voigtländer Bessa R weitergeht, für die sich Cosina für die Leica-Schraubfassung (!) M39 entschieden hat anstelle des M-Bajonetts. Ab dem Sommer 2002 wird die neue Bessa R2 lieferbar sein, die dann auch einen Bajonettanschluss haben wird und damit sozusagen eine "Volksleica" darstellt, die ich mir persönlich von LEICA gewünscht hätte. Und irgendwann im Herbst 2005 wird es von eine im Auftrag von Zeiss von Cosina gefertigte <Zeiss Ikon> mit M-Bajonett geben.

   Aber es können nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen.

 

 

Zuletzt geändert am 3. August 2006
© Peter Lausch

 

 

 

 

 

 

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