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Echte Leicas aus Russland

Bis in die frühen 50er-Jahre
hat faktisch niemand alte Kameras gesammelt. Manchmal haben sich die
alten Kameras sozusagen von selbst angesammelt: Wurde ein neues
Modell gekauft, wurde die gebrauchte Kamera Sohn, Neffen oder sonst
einem interessiertem Verwandten geschenkt und blieben in der
Familie. Meist wurden sie jedoch in einem alten Kasten aufbewahrt,
denn Junior wollte keine 10 Jahre alte Kamera, er wollte eine neue,
die alle Stücke spielen konnte.
Meistens reichte das Geld für diese generöse Vorgangsweise der
Schenkung nicht aus; die Altkamera wurde in Zahlung gegeben und dann
vom Händler billig verscherbelt oder gleich weggeworfen.
Bei Leica und Contax hat die Qualität gestimmt, aber sie waren recht
teuer, teurer jedenfalls, als dass sie der kleine Mann hätte kaufen
können. Daher sind die Verkaufszahlen zwar in absoluten Zahlen nicht
gerade klein (bis 1939 wurden insgesamt an die 250.000 Leicas
verkauft), aber zu wenige Exemplare haben die Zeiten überdauert,
Kriegszeiten dazwischen noch dazu.
Das macht die echten alten Kameras so selten und damit so teuer.
Eine ganz gewöhnliche Leica II kostet, gut erhalten, etwa DM 800 bis
1.000, Sonderausführungen noch viel mehr. Solche Sonderausführungen
gibt es nicht viele und als Sammler möchte man doch auch die
Sonderausführungen haben.
Was liegt näher, als seitens geschickter Fälscher aus einer alten
Leica bestens erhaltene Sonderausführungen zu produzieren, am Besten
solche, die es seinerzeit gar nicht gegeben hat. Hitlers Luftwaffe
hat eine Reihe von Leica IIIa und IIIb angekauft und für ihre Zwecke
verwendet. Damit sie keiner unerlaubt nach dem Endsieg mit nach
Hause nimmt und gewinnbringend verscherbelt, wurden die Gehäuse mit
einem entsprechenden Hinweis versehen: "Luftwaffe-Eigentum". Da wäre
dann, 1000 Jahre lang, ein gutgläubiger Erwerb von einem zivilen
Händler nicht möglich gewesen. Kein Endsieg, keine 1000 Jahre, daher
Leica mit Luftwaffengravur im Handel, aber selten. Auch Heer und
Marine haben Leicas verwendet, unglücklicherweise nicht immer
speziell markiert.
Leider sind auch die ganz gewöhnlichen Leica II, III, IIIa und IIIb
nicht eben billig.
Aber es gibt ein Land,
in dem nicht nur im Süden die Zitronen blühen, sondern im Norden
auch die Fälscherwerkstätten und in dem es, im Norden und im Süden,
ausreichend vom Staat erzeugte Kopien der Leica gibt: Russland. In
der damaligen Sowjetunion wurden ab etwa 1930 die gängigen Modelle
der Leica kopiert und für den eigenen Markt erzeugt. Wer Millionen
Bürger umbringen lässt, hält sich mit juristischen Einwänden, von
wegen Verletzung von Patentrechten, nicht auf. Außerdem hatte die
Sowjetunion die entsprechenden internationalen Vereinbarungen nicht
unterzeichnet, sodass die Erzeugung und der Verkauf - in der
Sowjetunion - nicht einmal rechtswidrig gewesen ist.
Die ersten Modelle von FED entsprachen daher bis auf die letzte
Schraube dem "Vorbild" Leica II. Nach 1945 begann auch die Firma
Zorki mit der Produktion einer Leica-Kopie, teilweise mit Bauteilen
von FED. Von beiden Firmen wurden insgesamt mehrere 100.000 Stück
erzeugt.
Erst ab den 50er-Jahren modernisierten FED und Zorki ihre Modelle so
sehr, dass man mit gutem Willen von Eigenentwicklung sprechen kann.
Einzelne Modelle wurden in den kapitalistischen Westen exportiert,
waren auch im Herzland des Bösen erhältlich und wurden dort in
geringer Zahl sogar gekauft.
Heute kann man gebrauchte FED und Zorki eines jeden Jahrgangs und
jeden Modells zumindest in Österreich bei Händlern, die sich auf
Gebrauchtkameras spezialisieren, jederzeit kaufen. Allein in Wien
gibt es derzeit - nach eigener, sicher unvollständiger Zählung -
etliche in den Auslagen. Billig sind sie auch noch.
Die älteren Jahrgänge schauen zwar aus wie Leicas, wie denn auch
sonst, aber sie sind halt keine, wie jeder Unbedarfte aus der
Firmenbezeichnung in zyrillischen Buchstaben entnehmen kann. Daher
lassen sie sich nicht als die viel teurere Leica ausgeben.
Auftritt der Fälscher
Man nehme eine alte FED oder
Zorki, entferne das Gehäuse des Entfernungsmessers, erzeuge ein
neues mit entsprechend geprägter Beschriftung und schon hat man eine
teure Leica II. Ja, und die Fassung des russischen Objektivs zerlege
man, verpasse ihm einen neuen Frontring mit der Aufschrift Leitz
Elmar 1:3,5 F=50 mm und schon ist alles bestens. Außen Leica, innen
Zorki (oder FED).
Aber die Kapitalisten haben nicht nur Geld, sondern sind auch noch
wählerisch. Sie wollen Spezialausführungen. Ihnen kann geholfen
werden. Hat es nicht einmal eine Leica Luxus gegeben? Können wir
auch und erzeugen eine garantiert echte vergoldete Leica II mit
Eidechsenleder. Einschlägig Interessierte bekommen eine echte Leica
II mit Hoheitsadler, Lorbeerkranz samt einschlägigem Inhalt
desselben. Viele Wehrmachtsausführungen waren in Grau? Erzeugen wir
gerne, sagen die Fälscher. Oder in Grün? Macht nichts, haben wir
auch, sagen sie. Nikon hat bei seinen SLR einen kleinen roten
Zierstreifen eingeführt, Leitz bei der Leica nie? Macht nichts, sie
sind erfinderisch, die Fälscher. Und das Filmeinlegen in die alten
echten Schraubleicas ist eine Plage und in die alten Zorkis und FEDs
natürlich auch? Schaffen wir leicht, sagen sie und bauen in die
Rückwand mancher garantiert echten russischen Schraubleica eine
Klappe ein, wie sie Leitz leider erst bei der LEICA M3 eingeführt
hat. Und eine Luftwaffenausführung in hübschem grauen
Hammerschlaglack mit goldener Aufschrift und mit Hoheitsadler? Sagen
Sie Ihren Wunsch, die Herrschaften haben ihn längst erfüllt..

Schön schauen sie aus, die
echten russischen Leicas. Wenn Sie diese echten russischen Leicas
bewundern wollen, bei
www.cameramate.com finden Sie derzeit ein großes Angebot - ich
stehe mit der Firma in keiner Geschäftsverbindung!.
Die meine ist besonders hübsch, denke ich: schwarz lackiert, mit
vergoldeten Gehäuse- und Fassungsteilen und ohne Hoheitszeichen aus
der Vergangenheit. Und ehrlich sind sie, die Fälscher. Die
Gehäusenummer 22022 ist nicht nur leicht zu merken, sondern von
einer ganz normalen Leica I aus dem Jahre 1930 (ohne
Entfernungsmesser). Kein Kenner wird in Entzücken geraten ob des
Jahrhundertkaufs. Und über den Preis kann man bei jeder besseren
Foto-Börse jederzeit handeln. Für ca. 120 - 150 Euro bekommen sie
die seltensten Ausführungen, auch bei besagter Firma - ohne Handeln
allerdings.
Die Herrschaften von Leica würden Augen machen, was sich ihre
Vorgänger an Sonderausführungen haben entgehen lassen.
Und was das Beste ist: Mit den Dingern können Sie auch noch
fotografieren. Nur damit Sie wissen, Sie haben da eine echte Kamera
gekauft, nicht irgendetwas.
Das Filmeinlegen ist, wie
bei Schraubleicas und deren Kopien üblich, ein wenig anders. Damit
Sie sich nicht ärgern, ich
beschreibe den
Vorgang. Oft sollten Sie sich die Freude nicht gönnen: ob der
goldene oder eher goldfarbene Überzug lang halten wird bezweifle ich
ebenso wie ich die Haltbarkeit des schwarzen Lacks bezweifle. Aber
allein der goldene Objektivdeckel (aus Metall) mit elegantem
Leica-Schriftzug ist das Geld schon wert, oder?
Was wird als Nächstes kommen? Ich weiß es leider nicht. Sicher nicht
die Leica O in Schwarz und Gold. Von der gibt es nämlich keine
preiswerten Exemplare von FED oder Zorki. Die wurde daher (noch)
nicht nachgebaut.
Aber eine Fälschung der Leica III auf der Basis der Leica II mit
zusätzlichem Langzeitenknopf an der Gehäusevorderseite können Sie
sich kaufen: er funktioniert zwar nicht, denn es handelt sich ja
immer um einen Nachbau der Leica II, aber er schaut schön aus.

Und neuerdings gibt es auch
eine Fälschung der Leica I, vorerst in Schwarz und Gold -
www.cameramate.com, einer
Firma mit Sitz in der Ukraine, nicht in Wien, wie früher einmal
angegeben. Da gehört schon ein wenig mehr Aufwand dazu. Denn es ist
zwar das Gehäuse identisch mit den vorgenannten Versionen der Leica
II, aber das Oberteil ist größtenteils extra angefertigt. Auch
dieses Modell wird seine Käufer finden.
Man will ja schließlich außer Nikons oder Canons oder Minoltas mit
viel Plastik rundherum. was Schönes in der Vitrine stehen haben.
Und wieso ich immer böse von
Fälschung rede, obgleich die Verkäufer viel lieber von einer Replik
sprechen? Weil der Begriff <Replik> leider schon einschlägig besetzt
ist: eine Replik ist ein möglichst originalgetreuer Nachbau, der als
solches gekennzeichnet ist - außer der Hersteller baut nach, wie
Leica bei der Leica Null.
Wie Sie eine Fälschung
leicht selbst erkennen?
1. Schauen Sie aufs
Objektiv, fast immer ein Leitz Elmar laut Aufschrift. Leitz hat die
Brennweite der Objektive in cm angegeben, z. B.: f=5 cm. Auf den
falschen Leicas steht regelmäßig: F=50 mm.
2. Viele Fälschungen haben einen schüsselförmigen Kragen um den
Auslöser, echte Leicas leider nie - ist nämlich recht praktisch.
3. Wenn Sie schon dabei sind: vor dem Auslöser sehen Sie den Hebel
für die Freigabe der Transportwalze bei Filmrückspulung. Sehen Sie
an der Gehäusevorderkante ein B, haben Sie leider eine Fälschung -
bei echten Leicas steht dort R für Rückspulung.
4. Leitz hat keine ganz oder
teilweise vergoldeten (eher vermessingten) Leica II erzeugt, keine
mit rotem, grünen oder sonstwie farbigen Leder, von Krokodil- oder
Eidechsenleder oder Furnierholz ganz abgesehen. Leitz hat überhaupt
kein Leder verwendet, sondern einen Kunststoff namens Vulkanit.
5. Viele russischen
Kameragehäuse haben einen charakteristischen glatten Ring um die
Objektivfassung, echte Leicas leider nicht.
6. Der Bezug des Gehäuses
russischer Standardfälschungen ist gar kein Bezug, geschweige denn
eine Belederung, sondern einfach geriffeltes Blech - siehe aber die
Ausnahmen unter 4.
7. Lösen Sie die Kamera aus
- der Verschluss einer echten Leica läuft sozusagen butterweich ab.
8. Wehrmachtleicas etc. mit
Hakenkreuz, mit Inschrift: SS-Bildberichterstatter und ähnlichem
sind immer Fälschungen.
9. Jede Leica II um 120 -
200 Euro ist eine Fälschung; so dumm ist heute kein Verkäufer mehr,
dass er bei einer Leica nicht den echten Preis feststellt, ehe er
sie verkauft.
Zuletzt geändert
am 8. März 2005
Falls Sie Fragen
haben:
peter@lausch.com
Ich bin kein
Händler. Ich verkaufe nichts, ich kaufe nichts. |