Peter Lausch
Alte Rollfilmformate

 


 

Der Rollfilm wurde von George Eastman auf den Markt gebracht. Ab 1889 gab es im Lauf der Jahre ganz unterschiedliche Konfektionierungen des an sich immer gleichen Films. Dies war bedingt dadurch, dass Kodak unterschiedlich große Kameras mit unterschiedlichen Filmformaten erzeugte. Man musste einfach sagen: Ich möchte einen Film für die 4 Cartrigde-Kodak und bekam den passenden Rollfilm für ein Negativformat von 10x13 cm ausgehändigt. Verlangte man indessen einen Film für die Pocket Kodak, erhielt man den passenden Film für das Negativformat 4x5 cm.

Dieses System wurde mit der Zeit unübersichtlich. Ab 1913 wurden die ab 1895 gebräuchlichen Konfektionierungen fortlaufend durchnummeriert, beginnend mit Nr. 101.

Für den 1934 auch von Kodak erzeugten Kleinbildfilm griff man bei der Namensgebung des Formats auf den Film Nr. 35 aus dem Jahre 1916 zurück. Die besondere Nummer dieses Rollfilm im Format 32x44 mm erklärt sich aus dem von den übrigen Filmen abweichenden Filmmaterial (ein unperforierter Kinofilm mit 35 mm Breite, mit einem Papierrückteil versehen wie alle Rollfilme). Für den neuen Kleinbildfilm wählte man daher die Angabe der Filmbreite und (systemgerecht) +100. 

 

Es gibt bzw. gab folgende Filmkonfektionierungen von Kodak:

 

Nummer Lieferbar von – bis Lieferdauer Bildgröße in cm Bemerkungen
         
101 1895-1956 61 8,9x8,9 (9x9)  
102 1895-1933 38 3,8x5,1  
103 1896-1949 53 10,1x12,70  
104 1896-1949 53 12,70x10,1  
105 1897-1949 52 5,7x8,2  
106 1898-1924? ? 8,9x8,9 Rollenhalter
107 1898-1924? ? 8,9x10,8 Rollenhalter
108 1898-1929 31 10,8x8,26 Rollenhalter
109 1898-1924? ? 10,16x12,70 Rollenhalter
110 1898-1929 31 12.70x10,16 Rollenhalter
111 1898-1924? ? 16,50x12.07 Rollenhalter
112 1898-1924? ? 17,8x12.7 Rollenhalter
113 1898- ? 9x12 Rollenhalter, in cm
114 1898- ? 12x9 Rollenhalter, in cm
115 1898-1949 51 17,8x12,7  
116 1899-1984 85 6,5x11 Längste Lieferdauer! In D: D-6
117 1900-1949 49 5,7x5,7  
118 1900-1961 61 8,26x10,8  
119 1900-1940 40 8,26x10,8  
120 1901 – dato 99 6,35x8,26  In D: B2-8 ab 1932, siehe Anmerkung
121 1902-1941 39 4,5x6,35  
122 1903-1971 68 8,26x13,34  
123 1904-1949 45 10,16x12,70  
124 1905-1961 56 8,26x10,8  
125 1905-1949 44 8,26x13,97  
126 1906-1949 43 10,8x16,50 Nicht Instamatic!
127 1912-1995 83 4,5x6 In D: A-8
128 1912-1941 29 8,26x3,8  
129 1912-1951 39 7,5x5 In D: N-6
130 1916-1961 45 4,8x12,4  
35 1916-1933 27 3,2x4,4  
220 1965- ? 6,35x8,26  
616 1932-1984 52 6,35x10,8  
620 1932-1995 52 6x9 In D: PB-20 
135 1934- ---- 2,4x3,6  
828 1935-1985 50 2,8x4,0 Bantamformat
126*  ab 1963   2,65x2,65 Instamatic
110* ab 1963   1,25x1,7 Pocket
Disc 1982-1998 16 1,0x0,8 f. Disc-Kameras
240 ab 1996   2,51x1,67 APS

 

Anmerkungen: 
Nr. 101-106 sowie 115-130 waren für  Rollfilmkameras vor allem von Kodak bestimmt, Nr. 107-114 wurden in entsprechenden Rollfilmadaptern für Plattenkameras verwendet.

Die Filme 120 und 116 entsprechen vom Bildformat her den Filmen Nr. 620 und 616, besitzen jedoch einen dünneren Spulenkern. Dadurch wurden dünnere Kameras möglich. Die Ziffer 6 beim Film 116 weist auf die Aufnahmezahl hin, doch wurde diese in der Planungsphase geändert, die ausgelieferten Filme waren entsprechend länger und ermöglichten 8 Aufnahmen.

Der Rollfilm im Format 120 wurde in Deutschland 1932 mit 8 Aufnahmen standardisiert, so wie er von Kodak immer geliefert worden war. Vor 1932 gab es den Film bei gleicher Konfektionsart von deutschen Herstellern auch in anderer Länge, nämlich als B2-6 mit sechs, als B2-4 mit 4 Aufnahmen (diese Konfektionierung wurde auch als <Kurzspule> bezeichnet. Von 1932 bis etwa 1960 wurde der Film auf den Packungen daher auch als B2-8 bezeichnet. Die Aufnahmezahl war also aus der Filmbezeichnung ersichtlich. Im Format 9x12 cm lieferte der Film 8 Aufnahmen, durch Verkürzung der Bildbühne in entsprechenden Kameras war auch das Format 6x7 cm, 6x6 cm (etwa bei der Rolleiflex) bzw. 4,5x6 cm möglich und gab es entsprechende Kameras.

Unterschiedliche Formate waren auch bei Kameras für den Film 127 üblich, außer 4x65 cm also auch 4x3 cm oder 4x4 cm. Mit dem nur 4 cm hohen Film 127 und dem relativ kleinen Bildformat 4x3 cm versuchten manche Firmen in den 30er-Jahren den Kleinbildkameras Konkurrenz zu machen; das Format 4x4 cm wiederum ermöglichte wesentlich kleinere zweiäugige Spiegelreflexkameras wie etwa der <Baby-Rolleiflex>  oder einer vergleichbaren Kamera von Yashica. Dieses Format bot bei Verwendung von Diafilmen den zusätzlichen Vorteil, dass die Dias in entsprechenden Rahmen in Kleinbildprojektoren passten und sogenannte <Super-Slides> eine Zeit lang in Mode kamen (Diaformat 4x4 cm in Diarahmen 5x5 cm).

Die Filme 828 waren für das so genannte Bantam-Format bestimmt, Kodaks – untauglicher – Versuch, der Leica mit einem eigenen Filmformat und entsprechenden Kameras sozusagen das Wasser abzugraben. Das Aufnahmeformat beträgt 28x40 mm, der Film ermöglicht 8 Aufnahmen – so einfach ist die Namensgebung. 

Da der Rollfilm 220 die doppelte Anzahl von Aufnahmen ermöglicht als der Rollfilm 120, ergibt sich direkt zwingend die Nummer.

Film Nr. 126 (Instamatic, eigentlicher Name aber ursprünglich: Kodapac) ist eine Doublette eines längst aufgelassenen Rollfilmformats und ergibt sich aus der nutzbaren Bildgrösse (26,5) + 100. Von Kodak wurde die Produktion 1999 eingestellt, von vielen anderen Produzenten auch, mit Ausnahme der Firmen Agfa und Ferrania SpA, die diese Konfektion - noch - vertreiben, Ferrania unter der Marke Solaris. Filme in diesem Format sind allerdings nicht mehr überall zu bekommen.

Film Nr. 110 (Pocket Instamatic) liefert kleinere Bilder auf dem Film als Nr. 126. Daher wurde wiederum ein längst aufgelassenes Rollfilmformat verwendet, das auf englisch ausgesprochen gut klingt: One Ten. Der Film ist derzeit noch lieferbar, man spricht davon, dass er von Kodak indessen demnächst aufgelassen werden wird.

Film Nr. 240 (APS) gibt die max. Aufnahmezahl an; +200 bezeichnet die Fortschrittlichkeit von Film und Format gegenüber den bisher lieferbaren.

Hinweis: 127er-Filme sind über www.fotoimpex.de erhältlich, manche andere Formate zB. in den USA noch lieferbar.

 

 

Erstellt 2002 / PETER LAUSCH
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