Die Nikon FG

Bedeutung der FG unter den SLRs von Nikon:
Ab etwa 1975 zeichnete sich ab, dass der Siegeszug der rein mechanisch
gesteuerten Kameras zu Ende ging und auch im Kamerabau die Elektronik Einzug halten würde. Das galt im Besonderen für den damals ohne Zweifel meistbegehrten Typ, die einäugige Spiegelreflexkamera für Kleinbildfilm (im folgenden als SLR bezeichnet).

Die meisten, vorwiegend japanischen, Hersteller brachten SLRs mit Zeit- oder Blendenautomatik auf den Markt. Verbreiteter war die Zeitautomatik, weil sie unter Beibehaltung der entsprechenden Objektivanschlüsse einfacher zu realisieren war. Am Objektiv wird eine bestimmte Arbeitsblende eingestellt, der ins Gehäuse eingebaute Belichtungsmesser berechnet die passende Belichtungszeit und steuert beim Verschlussablauf im Gehäuse die Verschlusszeit. Nur Canon war dank geeigneten Anschlusses von Anfang an in der Lage, Kameras mit Blendenautomatik anzubieten - Grund für eine jahrelange Kontroverse in der Fachpresse, aber auch unter den Fotografen, was denn nun die bessere Lösung sei.

Nikon, wie ich die damals noch Nippon Kogaku K. K. genannte Firma der Einfachheit nennen will, war in einer schwierigen Lage. Eine Zeitautomatik in Kameras einzubauen, erwies sich als technisch unproblematisch - Nikon erzeugte eine entsprechende Kamera ab 1978 in Form der Nikon FE.

Praktisch gleichzeitig brachte jedoch Canon die AE-1 Program auf den Markt, die u. a. eine Programmautomatik besass. Andere Firmen folgten mit entsprechenden Kameras, etwa Minolta mit der X-700.

Auch diese Neuerung empörte die Puristen: vom Niedergang der Fotografie war die Rede, weil man ja an solchen Kameras nichts einzustellen brauchte - außer der Entfernung. Und liegt nicht in der Wahl von Zeit und Blende das Wesen der Fotografie?

Spätestens da entschloss man sich auch bei Nikon, eine Kamera mit Programmautomatik zu konstruieren. Die technischen Voraussetzungen waren weitgehend gegeben: seit 1977 lieferte Nikon die Objektive in der neuen AI-Fassung (automatic indexing). Bis dahin musste ja bei jedem Objektivwechsel auf das richtige Eingreifen des gabelförmigen Blendenmitnehmers am Objektiv in den entsprechenden Stift der Kamera bzw. des Belichtungsmesseraufsatzes geachtet werden. Danach musste man durch Links- und Rechtsdrehen des Blendenrings dem Belichtungsmesssystem die größte und kleinste Blende mitteilen. Mit den AI-Objektiven erübrigte sich dieser an sich lästige Vorgang und erfolgte automatisch durch eine entsprechende Steuerkurve am Objektiv. WER ICH BIN

Zur Programmsteuerung war nur eine geringfügige technische Änderung an der Objektivfassung nötig - sowie geeignete Kameras. Die für die Nikon EM angebotenen (mit viel Plastikbauteilen erzeugten preiswerten) Objektive enthielten als erste diese geänderte Fassung - der Kamera selbst spendierte Nikon jedoch nur eine Zeitautomatik und nicht die an sich technisch bereits mögliche Programmautomatik. Über die zusätzlichen Steuerungsmöglichkeit bei diesen Objektiven schwieg Nikon sich aus, bis dann 1980 die sogenannte AI-S-Objektive vorgestellt wurden.

So wurde denn die Nikon FG die erste SLR von Nikon mit Zeit- und Programmautomatik samt manueller Einstellmöglichkeit von Zeit und Blende.

FG in Schwarz mit Nikkor 1,8/50 Series E
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Einige technische Daten:
SLR mit Zeit- und Programmautomatik sowie manuell einstellbaren Belichtungszeiten von 1 - 1/1000 Sekunde + B,
elektronisch gesteuerter, vertikal ablaufender  Metallschlitzverschluss,
mittenbetontes Innenmesssystem mittels Silizium-Fotodiode,
Stromversorgung über 2 Silberoxydbatterien SR-44 bzw. S-76, wahlweise auch mit 2 Alkali-Mangan-Batterien LR-44 oder 1 Lithiumbatterie CR-1/3 N
mechanisch gesteuerte Notzeit von 1/90 Sekunde bei Batterieausfall etc.,
Belichtungsmesser einstellbar für Filmempfindlichkeiten von 12 - 3200 ASA,
Anzeige der Belichtungszeiten im Sucher mittels Leuchtdioden,
abschaltbares akustisches Warnsystem (Piepser)
Gegenlichttaste + Belichtungskorrekturskala 
TTL-Blitzbelichtungsmessung mit entsprechenden Blitzgeräten, damals mit SB-15,
Blitzsynchronisation über Mittenkontakt, kein separater Kontaktnippel für Blitze mit Kabelanschluss,
Blitzbelichtungszeit für Elektronenblitz von 1/90 Sekunde,
Anschlussmöglichkeit für Motorantrieb MD-E bzw. MD-14
Gewicht des Gehäuses: 490g,
Ausmaße des Gehäuses: 136 (B)x87,5 (H)x54 mm (T).

Heutiger Preis für ein gebrauchtes, gut erhaltenes 
Gehäuse: um 150 Euro,
Blitzgerät SC-15: um 100 Euro,
Objektiv 1,8/50 mm: um 90 Euro.

Subjektive Bewertung der Kamera:
Für relativ wenig Geld eine auch heute noch mit Vergnügen verwendbare Kamera ohne eigentliche Schwachstellen; besondere Eignung für Nahaufnahmen bei Blitzlicht.

Empfehlenswert für alle, die auf AF, Mehrfeldmessung u. ä. verzichten können.
 

 

© 2002 / PETER LAUSCH
© 2002 www.lausch41.com

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