FED 5
   

   Kleinbildsucherkameras mit Wechselobjektiven haben nur wenige sowjetische Firmen erzeugt; die erste war seinerzeit FED mit den verschiedenen Typen der gleichnamigen Kamera. Alle beruhen sie auf den (Vorkriegs-) Leicas mit Schraubgewinde; die von 1972 bis 1978 erzeugte FED 5 ist die am weitesten entwickelte Type dieser Kamerareihe. Grund genug, sich diese Kamera näher anzusehen.

Zuerst ein Rückblick
    
   1925 wurde die Leica lieferbar; seit 1934 ist die Leica II in der Sowjetunion nachgebaut worden; die Kopien entsprachen zunächst bis zur letzten Schraube dem Vorbild. Verschieden war allerdings die Qualität, wie nicht anders zu erwarten.  
     
   Bedingt durch die Eigenart der sowjetischen Staatswirtschaft erfolgte der Nachbau der Leica durch einige wenige Firmen. Bekannt im Westen sind FED geworden (benannt nach Felix Edmundowitsch Dserschinski, dem Gründer der Tscheka) sowie die Firma KMZ mit der Zorki.   

   Bis 1955 waren somit die Kameras von FED im wesentlichen nachgebaute Leicas der Type II. Dies änderte sich mit der FED-2, die sich schon im Aussehen von den Vorgängermodellen und vom Vorbild unterscheidet. Im Unterschied zu diesen hat die FED-2 eine abnehmbare Rückwand, wodurch das Filmeinlegen wesentlich erleichtert wird. Auch hat sie einen Meßsucher, das heißt, im Unterschied zum Vorbild sieht man im Sucher auch das vom Entfernungsmesser entworfene Bild und kann leichter und schneller scharfstellen. Das hatte damals nicht einmal die Leica IIIg. Messsucher besitzen auch die Modelle FED 3, 4 und 5.
   
   Die seit 1978 bis heute gebaute FED 5 wird in verschiedenen Versionen erzeugt, als eigentliche FED 5, als FED 5C und als FED 5 B. Die drei Varianten lassen sich auf Anhieb leicht voneinander unterscheiden:

- die FED 5B hat keinen eingebauten Belichtungsmesser, dafür aber einen Dioptrienausgleich rings um den Suchereinblick in Form eines drehbaren, geriffelten Ringes, mit dem das Sucherbild an die Sehschärfe des Benutzers angepasst werden kann.
- die FED 5C hat einen eingebauten, nicht gekuppelten Selen-Belichtungsmesser sowie eine Rückspulkurbel anstatt des ausziehbaren Drehknopfes, dafür aber keinen Dioptrienausgleich, und 
- die FED 5 schließlich hat ebenfalls einen eingebauten, nicht gekuppelten Selen-Belichtungsmesser und einen Dioptrienausgleich, dafür aber einen ausziehbaren Drehknopf für die Filmrückspulung anstelle der Rückspulkurbel.
   
   Schnellschalthebel haben alle drei Modelle.
   
   Bei Fotohändlern in den größeren Städten Deutschlands und Österreichs finden Sie fast immer gebrauchte Kameras der Type FED 5, seltener die FED 3 oder 4. Allgemein gilt, dass die Kameras von FED seltener sind als die verschiedenen Modelle der Zorki. Die Kameras von FED waren primär für den sowjetischen Inlandmarkt bestimmt, die Zorki-Kameras wurden sehr häufig auch in den Westen exportiert und finden sich deshalb, wenn auch selten, selbst in den USA. Seit 1990 tauchen aber auch gebrauchte FED-Kameras im Westen häufiger auf, mitgebracht von russischen Touristen und hier zu Geld gemacht.
   
   Die FED 5 können Sie auch fabrikneu kaufen; Foto Brenner hat sie nach wie vor im Programm. 
   
   Damit Sie ungefähr wissen, was Sie erwartet, wenn Sie eine FED 5 kaufen und benützen, dieser Bericht. Was ich über die FED 5 schreibe, gilt - mit den vorstehend beschriebenen technischen Unterschieden - auch für die FED 5 B und 5 C; sinngemäß und weitgehend gilt es auch für die Modelle FED 3 und FED 4, ohne dass ich im Einzelnen auf die Unterschiede in der Bedienung dieser noch älteren und im Westen selteneren Modelle eingehe.

Eigenschaften und Bedienung 
der FED 5

   
   Links oben sehen Sie den Schalthebel mit Bildzählwerk und Auslöser. Die Manschette um den Auslöser hat eine spezielle Funktion: Nach dem Niederdrücken können Sie den Film mittels Kurbel oder Drehknopf (je nach Modell) in die Kassette zurückspulen.  Mittig auf der Oberseite sehen Sie den Zubehörschuh mit Blitzkontakt, sodass Sie jedes handelsübliche Blitzgerät mit entsprechendem Kontakten anschließen können. Sollten Sie den Blitz von der Kamera getrennt verwenden wollen, können Sie ein Blitzkabel am genormten Synchronkontakt auf der Rückseite der Kamera (unterhalb des Sucherschuhs) anschließen. Daneben sehen Sie die Anzeigeskala des Belichtungsmessers. Der Blick von oben zeigt eine Skala mit Ziffern von 1-11 und einer Nadel, die sich je nach Lichteinfall mehr oder weniger nach links oder rechts bewegt.
  
    Rechts davon befindet sich das eigentliche Rechenwerk des Belichtungsmessers, um den versenkbaren Rückspulknopf angeordnet. Der springt heraus, wenn Sie ihn niederdrücken und leicht gegen den Uhrzeigersinn drehen. Danach können Sie den Film dann langsam und nicht sehr bequem in die Kassette zurückspulen - so war das halt in den 50er-Jahren. Mit dem Rechenwerk stellen Sie beim Einlegen des Films die passende Empfindlichkeit ein. Bei jeder Belichtungsmessung prüfen Sie die Zahl, bis zu der die Nadel ausschlägt, merken Sie sich und übertragen Sie auf das Rechenwerk. Daraus ergeben sich die passenden Kombinationen von Zeit und Blende, die Sie anschließend an der Kamera einstellen (die Blende am Objektiv, die Zeit am Zeitenknopf). Vergessen Sie nicht, Selen-Zellen sind ein wenig träge, die Nadel braucht Zeit, bis sie sich auf den richtigen Wert einpendelt, und Selen-Zellen sind nicht sehr empfindlich, kein Vergleich zum Messbereich einer besseren AF-SLR von heute.
   
   An der Vorderseite des Gehäuses sehen Sie bei der FED 5 und der 5B die Waben des Belichtungsmessers, daneben das kleine Fenster des Entfernungsmessers, den Schriftzug FED 5 in zyrillischen Buchstaben und das Sucherfenster. Im Sucher ist das Messfeld des gekuppelten Entfernungsmessers eingespiegelt, sodass Sie die Entfernungseinstellung vornehmen, ohne die Kamera vom Auge zu nehmen  müssen.
   
   Fabrikneu wird die FED 5 mit einem Objektiv "Jupiter" mit den Daten 2,8/55mm  geliefert. Das Objektiv ist wechselbar und mit dem Gehäuse durch ein Gewinde M39 verbunden, dem "Leicagewinde". Infolgedessen lassen sich an der FED 5 neben den Objektiven für die russische Zorki auch alte Leicaobjektive ebenso wie Objektive einer Vielzahl anderer Hersteller verwenden, die seinerzeit Leica-Kopien erzeugten, von Canon bis Yashica und einer ganzen Schar kleiner und kleinster japanischer Firmen. Natürlich passen auch die Objektive von Voigtländer/Cosina zur Bessa L und R an die FED 5. Dadurch stehen neuerdings auch ganz moderne Objektive zur Verfügung, nicht nur 20 oder 30 Jahre alte. 
   
   Zwei Probleme müssen Sie allerdings bewältigen: 1. brauchen Sie zu allen Wechselobjektiven einen separaten Zusatzsucher, Solche gibt es gebraucht von verschiedenen Herstellern oder neu von Voigtländer/Cosina. Oder sie kaufen sich, vornehmlich sowjetischer Provenienz, einen Wechselsucher für verschiedene Brennweiten - ab Euro 120.- je nach Zustand und Hersteller. 2. hat die FED (ebenso wie die Zorki) für die Kupplung des Entfernungsmessers einen hakenförmigen Hebel anstelle einer Abtastrolle (wie bei der Leica und deren japanischen Kopien) eingebaut. Von manchen Leuten wird daher empfohlen, die Wechselobjektive nicht auf Unendlich und auch nicht auf die kürzeste Entfernung zu stellen, wenn das Objektiv angeschraubt wird, weil es sich sonst mit diesem Hebel verklemmen kann. Allgemein: Seien Sie vorsichtig beim Objektivwechsel. Man kann mit dieser Besonderheit leben!
   
   Links neben dem Objektiv befindet sich der Einstellhebel für den Selbstauslöser. 

Wie fotografiert es sich mit einer FED 5?

1. Legen Sie einen Film ein, ganz altmodisch, indem Sie den Filmanfang bei entfernter Rückwand in den Schlitz der Aufwickelspule stecken, ihn mittels Transporthebel weiterschalten, Planlage kontrollieren, prüfen, ob das Zahnrad des Zählwerkes in die Perforation eingreift, die Rückwand aufschieben, schließen, 1 oder 2 Leeraufnahmen machen und auch dabei prüfen, ob sich der Rückspulknopf dreht. Alles in Ordnung? Dann können Sie den Film vollfotografieren. Wie viele Aufnahmen Sie gemacht haben, sehen Sie auf dem Filmzählwerk, angeordnet um die Nabe des Transporthebels. Übrigens, die Rückwand öffnen Sie durch Drehung der beiden Knebel links und rechts auf dem Kameraboden, woraufhin sie sich abziehen lässt. 
2. Visieren Sie mit der Kamera grob das Motiv an oder eine gleich helle Stelle, prüfen Sie den Ausschlag der Nadel im Belichtungsmesserfenster, merken Sie sich die Nummer des mit Zahlen von 1 - 11 bezeichneten hellen oder dunklen Feldes, das die Nadel überdeckt. Stellen Sie diese Zahl durch Drehen der Abdeckung auf dem Rechenwerk um die Rückspulkurbel  ein und wählen Sie eine Ihnen passende Kombination von Zeit und Blende. Diese Werte übertragen Sie auf die Zeit- bzw. Blendeneinstellung von Kamera bzw. Objektiv, nachdem Sie vorher den Film mit dem Schnellschalthebel transportiert und damit auch den Verschluss gespannt haben. Im Sucher selbst ist die Nadel des Belichtungsmessers nicht eingespiegelt, dort fehlt auch jede Anzeige von eingestellter Blende und Belichtungszeit. Die Abstände zwischen den Zeiten auf dem Einstellknopf sind leider unterschiedlich. Sie müssen genau hinsehen, damit Sie nicht statt 1/500 nur 1/250 Sekunde einstellen. Falls Sie die rot markierte 1/30 Sekunde (etwa für Blitzaufnahmen) einstellen wollen, müssen Sie den Knopf anheben und im Uhrzeigersinn über 1/500 und B hinaus auf 1/30 drehen, auch wenn es so ausschaut, als könnten Sie 1/30 einstellen, indem Sie entgegen dem Uhrzeigersinn gleich von der 1 Sekunde auf 1/30 drehen könnten. Geht aber nicht. Die Selenzelle misst ungefähr das, was Sie im Sucher sehen, aber wie gesagt, Sie können den Ausschlag der Nadel nur sehen, wenn Sie die Kamera vom Auge nehmen. Daher messen Sie nicht immer genau das, was Sie fotografieren wollen und verfälschen daher die Anzeige (etwa, indem Sie zu viel des hellen Himmels mitmessen). Wollen Sie mit Dia-Film fotografieren, verwenden Sie deshalb besser einen ordentlichen Handbelichtungsmesser, Sie erhalten dadurch mehr richtig belichtete Dias. Sie werden dadurch nicht langsamer, denn auch beim eingebauten Belichtungsmesser müssen Sie ja die eingestellten Werte manuell auf Blenden- und Zeiteinstellung übertragen.
3. Mit Blick in den Sucher stellen Sie die Entfernung am Objektiv ein, indem Sie die Teilbilder des Meßsuchers zur Deckung bringen - das Teilbild des Entfernungsmessers ist zwecks besserer Sichtbarkeit grünlich eingefärbt, um leichter erkennbar zu sein.
4. Haben Sie? Dann drücken Sie auf den Auslöser. Sie brauchen einen kräftigen Zeigefinger. Nach der Aufnahme transportieren Sie mit dem Schalthebel den Film ein Bild weiter. Wollen Sie mit Hilfe des Selbstauslösers fotografieren, drücken Sie nicht den Auslöser, sondern drehen den Einstellhebel an der Vorderseite des Gehäuses Richtung Objektiv und lösen mit dem darüber sichtbaren Knopf aus. Die Vorlaufzeit beträgt die üblichen 10 - 12 Sekunden, je nach Kamera.
5. Haben Sie den Film vollfotografiert, drücken Sie die Manschette um den Auslöser nieder, entriegeln den Rückspulknopf und drehen den Film in Pfeilrichtung in die Kassette zurück, die Sie nach Öffnen der Rückwand, wie unter 1. beschrieben, entnehmen. Beim Rückspulen brauchen Sie die Manschette nicht gedrückt halten, sie rastet ein, falls alles funktioniert und bleibt eingerastet, bis Sie den Transporthebel wieder betätigen.
6. Blitzen wollen Sie? Dann wählen Sie 1/30 Sekunde auf dem Zeitenknopf, schieben ein Blitzgerät in den Zubehörschuh, berechnen die passende Blende oder lassen den im Blitzgerät eingebauten Computer rechnen und lösen aus. Vorausgesetzt wird, Sie haben ein kabelloses Blitzgerät, ansonsten müssten Sie das Blitzkabel vor der Aufnahme in den Kontakt an der Kamera stecken.
   
   Falls Sie ein Objektiv mit einer anderen Brennweite verwenden wollen, schrauben Sie das angesetzte Objektiv gegen den Uhrzeigersinn ab und das Wechselobjektiv (mit Entfernungseinstellung nicht auf Unendlich!) im Uhrzeigersinn ans Gehäuse und ziehen es fest, aber nicht zu fest, an. Manchmal kommt es vor, dass die Indexmarke der Entfernungseinstellung nicht genau nach oben zeigt, wie auf dem vorstehenden Bild; das macht aber nichts und ist eine Eigenart bei Verwendung von Schraubobjektiven, wenn Gehäuse- und Objektivhersteller nicht identisch sind.

Fazit:
 
   Ob Sie sich eine FED 5 oder eine der beiden Varianten neu oder gebraucht zulegen wollen, müssen Sie selbst entscheiden. Ob Sie mit den Eigenarten und Beschränkungen dieser Kameramodelle leben können oder wollen, ist auch Ihre Entscheidung. Mit der FED 5 kann man, damals und auch heute, fotografieren. Den Bildern sieht man nicht an, ob sie mit einer FED 5 oder einer Leica IIIg gemacht wurden. Ob ein Bild "gut" ist, kommt auf Sie an, nicht auf die Kamera!  
   
   Was Sie erwartet, und was nicht, wenn Sie mit einer FED 5 fotografieren, habe ich Ihnen zu beschreiben versucht. Wenn Sie über den Selen-Belichtungsmesser den Kopf schütteln, über das Schraubgewinde M39, über das Sie die Objektive an das Gehäuse an- und wieder abschrauben, vergessen Sie nicht: die FED 5 wurde 1958 konstruiert. Sie mit einer Leica M6 TTL zu vergleichen oder mit einer AF-SLR von 2000, ist ungerecht, scheint mir. Wenn Sie schon vergleichen, dann mit der Leica IIIg mit Schraubgewinde.  Einen Tuchschlitzverschluss hat auch die Leica IIIg gehabt, zu einem eingebauten Belichtungsmesser hat es die Leica IIIg nie gebracht. Sie hat auch keinen Mess-Sucher und einen Schnellschalthebel suchen Sie bei ihr ebenfalls vergeblich. Dafür können Sie bei der Leica IIIg die Belichtungszeit auch dann einstellen, wenn Sie nach der Aufnahme den Film noch nicht weitertransportiert haben und der Zeitenknopf dreht sich bei der Belichtung nicht mit, usw. Bei der Leica IIIg läuft der Verschluss ganz weich ab, bei der FED spüren Sie förmlich, wie sich bei der Aufnahme eine Reihe von Zahnrädern dreht.  
   
   Aber: eine neue FED 5 können Sie für weniger als Euro 150.- kaufen; eine gebrauchte Leica IIIg, gut erhalten und mit Elmar 3,5/5cm kostet Sie gut und gerne Euro 2500.- . Nicht so groß, aber beträchtlich war der Preisunterschied auch im Jahre 1958, als Sie die letzten fabrikneuen Leica IIIg´s hätten kaufen können.
   Sollten Sie aber gar nicht fotografieren wollen, sondern die FED 5 nur für eine kleine Sammlung historischer Kameras kaufen, denken Sie auch daran: Mehrere Jahrzehnte lang war die FED 5 die modernste Kamera mit Schraubgewinde M39 und sie hat einige Eigenschaften, zu denen es die Schraubleicas, aus welchen Gründen immer, nie gebracht haben. Erst seit 1999 mit der Voigtländer Bessa L von Cosina und seit 2000 mit der Bessa R (mit eingebautem Meßsucher samt TTL-Messung) gibt es wieder moderne Kameras mit Schraubgewinde, von der hierzulande nie lieferbaren und nur in ganz geringer Zahl hergestellten Kamera des Herrn Yasuhara nicht zu reden. Deren Produktion ist übrigens schon wieder eingestellt worden.


  

 

Erstellt am 25. Jänner 2002
Geändert am 23. Juli 2009
© Peter Lausch