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Ein Reisebericht von Peter Lausch

 

3. Teil: Mosigkau

Der – damals noch nicht so genannte – Alte Dessauer heiratete 1698 eine Bürgerliche, Anna Luise Föhse. Was seine Mutter Henriette Katharina von Oranien (siehe den Abschnitt über Oranienbaum) von dieser Heirat hielt, lassen wir besser dahingestellt. Aber damals war man nicht so wie im 19. Jahrhundert in Österreich, wo die Gattin des Thronfolgers Franz Ferdinand zeit ihres Lebens von der adeligen Gesellschaft als nicht standesgemäß <geschnitten> wurde. 1701 wurde die Bürgerliche vom Kaiser zur Reichsfürstin erhoben; infolgedessen erhielten die Kinder das Recht der Nachfolge.

Aus dieser Ehe stammt Prinzessin Anna Wilhelmine.

MosigkauDie ihr nach dem Tod ihres Vaters Leopold I von Anhalt-Dessau (eines Generafeldmarschalls von Preußen, zur Unterscheidung von seinen Söhnen, von denen einige es zu preußischer Generalfeldmarschällen bzw. zum General brachten, der Alte Dessauer genannt) zustehende jährliche Apanage von 15.000 Talern versetzte die unverheiratete Lieblingstochter ab 1752 in die Lage, im damals ein wenig abgelegenen Ort Mosigkau ein repräsentatives Schloss errichten zu lassen, das als Perle des Rokoko-Stils gilt. In diesem Schloss brachte sie einen Teil ihrer Kunst- und Gemäldesammlung unter.

Der Galeriesaal im Erdgeschoß mit seinen 5 hohen Fenstern ist heute eine der wenigen im Original erhaltenen Gemädegalerien aus dieser Zeit, gekennzeichnet durch die für Barock und auch noch Rokoko typische enge Hängung der einzelnen Gemälde neben- und übereinander. Neben zeitgenössischen Malern hängen in dieser Galerie auch Werke von Rubens und van Dyck, die im Rahmen der Oranischen Erbschaft (siehe Oranienbaum) nach Dessau gebracht worden waren. Diese Galerie und etliche andere Räume des Schlosses können – allerdings nur im Rahmen einer Führung – besichtigt werden, es lohnt sich daher, vor Bezahlung der Eintrittsgebühr nach dem Termin der nächsten Führung zu fragen, um unnötige Wartezeiten zu vermeiden.

Wer an der hohen Kunst nicht so interessiert ist oder sich die Wartezeit bis zur nächsten Führung vertreiben will, besichtigt mit Vorteil und unentgeltlich die Gartenanlagen.

Das Schloss selbst ist in Nord-Süd-Richtung gebaut. Im Norden und Süden grenzen Nebengebäude ans eigentliche Schloss an, die mit diesem einen weiten Ehrenhof bilden. Ursprünglich betrat man das Schlossgelände von Norden her. Heutzutage kommen nur mehr Radfahrer und Fußgänger von Norden zum Schloss. Besucher, die mit dem Auto anfahren (die Zufahrt ist beschildert) gelangen vom Parkplatz aus von Westen her zum Schloss. Der Ehrenhof ist heutzutage eine etwas öde Rasenfläche, man tut gut daran, in den nördlich sich anschließenden Parkbereich zu wandern und von dort aus den Blick aufs Schloss mit seiner Fassade in Ocker zu genießen. Der Bewuchs des Ehrenhofes und der nördlich davon gelegenen Rasenflächen entspricht nicht dem Anblick zur Zeit der Entstehung: Blumenbeete und Hecken gliederten und schmückten damals die Rasenflächen.

Auf der Südseite des Schlosses Mosigkau befindet sich ein prächtiger Garten, der freilich nur mehr andeutungsweise die seinerzeitige Gestaltung im Stil des Rokoko erkennen lässt. Aber allein dieser Gartenteil und die prächtige Südfassade des Schlosses lohnen den Besuch.

Nach dem Tod der Prinzessin wurde im Schloss ein adeliges Frauenstift eingerichtet, in dem unverheiratete Töchter des Adels eine standesgemäße Unterkunft fanden, sich allerdings auch den strengen Regeln des Stiftes unterordnen mussten. In DDR-Zeiten wurde das Stift in eine Kulturstiftung umgewandelt, die damals noch lebenden Stiftsdamen durften es jedoch weiterhin bewohnen. Wer will, kann ihren Friedhof nördlich des Schlosses besichtigen, muss sich den Schlüssel des Friedhofstores jedoch vorher an der Schlosskassa besorgen. Die Mühe lohnt sich meiner bescheidenen Meinung nach nicht – für Normalmenschen genügt ein Blick durchs – versperrte – Tor.

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Peter Lausch
Zuletzt geändert am 14.1.2009
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