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Ein Reisebericht von Peter Lausch

 

1. Teil: Einleitung

Wieso fährt ein Mensch wie ich ins Dessau-Wörlitzer Gartenreich der ehemaligen Herrscher von Anhalt-Dessau?

Einfach zu erklären.

Er schreibt an einem Artikel über alte deutsche Kameras, wie sie ab Beginn des 20. Jahrhunderts von der damals jungen Gilde deutscher Pressefotografen verwendet wurden.

Eines der ersten für diesen Zweck geeigneten Kameramodelle war die Minimum Palmos von ICA. Die Recherche im Internet führt unter anderem zu einem Bericht in einer Kundenzeitschrift von Zeiss über die Verwendung der Minimum Palmos durch einen Herrn Wandersleb kurz nach 1900, der mittels Ballons namentlich über Sachsen-Anhalt und Thüringen eine Reihe von Luftaufnahmen von erstaunlich hoher Qualität machte. Nicht nur sind diese Aufnahmen so ziemlich die frühesten, die von Städten und Dörfern dieses Landstrichs vorliegen, sondern sie sind von Bedeutung auch insofern, weil sie die Siedlungsstrukturen um 1900 wiedergeben, ehe die Orte in den späteren Jahren über die historischen Grenzen hinauswuchsen bzw. durch die Bombardierungen im 2. Weltkrieg die historischen Ortskerne zerstört wurden.

Der Artikel im Kundenmagazin der Firma Zeiss war mit einigen Luftaufnahmen Wanderslebs illustriert, u. a. einer Senkrechtaufnahme eines mir bis dahin nicht bekannten Ortes namens Oranienbaum.

Die konkrete Aufnahme schien mir subjektiv aus mehreren Gründen bemerkenswert: einerseits zeigt sie ein Schloss mit anschließendem Ehrenhof und Park, andererseits rechtwinkelig zueinander verlaufende Straßenzüge, charakteristisch für planmäßig angelegte Siedlungen.

Weitere Recherchen im Internet ergaben einerseits Daten zur Geschichte dieses Schlosses und  andererseits über seine Zugehörigkeit zum <Gartenreich> der Fürsten von Anhalt-Dessau, die ihren Kleinstaat in bewusstem Gegensatz zum Militärstaat Preußen als <Gartenstaat> verstanden. Anstatt in eine Armee (die ohnehin nicht groß war) zu investieren, betrieben sie mit Elan die Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse ihres kleinen Ländchens, u. a. durch die Anlegung von Landschaftsparks in englischem Stil namentlich zu Ende des 18. Jahrhunderts, die Verbesserung der landwirtschaftlichen Nutzung und durch die allgemeine Förderung des Wirtschaftslebens.

Auf der Webseite von Oranienbaum fand ich die Hotels und Gästezimmer am Ort. Ein Anruf im Hotel neben dem Schloss am 18. Juli 2006 ergab, dass ein Zimmer für die Zeit von 20. bis  26. Juli 2006 im <Goldenen Fasan> frei wäre – ich schlug zu und reservierte.

Dies ist der Bericht über meine kleine Reise von Wien nach Oranienbaum und meine Erlebnisse und Erfahrungen während meines Aufenthaltes im Gartenreich und der unmittelbaren Umgebung.

In dieser einen Woche war ich auch in Wittenberg und schweige über diesen Ort. In Zerbst war ich auch und schreibe auch über Zerbst nichts, außer:

In Irland saß ich im Juni an einem von 6 freien Picknicktischen am Meeresufer. Hielt ein Autobus. Erschien ein Ehepaar mit 2 Bockwürsten mit Senf  auf Papptellern  und setzte sich grußlos an den einen von 6 freien Tischen, an dem bereits ich saß. Ihnen folgte unverzüglich eine dicke Dame mit einem Plastikteller voller Hühnersuppe und setzte sich etc. Erschien kurz danach eine weitere dicke Dame mit einem Plastikteller voller Gulaschsuppe und setzte sich etc.

Ob ich wohl unsichtbar gewesen bin, als ich dort saß?

Der Chauffeur betätigte die Hupe, die Herrschaften erhoben sich, nahmen ihre leeren Teller mit und entfernten sich – grußlos, wie erwartet. Der Aufschrift nach war der Bus aus Zerbst, wo immer das auch sein mochte. Wo und wie diese Leute wohl leben, wollte ich wissen. Daher bin ich, als ich in Anhalt-Dessau war, nach Zerbst gefahren.

Hat wenig gebracht, der Ausflug. Zerbst wurde im April 1945 bombardiert, die Ruinen sind beseitigt, die Neubauten gesichtslos und die nicht bebauten Brachen gewaltig. Die Leute waren ganz normal. Vielleicht waren die 4 Leute an dem Tisch, an dem ich saß, einfach schüchtern gewesen. Immerhin, dank ihnen war ich auch in Zerbst.

Und im Hinblick auf die Temperaturen bis 37 Grad war ich zusätzlich mehrfach auch in der Mulde und einmal in der Elbe baden. Schöner war’s sicherlich im kühlen, wenn auch zweifelhaft reinem Wasser als an Land durch weitere Gartenanlagen zu wandern, so interessant und schön anzusehen sie auch sein mögen. Daher habe ich mir zwei Gärten geschenkt: das Georginum und den Sieglitzer Berg samt den Wallwachhäusern.

Was ich davon für meine geplanten Webseiten über deutsche Pressekameras gewinne? Nichts, fürchte ich. Aber wie sagte so schön Schopenhauer? <Willst Du ins Unendliche schreiten, dann schreite im Endlichen nach allen Seiten!>

Ich hoffe, das Zitat erscheint passend. Es ist nämlich die einzige Textstelle der gewiss eindrucksvollen Werke Schopenhauers, die ich mir gemerkt habe. Anderes habe ich nicht zu bieten.

Zur Fortsetzung

 

Peter Lausch
Erstellt am 3. August 2006
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