Minolta CLE
Die Minolta CLE ist für die technische
Weiterentwicklung der Sucherkameras eine wichtige Kamera. Dies,
obgleich sie nur von 1980 bis 1984 und nur in ca. 34.000 Exemplaren
gebaut wurde. Sie ist deshalb wichtig, weil sie eine Reihe von
Eigenschaften besitzt, die andere Modellreihen vergleichbarer
Sucherkameras entweder bis heute nicht haben oder die man erst in
den neuesten Modellen findet. Das macht sie zu einer Kamera, mit der
man auch heute noch angenehm, einfach und gut fotografieren kann.
Diese Besonderheiten machten sie zudem zu einem Sammlerstück: ohne
absolut selten zu sein, kostet eine gut erhaltene CLE trotz
allgemeinem Wertverfall fast aller Kameras für Film infolge des
Siegeszuges der digitalen Fotografie relativ viel, wie die
Versteigerungsergebnisse bei Ebay und anderswo zeigen. Und noch
höhere Preise lassen sich mit schönen und technisch einwandfreien
CLE's bei Auktionen erzielen. Das freut die Eigentümer und
Verkäufer, weniger die potentiellen Käufer. Den wer sich ab 1980
eine damals neue Minolta CLE gekauft hat, der hat gut investiert und
beim Fotografieren zusätzlich sicher noch viel Freude gehabt.
In ihren wesentlichen Eigenschaften geht die Minolta CLE auf die
LEICA CL zurück, die in Kooperation mit Leitz von Minolta gefertigt
wurde und in Japan, vereinzelt aber auch in den Vereinigten Staaten
als Minolta CL verkauft wurde.
Die LEICA CL entstand, weil Leitz versuchte, die sinkenden
Absatzzahlen der M-Leicas (und die sinkenden Gewinne) durch den
Verkauf einer etwas billigeren, handlicheren Kamera anzukurbeln.
Dabei sollten die gewohnten Qualitätsstandards nicht gesenkt werden.
Ziel war also eine Kamera für Leute, die eine hochwertige kleine
Kamera wollen wie andere eine Uhr der Marke Blancpain (welche die
Zeit auch nicht genauer anzeigt als eine gute digital gesteuerte
Billiguhr mit Plastikgehäuse).
Von dieser LEICA/Minolta CL wurden zwischen 1973 und 1976 nach
vorsichtigen Schätzungen etwa 85.000 Stück verkauft; nach Meinung
von Leitz war die Kamera dennoch kein kommerzieller Erfolg, hieß es
damals in der Branche.
Leitz versuchte ab 1976, durch die Konstruktion der LEICA M4-2 den
daniederliegenden Verkauf der M-Leicas wieder anzukurbeln - mit
gewissem Erfolg, wie wir wissen, denn die M-Leicas gibt es heute
noch.
Minolta indessen entschloss sich, die CL weiterzuentwickeln und zu
modernisieren. Gleichzeitig sollten die erkannten Schwächen der CL
beseitigt werden.
Diese Schwächen lagen primär in der Methode der Belichtungsmessung
durch eine CdS-Zelle, die auf einem beweglichem Arm in der Kamera
unmittelbar vor dem Schlitzverschluss angebracht war; dieser Hebel
klappte vor jeder Aufnahme auf die Seite. Bei Hochformataufnahmen
war eine Belichtungsmessung nicht angeraten. Der Verschluss selbst
lief zwar vertikal ab, was gegenüber der auch mit einem solchen
Belichtungsmesser ausgestatteten LEICA M5 eine viel handlichere
Gestaltung des Gehäuses ermöglichte - der Verschluss war aber
angeblich bei langen Verschlusszeiten ungenau. Außerdem konnten
trotz gleichem Bajonettanschluss nicht alle Objektive der M-Leicas
an die CL verwendet werden, insbesondere passten etliche der
damaligen Weitwinkelobjektive nicht an die LEICA CL, weil sie zu
weit ins Gehäuse ragten (oder umgekehrt der Belichtungsmesserhebel
zu viel Platz benötigte). Nicht einmal von Leitz selbst gab es daher
ein Weitwinkelobjektiv zur LEICA CL. Auch hatte die Abtastrolle der
Kamera eine andere Form als die der M-LEICAS, sodass von der
Verwendung der Objektive zur M-Leica an der LEICA CL von den
Händlern abgeraten wurde - ich habe allerdings noch von niemandem
gehört, der irgendwelche diesbezüglichen Schwierigkeiten gehabt
hätte.
Damit Sie aber jetzt nicht glauben, die LEICA CL sei ein missratenes
Ungeheuer unter den Leicas: sie ist zwar nicht die schönste Tochter,
aber sie braucht sich ihrer Herkunft auch wieder nicht zu schämen,
um bei dem Vergleich zu bleiben. Mit der LEICA CL kann man auch
heute noch durchaus angenehm und einfach schöne Bilder machen. Ob
sie gut sind, hängt vom Fotografen ab und das ist mehr, als man von
vielen Kameras mit wohlklingenden Namen sagen kann. In meiner
Leica-Story habe ich mich
hier auch über die
Leica CL ausgelassen.
Was ist neu an der Minolta CLE?

Zunächst: Minolta liefert zur
CLE drei speziell konstruierte, handliche Objektive anstatt des Duos
von Leitz/Minolta zur LEICA CL. Mit den Objektivdaten 2,8/28, 2/40
und 4/90 decken diese Rokkore den Brennweitenbereich ab, in dem wohl
ein jeder Fotograf am häufigsten fotografiert. Die Kupplung mit dem
Entfernungsmesser ist identisch mit dem der M-Leicas. Damit fallen
die erwähnten Kompatibilitätsprobleme weg. Der Entfernungsmesser
selbst hat eine geringfügig höhere Einstellgenauigkeit wie bei der
CL, ohne an die gleichzeitig gebaute LEICA M4-2 heranzukommen. Schon
1980 bietet die Minolta CLE eine bessere Art der
Blitzbelichtungsmessung an als die LEICA M6 TTL ab 1999 sowie
Zeitautomatik und manuelle Einstellung. Und bis Oktober 1999 hätte
ich schreiben können, sie biete als einzige Kamera mit dem
M-Bajonett einen elektronisch gesteuerten Verschluss an, aber seit
dem Erscheinen der Konica RF ist das nicht mehr wahr. Wahr ist
leider, dass LEICA selbst bis 2002 über keinen solchen Verschluss
mit seiner genaueren Zeitenbildung verfügte. Dies änderte sich erst
mit der Markteinführung der LEICA M7.
Durch den moderneren Verschluss ändern sich auch die
Bedienungselemente an der Außenseite. Der für die LEICA CL typische
Drehknopf an der Vorderseite des Gehäuses für die Einstellung der
Zeiten fällt weg bzw. wandert an die Oberseite des Gehäuses. Neben
den manuell einstellbaren, aber elektronisch gesteuerten Zeiten von
1 - 1/1000 Sekunde und B fällt das A für Zeitautomatik auf. In
dieser Einstellung steuert die Kamera in Abhängigkeit von der
Filmempfindlichkeit, der am Objektiv eingestellten Blende und der
Motivhelligkeit die passende Zeit auf Grund einer TTL-Messung des
Lichteinfalls auf dem Verschlussvorhang und - während der Aufnahme -
auf der Filmoberfläche.

Leider hat Minolta auch einen
kleinen Bug in die Kamera eingebaut: bei manueller Einstellung der
Verschlusszeiten schaltet sich der Belichtungsmesser ab. Da auch die
Möglichkeit der Messwertspeicherung durch - leichten - Druck auf den
Auslöser fehlt, ist dies ein ärgerlicher Mangel, wenn in besonderen
Fällen mit festen Zeiten ausgelöst werden soll.
Gleichsam als Trost ist das System der Belichtungsmessung sehr
ausgereift (schon 1980!). Die Belichtung wird vor der Aufnahme nur
annähernd festgelegt, die automatische Zeitenbildung erfolgt wie
oben bereits angedeutet während der Aufnahme. Die Belichtung wird
gemessen durch Reflexion des während der Aufnahme auf den Film
fallenden Lichts - und das 1980. Die Siliziumzelle ist im
Kameraboden angebracht.
Mit den heutigen Filmen funktioniert das einwandfrei, doch erinnere
ich mich, dass ab 1980 einige Filme eine zu dunkle Oberfläche
hatten, sodass die Bilder falsch belichtet wurden. Diesen Mangel,
der vorher viele Jahre gar keiner gewesen war, haben in der Folge
die Filmhersteller schnell beseitigt. Wegen der 34.000 Minolta CLE's
haben sie das nicht getan, sondern wegen der Kameras der OM-Reihe
von Olympus. Diese Firma verwendete für ihr System der
Belichtungsmessung von der Filmebene nämlich Patente von Minolta,
die Minolta damals selbst gar nicht nützte. Erst der Erfolg der OM-1
und OM-2 hat die Leute bei Minolta offenbar auf die Möglichkeiten
ihrer eigenen Entwicklung aufmerksam werden lassen.
Eigenschaften der Minolta CLE
Falls Sie eine Kamera mit
Leica-Bajonett suchen, die
- TTL-Belichtungsmessung,
- TTL-Blitzbelichtungsmessung ( bis zum Erscheinen der M6 TTL 1999
als einzige Kamera)
- als einzige Zeitautomatik (bis zum Erscheinen der Konica RF im
Oktober 1999)
- einen elektronisch gesteuerten Verschluss von 1 - 1/1000sec und B
- eine aufklappbare Rückwand
besitzt, mit der CLE haben Sie
eine solche Kamera gefunden - oder hätten Sie schon vor 20 Jahren
finden können. Aber für nichts ist es zu spät.
Natürlich weist die Kamera auch eine - kleine - Anzahl von Schwächen
auf.
Dazu gehört sicher, dass ohne Batterien gar nichts geht. Im Übrigen
schaltet der Belichtungsmesser nach 20 Sekunden automatisch ab, es
fließt aber dennoch ein Ruhestrom, der die Batterien entlädt, wenn
nicht der Hauptschalter auf der Vorderseite betätigt wurde. Dazu
gehört sicher auch, dass infolge eines Denkfehlers der Konstrukteure
bei manueller Einstellung der Belichtung der Belichtungsmesser nicht
funktioniert. Schließlich gehört auch dazu, dass die Kamera wie
viele ihrer elektronisch gesteuerten Schwestern auch empfindlich auf
Staub reagiert und dass sie schließlich schon bald 30 Jahre auf dem
Buckel hat. Ersatzteile sind dennoch noch immer relativ leicht zu
erhalten, denn das elektronische Innenleben stammt von den SLRs der
XG-Serie von Minolta und die gibt es im Gebrauchthandel noch
zahlreich. Bloß Minolta gibt es seit einigen Jahren nicht mehr und
auch, während die Firma noch florierte, wurde die CLE längst nicht
mehr bei den Landesvertretungen repariert. Leider taucht
infolgedessen ein Problem auf, das bei elektronisch gesteuerten
Kameras, wie sie heute fast ausschließlich erzeugt werden, häufig
auftreten wird: die Leute in den freien Kamerawerkstätten sind in
Wahrheit Feinmechaniker und keine Elektroniker. Auch lässt sich eine
moderne miniaturisierte Schaltung schlechterdings nicht reparieren,
sondern der funktionsunfähige Teil muss ausgetauscht werden, so
vorhanden und beschaffbar (siehe oben).
Blitzaufnahmen mit der Minolta
CLE
Seinerzeit gab es ein kleines
Blitzerchen von Minolta, speziell für die CLE. Lichtschwach zwar,
aber im Innenleben auf die TTL-Blitzbelichtungsmessung der Kamera
perfekt abgestimmt. Die meisten dieser Blitzerchen sind den Weg
aller technischen Geräte gegangen. Viele dürften es ohnehin nicht
gewesen sein.
Infolge des weitgehend gleichen technischen Innenlebens der CLE und
der zeitgleichen SLR-Kameras von Minolta haben nämlich viele
Eigentümer einer CLE gleich ein größeres Blitzgerät gekauft, weil es
zwar wenige elegant war, aber viel leistungsfähiger. Das bedeutet
infolge der nahen Verwandtschaft, dass Sie jedes Blitzgerät zu den
diversen XD- und XG-Kameras von Minolta, vor allem aber auch zur
Minolta X-700 an der CLE verwenden können. Und damit können Sie mit
jeder Blende fotografieren, die Blitzmenge steuern, bis zu vier
Blitze gleichzeitig steuern etc.
Sollten Sie aber kein gebrauchtes Blitzgerät aus der Analogzeit von
Minolta auftreiben, machte es dank des vielseitigen SCA-Systems zur
Anpassung der Blitzgeräte verschiedener Hersteller an die
unterschiedlichen Blitzsteuerungen moderner Kameras. So verwendete
ich einen Adapter SCA 331 an einem Blitzgerät von Cullmann, bis das
Blitzgerät den Geist aufgab. Vielleicht finden Sie bei Bedarf im
Gebrauchthandel ein Blitzgerät mit einem passenden Adapter. Wenn
nicht, blitzen können Sie immer noch, mit jedem Blitz, der eine so
genannte Einstellung auf A besitzt (früher nannte man das
<Computerblitz>, nur dann eben nicht mit
TTL-Blitzbelichtungsmessung.
Die Objektive
Die Objektive von Minolta zur
CLE sind ausgezeichnet.
Allerdings: das Teleobjektiv
4/90 mm ist eher selten und das 2,8/28 mm zeigt vielfach kleine
Bläschen an den Innenflächen der Linsen - sind sie klein und nicht
zahlreich, haben sie keine Auswirkung auf die Bildqualität. Im
Zweifel Rückgaberecht ausbedingen und ausprobieren.
Infolge der Übereinstimmung von
Bajonett und Entfernungsmesserkupplung mit den Objektiven zu den
M-Leicas können sie auch wechselseitig ausgetauscht werden.
In der Praxis sollten Sie
Einiges bedenken: das 2,8/28 mm von Minolta spiegelt an den M-Leicas
den Rahmen für 35 mm Brennweite ein. Einwandfrei funktioniert das
4/90 mm von Minolta an den M-LEICAS. Umgekehrt sind manche Objektive
für die M-LEICA einfach zu groß und decken den Sucher teilweise ab
bzw. die Brennweite ist eine andere, sodass kein passender Rahmen
eingespiegelt wird. Für Normalobjektive von Leica mit Brennweite 50
mm findet sich leider kein passender Sucherrahmen, wenn Sie damit
leben können oder einen Aufstecksucher verwenden, können Sie auch
solche Objektive verwenden. Das gleiche gilt für M-Objektive mit der
Brennweite 35mm.
In anderen Fällen gibt es hingegen kein Problem: Ein Elmarit
2,8/90mm etwa lässt sich einwandfrei an einer CLE verwenden; das
Summicron 2/90mm an sich auch, allerdings ragt das Objektiv ins
Sucherbild und bei Blende 2 würde ich beim Scharfeinstellen im
Hinblick auf die kleinere Messbasis im Vergleich mit der M-LEICA
vorsichtig sein, wenn etwa Blende 2 oder 2,8 verwendet wird.
Indessen können Sie mit
Aufstecksucher einwandfrei etwa das Heliar 15mm von Cosina/Voigtländer
(mit Bajonettadapter) auch an der CLE verwenden und haben damit ein
Gehäuse, das mehr kann als die Bessa L von Cosina/Voigtländer. Und
wenn Sie zum Beispiel ein Avenon 2,8/21mm (eine baugleiche
Ausführung heißt Kobalux) samt Sucher besitzen, können Sie an der
zwanzig Jahre alten CLE auch extreme Weitwinkelaufnahmen machen,
ohne vielleicht - Ihr teures Elmarit-M 2,8/21mm ASPH der Gefahr
eines Kratzers auszusetzen.

Das gilt auch für andere
Fremdobjektive zu M-Leicas. So ergeben sich dann gelegentlich
überraschende Kombinationen, manchmal sinnvoll, manchmal weniger.
Fazit:
Sie sehen, mit der Minolta CLE
kann man auch heute noch viel mehr machen, als sie in die Vitrine
stellen.
Falls ich Ihnen Lust gemacht habe, es mit ihr zu versuchen - ich bin
überzeugt, Sie werden von dieser alten Kamera nicht enttäuscht sein.
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