Leica Zubehör: BEOON

 

Von all den Nahaufnahmegeräten von Leitz war sicherlich das BEOON eines der vielseitigsten und nützlichsten für die Aufnahme von flachen Gegenständen in vorher bestimmten Aufnahmemaßstäben.

Das ab 1937 jahrzehntelang in einer nur optisch geänderten Ausführung gelieferte Gerät (die ursprünglich hellgraue Hammerschlaglackierung wurde später durch eine dunklere ersetzt) lieferte mit Normalobjektiven wahlweise Aufnahmen im Maßstab 1:1, 1:1,5, 1:2 oder 1:3. Ab 1954 konnte das Gerät mit Bajonettadaptern auch an den M-Leicas und Objektiven mit Bajonettfassung verwendet werden.

Wie die Abbildung zeigt, bestand das Gerät aus einem stabilen Rahmen für den Aufnahmemaßstab 1:3 und einer aufschraubbaren Säule mit Halterung für die Kamera.

 

 

Mitgeliefert wurden für die übrigen Abbildungsmaßstäbe drei Masken, die passend in den Rahmen eingelegt wurden sowie 4 Zwischenringe für die vier möglichen Abbildungsmaßstäbe.

 

 

 

 

Nicht zu vergessen eine aufschraubbare Lupe mit eingebauter Mattscheibe.

 

 

 

Je nach Größe des Aufnahmeobjektes bzw. gewünschtem Maßstab wurde der aufzunehmende Gegenstand in die passende Maske eingelegt, z. B. eine Briefmarke in die (kleinste) Maske für den Maßstab 1:1, die in der Abbildung gezeigt wird.. An der Halterung am oberen Ende der Säule wurde oben die Lupe angebracht und unterhalb einer oder mehrere der vier Zwischenringe, je nach gewünschtem Maßstab, Die Abbildung zeigt die Ringkonfiguration für Wiedergabe im Maßstab 1:1. An diesen Zwischenring wurde das Normalobjektiv befestigt. Mittels der ausziehbaren Säule und dem Schneckengang des Objektivs wurde durch Blick durch die Mattscheibe in der Lupe scharf gestellt.

Allerdings muss beim ersten Mal die Lupe auf das Auge des Beobachters angepasst werden. Dazu senkt man die Lupe aus größtem Abstand so weit, dass der schwarze Ring in der Mitte der Mattscheibe deutlich sichtbar wird. Diese Stellung lässt sich durch einen Klebestreifen ein für allemal sichern (bei Benutzerwechsel muss diese Prozedur wiederholt werden). Mit der solcher Art eingestellten Lupe wird die Schärfe auf der Mattscheibe kontrolliert. Das Objektiv sollte für derartige Aufnahmen auf Bl. 11 abgeblendet werden (größere Schärfentiefe, aber noch keine Beugungsverluste).

Sodann wurde anstatt der Lupe das Kameragehäuse angeschlossen, die Belichtung bestimmt und der zu fotografierende und in der entsprechenden Maske liegende Gegenstand aufgenommen.

Das klingt ein wenig umständlich, ist es auch, wenn für jede Aufnahme ein anderer Maßstab gewählt wird. Nimmt man aber zum Beispiel normalgroße Briefmarken im Maßstab 1:1 auf, kann eine ganze Sammlung fotografiert werden, ohne dass der Maßstab geändert oder die Entfernung neu eingestellt werden muss. Gleiches gilt auch für die Aufnahme anderer, möglichst flacher Gegenstände wie etwa Münzen oder Zeichnungen.

Ebenso einfach und schnell lassen sich ganze Serien von Abbildungen aus Büchern etc. aufnehmen – auf diese Weise ist ein durchaus rationelles Arbeiten möglich, weil ja Maßstab, Entfernung und Schärfe nur einmal bestimmt werden müssen.

Das mag der Grund sein, weshalb das BEOON auch heute noch verwendet wird, kann doch mit den entsprechenden Bajonettadaptern jede M-Leica, auch die derzeit im Lieferprogramm befindlichen Modelle M7 und MP für Film verwendet werden. Gleiches gilt für die digitalen Vollformatkameras M9 und M(240). Mit der digitalen M8 gibt es freilich Probleme infolge des Cropfaktors.

Aus der Existenz solcher Geräte erklärt sich übrigens unter anderem die Entwicklung von Kameramodellen wie der M1 ohne Entfernungsmesser bzw. der Modelle MD, MDa und MD-2 der Leica, die überhaupt keinen Sucher haben: wer seine Leica ständig für solche Aufnahmen verwendete, brauchte keinen Sucher und keinen Entfernungsmesser.

Die auch heute noch gegebene Verwendbarkeit an den neuesten Modellen der Leica (für Film) erklärt den relativ hohen Preis von solchen Geräten. Das freilich fast wie neu wirkende BEOON in der Abbildung kostete 2004 im Gebrauchthandel etwa 250 Euro. Anderswo gibt es vergleichbar gut erhaltene Exemplare auch preiswerter - erst unlängst ist ein derartiges BEOON um 76 € + Transportkosten von 16€, einen Tag später aber ein genauso gut erhaltenes Gerät um 22 € + 50 € Transportkosten versteigert worden.

Achten Sie aber darauf, dass sie jeweils alle Zwischenringe und Masken mitgeliefert bekommen.

Und überlegen Sie sich vor dem Kauf gut, ob Sie nicht vergleichbare Ergebnisse einfacher und preiswerter erzielen durch Verwendung eines guten Scanners. Andere überlegen sich das nämlich, daher sind BEOONS häufig zu finden.

 

 

© PETER LAUSCH/2004
Erstellt am 15. November 2004, geändert am 7. Oktober 2013

Alle Abbildungen: © Leicashop Wien