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Einleitung
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Rückreise
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19.6.
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21.6.
| 22.6. |
23.6.
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24.6.
| 25.6. |
26.6.
| 27.6. |
28.6.
| 29.6. |
30.6.
| 1.7. |2.7.|
3.7. |
4.7.| 5.7. |
6.7.
| 7.7.
Freitag,
9. Juni 2000
Um
20 Uhr mache ich mich auf die Reise nach Irland. Zunächst wird es bis
Cherbourg in der Normandie gehen. Dort wird Pfingstmontag um 18 Uhr
hoffentlich das Schiff Normandy der Irish
Ferries ablegen und mich, mein Auto und sonst auch noch mehrere
hundert Leute mit ihren Siebensachen über Nacht nach Rosslare Harbour
bei Wexford in Irland bringen.
Vor
der Abfahrt bin ich noch prüfend durch die Wohnung gegangen. Der Haufen
Gepäck ist verschwunden und im Auto verstaut. Ich habe nichts
vergessen, hoffe ich. Die Katze ist gefüttert, Futter für den
nächsten Tag steht bereit. Sie ist dennoch beleidigt und bleibt
beharrlich im Bücherkasten hinter den Büchern versteckt. Das tut sie
seit Tagen, sie ist nämlich nicht dumm, sie weiss, was der Haufen
Gepäck bedeutet. Schliesslich hat die das auch schon etliche Male
mitgemacht.
In
der Neuen Donau vor meinem Fenster sind keine Schwimmer mehr zu sehen,
obwohl es noch immer heiss ist. Das Kind des Inders in der Wohnung über
mir wirft sich zu Boden. Das tut es schon seit Jahren, ohne sichtbare
Schäden davonzutragen. Sie wird dieses Vergnügens nicht müde, trotz
zunehmendem Alters. Daher wird das Geräusch des Aufpralls ihres
Körpers mit den Jahren lauter, kommt mir vor. Oder werde ich
empfindlicher?
All
das wird sich in meiner Abwesenheit nicht ändern. auch nicht das
Gequake der Politiker in den Fernsehnachrichten. Dass die Frau
Außenministerin irgendwo nicht eingeladen wird und sich daher ihr
Nachtmahl von ihren fetten Bezügen selber kaufen muss, die wir
Steuerzahler ihr - nicht freiwillig - zahlen, wem stört das außer die
Frau Außenminister und die Leser der billigen Massenzeitungen in
Österreich? Was in diesen Blättern steht, ist wahr und das glaubt man
unbesehen. Ist billig, bequem und erspart das Nachdenken.
Im
Auto warte ich, bis es 20 Uhr wird. Die Abfahrt zur ganzen Stunde
erleichtert die Berechnung der Reisezeit beträchtlich. Ich verkneife es
mir, zu schummeln und fahre tatsächlich um 20 Uhr aus der Garage. Auf
der Reichsbrücke überquere ich die so genannte Neue Donau und dann die
echte Donau. Ein einziger Kilometer im Ganzen, aber so wie die Fahrt
über die Reichsbrücke wird die ganze Fahrt quer durch Wien: Was in
Wien ein Auto hat und unter 30 ist, das ist an diesem Freitag unterwegs.
Erst
auf der Westautobahn A1 wird der Verkehr schwächer, nur wenig Urlauber
in PKWs, viele LKW, wie immer.
Zügig
gehts voran, soweit die Rumpelpiste, zu der wir in Österreich die
Autobahn haben verkommen lassen, es zulässt. Der Betonbelag stammt
teilweise ja noch aus Hitlers Zeiten. Das merkt man.
Auf
der Gegenfahrbahn ist der Verkehr stärker, anscheinend vorwiegend
Deutsche und Holländer auf der Fahrt in den Pfingsturlaub am Neusiedler
See südlich Wiens oder gleich nach Ungarn an den Plattensee. Beide sind
flach, beide sind salzhaltig, bloß das Leben am Plattensee ist halt
billiger. Und Deutsch können die dort auch. Bloß das Gulasch heißt
dort Pörkölt.
Die
erste Tagesetappe verläuft sozusagen programmgemäß. Nach knapp 2
Stunden bin ich in Linz, nach 3 Stunden in Passau. Nach 23 Uhr parke ich
auf dem Parkplatz der Raststätte Bayerischer Wald. 350 km bin ich
gefahren. Ich tue das Gleiche wie die Leute in den Autos neben mir auch.
Ich klappe die Lehne um, lege mich auf den Sitz und schlafe sogleich
ein.
10.6.2000, Samstag
Gegen
halb 4 Uhr erwache ich. Draußen ist es noch finster, aber leider, ich
bin putzmunter. Im Rasthaus einen Espresso getrunken (wo sind die
Zeiten, da die deutschen Nachbarn einem nur braun gefärbtes Wasser als
Filterkaffe vorsetzten? Vorbei!).
Während
ich um 4 Uhr den Motor starte, stellt der Sprecher im Radio gerade fest,
der Bundesminister Schily habe zu irgendwelchen Verhandlungen keinen
Kommentar abgegeben - keine Nachrichten sind offenkundig auch
Nachrichten. Bei Regensburg wechsle ich von der A4 auf die A6. Auch auf
dieser Autobahn keine Spur von Pfingststau. Westlich Heilbronn sehe ich
neben der A6 den ersten Wegweiser nach Saarbrücken. Um 1/2 8 Uhr bin
ich beim Rasthaus Wattenberg. Vom Parkplatz aus wandere ich in den Ort
Hettenleidelheim, denn natürlich habe ich etwas in Wien vergessen, was
ich auf die Reise mitnehmen wollte. Ich bekomme es auf Anhieb. Einmal im
Ort, gehe ich in den Penny-Markt und wundere mich wieder einmal, dass
manche ganz simple Waren aus EU-Ländern in Deutschland "um ein
Haus" billiger sind als im EU-Land Österreich. Natürlich ist das
nur eine rhetorische Frage, aber ich handle mir nicht gerne die Klage
eines österreichischen Oligopols (mit deutschem Geld finanziert) ein,
das hinter dem Problem steckt (kartellrechtlich aber ganz undenklich).
Ein
herrlicher Tag, jubelt der Sprecher im Radio zum x-ten Mal. Warm ist es,
sogar heiss, aber diesig, Gott sei Dank aber auch windig. Ich habe viel
Zeit heute, mache eine lange Wanderung durch die Wälder westlich von
Hettenleidelheim.
Gegen
Abend fahre ich zur Raststätte Waldmohr weiter und komme damit dem Ziel
Cherbourg weitere 40 km näher. In der Raststätte nehme ich mir ein
Zimmer mit Geruch um 80 DM im Motel inmitten eines Schotterhaufens
hinter der Raststätte. Der Andrang der Gäste hält sich in Grenzen: in
der Nacht erhält mein einsames Auto gerade 3 Gefährten. Trotz oder
wegen der Fernbedienung um 50 DM Kaution funktioniert der Fernseher
nicht. Laut Aushang im Zimmer ist das Leitungswasser ganz prächtig,
aber leider rostig. Was will ein Mensch für DM 80?
Die
gastliche Raststätte selbst ist weitgehend menschenleer, die
Rindsroulade genießbar, die Tunke von Maggi, scheint es, die Kartoffeln
werden geschält serviert und sind gar, die Petersilie (es heißt:
Petersilienkartoffeln) ist gefriergetrocknet, mit der Hand dem Glas
entnommen und auf die Kartoffeln aufgestreut. Köstlich schmeckt das
Ganze für DM 15. Im Ernst! Erklärt das die Menschenleere?
Sonntag, 11. Juni 2000
Nach
3 Uhr morgens bin ich munter, geschneuzt und gekämmt und mit Espresso
um DM 4 gestärkt, fahre ich um 4,30 Uhr los.
Um
5 Uhr bin ich schon in Frankreich. Dank Schengener Übereinkommen gibt
es keine Grenzkontrolle. Kontrollen finden nur mehr an den Außengrenzen
des Schengener Raums statt, in Österreich also an der Ostgrenze zu
Tschechien, der Slowakei und zu Ungarn. Dafür verwenden wir das
Bundesheer, das Afghanen, Tamilen, Chinesen etc. (manchmal) beim
illegalen Grenzübertritt fängt und wieder in das entsprechende
Nachbarland zurückschickt. Dort versuchen es die Afghanen etc. dann
noch einmal (selten wird jemand 2x beim illegalen Grenzübertritt
erwischt! Warum wohl, geehrter Leser, geehrte Leserin?).
Ich
fahre langsam, die Landschaft ist nebelverhangen. Vor Paris bricht die
Sonne durch die Wolken, die Fahrt über die Route Peripherique nütze
ich zum Sightseeing. Laut Hinweistafel ist der Verkehr "fluide",
was sogar ich verstehe und das stimmt auch. Am Pfingstsonntag um 1/2 9
Uhr haben die Pariser anderes zu tun als mit dem Auto in der Gegend
herumzufahren. Porte de Bercy bis Porte d' Auteuil 8 Minuten, kündet
die Anzeige am Strassenrand und das heißt Tempo 90. Klaglos finde ich
die Ausfahrt zur A13 Richtung Rouen auf der Innenseite der Fahrbahn. Auf
dieser Autobahn herrscht dann Kolonnenverkehr bei Tempo 130.
Bei
der Abzweigung (links und rechts) nach Rouen bleibe ich schön in der
Mitte und fahre bis Caen. Dort findet sich eine weitere Route
Peripherique, auf der ich weit außerhalb der Stadt um sie herumfahre.
Caen ist im 2. Weltkrieg von den Amerikanern mit Bombenteppichen dem
Boden gleich gemacht worden, damit es vom Joch der Nazis befreit werden
konnte. In Vietnam wurde dieses System dann perfektioniert. Die Folgen
sieht man noch heute, in Caen und in Vietnam. Daher gibt es in Caen
nichts zu sehen außer langweiligen Neubauten. Dann der Wegweiser nach
Cherbourg, schließlich der erste Hinweis auf Bayeux (bekannt vom
Wandbehang).
In
Bayeux suche und finde ich das scheinbar gästelose Novotel. Keine
Quartierprobleme gibt es trotz Pfingsten.
Das
Wetter würden Meteorologen als wechselnd bewölkt beschreiben: zur
Stadtbesichtigung reicht es leicht. Bayeux ist ein schönes Städtchen,
gut erhalten und für mich, der ich ja Frankreich nur von der Autobahn
aus kenne, immer wieder der Urtyp einer französischen Landstadt. Da ich
geduldig bin, warte ich jeweils die 2 Minuten ab, in denen die Sonne
scheint und fotografiere in diesen 2 Minuten. Danach suche ich mir mein
nächstes Motiv und warte ....
Auf die Art mache ich lauter Fotos bei Sonnenschein und höre schon die
Bekannten in Wien sagen, ach, was hast Du in Bayeux für schönes Wetter
gehabt. Das sagen aber nur die Bekannten, die diesen Bericht nicht
gelesen haben.
Danach
wandere ich zum "Museum Memorial de la Battaille de Normandie"
an der Umfahrungsstrasse. Dieses Museum ist mit seiner Sammlung
einschlägiger Waffen und Uniformen, Zeitungsartikel und Fotos recht
eindrucksvoll, aber leider auch recht einseitig. Tote Boches sieht man
zuhauf und merkt, dass die deutschen Soldaten ab 1944 auch an der
Westfront wenig Chancen hatten. Tote Amerikaner, Engländer, Kanadier
etc. sieht man auf den Fotos keine: auch in den zeitgenössischen
englischen und amerikanischen Zeitungsberichten sind sie nicht erwähnt.
Dass die Invasion und die anschließende sechs Wochen dauernde Schlacht
um die Normandie aber kein reines Honiglecken für die Alliierten war,
merkt man spätestens, wenn man die vielen kleinen Soldatenfriedhöfe
der Engländer sieht (in Bayeux ein Stück weiter an der
Umfahrungsstrasse gibt es einen) oder den zentralen, großen der
Amerikaner westlich von Bayeux an der Strasse nach Cherbourg, oberhalb
des Omaha-Strandes, wo am 6. Juni 1944 amerikanische Einheiten landeten.
Einige Kilometer weiter nach Westen, in La Cambe, findet sich südlich
der Strasse der zentrale deutsche Friedhof. Der
wirkt nur deshalb kleiner, weil dort meist drei Gefallene übereinander
eingegraben sind. Allein 1400 Flugzeuge haben die Alliierten in den 6
Wochen der Schlacht verloren, wie viele Piloten? Viele, nach den Bildern
der Überreste abgeschossener Flugzeuge zu schließen.
Schade
ist's um jeden einzelnen Gefallenen, gleich, welcher Nation. Jeder hatte
eine Mutter und einen Vater und manche auch schon Frau und Kinder und
jeder Einzelne wurde durch seinen Heldentod aus seinem Leben gerissen.
Leider, den Gestaltern der Schau im Museum in Bayeux ist dieser Gedanke
nicht gekommen, sonst sähe die Ausstellung wohl ein wenig anders aus
und wäre weniger, wie es auf Englisch heißt, triumphalistic.
Aus
der Vergangenheit kehre ich sozusagen in die Gegenwart zurück: das
Wetter bessert sich am Abend, sonnige Abschnitte werden häufiger und
länger und in einem ganz guten Restaurant in der Fussgängerzone esse
ich mein Nachtmahl. Den restlichen Abend verbringe ich damit, durch
Bayeux zu wandern.
Montag, 12. Juni 2000
Der Wetterbericht stimmt - leider. Um 5 Uhr ein winziges
kleines Wölkchen im Westen am sonst klaren Himmel, um 7 Uhr ist es
trübe und regnerisch.
Das
Frühstücksbuffet ist sein Geld nicht wert und an den Kaffee in
Frankreich werde ich mich nicht gewöhnen. Um 7 Uhr ist der Speisesaal
schon voll. Autobusreisende stehen zeitig auf.
Nach
letztem Rundgang durchs gleichsam schlafende Bayeux lange ich nach 9 Uhr
auf dem zentralen Gefallenenfriedhof der Amerikaner oberhalb des
Omaha-Strandes ein. Dort haben sich am Invasionstag mehr als 2
Divisionen die steile Böschung des Ufers hinaufgekämpft. Wer das
überlebt hat, redet heute noch von seinen damaligen Leistungen, jedes
Jahr bei den traditionellen Veteranentreffen. Die anderen liegen auf dem
Friedhof und schweigen.
Etliche
Kilometer weiter gibt es bei La Cambe das deutsche Gegenstück zu
besichtigen. Die Anfahrt ist gut beschildert, von der Route National
sieht man nur das kleine Museum vor dem Friedhof.
Dort ist zusammengetragen, was die deutschen Gefallenen bei sich hatten:
nichts von Wert natürlich, keine Uhren, keine Kameras, die verschwinden
als Allererstes. Briefe gibt es zu sehen, letzte Briefe sozusagen, nicht
mehr abgeschickt, voll von Todesängsten.
Bei
Nieselregen fahre ich sodann bis Cherbourg weiter, stelle das Auto auf
dem Parkplatz des Carrefour am Hafenbecken
ab. Bei trübem Wetter mache ich einen Spaziergang durch die kleine
Altstadt. Im äußeren Hafen sehe ich schon das große Schiff der Irish
Ferries. Angekommen ist sie also, die Fähre, ob sie pünktlich ablegen
wird, das muß sich erst noch zeigen.
Zum
Parkplatz zurückgekehrt, sehe ich beim Mittagessen in der Cafeteria des
Kaufhauses, daß sich die Wolkendecke auflöst. Also mache ich den
gleichen Spaziergang nochmals, fotografiere dieselben Motive ein zweites
Mal, diesmal bei Sonnenschein, wie es sich gehört. Ein Herr redet mich
an, will ein paar Francs von mir, interpretiere ich seine Rede. Ich
biete 20 Francs und verlange "trois photos". Er ist
verdattert. Ein Bettler, der eine Gegenleistung erbringen soll? Immerhin
hält er mir sein Gesicht hin, ich mache tatsächlich nur 3 Fotos von
dem unrasierten Charakterkopf und überreiche den passenden Geldschein.
Auf diese Weise sind wir beide befriedigt. Ein deutscher Tourist lässt
seine Frau kurz stehen und nützt die Gelegenheit, gratis einen
Vagabunden zu fotografieren. Mich wird er ja wohl nicht fotografiert
haben, hoffe ich.
Um
4 Uhr fahre ich den halben Kilometer zum Hafen. Warten heißt es auf dem
Parkplatz und am Hafen, da warte ich lieber am Hafen und schaue mir
meine Mitreisenden an, die gleich mir auf die Einfahrt in den
Schiffsbauch warten. Zwei Autos mit österreichischen Kennzeichen,
ansonsten viele Deutsche, Holländer und Belgier. Und viele irische
Ehepaare mit jeweils einem ganzen Haufen Kindern und neuen Autos. An
irischen Kennzeichen sieht man das Jahr der Erstzulassung des Wagens.
Viele Minivans sind dabei, deren Kennzeichen mit 98, 99 oder 00
beginnen. Der keltische Tiger brüllt bekanntlich gewaltig in den
letzten Jahren und das merkt man.
Gegen
5 Uhr beginnt die Einschiffung. Ich weiß, worauf es ankommt und habe
nach schmerzlichen Erfahrungen in vergangenen Jahren meine Siebensachen
griffbereit, die ich in die Kabine mitnehmen will. Die Franzosen hinter
mir nicht. Statt dessen wedeln sie entgeistert mit den Händen, als die
Heckklappe ihres Autos durch den knapp geparkten Kleinbus hinter ihnen
blockiert wird.
Sogar
die auf dem Ticket aufgedruckte Kabinennummer stimmt, jedenfalls
streitet keiner mit mir um die Kabine. Damit hat auch die Buchung der
Passage übers Internet funktioniert und - Wunder über Wunder - ich
habe automatisch die Altenprämie erhalten (>55 = -20%). Ich hoffe
sehr, in den vergangenen Jahren gab es sie noch nicht, sonst müsste ich
noch nachträglich dem Herrn im Reisebüro in Wien an die Gurgel fahren.
Wer wenig weiß, schläft ruhig, sagt ein Sprichwort und die katholische
Kirche sagt es so ähnlich: Selig die Armen im Geiste .....
Ein
ganz anderes Sprichwort sagt, wer eine Seefahrt macht, wird hungrig.
Kaum hat die Normandy den Hafen verlassen, gehe ich ins Burren Buffet
essen. Wie wahr doch dieses Sprichwort ist, zeigt
deutlich die lange Schlange Hungriger, die sich nur langsam
weiterschiebt. Ich stehe nicht gern Schlange, vor allem nicht, wenn ich
hungrig bin. Ich bediene mich am Anfang des Buffets, das heißt, am Ende
der Schlange, nehme mir je einen Klacks Thunfisch-, Kraut- und
Currysalat und gehe gleich zur Kassiererin vor. So ein Menu ist bei
Irish Ferries nicht vorgesehen, die Bedienung rechnet eine Portion
Pommes Frites zu IRP 1,50 und für das Cola IRP 1,0. Für das wenige
Geld erhalte ich ein mehr als magenfüllendes Abendessen. Satt, wenn
auch nicht ganz glücklich mit den von mir gewählten Speisen kaufe ich
im ehemaligen Duty-Free-Shop ein. Früher waren die Waren ja vielleicht
duty free zu kaufen, billiger waren sie aber nicht. In der Kabine merke ich,
dass mir die Kassiererin statt einer Pfundmünze eine gleich große
Blechscheibe angedreht hat. Zu spät zum Reklamieren - und außerdem
selber schuld.
Dienstag, 13. Juni 2000
Die
Nacht vergeht ereignislos, wir gehen nicht unter, wackeln aber hin und
her, was den Andrang
beim Frühstücksbuffet beträchtlich mindert. Dafür erschwert das
Wackeln aber die Arbeit der Putzfrauen und -männer, unter anderem
deshalb, weil zwei ebenfalls wackelnde Landratten ihre Tabletts mit
Eierspeise, Würstchen etc. auf den Boden werfen, ehe sie dann selbst
auf die Bescherung fallen. Daher muß der Boden gereinigt werden. Die
Landratten dürfen sich selbst reinigen, auch Serviceleistungen haben
eine Grenze.
Ich
selbst gehe anschließend nochmals einkaufen. Ich kaufe mir ein Eau de
Toilette, Amarige von Givenchy,
weil die Packung so schön ist. Bei der Benützung werde ich mich drei
Wochen lang fragen, ob das ein Parfum für Männer oder eher doch für
Frauen ist. Wie auch immer, es riecht gut. In meiner Jugend war das noch
einfacher, da gab es Pitralon oder Pitrell als Rasierwasser, das war's
dann.
Nach
11 Uhr legen wir, etwas verspätet, in Rosslare Harbour an. Die Anreise
habe ich - ohne besondere Vorkommnisse - überstanden.
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