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Lobpreisungen (wörtlich!) der Leica MP in Rot
Konzentrierte Technik ist ihr Merkmal, ohne
Ablenkung durch Automatik. Für Bilder, die nur ein Fotograf sehen,
gestalten und festhalten kann. Gestatten Sie, ein
Fotograf ist in unserer deutschen Sprache einer, der fotografiert.
Tut das ein Eigentümer einer Nikon, Canon etc. nicht? Nikoniert er
oder canoniert er?
Und werden nicht 99% aller Aufnahmen mit anderen Kameras als einer
Leica gestaltet und festgehalten? Sind das keine Bilder?
Unabhängig ist die MP zum Beispiel von
Batterien. Wer Zeit und Blende selbst schätzt, kann ganz auf
Elektronik verzichten. Na prächtig, bloß wozu dann die
Belichtungsmessung in der MP? Hat man nicht mehr als 100 Jahre auf Elektronik ganz verzichtet,
bei allen Kameras, nicht nur bei der Leica? Und dient die Elektronik
nicht der Entlastung des Fotografen von technisch entbehrlichen
Handgriffen und erleichtert damit die Konzentration auf das Motiv,
das man fotografiert? Befreit die Elektronik nicht, so man sie
nützt, von technischem Ballast und ermöglicht bessere Bilder? Starten Sie
übrigens den Motor Ihres PKW noch
mit der Handkurbel? Weil viele Profis den roten Leica Punkt zwar lieben, ihn aber auf ihrer Leica dezent abkleben, hat man bei der MP diesen Punkt gleich ganz weggelassen. Es reicht, wenn Kenner und Eigentümer die Leica als solche identifizieren. Fein. Der Punkt ist ohnehin bloß aufgeklebt. Aber abgedeckt haben ihn die Leute nicht, weil er unschön ist, sondern weil sie meinen, die Diebe und Räuber in Lima, in Wien, in New York und anderswo seien keine Kenner, die eine Leica als solche identifizieren. Irrtum natürlich.
Man kann es aber auch so sehen:
Durch das Weglassen des roten Punktes wird
auf die klassische Einfachheit einer mechanischen Konstruktion
verwiesen, sagt ein Anderer. Eh klar,
oder? Lässt nicht auch Mercedes aus diesem Grund den Stern auf der
Motorhaube weg und BMW die Firmenbezeichnung auf den BMWs? Wenn der Lack der schwarz lackierten Leica nach intensivem Gebrauch an manchen Ecken und Kanten den Blick aufs blanke Messing freigibt, weiß der Fotograf, dass er mit der Kamera viele Erlebnisse teilt. Schön. Normalerweise teilt man seine Erlebnisse bloß mit Menschen, mit Frau, mit Kindern, mit Freunden, Freundinnen etc. Der Eigentümer der MP teilt seine Erlebnisse mit einem technischen Gerät. Ein Freak, oder? Welche Erlebnisse teilen Sie mit Ihrem Rasierapparat? Ich keine, darauf lege ich Wert. Aber sehr schnell kann der Fotograf seine Erlebnisse mit der lackierten Leica teilen. Da schreibt doch wirklich einer: Meine lackierte MP hatte schon nach einigen Tagen die ersten Abriebstellen. Schwierige Lichtverhältnisse sind mit der Leica MP präzise zu beherrschen, weil die Leica nicht versucht, mitzudenken, sondern mit der selektiven Belichtungsmessung präzise Daten für den Fotografen liefert. Seit 40 Jahren bemühen sich Nikon, Canon, Pentax etc. mit allerlei Tricks, das Meßsystem ihrer Kameras so zu gestalten, dass die Kamera möglichst ohne manuelle Eingriffe des Benützers möglichst perfekt belichtete Aufnahmen liefert – Leica mit der Leica R9 übrigens auch. Alles Unsinn! Alles unnötig, wenn doch die ungewichtete Messung (Integralmessung) einer Kreisfläche von 2/3 der Aufnahmehöhe wie bei der Leica ohnehin der Weisheit letzter Schluss ist.
Wie schreibt indessen ein anderer:
Die Beurteilung der Lichtverteilung vor der Aufnahme ist immer
nützlich. Denn nimmt man eine Landschaft mit viel –
hellen – Himmel auf, muss die Belichtung korrigiert werden.
Die MP ist eine Kamera für Leute, die ihre
Aufnahmen auch bezüglich der Belichtung selbst gestalten wollen,
schreibt einer. Sie beherrschten die Fotografie und könnten daher
die zu erwartenden Ereignisse voraussehen. Das ist wahr. Das ist
auch gut so. Nikons und Canons etc. messen die Belichtung
unmittelbar vor der Aufnahme und berücksichtigen somit wechselnde
Beleuchtungsverhältnisse. Dafür sind ihre Benützer auch keine
Propheten und können daher die zu erwartenden
Beleuchtungsverhältnisse leider nicht voraussehen, z. B. die Wolken,
die am Himmel dahin ziehen und bei der Aufnahme das Motiv unversehens
beschatten. Müssen sie auch nicht, macht ja ihre Nikon, Canon etc.
unmittelbar vor der Aufnahme.
Für die MP werden nur ausgewählte
Materialien eingesetzt und aufwändige Fertigungsverfahren benützt.
Na sicher. Wollen wir ja auch hoffen, bei dem Preis! Die Ränder der
Linsen für die Objektive werden daher händisch schwarz angemalt. Und sollten die
ausgewählten Materialien doch nicht so gut sein, Ersatzteile wird es
in 30 Jahren auch noch geben. Garantiert! Sagt Leica. Vorausgesetzt natürlich,
es gibt die Firma noch in 30 Jahren. Die
Rückspulkurbel der früheren M-Leicas und der M7 ist durch einen
Rückspulknopf ersetzt worden – erhöht das
klassische Erscheinungsbild der Kamera, hatten doch auch
M3, M1 und M2 einen solchen. Schön ist es, dass wir jetzt wieder zum
ausziehbaren Rückspulknopf zurückgekehrt sind. Ein wenig langsam und
umständlich ist es halt, den Film mit dem Knopf zurückzuspulen. Um dies zu
beschleunigen, hatten die M4, die M4-2, die M5, die M6, die M6 TTL und die M7
jeweils eine Rückspulkurbel. Faktisch alle Kameras des Weltmarktes
für Kleinbildfilm hatten eine solche Rückspulkurbel, falls sie nicht dank eingebautem Motor
den Film ohnehin motorisch in die Patrone zurückspulten. Macht
nichts. Klassische Eleganz! Darauf allein kommt es an! Dass Profis den Film schnell wechseln wollen, um möglichst kein Motiv zu verpassen? Na, definieren wir doch gleich den Begriff des Profis neu: ein Profi ist einer, der seine Kamera nutzt, damit er zuverlässig die gewünschten Aufnahmen fehlerfrei machen kann. Ich habe immer gedacht, Profis sind u. a. die Leute, die bei Pressekonferenzen etc. ihre Aufnahmen machen, ohne sich mit technischen Details wie passender Belichtungszeit und Entfernungseinstellung zu belasten – aber diese Leute benützen ja ohnehin Nikons und Canons mit Motor und Autofokus und sind daher offenkundig keine Profis. Und für
die MP hat sich Leica eine anschraubbare Rückspulkurbel ausgedacht,
um trotz des Knopfes das schnelle und
komfortable Rückspulen zu ermöglichen. Ist allerdings ein
Zusatzteil, der zusätzlich kostet – 150 Euro. Macht auch nichts.
Wenn Sie sich einen Mercedes kaufen, hat er ja auch bloß einen
Fahrersitz aus Blech, oder? Und wenn Sie komfortabel sitzen wollen,
kaufen Sie sich im Zubehörhandel ein Sitzkissen, ist doch so, oder? Man ist direkt ein wenig enttäuscht ist, wenn die Aufnahmen nicht wert sind, mit einer solch exklusiven Kamera aufgenommen zu werden, schreibt man.
Dem kann ich denn wirklich nur ehrlich und voll
Ehrfurcht vor der Weisheit dieser
Feststellung zustimmen. Ist schon ärgerlich, wenn man mit einer
Kamera um mehrere tausend Euro (Kamera, Objektiv, Leicavit) nur Bilder
zusammenbringt, die man mit einer jeden digitalen Kompaktkamera um 300 Euro
(aber nicht von Leica!) auch geschafft hätte.
Und was
erst die Testergebnisse von Produkten der Firma Leica betrifft: ein
bestimmtes Leica-Objektiv um ca. Euro 3500 erzielt irgendwo die
gleiche Punktezahl wie das vergleichbare Canon-Objektiv um ca. 1000
Euro. Der Tester jubelt und ernennt beide Objektive zu Testsiegern.
Ich mag
ja ein Kleingeist sein, ich sehe bloß, ich könnte mir 3 Stück vom
Canon-Testsieger für den Preis eines einzigen mit derselben
Punktezahl bewerteten Testsiegers von Leica kaufen.
So ist
es halt: Leica über Alles. Ein Tipp zum Schluss: Ärgern Sie sich nicht über mich. Über das, was man liebt, darüber darf man auch Scherze machen.
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Zuletzt
geändert: 14. Jänner 2009 |
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