Irland 1989

 

Ballyvaughan und der Burren

 

Ballyvaughan, 16 Kilometer nordöstlich Lisdoonvarna an der N67, ist ein kleiner, schön gelegener Ort mit einem heute bedeutlungslosen Hafen: im 19 Jahrhundert, bevor die N67 gebaut wurde, war dieser Hafen wichtig, weil mangels Straßen von hier aus am einfachsten Galway – per Schiff – erreicht werden konnte.

Heutzutage ist der Ort vor allem für Touristen interessant: er hat eine Reihe von kleinen Hotels aller Preisklassen, eine Menge Frühstückspensionen und vor allem, er bietet sich als Quartier für jene an, die die Landschaft und die kulturellen Denkmäler des Burren kennenlernen wollen.

Es gibt eine Menge von hübschen Motiven. Eines ist bei den Besuchern ganz besonders beliebt, weil so schön übersichtlich:

Dies ist die bereinigte Version; einige Wegweiser, die von Geschäften und Gaststätten selbständig hinzugefügt wurden, hat man vor einigen Jahren entfernt - zum großen Geschrei der Betroffenen. Sollte sich das Motiv bei Ihrem Besuch andersfärbig präsentieren, Häuser in Irland werden alle paar Jahre in anderen Farben angemalt.

Knapp außerhalb Ballyvaughans könnte man, Richtung Osten von  der N67 aus die Ruine der Drumcreehy Church inmitten des Friedhofs besichtigen, oder, 100 Meter weiter östlich, nach links auf einer schmalen Straße zum Bishopsquarter Beach fahren, sozusagen dem <Hausstrand> von Ballyvaughan.

Und ein kleines Stück weiter bietet sich eine Besichtigung der Corcomroe Abbey an, einer schön gelegenen Zisterzienserabtei inmitten einer im Mittelalter sicherlich völlig einsamen Landschaft – auch heute sieht man von den Ruinen aus nur 1 oder 2 Häuser in der Ferne. 

Nach ein paar weitere Kilometern Autofahrt auf der N67 ist Kinvara erreicht, selbst ein hübsch anzusehender Ort mit dem Dunguaire Castle in Sichtweite.   Und hat man die  Corcomroe Abtei besichtigt und von Ruinen genug, könnte man auf einsamer Straße durch schöne Steinformationen mit prächtiger Aussicht auf die unwirtliche Landschaft Richtung Carran fahren, und sowohl den Temple Cronan besichtigen (freilich wieder eine Ruine) oder aber wahlweise zur Burren Perfumery fahren, eine sehenswerte Parfümerie, in der nur die einheimischen Kräuter zur Essenzherstellung verwendet werden.

Temple Cronan

Fahren Sie indessen nicht den ganzen Weg bis nach Carran von der Perfumery zurück, sondern biegen nach ca. 1 km bei der Einmündung in die nur geringfügig breitere Straße nach links ab, erreichen Sie nach einer Fahrt durch die Einsamkeit das Gräberfeld von Poulnabinnia und sind dort gerantiert der einzige Tourist.

Poulnabinnia Dolmen

 

Vor allem aber kann man von Ballyvaughan aus den Burren besichtigen: zum Beispiel auf der R480, an den Ailwee Caves vorbei, nach Süden zum Poulnabrone Dolmen. Sie müssten allerdings am Morgen oder am Abend vorbeikommen, damit sich der Ort so menschenleer präsentiert.

Poulnabrone Dolmen

Auf der Weiterfahrt folgt das (kommerzialierte) Steinfort von Caherconnell   und das Leamanegh Castle, und von hier auf der R476 Richtung Lisdoonvarna über Kilfenora mit seiner Kirche (Ruine) aus dem 12. Jahrhundert und einer kleinen Ausstellung zur Geschichte des Burren. Und von Lisdoonvarna aus (an sich eine Besichtigung wert) oder, ein wenig weiter Richtung Küste, die Cliffs von Moher und Doolin mit seinen bunt gemalten Häusern und Scharen von Touristen. Die Rückfahrt auf der R477 entlang der Felsküste führt Richtung Fanore, mit vielen schönen Aussichtspunkten entlang der ganzen Strecke bis nach Ballyvaughan zurück, nicht zu vergessen den langen, schönen Sandstrand von Fanore.

In Ballyvaughan selbst kann man die Ailwee Cave besichtigen, eine erst 1944 zufällig entdeckte 600 Meter lange Höhle im Kalkstein, die gegen Entgelt besichtigt werden kann – als Beispiel für die vielen, leider weit weniger zugänglichen und für Besucher ausgebauten Höhlensysteme des Burren.

Sie sehen schon: Ballyvaughan ist durchaus einen Aufenthalt wert.

Manche Hotels scheinen freilich schon nach ein paar Jahren wieder eingegangen zu sein. Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Sie im Burren Coast Hotel kein Zimmer übers Internet buchen können, obgleich die Seite keinerlei Hinweis auf die Verhältnisse gibt (Stand: Frühsommer 2011).

 

Nachtrag 2016

scheint es auch 2016 zu sein, bloß bekommen Sie dort einen Kaffee und vielleicht auch ein Guinness, wenn Sie denn unbedingt wollen. Ich habe es nicht ausprobiert.

 

© Peter Lausch, 1990, ergänzt 2016

 

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