AGFA KARAT IV 



Abbildung: © Peter Lausch

 

Kleine Gebrauchsanleitung für die Agfa Karat IV:

 

1.  Öffnen Sie die aufklappbare Rückwand durch Druck auf die Taste links an der Rückwand (alle Richtungsangaben in Aufnahmehaltung!)

2. Legen Sie den Film ein, nachdem Sie den Rückspulknopf herausgezogen und nach Einlegen der Patrone vorsichtig wieder runtergedrückt haben und befestigen Sie den Filmanschnitt an der Aufwickelspule. Gegebenenfalls straffen Sie den Film durch Drehen des Rückspulknopfes, damit die Zahnräder der Transportwalze in die Perforation eingreifen und der Film keine Schleifen bildet. Drücken Sie auf die Taste links vom Objektiv am Gehäuse, damit das Objektiv auf seiner Halterung (Standarte) herausspringt. Vielleicht müssen Sie bei Ihrer Kamera schon ein wenig mit den Fingern nachhelfen. Macht wenig, so lange es in Aufnahmehaltung einrastet.

3. Transportieren Sie den Film mit dem an der rechten Schmalseite vorstehenden Transporthebel um eine Aufnahme weiter - nachdem Sie allenfalls eine Leeraufnahme gemacht haben. Dabei zeigt sich, ob der Film von der Aufwickelspule gehalten wird. Ist alles in Ordnung, schließen Sie die Rückwand und machen weitere 2 Leeraufnahmen. Achten Sie dabei, ob sich der Rückwickelknopf dreht, als Zeichen, dass der Film ordnungsgemäß transportiert wird. Damit ist die Kamera aufnahmebereit.

4. Wählen Sie, je nach Motiv, Filmempfindlichkeit, Lichtverhältnissen und passende Filmempfindlichkeit. Im Zweifel wählen Sie bei einem Film mit einer Empfindlichkeit laut Schachtel bzw. Aufdruck auf der Patrone ISO 100 eine Belichtungszeit von 1/100 Sekunde, indem Sie <100> auf dem gezahnten Zeitenrad an der Objektivfassung dem kleinen Dreieck auf dem festen Ring der Fassung gegenüberstellen.

5. Wählen Sie nun an der Blendenskala die passende Blende. Welche Blendenöffnung Sie einstellen müssen, ergibt sich aus der Anzeige eines Belichtungsmessers, aus Belichtungstabellen, aus der Filmschachtel (häufig sind einfache Belichtungstabellen auf der Innenseite der Schachtel aufgedruckt. Steht Ihnen das alles nicht zur Verfügung, befolgen Sie die <Sunny 16>-Regel amerikanischer Fotografen: Belichtungszeit ist der reziproke Wert der Filmempfindlichkeit, bei einem ISO 100 Film also 1/100, passende Blende ist bei Aufnahmen einer sonnenbeschienenen Landschaft (Sonne im Rücken) Blende 16. Je nach den Lichtverhältnissen können Sie diese Werte dann abwandeln. Alle Filme haben einen gewissen Belichtungsspielraum, ob Sie einen Film mit ISO 100 oder ISO 125 verwenden, ist in der Praxis nicht von Bedeutung. In der Praxis ist auch kein Unterschied zwischen 1/250 Sekunde und der Einstellung auf 1/300 Sekunde an der Karat IV. Geübte Fotografen brauchen bei Aufnahmen im Freien eigentlich keinen Belichtungsmesser. Sind Sie nicht geübt, kaufen Sie sich besser einen gebrauchten Belichtungsmesser, es gibt sie für wenig Geld im Gebrauchthandel ober bei ebay.

Blitzaufnahmen können Sie auch machen. Dazu brauchen Sie entweder ein Blitzgerät mit Kabelanschluss oder einen Kabeladapter von Hama, in dem Sie ihr Blitzgerät und den Adapter in den Zubehörschuh einschieben und das Kabel in die Buchse vorne links am Objektiv stecken. Sie können faktisch jedes Elektronenblitzgerät verwenden, das sich als <Computerblitz> verwenden lässt, wie man das seinerzeit nannte. Dazu lesen Sie besser die Gebrauchsanleitung des Blitzgeräts. Aber glauben Sie mir, tun kann man vieles, aber nicht alles muss man tun.

6. Zeit und Blende festgelegt, stellen Sie durch Drehen der Entfernungsskala an der Objektivfassung die Schärfe ein, während Sie durch den Sucher blicken. Scharf eingestellt ist das Motiv dann, wenn es keine Doppelkonturen zeigt. Sehen Sie welche, drehen Sie entsprechend am Ring der Entfernungseinstellung, bis sie verschwinden. Scharf wirkt auf dem fertigen Bild nicht nur das, worauf Sie scharf gestellt haben, sondern auch ein Bereich vor- und hinter dem eigentlichen Motiv. Was alles scharf abgebildet wird, sehen Sie durch Blick auf die Schärfentiefenskala an der Objektivfassung: Bei Blende 8 wird alles scharf, was lt. Entfernungsskala zwischen der rechten und linken 8 steht. Für praktische Zwecke genügt das durchaus, Theoretiker bekommen Bauchgrimmen und denken an Zerstreuungskreise etc., womit sich die Leute das Leben schwer machen.

7. Ist nach all diesen Einstellungen das Motiv noch da (z. B. der Stephansdom in Wien zum Unterschied von der entzückenden Katze Schnurrli, der es reichte), drücken Sie, durch den Sucher blickend, auf den Auslöser. Sie haben eine Aufnahme gemacht. Ob Sie Ihnen gefallen wird und ob sie technisch einwandfrei geworden ist, sehen Sie - nirgends. Kameras für Filme haben keinen Monitor, Sie müssen auf die Ergebnisse warten, bis Sie den entwickelten und vergrößerten Film von Fotohändler, Elektromarkt, Drogerie etc. abholen, einige Tage, nachdem Sie ihn dort gelassen haben.

8. Vorher allerdings sollten Sie Aufnahme für Aufnahme machen, bis der Film voll ist. Beachten Sie das Bildzählwerk. Bei einem Film mit 36 Bildern ist der Film voll, wenn das Zählwerk auf 36 steht. Sie merken es auch daran, dass Sie den Film nicht weiter transportieren können, ohne Gewalt anzuwenden.

9. Nun müssen Sie nach Druck auf einen kleinen Knopf den Film mit dem Rückspulknopf links in die Patrone zurückspulen. Vergessen Sie das und öffnen die Kamera nach der letzten Aufnahme, sind Ihre Aufnahmen höchstwahrscheinlich hinüber. Schließen Sie in diesem Fall die Rückwand wieder, spulen Sie wenigstens jetzt zurück und lassen Sie den Film dennoch entwickeln. Haben Sie Glück und bei wenig Licht nur kurz geöffnet, lassen sich die meisten Aufnahmen doch noch entwickeln und vergrößern.

Sie wollen nicht mehr weiter fotografieren? Auch gut. So Sie wollen, schieben Sie das Objektiv zurück ins Gehäuse. Dazu drücken Sie die Taste links vom Objektivtubus am Gehäuse und schieben den Tubus ins Gehäuse, bis er einrastet.

10. Das war's. Und glauben Sie nicht, ich halte Sie für dumm: heutzutage kauft so alte Kameras auch schon die junge Generation, die mit elektronisch gesteuerten Digitalkameras groß geworden ist und der die Voraussetzungen für die Benützung so alter Fotoapparate weitgehend fremd sind. Der Wissende braucht natürlich keine Bedienungsanleitung.

11. Sollten Sie aber dennoch eine haben wollen oder meine Kurzbeschreibung Sie nicht zufrieden stellen, unter www.lindemanns.de erhalten Sie für wenig Geld eine Kopie der Originalanleitung, und dies nicht nur für die Karat IV.

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© PETER LAUSCH/2007
Verfasst: 22. Dezember 2007, geändert 10.3.1014

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