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Rosses Point  - Galway - Dunguaire Castle - Kinvara - Ballyvaughan
(Mittwoch, 28. Juni 2000)

   Reisetag! Von Myra Bruen bin ich herzlich verabschiedet worden mit der Bitte, extra und gesondert auf die Internetseite über Rosses Point hinzuweisen. Das tue ich hiermit, denn die Seiten sind wirklich gut, interessant und liebevoll gemacht.
   Ich fahre nochmals bis zum Strand vor, bleibe stehen, blick auf den weiten Strand im Westen, auf Coney Island, den Metal Man, Oyster Island und den Berg Knocknarea. Wieder ein Besuch in Rosses Point zu Ende. Hierher komme ich seit bald 20 Jahren jährlich, weil sich hier, für mich zumindest, Geschichte und Landschaft am besten vereinigen, aber das ist eine ganz subjektive Bewertung.
   Bei der Ausfahrt aus Sligo tanke ich das Auto voll. Danach geht es auf der direkten Straße direkt und ohne Aufenthalt bis Galway weiter, wo ich rechtzeitig vor Beginn des morgendlichen Trubels ankomme und bei der Kathedrale das Auto parke - gratis. Nicht, dass es mir hier oder anderswo auf die Parkgebühr ankäme, aber es gibt in Irland kaum Ticketautomaten, sondern jedes Städtchen hat eigene Kurzparkscheine, die nirgendwo anders gelten und die das vorschriftsmäßige Parken für den Durchreisenden halt ein wenig umständlich machen.
   Auf dem Hauptplatz (Eyre Square) sitzen noch die Obdachlosen auf den Bänken in der warmen Sonne. Auf dem Rasen schlafen Obdachlose, Besoffene mit Obdach und Rucksacktouristen wohl auch ohne Obdach friedlich vor sich hin. Ein sitzender Obdachloser erklärt mir höflich, der vor uns liegende Obdachlose sei nicht tot, sondern schlafe, worauf der Hund des Schlafenden freundlich mit dem Schwanz wedelt. Sobald ich den Film in der Kamera gewechselt habe, gehe ich weiter, Richtung Hafen durch die Hauptgeschäftsstraße, die sich phantasielos Shop Street nennt. Je näher man dem Hafen kommt, desto bunter werden die Fassaden und am Ende der Straße haben sich dann die Malermeister gegenseitig übertroffen. Wenig Menschen sind unterwegs, es ist ja auch noch nicht 9 Uhr und da sitzen anständige Menschen noch daheim und nicht in Pubs. Auch nach einem Jahr Bauzeit ist die Fußgängerzone noch nicht ganz fertig und hässliche Baufahrzeuge verstellen einem die Sicht.
   Ich überquere den Corrib River beim Spanish Arch, von dem nicht sehr viel übrig ist, der jedoch die Geschichte des schon vor Jahrhunderten gepflogenen Handels mit Spanien dokumentiert. Hinter dem Spanish Arch standen einst hässliche Häuserzeilen; das hat sich geändert, ein ganzes Stadtviertel ist dort neu errichtet worden, die alten Häuser renoviert und umgebaut oder gleich durch neue ersetzt. Von der anderen Seite des Flusses, dem ehemaligen Fischerdorf Claddagh habe ich einen schönen Ausblick auf die sich im Wasser vielfarbig spiegelnde Häuserzeile und auf die 200 Schwäne, die nahe dem Ufer darauf warten, dass sie durch Einheimische und Touristen gefüttert werden. In Taaffe´s Bar in der Shop Street sehe ich auf dem Rückweg für den Abend den Auftritt einer Musikergruppe angekündigt, und auch in anderen Bars, wie Tigh Neachtains in der Cross Street gibt es jeden Abend Livemusik, wie Plakate behaupten. 
   In der Zwischenzeit ist schon mehr los, ich sehe, wie jedes Jahr, die große Zahl von jungen Leuten aus vieler Herren Länder, die mit ihren Rucksäcken durch die Stadt wandern.
   Gegen Mittag wird mir der Rummel zu viel und ich wandere entlang des Flusses zum Parkplatz mit meinem Auto. Dank der Kathedrale ist der Parkplatz leicht zu finden.
   Anschließend kämpfe ich mich durch zahlreiche Kreisverkehre zur N18 nach Limerick durch, benütze diese Straße bis Kilcolgan und biege auf die wesentlich schmalere N67 ab, die entlang des Südufers der Galway Bay nach Westen Richtung Ballyvaughan und Ennistymon führt.
   Nach etlichen Kilometern sehe ich in Kinvara Dunguaire Castle, einen mittelalterlichen Wohnturm mit bunter Geschichte, der mit Yeats in Verbindung steht, Anfang des 20. Jahrhunderts renoviert und wieder bewohnbar gemacht wurde und seit etwa 20 Jahren als Filiale von Bunratty Castle benutzt wird - auch hier gibt es mittelalterliche Bankette für meist amerikanische Touristen. Denen gefällt es, mit Lätzchen um den Hals, damit sie sich nicht anpatzen, mit den Händen Schweinebraten zu essen und angeblich irische Volksmusik dabei zu hören. Die Kellnerinnen und Kellner sind natürlich entsprechend kostümiert. Der Mummenschanz ist ein beträchtlicher kommerzieller Erfolg. Hat man als Normalmensch Humor, kann man teilnehmen, sich anessen und unauffällig halb totlachen.
   Untertags ist die Burg zu besichtigen. Sie ist wesentlich bescheidener als Bunratty und insofern typischer für das Leben in so einem Wohnturm, obgleich auch dieser seinerzeit eine vergleichsweise luxuriöse Behausung gewesen sein muß.
   Dunguaire Castle besichtigt, fahre ich einen Kilometer weiter in den Ort Kinvara: schön anzusehen mit bunten Hausfassaden und mit einer interessanten Geschichte. Nach der Bartholomäusnacht flüchteten hunderte überlebende Hugenotten ins protestantische England; etliche wurden in der Gegend von Kinvara angesiedelt und sesshaft, so viele jedenfalls, dass sie eine kleine hugenottische Kirche bauten, die heute noch existiert und besichtigt werden kann. Was sich wohl die katholischen Iren als Mehrheitsreligion gedacht haben mögen, dass diese protestantische Minderheit das Recht erhielt, öffentlich Messen zu lesen, sie aber nicht, ist nicht überliefert. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Kinvara einfacher per Schiff als auf dem Landweg erreichbar. Lag es daran oder an Verwandtschaftsbeziehungen nach Frankreich, der Ort gedieh im 19. Jahrhundert ganz prächtig, nicht zuletzt durch den Schmuggel von Wein, Tabak und Cognac aus Frankreich. Wer nicht schmuggelte, versuchte sich bei der Ernte von Seetang, der in der Bucht zwischen der Burg und dem Hafen auch heute noch in beträchtlichen Mengen angeschwemmt wird und den man zur Bodenverbesserung nutzte.
   Hinter Kinvara verändert sich die Landschaft, wird karger und schon tauchen in der Ferne die kahlen grauen Berge des Burren auf, einer Karstlandschaft, wie man sie in Europa nur mehr im ehemaligen Jugoslawien findet. Die "Berge" sind nicht hoch, der höchste in der Nähe ist gerade 240 Meter hoch, da sie aber direkt aus dem Meer aufsteigen, sind sie dennoch eindrucksvoll und scheinen höher als sie sind.
   Auf kurvenreicher Strasse komme ich in Ballyvaughan an, fahre zum kleinen Hafen, genieße die Aussicht und entscheide mich dann, einige Tage hier zu bleiben. 5 Kilometer hinter dem Ort könnte ich zu Gregans Castle Hotel abbiegen und für teures Geld dort unangemessen wohnen. Ich werde mich, weniger vornehm, aber bequemer und billiger, in Hylands Hotel an der Abzweigung der Küstenstraße von der N67 (beim berüchtigten Wegweiser mit 15 Hinweistafel, davon 2 nach Ennistymon, aber in entgegengesetzte Richtungen) einquartieren. Voriges Jahr habe ich zwar auch nicht schlecht in den Stürmischen Höhen gewohnt, einem Haus mit Fremdenzimmern, von der Hausfrau eigenhändig angeworben - in allen Ehren natürlich. Zimmer im Hotel ist frei, ich ziehe ein und verbringe den Abend mit Pläneschmieden, doch sind alle Pläne abhängig vom morgigen Wetter.
   Da es aber gar nicht dunkel werden will und ja niemand weiß, wie das Wetter morgen sein wird, fahre ich doch noch auf Besichtigung, knappe 5 Kilometer die Küstenstraße entlang, zum Gleninagh Castle. Dieser Sitz der 0´Loughlin´s ist äußerlich gut erhalten, kein Wunder, haben ihre Nachkommen die Burg doch bis 1840 bewohnt und wurde sie bis 1890 zu Wohnzwecken von anderen benutzt. Leider kann es auf Grund des internen Bauzustandes nicht besichtigt werden und ich bin der einzige Besucher weit und breit, von den Kühen ringsum neugierig beäugt. Auch von außen ist die Burg ein schönes Fotomotiv.
   Habe ich schon nicht meine Neugierde in der Burg stillen können, kann ich mir einen Nachkommen der ehemaligen Eigentümer ansehen, denn einer aus der Familie betreibt an der Straße zum Hafen einen Pub. Der Eigentümer mit dem schönen Namen McNeill 0´Loughlin ist ein freundlicher Herr mit kahlem Kopf und abstehenden Ohren, auch hinter seiner Bar korrekt gekleidet mit Krawatte und mit ganz offenkundig allen Eigenschaften, die einen guten Wirt ausmachen: er kann zuhören und die Besucher ermuntern, noch eine Runde zu bestellen, das alles ganz freundlich und ohne aufdringlich zu wirken. Im Ort nennen ihn manche den Prinzen des Burren und spielen dabei auf die ehemalige Bedeutung seiner Familie an. Davon ist nichts übrig; sein Benehmen und seine Bescheidenheit sind einem Prinzen aber durchaus würdig.

 

 

 

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Zuletzt geändert: 26. Juli 2007
© Peter Lausch |  2000