Freitag, 28. Mai 2004 

 

Heute fahre ich nicht die direkte Seitenstraße, sondern benütze die Hauptstraße Richtung Galway bis Ardrahan und biege dann nach Westen Richtung Burren und Ballyvaughan ab.

Nach etlichen Kilometern sehe ich wiederum das Dunguaire Castle. Dies ist ein mittelalterlichen Wohnturm mit bunter Geschichte, der mit Yeats in Verbindung steht, Anfang des 20. Jahrhunderts renoviert und wieder bewohnbar gemacht wurde und seit etwa 20 Jahren als Filiale von Bunratty Castle benutzt wird - auch hier gibt es mittelalterliche Bankette für meist amerikanische Touristen. Denen gefällt es, mit Lätzchen um den Hals, damit sie sich nicht anpatzen, mit den Händen Schweinebraten zu essen und angeblich irische Volksmusik dabei zu hören. Die Kellnerinnen und Kellner sind natürlich entsprechend kostümiert. Der Mummenschanz ist ein beträchtlicher kommerzieller Erfolg. Hat man als Normalmensch Humor, kann man teilnehmen, sich anessen und unauffällig halb totlachen.

Untertags ist die Burg zu besichtigen. Sie ist wesentlich bescheidener als Bunratty und insofern typischer für das Leben in so einem Wohnturm, obgleich auch dieser seinerzeit eine vergleichsweise luxuriöse Behausung gewesen sein muss. Bewohnt wurde das Castle bis nach dem 2. Weltkrieg von einer Lady Ampthill, einer durchaus interessanten Person, in deren kirchlichen Scheidungsprozess sich herausstellte, dass sie mittels ungewöhnlichem Gebrauchs eines Badeschwamms als Jungfrau Mutter geworden war

Einer Bedingung des Kaufvertrags mit dem irischen Staat entsprechend ist ihr Wohnzimmer im obersten Stockwerk unverändert und mit der Einrichtung aus den 50er-Jahren erhalten geblieben. Man besichtigt es auf dem Weg zur Balustrade, die um den Turm herumführt und von der man eine  schöne Aussicht hat.

Dunguaire Castle besichtigt, fahre ich einen Kilometer weiter in den Ort Kinvara: schön anzusehen mit bunten Hausfassaden und mit einer interessanten Geschichte. Nach der Bartholomäusnacht flüchteten hunderte überlebende Hugenotten ins protestantische England; etliche wurden in der Gegend von Kinvara angesiedelt und sesshaft, so viele jedenfalls, dass sie eine kleine hugenottische Kirche bauten, die heute noch existiert und besichtigt werden kann. Was sich wohl die katholischen Iren als Mehrheitsreligion gedacht haben mögen, dass diese protestantische Minderheit das Recht erhielt, öffentlich Messen zu lesen, sie aber nicht, ist nicht überliefert. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Kinvara einfacher per Schiff als auf dem Landweg erreichbar. Lag es daran oder an Verwandtschaftsbeziehungen nach Frankreich, der Ort gedieh im 19. Jahrhundert ganz prächtig, nicht zuletzt durch den Schmuggel von Wein, Tabak und Cognac aus Frankreich. Wer nicht schmuggelte, versuchte sich bei der Ernte von Seetang, der in der Bucht zwischen der Burg und dem Hafen auch heute noch in beträchtlichen Mengen angeschwemmt wird und den man zur Bodenverbesserung nutzte.

Hinter Kinvara verändert sich die Landschaft, wird karger und schon tauchen in der Ferne die kahlen grauen Berge des Burren auf, einer Karstlandschaft, wie man sie in Europa nur mehr im ehemaligen Jugoslawien findet. Die "Berge" sind nicht hoch, der höchste in der Nähe ist gerade 240 Meter hoch, da sie aber direkt aus dem Meer aufsteigen, sind sie dennoch eindrucksvoll und scheinen höher als sie sind.

Dem Hafen, nicht der Straßenkreuzung verdankt Ballyvaughan seine Existenz, denn bis Ende des 19. Jahrhunderts verband nur ein elender Fahrweg den Ort mit Galway im Osten und mit Lisdoonvarna im Süden. Dann wurde auch nicht die heutige N67 gebaut, sondern die Küstenstraße zum Black Head und von da über Doolin nach Lahinch und Lisdoonvarna.

Infolgedessen kann man wirklich, aus Richtung Galway kommend, im Ort vor Hyland´s Hotel nach rechts die Küstenstraße und nach links die N67 fahren und kommt in beiden Fällen nach Lisdoonvarna. So steht es auch auf dem Wegweiser; dazu kommen allerdings eine Reihe von zusätzlichen Hinweisschildern, so dass sich nur der Ortskundige durch diesen Wegweiser nicht verwirren lässt, der aber braucht ihn ohnehin nicht. Mit Hilfe des Stativs und des Selbstauslösers schaffe ich die Aufnahme von mir und Wegweiser und bin zufrieden.

Beim Leamaneh Castle, einem unfreundlichen Bau, dem man den ehemaligen Wehrturm ganz rechts noch deutlich ansieht, stelle ich an der Straßenkreuzung mein Auto auf dem kleinen Parkplatz ab und warte, bis das kleine Haufenwölkchen weitergezogen ist, das die Sonne verdeckt. Zwei Mietwagen parken sich neben meinem Auto ein, es entsteigen 2 Frauen und 2 Männer, von denen einer einen Schnellhefter bei sich hat, aus dem er den übrigen vorliest:

Die gute Máire Rhua lebte einst hier, der man, 1951 war’s, den toten Ehemann aus der Schlacht zurückbrachte, den sie aber nicht haben wollte, denn was sollte sie mit einer Leiche? Stattdessen wählte sie sich einen Offizier aus der siegreichen englischen Armee, den sie heiratete. Auf diese Weise behielt sie das Eigentum an der Burg. Der gute Mann starb unerwartet nach einiger Zeit, als Máire beim Rasieren des Gatten die Hand mit dem Rasiermesser ausrutschte. Daraufhin heiratete sie einen weiteren Offizier aus Cromwells Besatzungsarmee, der aber – leider – zwei Jahre später, als er mit der holden Gattin auf dem Dach spazieren ging, ausrutschte, sagte sie und zu Tode stürzte. Der nächste Gatte fiel von den Klippen ins Meer, als sich unerklärlicherweise Máires Pferd, das er zufällig ritt, bei den Klippen aufbäumte und seinen Reiter abwarf. Danach soll sie dann keinen Gatten mehr (gesucht?) bekommen haben.

Neugierig spitze ich die Ohren und höre zu. Er merkt, dass ich zuhöre, sagt mit Schweizer Akzent: „Also, ich finde diesen Text gelungen. Ist übrigens“ nach Blick auf das Kennzeichen meines Autos, „von einem Landsmann von Ihnen, einem gewissen Peter Lausch.“

„Ich weiß“, antworte ich, „das  bin nämlich ich.“

Großes Gelächter, ich werde mit dem Text in der Hand mit dem Leamaneh Castle im Hintergrund fotografiert. Das Bild wollen sie im heimatlichen Bern-Bümplitz ihren Bekannten zeigen. Einvernehmlich stellen wir fest, dass die Welt doch wirklich klein ist. Die Welt wirkt noch viel kleiner, als eine weitere Touristin hinzukommt und sagt, nicht nur sei sie auch Schweizerin, sondern sie habe mit ihren Eltern mehrere Jahre in Bern-Bümplitz gelebt. Sogleich verfallen die Damen und Herren ins heimatliche Schwyzerdütsch, Berner Version, und ich habe einige Schwierigkeiten, den Sinn ihrer Reden mitzubekommen.

Und nachdem wir Neuigkeiten ausgetauscht und über unsere jeweiligen Reisepläne geredet haben, verabschieden wir uns voneinander und fahren  ein jeder seines Weges.

Ich fahre auf der R476 nach Kilfenora mit einer Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert und einem dazu passenden Steinkreuz. Indessen, seit mindestens einem Jahr sind sowohl das eine als auch das andere wegen Renovierungsarbeiten unzugänglich. Das benachbarte Burren Display Center ist nur ein kärglicher Ersatz und so fahre ich ohne anzuhalten weiter auf der R481 über Ennistymon und Lahinch bis zu den Cliffs of Moher.

Auch sie sind ein touristischer Fixpunkt und noch dazu auch für Autobusse leicht erreichbar. Entsprechende Besucherscharen wandern daher entlang der steilen Klippen; etliche überklettern die Absperrungen und wagen sich ganz nahe an die Klippen heran. Etliche allzu Wagemutige  sind in den vergangenen Jahren verunglückt, aber keiner während meines Besuches.  

Was macht so einer wie ich an einem solchen Ort? Er schaut und er fotografiert, nicht nur die Klippen, sondern auch die Harfenspielerin am Zugangsweg zum O'Brien's Tower, die trotz freiwilliger Spende den Kopf nicht hebt und partout  nicht in die Kamera blicken will. So schön die Aussicht auf die steilen Klippen auch ist, jetzt am Nachmittag wäre ich besser auf den Weg zum südlichen Teil der Klippen abgezweigt, denn da sind die Klippen um den Tower von der Sonne beschienen und der Gischt der Brandung weit unten leuchtet im Licht.

Über die kleine Ortschaft Doolin fahre ich weiter. Doolin, sagt man, ist das Mekka der irischen Musik.  Auf der - an sich kurzen - Hauptstraße gibt es sozusagen ein Musikgeschäft neben dem anderen. Wollen Sie CDs mit irischem Folk (echten und anderem) kaufen, in Doolin haben Sie wahrscheinlich die beste Auswahl und finden Alben, die es selbst in Dublin, Galway etc. in viel größeren Geschäften nicht zu kaufen gibt.  Wollen Sie indessen nicht bloß daheim irischen Folk hören, sondern auch an Ort und Stelle, heißt es über Nacht in Doolin bleiben. In Doolin gibt es drei Pubs, das bekannteste ist wohl Mc'Dermotts Bar, in der Sie - in der Saison jedenfalls - jeden Abend eine andere Gruppe hören können. In McGann's Pub bekommen Sie nicht bloß ein Bier und was zu Essen, sondern auch Unterkunft - nicht unpraktisch nach einigen Pints. O'Connor's Pub ist ebenfalls empfehlenswert, hat aber keine Internetadresse. Bleibt noch hinzufügen, von keinem dieser Etablissements erhalte ich Prozente.

Auf der Rückfahrt komme ich wieder zum Poulnabrone Dolmen nördlich des Leamaneh Castle. Heute finde ich einen akzeptablen Platz für mein Auto, sodass ich es möglichst wenig verkehrsbehindernd abstellen kann.

Wie habe ich 2003 über den Dolmen geschrieben?

Wunder über Wunder, früher hieß es ein Mäuerchen überklettern, was manche Reisenden nicht folgenlos schafften – heuer haben sie ein Weidegatter errichtet und eine Art Fahrweg bis in die Nähe des Poulnabrone Dolmen gebaut. Auch sitzt nicht mehr ein Alter dort, der – zu Unrecht – Eintrittsgeld verlangt, denn sein Einnahmenverlust durch mangelnde Nutzung der Steinwüste wird ohnehin vom irischen Staat bezahlt. Sollte er aber vielleicht, für den Tag reich genug geworden, schon daheim sein Süppchen essen?

Der Dolmen, eine von vier portal tombs im Burren, besteht aus einem einzigen großen flachen Deckstein, der auf vier seitlichen Steinen ruht, die hochkant in den Boden gesetzt sind und einem weiteren Stein, der die Rückseite bildet. Die Vorderseite ist offen, es ist aber nicht sicher, ob dies der Originalzustand ist und der entsprechende Stein nicht allenfalls zerbrochen ist. Das Ganze ragt etwa mannshoch aus dem Boden.

Es ist, so wie es dasteht, nicht ganz original, einige der senkrechten Steine wurden Ende der 80er-Jahre ersetzt, da sie zu verwittert waren.

Was man sieht, ist nicht ganz das Bild, das sich zur Zeit der Errichtung vor etwa 6000 Jahren bot. Der unwirtliche Karstboden des Burren war damals von einer Humusschicht bedeckt; die Landschaft war daher viel stärker landwirtschaftlich genutzt und auch besiedelt als heute, da sie weitgehend menschenleer ist, wenn es auch heute noch fruchtbare Teile gibt, die üppig bewachsen sind und als Wiesen und Weiden für Rinder genutzt werden können.

Vor allem war der Dolmen von einem mit Steinen versetzten Erdwall umgeben, einem Cairn, vom dem für den Laien wie mich nichts Sichtbares übrig geblieben ist – Archäologen reden anderes.

Bei der Reparatur des Dolmens hat man innen auch eine Grabkammer gefunden. Dort und in den Grykes neben dem Dolmen, die seinerzeit vom Cairn bedeckt waren, fanden sich die Überreste von 22 Menschen: 6 Erwachsene, 6 Jugendliche und 1 neugeborenes Baby. Mit einer Ausnahme waren die Erwachsenen zwischen 30 und 40 Jahre alt, die Jugendlichen waren im Alten von 5 bis 15 Jahren gestorben. Die meisten Erwachsenen und Jugendlichen litten an Arthritis, ihre Zähne waren stark abgenutzt, Folge der damaligen Ernährung. In der Hüfte eines Erwachsenen fand man eine Pfeilspitze, bei zwei anderen fand man an den Knochen verheilte Brüche. Die Kammer und die benachbarten Grykes waren zusätzlich gefüllt mit den Knochen von Kühen, Schafen, Ziegen, aber auch von Vögeln, offenbar alles Bestandteile der damals üblichen Ernährung.

Übrigens: die Leichen waren nicht kremiert worden. Vielmehr hatte man ihre Knochen entfleischt, das zeigen Spuren von Schabern und Steinklingen, mit denen man das Fleisch von den Knochen gekratzt hatte. Vollständig ist keines der Skelette. Das deutet darauf hin, dass man die Leichen damals eine Weile, vermutlich an der Luft, trocknen ließ und dann erst das Fleisch von den Knochen schabte. Die Leute arbeiteten sorgfältig: auch kleine Knochen und Knöchelchen fanden sich. Noch etwas: die Skelettteile waren zu verschiedenen Zeiten in der Grabkammer deponiert worden, die ältesten so um 3.200, die letzten so um 2.600 Jahre vor Christus. Danach hat man den Dolmen etwa 600 Jahre lang als Grabstätte benützt. Begraben hat man etwa zu gleichen Teilen Männer und Frauen.

Nach welchen Gesichtspunkten die Toten ausgewählt wurden, deren Knochen nach der Entfleischung im Dolmen bestattet wurden, lässt sich nicht einmal erahnen, denn wir wissen ja auch nicht, ob der Dolmen ursprünglich kultischen Zwecken diente oder schon als Grabdenkmal gebaut worden ist. Wir wissen über Glauben und Vorstellungswelt dieser Vorfahren so gut wie überhaupt nichts. Sicher liegt man nicht falsch, wenn man sagt, die ausgewählten Toten müssten für die Gemeinschaft eine besondere Bedeutung gehabt haben. Welche das aber war, das wissen wir nicht.

Ein wenig Mühe habe ich, ein oder zwei Aufnahmen zu machen, ohne allzu viele Rückseiten der Bustouristen  aufzunehmen. Als sich eine Dame vor dem Dolmen stehend ablichten lässt, fotografiere ich gleich mit: daheim wird sich dann die Größe des Dolmens besser veranschaulichen lassen.

Dem bleibt nur hinzuzufügen: Heuer habe ich  das Glück, dass keine Autobustouristen den Dolmen umstellt haben, sondern ich dort allein bin; dass man ferner rings um den Dolmen ein Seil gespannt hat, um (eher mit symbolischer Wirkung) zu verhindern, dass die Touristen allerlei Schabernack im Dolmen treiben und auf der großen Steinplatte davor, malerisch hingebreitet,  ein Sonnenbad nehmen, wie noch 2003 geschehen; und schließlich sind die kleinen Steinmonumente entfernt worden, welche übermütige Reisende rings um den Dolmen aufgebaut hatten, weil ihnen fad im Hirn gewesen ist.

Ohnehin sind nicht alle <Monumente>, die so in der Gegend herumstehen, echte Hinterlassenschaften unserer Vorfahren – echt ist nur, was mit einer entsprechenden Hinweistafel auf einem kleinen Betonsockel neben der Hinterlassenschaft gekennzeichnet ist.

Auf Nebenstraßen fahre ich wieder in die kleine Ortschaft Carran (manchmal auch als Carron bezeichnet) und biege nördlich der Ortschaft bei einem Wegweiser nach Osten ab. Etwa 2 Kilometer fahre ich auf einem Feldweg an mehreren Häusern vorbei und halte bei einem weiteren Wegweiser. Das Gatter zur benachbarten Wiese öffne ich und schließe es hinter mir brav wieder zu, und gehe sodann über die weglose Wiese in Richtung der jenseitigen Mauer, ohne ein Tor zu sehen. Dafür sehe ich einen Herrn in Sakko, weißem Hemd mit dazupassender Krawatte, Cordhose und Reitstiefeln, der mich durch seine randlose Brille beobachtet. Stünde der Mann nicht inmitten einer Ansammlung von Kuhfladen, ich hätte ihn nicht für den zuständigen Bauern gehalten. Er weist mir den Weg zur richtigen Stelle an der Mauer. Ich überklettere sie, gehe eine leicht abfallende Wiese hinunter, überklettere ein weiteres Mauerchen mit Trittstufen und bin am Ziel: beim Teampall Chrónáin.

Dies ist die Ruine einer kleinen, Kirche aus dem 12. Jahrhundert, in völliger Abgeschiedenheit gelegen. Sie besteht nur mehr aus vier Mauern aus Stein. In die Westfront ist ein verwitterter Steinkopf eingefügt, dessen Züge kaum mehr erkennbar sind. Sie ist nicht die erste Kirche an dieser Stelle. Die erste Kirche dürfte vielmehr schon vor der Ankunft des Hl. Patrick in Irland errichtet worden sein, denn die Fachleute sind sich weitgehend einig, dass es Christen schon vor der Ankunft Patricks in Irland gab.

Neben der Kirche befindet sich ein Steinsarkophag mit keilförmigen Dach. Dort soll der Hl. Chrònáin begraben sein. Der Sarkophag ist halb offen, drinnen liegt Schotter und gelbliches Gebein. Die Gebeine des Heiligen, der mit dem 640 n. Chr. gestorbenen Hl. Cronan identisch sein dürfte, sind es sicherlich nicht.

Laut der Erläuterungstafel bei der Ruine gäbe es auch noch einen heiligen Brunnen und ein Kreuz in unmittelbarer Umgebung zu besichtigen, auch soll bei der Kirche selbst noch ein zweiter Steinsarkophag zu finden sein. Heuer finde ich ihn: er steht genau hinter der Kirche, besteht aus vier senkrecht aufgestellten Steinplatten ohne Dach und sieht – ehrlich – nichts gleich.

Meinen Bedarf an Portal Tombs etc. für heuer gedeckt, fahre ich nordwärts nach Ballyvaughan. An der einzigen Straßenkreuzung stelle ich mich vor den allseits bekannten Wegweiser, der mit einer Menge von Hinweistafeln versehen ist, u. a. mit zweien, die beide die Fahrtroute Lisdoonvarna anzeigen, die eine nach rechts, die andere nach links zeigend, was jahrelang zu beträchtlicher Verwirrung Ortsfremder führte. Die Lösung war und ist aber einfach: so wie alle Wege nach Rom führen, so kommt man, fährt man rechts, über Fanore entlang der Küste nach Lisdoonvarna, biegt man nach links ab, kommt man auch nach Lisdoonvarna, aber auf der N67.

2004  wurde der nach rechts zeigende Wegweiser nach Lisdoonvarna zwar entfernt, dafür hat man aber gleich einen zweiten, kleineren Wegweiser hingebaut, der ausschließlich die Richtung zu B&Bs, einem Kaffeehaus etc. anzeigt.

Habe ich mich vor diesem Wegweiser bisher immer mittels Stativ und Selbstauslösers aufgenommen, finden sich diesmal gute Seelen, welche mich fotografieren – ich sie dafür mit ihrer Kamera in vergleichbarer Stellung ebenfalls.

Das erledigt, raste ich im Garten vor Monk’s Bar am Hafen. Von meiner Sitzbank sehe ich weit hinaus auf die Galway Bay. Im Osten, im Dunst kaum zu erahnen, liegt Galway. In der Nacht leuchten die Wolken über der Stadt in geisterhaftem Licht, bei Tag sieht man eben nur Dunst. Mehr im Vordergrund sehe ich den Kai von Bishopsquarter Wood, dessen Name von einem früheren Kloster herstammt und dahinter auf der Halbinsel von Finavarra einen der Signaltürme, die während der Napoleonischen Kriege vor einer französischen Invasion warnen sollten. In Richtung aufs Dorfzentrum leuchten die weißen Häuser einer Ferienhaussiedlung, getarnt als traditionelle irische Cottages mit Strohdach, innen jedoch mit allem Komfort. Überhaupt besteht Ballyvaughan überwiegend aus Ferienhäusern, die um diese Jahreszeit fast alle noch leer stehen.

Gestärkt mache ich mich auf den Weg zurück nach Gort in mein B&B, in dem ich zwar werde meine Rechnung mit Kreditkarte bezahlen können (eine Seltenheit bei B&Bs), dafür aber in einem muffigen Zimmer schlafe – was soll’s, schläft man, merkt man den Mief nicht, und bis dahin sitze ich wiederum auf der Bank vor dem Haus und schaue zu, wie die Sonne untergeht. Am dritten Tag in derselben Unterkunft komme ich mir beinahe schon wie der Hausherr vor.

 

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Erstellt am 25. Juni 2004

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