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3.7. |
4.7.| 5.7. |
6.7.
| 7.7.
Rosses
Point - Carrowmore - Labby Stone - Heapstown Cairn - Ballindoon Priory -
Sligo - Mullaghmore - Rosses Point
(Dienstag, 27.
Juni 2000)
Da ich gestern am Abend noch
Pläne gewälzt und die Broschure über Altertümer im County Sligo
gewälzt habe (sie ist nicht wirklich zu wälzen, dazu ist sie zu
dünn), mache ich mich nach Sligo auf, warte auf die Anlieferung der
Zeitungen, kaufe, lese auf dem Parkplatz und komme mir mit meinen festen
Gewohnheiten schon fast wie ein einheimischer Pensionist vor.
Altertümer
stehen auf dem Programm. Über Salthill geht es rund um den Berg
Knocknarea herum nach Carrowmore, einer der wichtigsten Fundstätten
frühzeitlicher Dolmen, Steinkreise etc. Beim Besucherzentrum parke ich
mein Auto, besichtige aber die hehre Stätte mit der dahinter liegenden
Wiese mit diversen Dolmen, Cairns und Standing Stones nicht. Vielmehr
überklettere ich wieder einmal - bei Sonnenschein heuer - die
gegenüber dem Parkplatz angebrachte Barriere samt Hinweis, dass ich
Farmland betrete und mich entsprechend verhalten soll. Richtiges
Verhalten besteht primär darin, den Hinterlassenschaften der anwesenden
Rindviecher auszuweichen, ihnen aber auch nicht zu nahe zu kommen, den
Hinterlassenschaften, damit sich die darauf sitzenden tausenden
Mistfliegen nicht erheben und auf mir niederlassen. Die Rindviecher
selbst sind Besucher schon gewöhnt, ja, sie haben, scheint es, auch
schon einige Tricks gelernt: Damit der Fotograf einen Größenvergleich
für die Dolmen auf dem Bild hat, haben sich die Kühe passend vor den
Dolmen und inmitten der Steinkreise niedergelassen. Vorne Kuh, dahinter
Dolmen, dahinter Knocknarea, darüber blauer Himmel und Sonnenschein. Was
will ich mehr? Dem Hobby gefrönt, fahre ich weiter, dem Plan nach an
vielen anderen Dolmen etc. vorbei, die auf privaten Grundstücken
stehen, so sie nicht inzwischen zerstört sind. Was nämlich tausende
Jahre überstanden hat, tendiert neuerdings zum Verschwinden, weil es
den Bauern im Wege steht. Das tat es zwar schon immer, aber erst heutzutage
haben sie Schubraupen und Presslufthämmer zur Verfügung.
In
Ballysodare erreiche ich die N4 nach Dublin und fahre bis Castlebaldwin.
An Hand der Beschreibung in meiner Broschure biege ich beim Postamt
links ab und folge dann den Wegweisern bis zu dem ehemaligen Festen
Haus. Dieses wurde im 17. Jahrhundert errichtet, gehörte einem Herrn
Baldwin, von dem man sagt, eines Tages sei er von der Jagd
zurückgekommen und habe sein Haus von der dankbaren Dienerschaft
niedergebrannt vorgefunden, die sich nach Entfachung des Freudenfeuers
in alle Winde zerstreut hatte. Wie auch immer, von Brandspuren sehe ich
naturgemäß nichts mehr, aber ich sehe an der ganzen gut erhaltenen
Ruine auch keine Spur von Holz: was brennen konnte, ist verschwunden,
erhalten geblieben ist, wie bei so vielen irischen Ruinen, was aus Stein
ist, die äußere Hülle also. Das aus behauenen Steinen sauber
zusammengefügte Hauptgebäude hat an beiden Giebelwänden hoch
aufragende Rauchfänge, die zu einem Kamin im Erdgeschoß bzw. zweien im
Obergeschoß gehören. Sehr gemütlich kann es der Herr Oberst an
kühlen Abenden im Haus nicht gehabt haben. Auch hat er sich, wie die
Ereignisse ja auch zeigten, nicht wirklich sicher in seinem Bau
gefühlt, denn oberhalb der Haustür befand sich ein Vorbau mit Loch im
Boden. Durch dieses Loch konnten die Leute drinnen siedendes Öl auf die
Häupter ungebetener Besucher draußen gießen oder ihnen wahlweise
Steine auf den Kopf werfen. Derartige Erker
sind heutzutage ungebräuchlich geworden, aber an den historischen Bauten der
protestantischen Eroberer Irlands finden sie sich häufig.
Auf
dem Rückweg zum Auto tritt mir der Eigentümer entgegen. Er will mich
nicht mit Steinen bewerfen und heißes Öl in ausreichender Menge hat er
bestenfalls im Traktor aber nicht bei der Hand. Er ist auch nicht
feindselig, ich habe mich ja auch ganz ordentlich verhalten. Neugierig
ist er, warum ich denn den weiten Weg mache, ob wir so etwas in
Österreich nicht haben? Dem Mann kann geholfen werden, wir reden und
dringlich empfiehlt er den Weg zum Labby Stone (der sich außerhalb
seines Grundstückes befindet).
Ich
folge seinem Rat und hätte auch ohne Rat dasselbe getan. Ich fahre zur
Cromleach Lodge (der Weg dorthin ist sozusagen narrensicher beschildert)
und parke auf dem hoteleigenen Parkplatz neben dem modernen Gebäude.
Den Wegweisern folge ich durch dichten Jungwald einen Hang hinauf auf
eine Wiese, wo es ein wenig unübersichtlich wird. In einer Mulde
entdecke ich schließlich am Waldrand den Dolmen. Aufrecht stehende
Steine tragen einen eindrucksvollen Klops von Stein von 2 Meter Dicke
und über 4 Meter Länge. Er muß mehrere Tonnen wiegen. Das Monument
hat mindestens 4ooo Jahre überdauert. Der Deckstein ist zwar recht
verwittert und weist einen beträchtlichen Bewuchs auf, ist aber sonst
gut erhalten. Diverse Mythen sind mit diesem Monument verbunden. Die
ganze Gegend ist sagenumwoben und niemand kann heute mit Sicherheit
sagen, ob die Erzählungen von den frühen Bewohnern Irlands, den Tuatha
De Danaan, Erfindungen sind oder historische Ereignisse über viele
Generationen weg weitergegeben und verfremdet wurden. Jedenfalls gibt es
in der ganzen Gegend eine Wegweiser
bieten an, auf einer anderen Route zurückzugehen und ich folge ihnen,
aber nicht weit, denn mehrere Hunde bellen mich bei einem menschenleeren
Gehöft an und ich klettere in gebührender Entfernung weglos den Hang
hinauf. Oben habe ich eine schöne Aussicht, vor allem auf einen Fahrweg
zu meinen Füssen und auf ein Monument auf dem Gegenhang. Auch entdecke
ich unmarkierte Wegweiser. Den entsprechenden Hügel emporgeklettert,
finde ich jedoch keinen vorzeitlichen Steinkreis oder dergleichen,
sondern ein Vermessungszeichen ganz zweifelsfrei aus Beton. Die
Wegweiser gehören zu einem Weitwanderweg und führen weiter in die
Einöde. Um ein Erlebnis reicher, wandere ich wieder zurück zum Labby
Stone und gehe dann doch auf einer anderen Route richtig zum Parkplatz
zurück.
Auf
der Fahrt zur Cromleach Lodge bin ich an einem Pub mit Tankstelle
vorbeigekommen. Dorthin fahre ich zurück, parke und wandere 100 Meter
weiter zu einem Tor, durch das ich eine Weide betrete und durch Wiese
und neben Hinterlassenschaften der Benutzer zu einem ganz
eindrucksvollen Steinhaufen gehe: dem Heapstown Cairn. Noch heute etwa 6
Meter hoch mit einem Durchmesser von 60 Metern, besteht er aus einer
Unzahl von zum Teil kopfgroßen Steinen. Was ich sehe, ist aber nur mehr
ein Rest, denn noch im 19. Jahrhundert war er viel größer; der Rest
der Steine ist zum Bau von Gebäuden, Straßen, Brücken in der Nähe
verwendet worden. Was sich unter dem
Steinhaufen verbirgt, ob überhaupt etwas, weiß man nicht. Ohne seine
Zerstörung ließe sich der Steinhaufen mit traditionellen Methoden
nicht untersuchen. Angeblich ist er über dem Grab Ailils errichtet
worden, der um 400 die Gegend beherrschte, es gibt aber
auch Geschichten, dass der Cairn viel älter sein soll. Auch gibt es Theorien,
die diesen Cairn mit den Denkmälern in Carrowmore und Maeve´s Tomb auf
dem Berg Knocknarea in Verbindung bringen. Was man davon glaubt und was
nicht, ist wohl Glaubenssache: glaubt man alles, billigt man den
frühgeschichtlichen Menschen ein beträchtliches Maß an Wissen und
Fähigkeit zu, das ihnen die - anerkannte - Wissenschaft nicht zutraut.
Zum
Auto zurückgekehrt, kommt mir die Gegend aus dieser Blickrichtung
durchaus bekannt vor und ich beschließe, an der Cromleach Lodge vorbei
zu fahren und richtig, über einige Ecken und Kreuzungen gelange ich zur
interessanten Ballindoon
Priory oberhalb des Lough Arrow.
Von Statt
dessen fahre ich unter einer dicken Regenwolke nach Sligo zurück. Im Booknest
suche ich neuerlich nach Lesestoff, finde nichts und als ich aus dem
Geschäft hinausgehe, merke ich, die Regenwolke hat sich verflüchtigt.
Als wäre es den ganzen Tag schön gewesen, schaut das Wetter aus.
Zu
schade, schon in mein Quartier zu fahren und so geht es an Drumcliff
vorbei fast bis Cliffony, wo ich links nach Mullaghmore abbiege, einem
Badeort mit weitem Sandstrand und einem Schloss, das einst den Vorfahren
Prinz Philips gehörte und heute einem der reichsten Männer Irlands,
Smurfit. Daher ist das Schloss auch nicht zu besichtigen, schaut aber
aus der Ferne mit seinem abenteuerlichen Stil auch nicht schlecht aus,
wie ich merke, als ich um die Halbinsel herumfahre, an deren Hals der Ort
liegt. Danach lasse ich mich auf einer Bank beim Hafen nieder und betrachte
das bunte Treiben um mich.
Solange
die Sonne meine Bank und mich bescheint, ist mir einigermaßen warm; im
Schatten merke ich, es hat bei weitem keine 20 Grad und es ist zu kühl,
um im Freien zu sitzen.
Der
Abend wird im Yeats Country Hotel verbracht, wo ich mir ein Konzert mit
pseudo-irischer Volksmusik für die Hotelgäste anhöre, von denen die
jüngsten Zuhörer an die 70 sein müssen. Ich bleibe schön im
Hintergrund, damit mich nicht eine unternehmungslustige Greisin auf die
Tanzfläche verschleppt, auf welcher bereits eine Anzahl Greise beiderlei
Geschlechts, von anderen Greisen angefeuert, wie wild, aber ohne Takt,
umherhüpft. Muss schon schön sein, AmerikanerIn zu sein.
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