Donnerstag, 27. Mai 2004

 

Von meinem Quartier in Gort aus fahre ich   in Richtung Kinvara, halte dort aber nicht an, sondern fahre nach Westen weiter. In der winzigen Ortschaft mit dem schönen Namen Bealaclugga biege ich nach Süden auf eine schmale Straße ab, die, an der Corcomroe Abbey vorbei, in den Ort Carran führt. 2 Kilometer südlich davon zweige ich bei einem Wegweiser auf eine noch schmalere Straße ab, der ich so lange folge, bis ich denke, ich sei vom richtigen Weg abgekommen. Bin ich aber nicht, man muss nur Geduld haben und den Wegbeschreibungen vertrauen, auch wenn sie sich so lesen:

Fahren Sie von Carran aus ca 2 Kilometer nach Süden, biegen Sie dann nach links ab, fahren Sie bei Kreuzungen immer geradeaus nach Süden über Berg und Tal, bis sie links auf einem Hügel die Überreste des Forts sehen. Bleiben Sie aber nicht stehen, denn von diesem Platz aus gibt es keinen Zugangsweg, sondern fahren Sie bis zu einem großen Haus auf der linken Straßenseite weiter, wo sich ein Wegweiser befinden sollte (falls ihn nicht jemand als Souvenir mitgenommen hat). Von da an gehen Sie auf dem Fußweg bis zum Fort hinauf.

Dem entsprechend parke ich bei einem Haus mit Parkplatz samt Wegweiser davor das Auto und mache mich, entlang von Weidezäunen auf einem gut ausgetretenen Fußpfad nach Osten auf, wandere ca. 1 Kilometer durch die Landschaft über Hügel und durch Täler, steige dann endgültig empor auf einer für Ungeschickte speziell gebauten Treppe, gelange auf ein Plateau. Geradeaus gehen heißt es nun, auf eine Mauer zu, die man zu übersteigen hat, um auf eine weitere Weide zu gelangen. Spätestens jetzt sieht man das Hügelfort Cahercommaun. Hügelfort deshalb, weil es dort errichtet wurde, wo das Plateau steil abbricht zu einem Tal. Vom Fort steht noch ein großer Teil der Ringmauer, stellenweise mehrere Meter hoch. Fachleute sagen, es gäbe noch weitere, äußere Ringmauern, deren Reste man sehe – ich sehe nichts. Macht nichts, das, was ich sehe, ist eindrucksvoll genug.

Ausgrabungsfunde lassen darauf schließen, dass das Fort um ca. 800 n. Chr. erbaut  und bis ins 14. Jahrhundert durchgehend bewohnt wurde. Es diente weniger Verteidigungszwecken denn als Sitz eines lokalen <Fürsten>. Angenommen wird, dass dort nicht mehr als 40 bis 50 Personen gleichzeitig lebten, die etwa 100 ha bewirtschafteten. Innerhalb des Forts, vor allem aber außerhalb der Ringmauer, fand man die Fundamente zahlreicher Gebäude – davon sieht ein Mensch wie ich bloß einige Steinhaufen. Die Ausgräber bargen übrigens mehr als 4000 kg Tierknochen, überwiegend von Rindern. Daher dürften die Bewohner im Wesentlichen Weide- und Milchwirtschaft betrieben haben. Andere Funde lassen darauf schließen, dass im Fort auch Schafwolle gesponnen und wahrscheinlich auch Schafwollstoffe hergestellt wurden.

Das Fort ist zwar entlegen und kann nur zu Fuß erreicht werden, ist jedoch schon von der schönen Aussicht und vom guten Erhaltungszustand her einen Besuch wert. Übrigens habe ich Glück, weil ich mitten in einer schon etliche Tage dauernden Schönwetterperiode komme: die Wiese um das Fort ist normalerweise sumpfig, man benutzt daher mit Vorteil den auf Pfählen errichteten hölzernen Zugangsweg zum Fort.

Wollen Sie sich Anfahrt und Anmarschweg ersparen, aber dennoch im Burren ein Ringfort besuchen, nun, es soll so um die 500 Ringforts geben. Leider haben die Bewohner in ihrer Kurzsichtigkeit die Ringforts überwiegend nicht dorthin gebaut, wo heute Straßen verlaufen, sodass viele Ringforts, Portal Tombs und Standing Stones etc. nur schwierig zu finden (wie ich gestern bei Baur feststellen musste) und auch nicht immer gut erhalten sind. Ausgenommen hievon ist, vom  Poulnabrone Dolmen südlich fahrend das Caherconnell Stone Fort mit großem Parkplatz und Besucherzentrum. Das allerdings ist kostenpflichtig.

Und ist Ihnen der Poulnabrone Dolmen zu <touristisch>, fahren Sie doch nach der Rückkehr vom Cahercommaun Stone Fort mit dem Auto auf der Straße weiter nach Süden und nach einigen Kilometern auf schöner Strecke kommen Sie zum Gräberfeld von Parknabinnia mit einer beinahe ebenso schönen Portal Tomb neben der Straße und etlichen anderen Gräbern unterschiedlichen Aussehens in der näheren Umgebung.

Auf Seitenstrassen (von denen ich, scheint’s, doch noch nicht alle befahren habe), gelange ich zum Leamaneah Castle, das ich, da heuer auch im Inneren von hässlichen Baugerüsten befreit, vom Hügel östlich der Straße fotografiere. Einmal eine andere Sichtweise.

Nach Lisdoonvara fahre ich sodann und von dort nach Gort in mein Quartier zurück.

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Erstellt am 25. Juni 2004

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