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Letterkenny - Lifford - Ulster-American Folk Park - Enniskillen - Rosses Point
(Montag,26. Juni 2000)

   Der Tag beginnt mit dem in Gallagher´s Hotel seit vielen Jahren üblichen Frühstück auf buntem Geschirr. In kräftigen Farben leuchtet jede Tasse, jede Untertasse, jeder Teller, ja sogar Zuckerstreuer und Pfeffer- und Salzfass. Allerdings leuchtet jedes dieser Utensilien in einer anderen Grundfarbe und keine Tasse passt farblich zur Untertasse etc. Sicherlich bringt so etwas ein wenig Farbe in den Alltag. Nimmt man dann noch die dunkelrote Wandbemalung mit rosa Applikationen und den Plafond in Chamois, brauchen Sie sich nur noch mich inmitten all dieser Farben vorzustellen und sie haben eine ungefähre Idee von all der Farbenpracht. Die Speisen selbst sind auch farbig, natürlich, entsprechen aber dem Standard. Dennoch erscheint ein Kellner und schreibt die Bestellung mit: full breakfast and some toast. Dann geht er befriedigt und mit der Zeit kommt nacheinander das Bestellte, der Toast natürlich ganz zum Schluß. Macht nichts, man soll die Dinge positiv sehen, immerhin bekomme ich, mit einer Wiener Redensart umschrieben, einen warmen Löffel in den Bauch.
   Zeit genug, die anderen Gäste zu besichtigen. Die Herren vierschrötig und rotgesichtig. Ich kann ihnen keinen Beruf zuordnen, Bauern werden sie in Anzug und Krawatte wohl nicht sein. Die Damen sind auch nicht ohne: adrett, nach Seife duftend, geschäftig und trotz des kühlen Wetters strumpflos, offensichtlich. Alles in allem sind wir bloß 7 Leute, vielleicht schläft der Rest noch. Ich habe aber den Eindruck, die Konkurrenz ist groß. Das Holiday Inn außerhalb der Stadt ist wohl schon von der Preisklasse her keine Konkurrenz, aber 200 Meter weiter an der Hauptstraße hat heuer auch noch ein Hotel der Kette Quality Inn eröffnet, das nicht übermäßig teurer ist (Zimmer ab IRP 35.- pro Kopf).
   Wozu ich mir Gedanken mache über die finanzielle Lage des Hotels weiß ich nicht recht, ich tue es eben, aber nur solange ich esse. Danach gehe ich zur Hotelgarage, finde mein    Richtung Derry, aber nicht weit, ich biege in einem Kreisverkehr Richtung Lifford ab, fahre dort über eine Brücke und bin auf der anderen Seite in Strabane und damit in Großbritannien. Zoll- oder Passkontrolle fand keine statt, ich sehe auch keinen Uniformierten, der dazu da wäre. Das andere Land merkt man an den schlagartig besseren Straßen und an den anderen Kennzeichen der Autos. Und nach einigen Kilometern sehe ich ein Auto der RUC, das anders bemalt ist als die Fahrzeuge der Guarda Siocháina in der Republik.
   Von Strabane sehe ich nur die Außenbezirke, denn ich suche und finde die A5 Richtung Enniskillen. Trotz vergleichbarer Bezeichnung, das ist keine Autobahn, sondern eine Art zweispurige Bundesstraße. Die Gegend und die Häuser sehen nicht anders aus als in der Republik, nur bei den Zeitungsverkäufern liegen andere Zeitungen auf, die ich nicht kaufe, denn ich habe nur irisches Geld mit und keine Wechselstube gesehen.
   Nach etlichen Kilometern erreiche ich mein Fahrziel: den Ulster American Folk Park. Dieses Museum versucht, den Besuchern die Geschichte der Auswanderung aus Irland nach Amerika und die Lebensumstände vor und nach der Auswanderung verständlich zu machen. Das Konzept ist ein wenig anders als im Bunratty Folk Park in Limerick. Verständlich, denn mitgetragen wird das Museum durch eine Stiftung der Familie Mellon, die in Amerika zu vielen Millionen Dollar gekommen ist und die aus dieser Gegend stammt. Der erste Teil der Ausstellung besteht aus Bauern- und Geschäftshäusern aus Ulster. Natürlich findet sich auch die bescheidene Kate aus einem Raum, in dem die ganze Familie samt Ziege und, so vorhanden, Kuh gemeinsam wohnte. Aber sie ist    Verlassen Sie die Halle, stehen Sie auf einer Geschäftsstraße einer amerikanischen Kleinstadt, auf Grund der Sponsoren mit einer Rekonstruktion einer Bank der Firma Mellon etc. Geht man weiter, sieht man Rekonstruktionen typischer amerikanischer Bauernhäuser aus der Zeit der Auswanderung mit entsprechender Einrichtung.
   Wer von uns aus Mitteleuropa nach Irland fährt, um dieses Land kennenzulernen, besichtigt sicher mit mehr Anteilnahme die rekonstruierten Gebäude aus dem Irland des 18. und 19. Jahrhunderts mit ihrer zeitgemäßen Einrichtung. Aber sehr viele Besucher dieses Museums sind Amerikaner, die auf der Suche nach ihren "roots" nach Irland kommen und die wie große Kinder vor den Zeugnissen ihrer eigenen Geschichte stehen,    Die 5 Pfund (Sterling) ist der Besuch wert - außer Sie bekommen so wie ich - unverdient noch - den Seniorenrabatt und dürfen für 4 Pfund (= IRP 5.-) eintreten.
   Nachdem ich mich solcherart gebildet habe fahre ich über Omagh ohne Halt bis Enniskillen weiter, parke am Stadtrand, was nicht viel zu bedeuten hat, denn irische Städte sind recht klein und wandere die 200 Meter bis ins Stadtzentrum. Vielleicht sollte ich korrekt sein und sagen: ich parke am Rande des Stadtzentrums, denn bei der Weiterfahrt merke ich, die Stadt ist flächenmäßig ganz schön groß, aber sie besteht eben überwiegend aus Wohnsiedlungen. Ich wandere durch die Hauptstraße. Der Blick in meinen Führer hat mich belehrt, es gibt einige Sehenswürdigkeiten 3. Klasse und natürlich hat die Stadt eine für den Historiker interessante Geschichte. Das alles sieht ein zufälliger Besucher wie ich - nicht. Vielleicht liegt es auch am Wetter (es nieselt während meines Stadtrundgangs), vielleicht bin ich einfach nicht in der Stimmung, ich find die Stadt - grau und unfreundlich. Wahr ist, niemand ist zu mir unfreundlich, aber ich fühle mich einfach nicht wohl. Daher fällt die Besichtigung eher kurz aus und ich mache mich auf die Fahrt zurück in die Republik, um genau zu sein, über Manorhamilton im Country Leitrim nach Rosses Point bei Sligo. Bei einem Wegweiser biege ich nach Norden ab zum Lake Glencar und halte beim durchaus bescheidenen Wasserfall. Der wäre der Rede an sich nicht wert, aber der Dichter Yeats hatte die Angewohnheit, über tatsächliche Orte Gedichte zu schreiben. Auf die Art ist die Insel Innisfree zu einer gewaltigen Sehenswürdigkeit geworden und deshalb wandern jeden Tag buchstäblich hunderte von Leuten vom Parkplatz am Lake Glencar zum Wasserfall und betrachten diesen. Leute wie ich wissen von dem Gedicht; daheim können Sie ein Buch aufschlagen und das Gedicht nachlesen. Sie finden es auch ohne Buch im Internet. Leute, die autobusweise kommen, haben es leichter: ihnen liest es der/die ReiseleiterIn vom Blatt (und nicht in unverständlichem Englisch, sondern schön übersetzt auf Deutsch, Französisch, Italienisch etc.). Da ich mich zu einer deutschen Reisegruppe dazustelle, komme ich unverdient in den Genuss.
   Danach erhaben über die Fahrkünste des Herrn vor mir auf der Weiterfahrt, komme ich langsam auf die Hauptstraße von Donegal nach Sligo, biege richtig ab und fahre bei Sonnenschein auf den Parkplatz oberhalb des Strandes von Rosses Point. Nach dem trüben Wetter genieße ich wie etliche andere auch, buch- oder zeitungslesend die Aussicht, mache sogar einen kleinen Spaziergang und quartiere mich schließlich bei der Myra Bruen neben Hacketts Bar und gegenüber Austie´s Bar als einziger Gast ein. 
   In beiden Lokalen trinke ich, damit ich sagen kann, ich war auch dort, je ein Cola und schlummere anschließend süß dem Morgen entgegen

 

 

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Zuletzt geändert: 26. Juli 2007
© Peter Lausch |  2000