MONTAG, 22. Mai 2006

 

Die Ankunft des Airbusses A321 der Aer Lingus in Wien verspätet sich einigermaßen. Der Abflug noch viel mehr – starker Luftverkehr, sagt der Pilot. Die Maschine ist zu 90% besetzt, nie hätte ich geglaubt, dass täglich so viele Menschen von Wien nach Dublin fliegen wollen. Zum Unterschied der Charterflüge der Lauda Air, die erst mit Juni aufgenommen werden, sind interessanter Weise österreichische Passagiere offenbar in der Minderheit, den Gesprächen nach zu schließen. Ich bekomme zwar einen Fensterplatz (vor dem Flügel), aber es bringt nicht viel: 1. fliegen wir bis Dublin über einer dichten Wolkendecke und die Sicht zum Boden ist gleich Null. Und immer bloß auf Wolken starren, ist ein wenig langweilig. 2. aber sitzen 2 Damen aus Irland neben mir, freundlich und gesprächig zwar, aber ich sehe Sitzreihen, in denen pro Dreierreihe nur 1 Sitzplatz belegt ist. Ich wechsle während des Fluges auf einen Gangplatz und kann meine Beine ein wenig ausstrecken.

Früher, ach früher, da gab es auch auf kurzen Flügen in der Mittagszeit ein warmes Essen. In den letzten Jahren wurde das Essen freilich immer kümmerlicher und was man da so aß, war meist trotz klangvollen Namens nicht wirklich zu identifizieren, sei es Huhn oder Ratte, in Würfel geschnitten, mit weißer Soße, die nach Salz schmeckte.

Heutzutage gibt es gar nichts mehr; wer nicht hungrig bleiben will, nimmt sich besser ein Wurstbrot mit. Ein Croissant oder auch zwei bekommt man zu kaufen, Bier und Cola auch, gegen Entgelt natürlich. Aber das Essen an Bord hatte früher ja auch einen Nebenzweck (und bei den letzten Malen war’s der Hauptzweck), es ließ die Zeit sozusagen im Flug vergehen. Dafür ist es heute weit billiger zu fliegen, selbst mit einer angesehenen Fluglinie mit Sitzplatzreservierung. Bei anderen ist es noch billiger, natürlich, aber dafür drängeln die Leute beim Einsteigen, um nur ja die vermeintlich besten Plätze zu ergattern.

In Dublin ist es kühl (8 Grad) und regnerisch; im Lauf des Abends wird es aufhellen.

Mit dem Shuttle-Bus fahre ich ein paar hundert Meter bis zur Wagenausgabe von Hertz. Die Formalitäten gehen rasch und reibungslos vor sich, ich werde mit meinen beiden Reisetaschen auf den Parkplatz geschickt und suche den mir zugeteilten Seat Ibiza. Das Auto steht dort, wo es stehen sollte, bloß vermag ich den Kofferraum nicht aufzusperren und benötige die Hilfe eines Angestellten. Ganz einfach ist es, zwei Mal drücken; ich meine, der junge Mann denkt sich sein Teil. Ganz sicher hat er es getan, als ich die Kupplung schleifen und den Motor aufheulen lasse, ohne dass das Auto losfährt.

Damit Sie jetzt nicht denken, was nimmt sich ein Mensch einen Mietwagen, der kein Auto fahren kann: 6 Jahre lang bin ich nun mit Autos mit Automatikgetriebe gefahren. Da verlernt man ein wenig, beim Schalten gemütlich ein- und auszukuppeln. Aber sogar ich gewöhne mich recht schnell an ein Schaltgetriebe. Dass ich aber irgendwann beim Bremsen auch auskuppeln muss, damit ich den Motor nicht abwürge, dafür werde ich ein wenig länger brauchen und mehrmals in den folgenden 2 Wochen den Motor abwürgen.

So fahre ich denn los und gleich im ersten Kreisverkehr über den Randstein. Links fahren hat mir noch nie Schwierigkeiten bereitet – aber ich gewöhne mich nur langsam daran, dass der Ibiza sozusagen nicht an meiner linken Schulter aufhört, sondern dass da noch ein zweiter Sitz links von mir vorhanden ist. Daher habe ich anfangs weniger Probleme mit dem Linksverkehr, aber beträchtliche, dem Fahrbahnrand nicht allzu nahe zu kommen. Dieses Problem haben viele: fast alle Mietautos haben an der linken Seite irgendwelche Kratzer, weil der Lenker den Hecken am Fahrbahnrand zu nahe gekommen ist.

So schön habe ich mir die Fahrtroute zurechtgelegt: vom Flugplatz mehrere Kreisverkehre bewältigen, die richtigen Ausfahrten erwischen, auf die Autobahn M1 und dann auf die M50 Richtung Süden abbiegen und nach ein paar Kilometern auf die Autobahn M4 nach Westen. Allein, die Ausfahrt zur M50 sehe ich zu spät und kann nicht mehr abbiegen. Auf diese Weise fahre ich mehr oder minder ins Stadtzentrum und mache ungewollt eine Art Stadtbesichtigung. Ich orientiere mich am Sonnenstand und fahre nach Möglichkeit immer nach Westen und – siehe da – irgendwann ein Hinweisschild zur N4. Am westlichen Stadtrand Dublins erreiche ich die – gebührenpflichtige (2,50 €) M4, die autobahnmäßig ausgebaut ist und auf der man 120 km/h fahren darf. Das tun nur wenige, außer mir.

Dublin streiche ich übrigens vom heurigen Besichtigungsprogramm. Ich habe von Dublin auf meiner Irrfahrt für heuer genug gesehen.

Nach etlichen Kilometern wird die M4 zur N4 (auch 2 Fahrstreifen in jeder Richtung, aber ohne Mittelstreifen), die in den letzten Jahren u. a. mit Fördergeldern der EU einigermaßen ausgebaut worden ist. Auf weite Strecken entspricht sie nun annähernd mitteleuropäischen Standards: in Irland allerdings sind alle Straßen, auch neu gebaute, Rumpelpisten (<bumpy> sagen die Einheimischen) und sie sind mit einer Teerschicht versehen, in die Splitt eingewalzt wird. Das vermeidet teilweise Aquaplaning bei Regen, erhöht aber das Abrollgeräusch der Reifen ganz beträchtlich. Und gelegentlich ist ein Straßenstück noch nicht ausgebaut, das verlangsamt die Fortbewegung deutlich.

Um 16 Uhr bin ich von Hertz weggefahren, ca. eine halbe Stunde bin ich in Dublin im Stoßverkehr umhergefahren, gegen 19 Uhr gelange ich nach Sligo. Durch die in den letzten Jahren endlich fertiggestellte <Relief Road> gibt es keinen Stau, nicht um 19 Uhr am Abend, aber auch nicht bei Tage, wie ich in den nächsten Tagen feststellen werde. Vorbei die Zeit, in der sich eine nicht enden wollende und nicht vorankommende Autoschlange durch enge Straßen wälzte.

In Sligo überquere ich den Fluss Garavogue, fahre ein kleines Stück nach Norden und biege auf die Seitenstraße zur Halbinsel Rosses Point ab.

Laut Thermometer im Auto beträgt die Außentemperatur 5 Grad C. Eigentlich wollte ich ja am Strand im Auto übernachten (habe ich nicht extra für solche Zwecke einen dicken Schlafsack mitgenommen), aber bei der Kälte ….

Im Ortsteil Ballincar, ehe ich am Hotel Radisson vorbeifahre, biege ich nach rechts in eine schmale Seitenstraße ein, fahre vielleicht 50 Meter und gelange zum B&B Saniud der Marian Nealon.

Als ich ihr erzähle, ich hätte schon vor 2 Jahren – mit Begleiterin – bei ihr übernachtet, begrüßt sie mich wie einen Freund. Ich kann mir eines der drei Zimmer aussuchen. Und während ich im Zimmer umherkrame, holt sie das Gästebuch – und findet meinen Namen nicht. Dafür steht der Name der Begleiterin da – ich habe anscheinend vergessen, mich einzutragen. Ich tue es heuer dafür sogleich.

Zum Strand von Rosses Point fahre ich, bleibe im Auto sitzen und blicke – wie eine ganze Anzahl anderer Autofahrer auch, auf den Strand hinunter und in die untergehende Sonne – das ist dort eine Art Volkssport. Ein anderer Volkssport ist es, den 1 Kilometer langen Strand in beschleunigtem Tempo und heftig mit den Armen schlenkernd, entlang zu gehen. Wem das nicht reicht, der geht ein zweites Mal. Ich begnüge mich mit Zusehen.

In einem Restaurant esse ich dann ein Fischgericht mit wohlklingendem Namen, doch hinter dem Namen verbirgt sich gebackener Dorsch mit Pommes Frittes, gekochten Erbsen und Karotten. Preis und Qualität sind dort ganz verschiedene Dinge.

Süß schlummere ich danach im einigermaßen warmen Zimmer dem nächsten Tag entgegen.

 

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Erstellt am 15. Juni 2006

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