Wie man 1931 mit der Leica fotografiertePeter LAUSCH |
||
Home-
|
Wie
man im Herbst 1931 fotografierte Filmeinlegen in die Leica 1931 Sie nehmen also die D-Kassette von Leitz, öffnen Sie, befestigen den Film auf der Spule, indem Sie ihn unter deren federnde Zunge legen, wickeln den Film auf die Spule (es gibt auch ein passendes Gerät, welches das Aufwickeln beschleunigt, mit dem Codenamen AGRIF), stecken die Spule so in die Kassette, dass der Filmanfang durch den mit Samt bezogenen Schlitz herausragt und verschließen die Kassette mit dem dazugehörigen Deckel. Danach schneiden Sie die Filmzunge richtig aus – freihändig oder mit der Filmanschnittschablone mit dem Codenamen ABLON, öffnen danach mit dem Knebel im Bodendeckel der LEICA bei Tageslicht, aber möglichst nicht im direkten Sonnenlicht, die Kamera, indem Sie den Bodendeckel abheben. Die Aufwickelspule nehmen Sie aus der Leica, stecken den Film mit der Schichtseite nach innen unter die federnde Zunge der Spule und setzen danach Patrone und Aufwickelspule mit dem Film dazwischen in die auf der Oberseite stehenden Kamera, wobei der Film in den Filmkanal gleitet. Wenn Sie jetzt noch den Bodendeckel aufsetzen und mehrere Leeraufnahmen machen, sind Sie sogleich aufnahmebereit. Wie man das auch nach 70 Jahren noch richtig macht, habe ich hier im Einzelnen beschrieben. Da vor 70 Jahren die Filmanschnitte, der Konstruktion der LEICA entsprechend, länger waren, war dieser Vorgang wesentlich einfacher als das Filmeinlegen in eine Schraubleica im Jahre 2001. Ab den 50er-Jahren wurden Filme nur mit den heute noch üblichen kurzen Filmanschnitten (Zungen) ausgeliefert. Wie man 1931 eine Aufnahme machte Mit einem Wort: umständlicher als heute.
Sollten Sie aber die oben gezeigte Aufnahme mit Ihrem Hektor 4,5/135 mm machen wollen, werden Sie mit dem verwendeten Film der Firma Hauff wenig Freude haben und mit 1/20 Sekunde nur eine verwackelte Aufnahme erhalten. 2 Möglichkeiten haben Sie: Sie verwenden einen höher empfindlichen Film, vielleicht den Tempo-Rot-Film von Schleussner (Adox) mit 23 Grad Scheiner, oder Sie verwenden ein Stativ.
Entwickeln und Vergrößern im Herbst 1931 Film vollfotografiert? Zurückspulen ist einfach. Wenn Sie so wollen, können Sie den Film selbst entwickeln. Dafür gibt es seit 1925 ein seltsames Gerät namens FIMAN, eine Glastrommel mit Ständer, der in einer Wanne mit Entwickler steht. Um die Trommel wickeln Sie den Film, drehen danach die Trommel, bis der Film ausreichend Zeichnung aufweist. Das sehen Sie, weil die Filme ja orthochromatisch sind und Sie den Fortgang der Entwicklung bei passendem, rotem, Licht mitverfolgen können. Sie haben einen panchromatischen Film verwendet? Dann werden Sie ja im Herbst 1931 schon eine Entwicklungsdose mit Correx-Band haben, die es seit 1929 gibt. Im Dunklen legen Sie den Film in die Dose (Sie hängen den Film mit seiner Perforation in die Nocken des Bandes und spulen beides richtig um die Aufwickelspindel der Dose und schrauben die Dose lichtdicht zu) und entwickeln nach Zeit und Temperatur – nicht viel anders als im Jahre 2003. Auch der Fixiervorgang und die Wässerung des Film ist praktisch gleichgeblieben.
Wahlweise können Sie Ihren Film aber auch schon im Herbst 1931 zum Fotohändler tragen und dort entwickeln lassen. Schuhkartons für die Aufbewahrung Ihrer Meisterwerke sind auch 1931 schon üblich. Haben Sie 1931 in der Dunkelkammer beim Vergrößern, Entwickeln und Fixieren Ihrer Bilder nicht gepfuscht, sondern die Bilder ordentlich ausgearbeitet, werden die Bilder auch 70 Jahre später praktisch unverändert sein. Schwarz-Weiß natürlich, Farbe gibt es für den Amateur noch nicht. Und die Nachfahren werden sich 2001 fragen, was Sie denn 1931 zu solchen Aufnahmen bewogen hat und wer um Gottes Willen die abgebildeten Familienangehörigen, Freundinnen etc. wohl sein mögen, die kein Mensch mehr identifizieren kann. So viel zum Thema Ewigkeit. PS: Wenn Sie einschlägige Fragen haben, schreiben Sie mir doch. Ich werde versuchen, Ihre Fragen zu beantworten.
|
|
Hinauf |
Erstellt am
20. März 2003 |
Post |