Wie man 1931 mit der Leica fotografierte

 Peter LAUSCH  

 

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 Wie man im Herbst 1931 fotografierte
2. Teil

 Filme für die Leica

  Schon 1925 hatten Sie Auswahl genug. Sie konnten praktisch irgendeinen Film für Kinofilme kaufen, doppelt perforiert, 35 mm breit und etwa 30 Meter lang. Aus diesem langen Film schnitten Sie sich die einzelnen Filmstreifen in der für die Leica richtigen Länge ab (1,65 Meter). Das taten Sie naturgemäß in einem verdunkelten oder fensterlosen Raum. Die meisten Filme waren damals orthochromatisch, das heißt, für rotes Licht weitestgehend unempfindlich. Daher musste der Raum nicht unbedingt absolut dunkel sein, Sie konnten auch eine speziell rot eingefärbte Dunkelkammerlampe brennen lassen und tappten nicht in absoluter Finsternis umher.

   Das war schon deshalb gut, weil sich die abgeschnittenen Filmstücke  gerne zusammenrollten, einem aus der Hand fielen und auf dem Boden herumrollten.

Den Film in die richtige Länge geschnitten, mussten Sie ihn in eine lichtdichte "Kammer" hineinpraktizieren, die ihrerseits in die Leica passte. Diese, wie wir heute sagen würden, Kassette, war in geschlossenem Zustand absolut lichtdicht; durch einen Hebel am Boden der Leica wurde sie beim Befestigen des Bodendeckels am Gehäuse geöffnet. Dadurch war es möglich, den Film in der geschlossenen LEICA nach jeder Aufnahme vor- und am Filmende wieder zurückzuspulen, ohne den Film zu verschrammen. Naturgemäß wurde eine solche Kassette  von Anfang an von Leitz angeboten. Die Kassette bestand aus drei Teilen: der Hülle, dem Spulenkern, auf dem der entsprechend zugeschnittene Filmanfang in einen Schlitz gesteckt wurde und dem Deckel, der das Ganze abschloss. Das war das Magazin A. Mit dem sind viele Eigentümer einer Leica nicht recht glücklich geworden, weil die Kassette beim Herausnehmen aus der Kamera manchmal von selbst aufging. Das Magazin A wurde sehr schnell durch das Magazin B ersetzt, dem diese Macke nicht zu eigen war. Die Version B wurde bis 1954 geliefert.

filmkammerD1931.jpg (27169 Byte)   Im Herbst 1931 war jedoch bereits was ganz Neues lieferbar, die Kassette Modell D, eine Metallhülse mit einem mit Samt gefütterten Schlitz und abnehmbaren Deckel. 

filmeinlegen31.jpg (16258 Byte) In diese Kassette wurde der auf der Spule aufgewickelte Film eingeführt, wobei der Filmanschnitt durch den Schlitz nach außen ragte. Das getan, wurde der Deckel aufgesetzt und verschraubt. Eine nur geringfügig veränderte Variante verwenden wir noch heute, aber das wussten Sie 1931 natürlich noch nicht.

   Welche Filme standen Ihnen denn nun im Herbst 1931, also vor 70 Jahren, zur Verfügung und in welchen Konfektionierungen waren sie lieferbar?

1931 hatte der Fotograf einige Auswahl. Filme gab es primär von Agfa, von Kodak, von Mimosa und von Perutz und zwar alle miteinander orthochromatisch und in Empfindlichkeiten von 16 – 23 Grad Scheiner, je nach Sorte. Perutz lieferte zusätzlich einen panchromatisch sensibilisierten Film, den Perutz-Panchro mit 14-15 Grad Scheiner. Relativ lichtempfindlichere und damit grobkörnigere panchromatische Filme waren auch der Agfa Superpan und der Kodak SS mit jeweils 23 Grad Scheiner. Daneben gab es eine Reihe von kleineren Firmen, wie etwa Hauff, Eisenberger und Lomberg, welche ebenfalls orthochromatische Filme anboten. An den Maßstäben von 2003 gemessen, waren alle Filme geringempfindlich: 23 Grad Scheiner entsprechen etwa ISO 12.

   Der sparsame Fotograf kaufte sich Meterware (z. B. 30,5 Meter in Blechdose), die er in der Dunkelkammer selbst auf passende Länge schnitt. und in die Kassette füllte. Danach konnte außerhalb der Dunkelkammer der Filmanfang zurechtgeschnitten werden, sodass eine ca. 10 cm lange Filmzunge entstand, wobei der Anschnitt zwischen zwei Perforationslöchern verlaufen musste. Das war wichtig, sonst gab es beim Filmeinlegen Probleme. Leitz lieferte daher für Ungeschickte eine Schneideschablone (ABLON), mit der sich dieser Vorgang vereinfachen ließ. Alternativ hatte Leitz ab 1925 bereits zugeschnittene Filme angeboten, die lediglich in die passende Kassette eingesetzt werden mussten. 1931 gab es diesen Service von Leitz aber schon nicht mehr.  

   1931 lieferten nämlich die großen Firmen auch bereits passend zugeschnittene Filmstücke aus, einige, wie etwa Kodak und Perutz boten auch so genannte Tageslichtfüllungen an: tali.jpg (12292 Byte) zugeschnittene Filme, auf Spule aufgerollt, der Filmanschnitt mit einem langen, losen Vorspann aus Papier, welches den eingewickelten Film lichtdicht abdeckte. Diese "TALI"-Packung wurde bei – gedämpftem – Tageslicht in die Kassette eingeschoben, der Papierstreifen mit dem Filmanschnitt aus der Kassette gezogen, der Papieranschnitt weggeworfen – und der bereits richtig zugeschnittene Filmanfang ragte aus der Kassette heraus. Diese Art der Konfektionierung war relativ preiswert und hat sich durchgesetzt. Solche "Tageslichtfüllungen" waren noch bis Anfang der 60er-Jahre lieferbar – und konnten natürlich nicht nur in der Leica verwendet werden, sondern auch in allen anderen Kleinbildkameras.

   Wem das zu teuer war, konnte sich von Mimosa eine Dose mit 30,5 Meter Film kaufen, der bereits richtig konfektioniert war. Die einzelne Filmlänge musste nur vom Rest in der Dose in der Dunkelkammer abgerissen werden. Damit erübrigte sich das richtige Zuschneiden der Meterware. Dieses System hat sich nicht durchgesetzt, mag sein, dass Mimosa eine zu kleine Firma war, um die Marktentwicklung maßgebend zu beeinflussen. Aber immerhin gab es in den folgenden Jahren "DUKA"-Packungen von Agfa, Kodak, Adox und anderen Firmen mit je einem einzigen Film von 1,65 Meter Länge, ausgeliefert ebenfalls bis in die 60er-Jahre.

   Im Sommer 1931 hat Perutz erstmals etwas heute ganz Selbstverständliches getan: Perutz hat die Filme passend durchnummeriert und mit Firmen- und Typenbezeichnung versehen. Würden Sie in unserem Gedankenspiel Perutz-Persenso-Film mit 23 Grad Scheiner verwenden, bräuchten Sie nicht mehr mit einem Messer am Filmanschnitt die Filmtype einritzen, um zu wissen, welchen Film Sie beim Entwickeln vor sich haben.  

   1932 und 1933 werden dann die fertig konfektionierten Kleinbildpatronen von praktisch allen maßgebenden Firmen angeboten werden und sich sehr rasch durchsetzen. Meterware, TALI- und DUKA-Packungen werden von da an nur mehr eine Nischenrolle spielen.

   Wie man den Film in die Kamera einlegte, fotografierte und entwickelte und vergrößerte, wollen Sie wissen? Klicken Sie.

 

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Geändert am 12.12.2004
© Peter Lausch/2004

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