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Cashel - Clonmel - New Ross - Rosslare Harbour

(Freitag, 7. Juli 2000)

   Am Morgen ist mein Auto das einzige auf dem großen Parkplatz unterhalb des Felsens von Cashel. Ich werde zeitig wach, koche Kaffee, esse mein übliches Morgenmahl (Banane), fahre dann in den Ort und parke auf dem großen Parkplatz hinter der Hauptstraße. Nichts ist los, Cashel schläft. Ich spaziere durch den Ort, ein letztes Mal, aber im Geist schon weit weg. Zu fotografieren finde ich nichts mehr, das Wetter ist trübe und reizlos. Schön wäre es gewesen, die Ruinen auf dem Felsen im Morgenlicht festzuhalten. Andere haben das Glück gehabt, ich in den vergangenen Jahren ja auch gelegentlich, aber ich habe immer noch nicht genug Bilder daheim. Soll halt nicht sein.
   Immerhin vergeht die Zeit recht rasch, während ich die Zeitung lese. Ich habe gestern den Telegraph aus England gekauft, der am Donnerstag immer eine sehr interessante Beilage über Computer mitliefert. Vor der Abfahrt lese ich daher noch genüsslich auch die englische Zeitung von gestern.
   Langsam fahrend, komme ich erst gegen 10 Uhr in Clonmel an. Das Wetter hat sich ein wenig gebessert, die Sonne scheint verschleiert. Im Dunnes Store neben dem zentralen gebührenpflichtigen Parkplatz kaufe ich, als hätte ich noch nicht genug davon gekauft, ein weiteres Glas Curry-Paste (Patak´s Rogan Josh Curry-Paste) und werde dann in Wien wohl mehr Curry in der Wohnung haben als Inders über mir. Das reicht dann übers Jahr.
   Danach fahre ich Richtung Carrick-on-Suir, das gleichnamige Flusschen entlang. Die Landschaft ist geradezu üppig, die Bauern hier haben den fruchtbarsten Boden ganz Irlands. Von Carrick sehe ich nur wenig, ich benütze eine, stellenweise noch im Bau befindliche Umfahrung der Stadt, mit entsprechenden Verzögerungen.
   Für Waterford gilt das gleiche. Hier gibt es zwar keine Umfahrung, aber die Hauptstraße Richtung Dublin führt nicht durch die Stadt, sondern am Rande vorbei. Natürlich könnte ich in die Stadt fahren, aber ich habe keine Lust mehr. Geistig habe ich den Urlaub schon abgeschlossen. Was noch kommt, ist die Rückreise.
   Dennoch, in New Ross parke ich doch am Ufer des Flusses Barrow, der an der Stadt außen vorbeiströmt. Der Parkplatz ist gebührenpflichtig, natürlich habe ich keine Parkkarte für New Ross, also parke ich illegal und hoffe auf irische Ungenauigkeit. Die Stadt selbst ist klein, besteht eigentlich nur aus einer Haupt- und Geschäftsstraße und der Vorstadt mit lauter neuen Wohnhäusern. Die Stadt hat zwar eine durchaus interessante Geschichte, sie mag auch schön anzusehen sein, wenn man am ersten Urlaubstag durchfährt, und einem alles noch ganz neu ist, aber von den angeblich vorhandenen historischen Überresten sehe ich auf Anhieb nichts und fragen will ich nicht.
   Also fahre ich nach nur kurzem Aufenthalt, von dem mir nicht viel in Erinnerung bleiben wird, gemächlich weiter, mit 80 km/h. Dafür weiche ich brav einem jeden, der mich überholen will, auf den Seitenstreifen aus, damit sich keiner denkt, der Österreicher schläft beim Fahren.
   Außerhalb von Wexford zögere ich in einem Kreisverkehr zu lange und fahre den Kreisel noch einmal. Nicht weil es Spaß macht, sondern weil ich mit mir nicht einig werde, soll ich Wexford besuchen oder nicht. Schließlich erwische ich auch noch die falsche Ausfahrt und fahre weder Richtung Stadtzentrum noch Richtung Rosslare Harbour, sondern Richtung Dublin. Bis ich umkehren kann, vergehen Kilometer, und auf der Rückfahrt raste ich statt dessen auf einem Parkplatz neben einem Wohnturm an einer Meeresbucht. Da um die Mittagszeit Ebbe ist, stinkt der Schlamm gewaltig und die verbleibende Brühe schaut nicht ganz rein aus. Ich lese ein wenig im Reiseführer nach, was ich alles nicht gesehen habe, dann räume ich meine Siebensachen im Kofferraum übersichtlich neu ein. Danach ist wirklich Zeit, gemächlich nach Rosslare Harbour zu fahren. Die Abfahrt ist für 18 Uhr angesagt, ich lange um 15.30 ein, das Schiff liegt im Hafen, ich werde schnell eingecheckt. Dann heißt es warten bis zur Einfahrt in den Schiffsbauch.
   Ich nütze die Zeit, wandere zum einzigen vorhandenen Gebäude hinüber. Dort hat Irish Ferries ein Büro mit Ticket Office. Anlässlich der Buchung der Passage Anfang April übers Internet habe ich, aus welchen Gründen immer, keine Kabine buchen können. Statt dessen habe ich einen nummerierten Schlafsessel zugewiesen erhalten, der zwar nur S 140.- kostet, während die Kabine fast S 2000.- gekostet hätte. Auf der Anreise habe ich meinen präsumptiven Schlafsessel besichtigt und seither habe ich Zweifel an seiner Bequemlichkeit. Die Dame bei Irish Ferries verweist auf die Hochsaison. Keine Kabinen frei, aber ich könnte ja auf dem Schiff versuchen ...... Kenn´ ich schon. Die Quälgeister von Kunden so lange von Pontius zu Pilatus zu schicken, bis sie entmutigt aufgeben, ist eine auch bei Fluggesellschaften beliebte Methode. Also werde ich im Schlafsessel ruhen und mich warm anziehen, denn im Schiff wird es des Nachts regelmäßig einigermaßen kühl.
   Vor 17 Uhr beginnt die Einladung der Fahrzeuge. Bis dahin betrachte ich die anderen Fahrgäste und mir wird allmählich klar, weshalb ich keine Kabine bekommen habe: es sind einerseits mehr Autos vor dem Schiff versammelt als bei der Herfahrt in Cherbourg und aus jedem Auto mit irischen Kennzeichnen klettern nicht nur 2 Erwachsene, sondern auch eine ganze Schar Kinder, die ja auch wo schlafen müssen. Ich bin der einzige Österreicher, scheint mir. Iren, Franzosen, Deutsche, Holländer und Dänen, in dieser Reihenfolge sind die einzelnen Nationen vertreten.
   Auf dem Schiff angekommen, das Auto verstaut, den - unbefriedigenden - Schlafplatz gesucht und nochmals besichtigt, wandere ich auf schmalen Hühnersteigen nach oben aufs oberste Deck und blicke aufs Land zurück.
   Ein bisschen wehmütig ist mir zu Mute. Ein schöner Urlaub geht zu Ende. Zwar sage ich mir immer, auf dem Schiff bin ich ja eigentlich noch in Irland, aber ach, es ist bloß eine Illusion.
   Gewiss gibt es für das folgende Manöver des Schiffs eine Reihe einwandfreier Ausdrücke, die der Fachmann alle kennt und die ihn kühl und gelassen bleiben lassen, denn all das ist Routine - für den Fachmann und das Personal des Schiffs, das aus diesem Hafen ja jeden zweiten Abend um 18 Uhr ausfährt, aber mich Bewohner eines Binnenlandes, weit entfernt vom Meer, beeindruckt der Vorgang immer wieder.
   Daher schreib´ ich einfach:
  Als der Rauchfang anfängt, dicken schwarzen Qualm auszustoßen, die Schrauben das Wasser aufwühlen und wir, mit dem üblichen Getue, das dem Loslegen der Leinen eines Schiffes im Hafen entspricht, das Hafenbecken verlassen, blicke ich noch eine Weile zurück auf Irland.
   Dann vertreibt mich der kühle Fahrtwind in den windgeschützten Bauch des Schiffes.

 

 

 

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Zuletzt geändert: 26. Juli 2007
© Peter Lausch |  2000