Samstag, 5. Juni 2004

 

Am nächsten Morgen ist es immer noch nebelig in Keel. So nebelig sogar, dass ich den nächsten Wohnwagen gar nicht sehen kann. Das Rauschen der Wellen am Strand höre ich, das <Määh> der Schafe auf den Wiesen ringsum, sonst ist es ruhig. Deshalb fahre ich langsam nach Achill wieder nach Westport und von dort auf Nebenstraßen bis Portumna am Nordufer des Lough Derg.

Der Weg zieht sich, ich habe es auch nicht eilig und mache einige Pausen, bleibe unter anderem halte ich bei der Kinaleghin Abbey, der Ruine einer Zisterzienserabtei. Eine der sozusagen <namenlosen>, weil nicht bedeutenden Abteiruinen, weshalb das Kennzeichen meines Autos auch bei den Friedhofsbesuchern Aufmerksamkeit erweckt. Denn die Ruine ist in den heutigen Friedhof einbezogen und wie anderswo auch, finden sich Grabstätten auch im einstigen Kirchenschiff und in den ehemaligen Nebenräumen.

Deshalb komme ich erst am Nachmittag an. In Portumna gibt es das große, noch nicht fertig renovierte Portumna Castle, dessen Front jetzt am Nachmittag im Schatten liegt; vor dem Schloss eine vereinfachte Version der einstigen aufwendig gestalteten Gartenanlage samt Gemüsegarten. Am Castle fahre ich vorbei. Ebenfalls vorbei fahre ich am Hotel daneben; großer Auftrieb der Geldsäcke einschließlich Hubschrauberlandung. Anlass: Hochzeit.

Stattdessen fahre ich zum kleinen Hafenbecken am See und stelle das Auto auf den danebenliegenden Picknickplatz. Von dort aus gehe ich über die Zufahrtsstraße und besichtige die noch recht gut erhaltene Portumna Priory, die dem inzwischen frisch vermählten Paar als Kulisse für die obligaten Hochzeitsfotos dient. Mir wird zwar der Zusammenhang nicht recht klar zwischen Anlass und Kulisse, aber wenn sie sich’s so wünschen?

Nicht besichtige ich das nahe gelegene Haus, in dem ein dreifacher Mörder groß geworden ist. Hinweistafeln zum Heim des wohl bekanntesten Sohns Portumnas gibt es ohnehin keine und den Mörder gibt es inzwischen auch nicht, er hat sich in seiner Zelle umgebracht.

Ich wandere jedoch die vielleicht 100 Meter zum Hafenbecken. Das ist sozusagen gerammelt voll, wie mir Laien scheint, aber das scheint mir nur so, denn immer noch legen weitere Boote an, bis man von einem Ufer zum anderen trockenen Fußes gehen kann, was die Insassen der in der Mitte des Beckens verankerten Boote auch tun, wenngleich unter Überwindung zahlreicher Geländer, Hunde, anderer Passagiere, Holz- oder Gasgrillern, Bierflaschen etc. Von Booten zu schreiben, ist natürlich unangebracht. Großteils liegen recht ansehnliche Motorjachten im Hafen, von denen buchstäblich jede eine Familie mit 3 Kindern und Hund beherbergen kann.

Die in meinen Augen drangvolle Enge führt dazu, dass ein jeder alles hört, riecht und sieht, was sich auf den Nachbarbooten abspielt, aber wo könnten denn drei Bier trinkende Herren den Nachbarinnen auf dem benachbarten kleineren Boot so unauffällig ins – tiefe – Dekolletee schauen?

Ich schaue mir das Treiben eine Weile an, dann mache ich einen kleinen Spaziergang durch die Portumna Woods, die an diesem schönen Abend auch von zahlreichen anderen Spaziergängern und Radfahrern besucht werden. Verloren gehen könnte ich in diesen <Wäldern> kaum.

Als ich gegen Abend zurückkomme, ist bedingt durch viel Bier und Cider auf den Booten eine wirklich schwungvolle Stimmung aufgekommen. Jeder redet mit jedem, jeder singt mit jedem – leider nicht immer dasselbe Lied. Und nicht jedem ist Gesang gegeben …..

Bei Einbruch der Nacht dürften die Vorräte an Bier und Cider noch lange nicht erschöpft sein, denn der Gesang wird zum Brüllen und das hält bis lange nach Mitternacht an und dringt weit über den See – zu meinem Schlafplatz leider auch.

Was will ich denn? Sagt man nicht, dem geschenkten Gaul schaue man nicht ins Maul und schlafe ich nicht heute zwar schlecht, dafür jedoch sozusagen gratis?

 

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Erstellt am 25. Juni 2004

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